Anna Blässe und die verlorene Unschuld

Von am 1. September 2007 – 23.07 Uhr 23 Kommentare

Anna BlässeDas monatelange Tauziehen um Stürmerin Anna Blässe hat ein Ende. Die 20-Jährige wechselt für die Rekordablösesumme von 20.000 Euro vom Hamburger SV zum Ligakonkurrenten VfL Wolfsburg und erhält einen Zweijahresvertrag. Was auf den ersten Blick wie ein normaler Vereinswechsel aussehen mag, ist bei genauerem Hinsehen gleich in zweierlei Hinsicht bedeutend.

Zum einen dokumentiert er, wie sich im Frauenfußball nach und nach Tendenzen wie im Männerfußball ausbreiten, wo unterschriebene Verträge – Rafael van der Vaart lässt grüßen – nicht mehr das Papier wert sind, auf dem sie verfasst wurden. Zum anderen zeigt auch das Verhalten des VfL Wolfsburg, wohin die Reise in den nächsten Jahren gehen wird. Der Frauenfußball hat seine Unschuld verloren.

Bis zuletzt versuchten die Verantwortlichen des HSV Blässe für einen Kompromiss zu gewinnen und sie zu überzeugen, wenigstens noch die laufende Saison für die Hanseatinnen zu bestreiten. Dann hätte man sie für die Saison 2008/2009 aus ihrem Vertrag herausgelassen. Doch auch dieser Versuch scheiterte.

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Papier ist geduldig

Ein nicht gerade begeisterter HSV-Trainer Achim Feifel meint gegenüber Womensoccer.de: „Auch im Frauenfußball sind inzwischen überall Berater am Werk, die bei den Vereinswechseln mitkassieren. Und manche Spielerinnen, die vielleicht noch nicht über so eine Persönlichkeit verfügen, sind dann manchmal auch falsch beraten.“

Obwohl sie in Hamburg einen laufenden Vertrag bis 2009 hatte, bat Blässe „aus privaten Gründen“ um die Freigabe. Als der Verein ablehnte, erschien sie nicht mehr zum Training. Dennoch sitzt der Verein am kürzeren Hebel, denn eine unzufriedene, motivationslose Spielerin, die es wegzieht, bringt Unruhe ins Team und hilft sportlich nicht weiter.

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Auch Viola Odebrecht zieht es beim SC 07 Bad Neuenahr bereits kurz nach Vertragsunterschrift wieder weg, Turbine Potsdam soll ganz oben auf der Wunschliste stehen. Und auch hier dürfte es nur eine Frage der Zeit und des Geldes sein, bis die frühere Nationalspielerin wieder im Potsdamer Trikot auflaufen wird.

Rekordablöse

In Wolfsburg freut man sich über die Verstärkung. Trainer Bernd Huneke erklärt: „Ich bin froh, dass beide Vereine sich einigen konnten. Mit Anna Blässe haben wir eine Verstärkung bekommen, die weitere Qualität in unseren Kader bringt. Die Spielerin ist flexibel einsetzbar. Wir sind nun gut aufgestellt.“ Bleibt nur abzuwarten, wie lange bei Blässe die neue Liebe Wolfsburg hält.

20.000 Euro war den Niedersachsen die Verpflichtung letztendlich wert, viel mehr, als man ursprünglich ausgeben wollte. „Natürlich würden wir eine Entschädigung zahlen, aber die muss im Rahmen bleiben“, sagte Huneke noch kürzlich.

Aus der „Entschädigung“ wurde die höchste Ablösesumme, die je im deutschen Frauenfußball gezahlt wurde. Ein erster Anhaltspunkt, wie der Frauenfußball in wenigen Jahren funktionieren wird, wenn immer mehr finanzstarke Großklubs den Sport für sich entdecken werden, um ihn auf lange Sicht als neue Einnahmequelle zu erschließen.

Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

23 Kommentare »

  • Anna-Fan sagt:

    Natürlich kenn ich mich im FF nicht groß aus, aber man muss kein Fussballfan sein, um emotionale Beweggründe zu verstehen. Sie ist nicht dumm, und was wie im Hintergrund abgelaufen ist, darüber können wir wie immer nur mutmaßen.
    Warten wirs ab, was sie dazu sagt 😉

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  • Ruhrschnellweg sagt:

    Ich wiederhole noch mal, was ich an anderer Stelle schrieb: man stelle sich nur vor, die Sache läuft mal umgekehrt: kurz vor Ende der Transferzeit entlässt der verein aus „emotionalen Gründen“ eine Spielerin, die vdann verzweifelt umher irrt – DAS gäbe nen Aufschrei!
    So steht ein Verein da, der mächtig schauen muss, wie er die Liga hält…

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  • Junekieaeffchen sagt:

    Îch kenne Anna noch von frueher als ich mit ihr zusammen gespielt habe in Weimar. Ihr Talent ist echt nicht schlecht. Aba egal…

    Ich meine was wuerdet ihr denn machen wenns euch nicht gefaellt, in euren Betrieb und ihr vll von euren Kollegen nich gemocht werdet? Ploetzlich kommt dann auch noch nen anderes Angebot mit mehr Geldetat… Da wuerdet ihr alle zusehen so schnell wie moeglich da weg zukommen!

    Und so lange wie es keine Strafen dafuer gibt wie oben beschrieben wie zb.: Geldbußen oder Spielverbot egal fuer welchen Verein kann ich Anna da gut verstehen. Nur sollte man die Strafen auch dann wirklich Einfuehren, sonst wuerde der Sport irgendwann in die falsche Richtung laufen. Also ich wuerde Anna da keinen Vorwurf machen weil ihr alle so gehandelt haettet und wer mir erzaehlen will dass er es nich machen wuerde.. na hallo! Fuer mehr Geld und besseres Umfeld, denkt mal drueber nach!

    Sry fuer die Rechtschreibfeher aba das find ich in Foren nich so wichtig 😉

    Bis bald der Benny

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