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2007

A-Natio: Noch drei Würfel müssen fallen

Es ist jetzt, 13 Tage vor dem WM-Eröffnungsspiel gegen Argentinien, die Zeit der Entscheidungen, die beim morgigen letzten Testspiel vor den Welttitelkämpfen in China gegen Norwegen um 15.55 Uhr in Mainz (live im ZDF) ihren Höhepunkt erreichen wird. Gegen die Nummer vier der Welt steht der Titelverteidiger vor einem echten Härtetest, von dem sich Bundestrainerin Silvia Neid die letzten Erkenntnisse für das Gesicht ihrer Startelf gegen Argentinien erhofft.

“Das Spiel ist ein echter Knüller. Wir haben uns für diesen Termin ganz gezielt einen starken Gegner ausgesucht. Wir wollen vor der WM noch einmal eine Standortbestimmung haben”, macht Neid klar, welch große Bedeutung sie dem Aufeinandertreffen der beiden EM-Finalisten von 2005 beimisst.

Den Konkurrenten Respekt einflößen

Einerseits bietet sich die Chance, den WM-Konkurrenten mit einem überzeugenden Spiel Respekt einzuflößen, nachdem die zuletzt guten Ergebnisse in der EM-Qualifikation sowie in den Tests gegen Dänemark und Tschechien noch nicht alle Zweifel beseitigen konnten, die das magere Abschneiden beim Algarve Cup aufwarf.

So manche, die das Geschehen im deutschen Frauenfußball von außen beobachten, fragen sich daher noch, ob die Deutschen an ihre Leistungen aus den letzten Turnieren werden anknüpfen können und wie schwer beispielsweise der Torwartwechsel von Silke Rottenberg zu Nadine Angerer wiegt.

Nicht nur die Norwegerinnen , die seit dem Testspiel in den USA am 14. Juli (0:1) kein Spiel mehr bestritten, stehen also unter Beobachtung. Auch über die Form der Neid-Elf erhoffen sich die Frauenfußball-Beobachter weltweit letzte wichtige Aufschlüsse.

Neid will Startelf für WM-Auftakt testen

Neben der Imagepflege, die sich aus einem positiven sportlichen Verlauf quasi nebenbei ergeben soll, steht für die Bundestrainerin aber vor allem die Frage nach der Startaufstellung für den 10. September im Vordergrund. Wenn die 21 Nationalspielerinnen vor dem Abflug nach China nach dem morgigen Spiel noch einmal für drei Tage in den Heimaturlaub entlassen werden, will Neid Klarheit haben, wem sie für das WM-Auftaktmatch das größte Vertrauen schenken kann.

“Wenn es möglich ist und alle fit sind, möchte ich mit der Elf starten, die dann auch im ersten WM-Spiel anfangen wird. Für das WM-Eröffnungsspiel sind noch drei Positionen offen. Ansonsten steht die Elf”, macht die 111-fache Nationalspielerin unmissverständlich klar, dass das morgige Match die letzte Gelegenheit sein wird, sich zu präsentieren. Renate Lingor (Bänderdehnung im Knie), Sandra Smisek (Oberschenkelverhärtung), Linda Bresonik (Adduktorenblessur) und Martina Müller (Rippenprellung) plagen sich allerdings noch mit kleineren Wehwehchen.

Um welche drei offenen Positionen es dabei geht, ist nicht schwer zu erraten. “Die linke Verteidigerposition, ein Platz im defensiven Mittelfeld und die zweite Stürmerstelle”, vermutet die dpa . Dito, das sollten sie sein, die vakanten Positionen. Für Nadine Angerer im Tor hat sich Silvia Neid bereits vor einigen Wochen entschieden . Kerstin Stegemann rechts in der Abwehr, Ariane Hingst und Sandra Minnert in der Innenverteidigung, Kerstin Garefrekes im rechten Mittelfeld, Renate Lingor im zentralen defensiven Mittelfeld, Melanie Behringer im linken Mittelfeld und Birgit Prinz im Sturm sollten ihren Platz sicher haben.

Sechs erfahrene Spielerinnen also. Und ein Neuling: Melanie Behringer. Doch an ihre Leistungen im linken Mittelfeld reichte zuletzt niemand auch nur annähernd heran. Gegen die Schweiz punktete sie zudem mit zwei mehr als sehenswerten Treffern , beweist immer wieder ihre Torgefahr. “Sie hat sich wirklich alles, was sie jetzt kann, hart erarbeitet und da kann ich nur sagen: Hut ab! Solche Spielerinnen mag ich natürlich, die so einen Willen haben, sich durchzusetzen, obwohl sie nicht alles in die Wiege gelegt bekommen haben”, geriet Neid kürzlich im Gespräch mit der “Badischen Zeitung” regelrecht ins Schwärmen.

Bresonik, Laudehr und Smisek mit besten Karten

Bleiben also die drei genannten Positionen. Linda Bresonik, der die Trainerin gegen die Schweiz von Beginn an das Vertrauen schenkte, und die eingewechselten Saskia Bartusiak und Sonja Fuss “kloppen” sich um die Position auf der linken Abwehrseite, bei der sich Neid zur Überraschung vieler schon bei der Nominierung des WM-Kaders gegen die Münchnerin Bianca Rech entschied . Bresonik, dank ihrer Flexibilität auch eine Option für das Mittelfeld, dürfte hier die Nase vorne haben.

Im zentralen defensiven Mittelfeld nahm Frischling Simone Laudehr in den letzten drei Partien den Platz neben Renate Lingor ein und machte ihre Sache mehr als gut. Nicht wenige Beobachter fordern daher, im defensiven Mittelfeld eher über die Aufstellung Lingors und nicht über die Laudehrs nachzudenken. Eine nicht ganz abwegige Forderung, jedoch mehr als unwahrscheinlich, dass Neid die 21-jährige Simone Laudehr ohne eine erfahrene Partnerin in die Startelf aufnehmen wird. Fatmire Bajramaj etwa ist mit ihren sieben Länderspielen auch alles andere als ein alter Hase.

Viel Flexibilität im Angriff

Auf Erfahrung pur kann das Trainerteam im Angriff bauen. Sowohl Sandra Smisek, die gegen die Schweiz neben Prinz auflief, als auch Martina Müller und Anja Mittag (trotz ihrer erst 22 Jahre mit viel internationaler Erfahrung in Jugendnationalteams, UEFA-Cup und bei der EM 2005) stehen nicht vor ihrem ersten großen Turnier.

So darf sich Neid über den Luxus freuen, im Sturm variabel auf den jeweiligen Gegner reagieren zu können. Auch die für das Mittelfeld nominierte Petra Wimbersky, in ihren Vereinen nahezu ausnahmslos als Stürmerin aufgeboten, kommt in Frage. Da die 43-jährige Cheftrainerin Norwegen eine ähnliche Spielweise wie den Argentinierinnen attestiert, wird viel davon abhängen, wie sich die morgige Sturmpartnerin von Prinz präsentieren kann.

Auf einem anderen Spielfeld, dem finanziellen nämlich, sind dagegen schon alle Würfel gefallen. Gestern gab der DFB seine Prämienregelung für die WM-Teilnehmerinnen bekannt . Jeweils 50.000 Euro bekämen die Spielerinnen für den WM-Titel. Außerdem sieht die Staffelung 5000 Euro pro Spielerin bei Erreichen des Viertelfinals, 20.000 Euro bei einem Einzug ins Halbfinale, 27.000 Euro für Platz drei und 35.000 Euro für die Vizeweltmeisterschaft vor.