Rainers WM-Ecke: Ariane Hingst mit Selbstbewusstsein

Von am 14. September 2007 – 0.50 Uhr 1 Kommentar

Ariane HingstDas ist typisch Ariane Hingst bei guter Laune. Sie tut alles, was die Medien wollen. Mit ihrer Berliner Schnauze zählt die 134fache Nationalspielerin ohnehin zu den Lieblingen in der Journalistenschar. „Ist mir doch Latte, gegen wen wir im Finale spielen“, ließ sie schon früh verlauten. Selbstbewusst, aber nicht überheblich, liefert sie die Schlagzeilen. Und nach dem 11:0 Auftakt über Argentinien: „Ein bisschen peinlich ist das schon, wenn man so klar gewinnt. Aber wir können nichts dazu, wenn der Gegner so schlecht ist.“ Stimmt.

Am Mittwochnachmittag war Hingst, die im Winter von Turbine Potsdam zu Djurgarden Stockholm nach Schweden gewechselt war und sich dort blendend eingelebt hat, erneut im Mediengespräch und alberte für die Berliner lokale Presse im besonderen. Da klimperte sie auf dem Klavier, obwohl sie es nicht kann. Und die Kollegen freuten sich.

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Bei der WM beginnt das Fieber auch in den Medien spürbar zu steigen und da freut sich jeder über etwas Besonderes im Kasten. Das 11:0 gegen Argentinien blendet umso mehr, nachdem die weiteren drei Spiele des Tages allesamt Remis verliefen. Doch ist für Hingst klar: „Gegen England wird es ein anderes Kaliber geben. Wir haben schon oft gegen England gespielt und eigentlich lief es immer gut. Wir spielen ähnliche Systeme und werden mit unserer Offensivkraft die Engländerinnen in die Rückwärtsbewegung zwingen“, ist die Spielerin aus der zentralen Abwehr zuversichtlich. „Ich habe England gegen Japan am Fernseher gesehen und war nicht wirklich überzeugt von den Engländerinnen.“

Auch Japans Coach Hiroshi Ohashi war nach dem 2:2 enttäuscht. Englands Trainerin Hope Powell stellte fest, dass ihr Team nach dem Rückstand zurück gekommen sei. Aber von den vielen guten Chancen nutzte nur Kelly Smith derer zwei und küsste sogleich ihre Kickstiefel. „Das war mir in der Nacht vorher eingefallen“, meinte sie. Obwohl Ariane Hingst als Spaßvogel gilt, war das ihre Sache nicht. „Wir haben im Team darüber diskutiert. Die meisten fanden das nicht so toll.“

Auch könne sie sich nicht vorstellen, Kelly in Manndeckung zu nehmen. Zumal mit Rachel Yankey und Eniola Aluko noch zwei gefährliche Angreiferinnen mitmischen. „Das würde auch unsere Kette kaputt machen. Wir spielen ganz normal unser System, was wir können“, meint Hingst. „Wir werden durch unseren Trainerstab wieder gut vorbereitet. Ich habe vor dem Spiel keine Bedenken. Gegen England fängt die WM erst richtig an.“ Ähnlich heißt es im englischen Lager. „Deutschland ist ein starkes Team, aber wir gehen in das Spiel wie in jedes andere auch“, ließ Yankey verlauten.

Das 11:0 Rekordspiel zum Auftakt hat derweil die Diskussionen um die Erweiterung des Teilnehmerfeldes von 16 auf 24 angeschoben. Die FIFA sieht es positiv, aber die Kritik ist größer geworden. Selbst FIFA-Boss Sepp Blatter findet solche Ergebnisse nicht gut. Ariane Hingst: „Ich finde es besser, wenn die Spiele ausgeglichen sind.“ DFB-Boss Theo Zwanziger äußerte sich zum Thema im Zusammenhang mit der Bewerbung um das Turnier 2011. „Ich persönlich wäre für acht Stadien, damit viele Regionen etwas von der WM haben. Das würde bedeuten, das wir 24 Teams haben. Ein ausgeglichenes Feld würde allerdings mehr Spannung erzeugen. In Europa gibt es genügend Teams, die stark genug sind, um mitzuhalten.“

Zwanzigers Kritik am Verteilerschlüssel, der bisher nur fünf europäischen Teams die Teilnahme ermöglicht, ist unüberhörbar. Argentiniens Leistung verdammen, wollte der DFB-Präsident dann allerdings auch nicht. „Die haben frühe Gegentore bekomme, hatten offenbar kein Konzept und dann alle Fehler gemacht, die man machen kann. Man sollte da jetzt nicht vorschnell urteilen. Ich sehe natürlich gerne deutsche Tore, aber dennoch bin ich der Meinung, das für uns gegen England die WM erst richtig losgeht.“

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