Profi-Frauenfußball in den USA erst ab 2009
Der Start einer neuen Frauenfußball-Profiliga in den USA bleibt zunächst eine Utopie. In einer umfassenden, fast 2.000 Wörter langen schriftlichen Erklärung versuchten die Organisatoren am heutigen Dienstag zu begründen, warum nun doch nicht wie geplant bereits im Jahr 2008 die Liga mit dem provisorischen Namen Women’s Soccer LLC ins Leben gerufen wird.
Finanziell sei ein Start bereits im kommenden Jahr möglich gewesen, die Teameigentümer hätten sich jedoch aufgrund verschiedener Faktoren, darunter die Frauenfußball-Weltmeisterschaft in China 2007 und die Olympischen Spiele in Peking 2008, dafür entschieden, den Start der Liga zu verschieben. Eine Begründung, die seltsam anmutet.
Die neu ernannte Ligachefin Tonya Antonucci erklärte: „Es ist einfach eine Frage der Vorbereitung und der operativen Bereitschaft. Der Starttermin der Liga wurde sorgfältig abgewägt, da die Teameigentümer sicherstellen wollen, dass diese Liga einen dauerhaften Erfolg haben wird.“
Bereits in den vergangenen Wochen hatten sich die Gerüchte verdichtet, wonach der Start der Liga um ein Jahr verschoben werden soll. Doch die jetzt abgegebene Begründung für die Verschiebung ist an den Haaren herbeigezogen. „Wir wollten nicht, dass unsere neue Liga den Spielerinnen und Fans den Fokus von diesen beiden Großereignissen wegnimmt“, so etwa Michael Stoller von Boston Women’s Soccer, LLC.
Eine erstaunliche Erklärung, waren die Termine der beiden Frauenfußball-Großevents doch seit Jahren bekannt. Ganz im Gegenteil hätte die Frauenfußball-Weltmeisterschaft ursprünglich dazu dienen sollen, die PR-Maschinerie für den im April 2008 geplanten Ligastart in Gang zu setzen.
Sieben Eigentümergesellschaften haben ihre Teilnahme an der Liga bereits zugesagt: AEG L.A. Women’s Soccer, LLC (Los Angeles); Boston Women’s Soccer, LLC (Boston); Chicago Professional Women’s Soccer, LLC (Chicago); Hendricks Investment Holdings, LLC (Washington D.C.); St. Louis United Soccer, LLC (St. Louis); Sky Blue Women’s Soccer, Inc. (New Jersey/New York) und Sting Soccer Group LP (Dallas).
Offenbar ist es Antonucci trotz eines konservativen Geschäftsmodells bisher nicht gelungen, alle beteiligten Gesellschaften von der Rentabilität des Projekts zu überzeugen. Geplant ist aber bereits eine 18-monatige Marketingkampagne, die den Start der Liga im Jahr 2009 vorbereiten soll.
Antonucci, die zweieinhalb Jahre lang als Geschäftsführerin der WSII das Projekt vorangetrieben hat, übernimmt ab sofort die Rolle der Ligachefin. Die ausgezeichnete Fußballspielerin war vor dieser Tätigkeit mehrere Jahre lang als Managerin für Yahoo! Sport unter anderem bei der Frauenfußball-Weltmeisterschaft USA 2003 tätig.
Von der Kompetenz Antonuccis ist man überzeugt: „Ihr Hintergrund in Fußball, Marketing und Führungsrollen macht sie zur idealen Kandidatin, diese Liga durch ihre schwierige Geburts- und Kindheitsphase zu bringen“; sagt etwa Peter Wilt, Geschäftsführer von Chicago Professional Women’s Soccer, LLC.
Spielerinnen fiebern der neuen Liga entgegen
„Ich bin aufregt, dass es 2009 eine neuen Profiliga geben wird“, sagt Abby Wambach. „Mehr Frauen werden sich dann den lang gehegten Traum erfüllen können, Profisportlerin zu sein.“ So diese Liga denn wirklich dann in knapp zwei Jahren das Licht der Welt erblicken wird.
„Seit die WUSA 2001 startete, hat sich viel verändert. Vor allem spielen immer mehr Leute in Amerika Fußball und betrachten sich als Fußballfans”, meint Antonucci, die von einer großen Zukunft des Frauenfußballs träumt: „Unsere Liga wird die weltbesten Athletinnen beherbergen, die das großartigste Spiel der Welt spielen.“
Doch der geringe Zuschauerzuspruch, der der U.S.-Nationalmannschaft in den vergangenen Jahren zuteil wurde, belegt, dass weiterhin eine neue Mia Hamm schmerzlich vermisst wird. Selbst Topspielerinnen wie Wambach haben es bisher nicht geschafft, die Gunst des breiten Publikums zu erobern.
Antonucci ergänzt: „Die neue Liga wird alle notwendigen Schritte unternehmen, um sicherzustellen, dass diese Liga eine feste Einrichtung der nationalen Sportlandschaft wird. Wir erwarten keinen Erfolg über Nacht, aber wir setzen auf langfristiges Wachstum und Profitabilität.“