A-Natio: Noch drei Würfel müssen fallen

Von am 29. August 2007 – 15.15 Uhr 10 Kommentare

Silvia Neid fehlen noch drei Namen für die StartelfEs ist jetzt, 13 Tage vor dem WM-Eröffnungsspiel gegen Argentinien, die Zeit der Entscheidungen, die beim morgigen letzten Testspiel vor den Welttitelkämpfen in China gegen Norwegen um 15.55 Uhr in Mainz (live im ZDF) ihren Höhepunkt erreichen wird. Gegen die Nummer vier der Welt steht der Titelverteidiger vor einem echten Härtetest, von dem sich Bundestrainerin Silvia Neid die letzten Erkenntnisse für das Gesicht ihrer Startelf gegen Argentinien erhofft.

„Das Spiel ist ein echter Knüller. Wir haben uns für diesen Termin ganz gezielt einen starken Gegner ausgesucht. Wir wollen vor der WM noch einmal eine Standortbestimmung haben“, macht Neid klar, welch große Bedeutung sie dem Aufeinandertreffen der beiden EM-Finalisten von 2005 beimisst.

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Den Konkurrenten Respekt einflößen

Einerseits bietet sich die Chance, den WM-Konkurrenten mit einem überzeugenden Spiel Respekt einzuflößen, nachdem die zuletzt guten Ergebnisse in der EM-Qualifikation sowie in den Tests gegen Dänemark und Tschechien noch nicht alle Zweifel beseitigen konnten, die das magere Abschneiden beim Algarve Cup aufwarf.

So manche, die das Geschehen im deutschen Frauenfußball von außen beobachten, fragen sich daher noch, ob die Deutschen an ihre Leistungen aus den letzten Turnieren werden anknüpfen können und wie schwer beispielsweise der Torwartwechsel von Silke Rottenberg zu Nadine Angerer wiegt.

Nicht nur die Norwegerinnen, die seit dem Testspiel in den USA am 14. Juli (0:1) kein Spiel mehr bestritten, stehen also unter Beobachtung. Auch über die Form der Neid-Elf erhoffen sich die Frauenfußball-Beobachter weltweit letzte wichtige Aufschlüsse.

Neid will Startelf für WM-Auftakt testen

Neben der Imagepflege, die sich aus einem positiven sportlichen Verlauf quasi nebenbei ergeben soll, steht für die Bundestrainerin aber vor allem die Frage nach der Startaufstellung für den 10. September im Vordergrund. Wenn die 21 Nationalspielerinnen vor dem Abflug nach China nach dem morgigen Spiel noch einmal für drei Tage in den Heimaturlaub entlassen werden, will Neid Klarheit haben, wem sie für das WM-Auftaktmatch das größte Vertrauen schenken kann.

„Wenn es möglich ist und alle fit sind, möchte ich mit der Elf starten, die dann auch im ersten WM-Spiel anfangen wird. Für das WM-Eröffnungsspiel sind noch drei Positionen offen. Ansonsten steht die Elf“, macht die 111-fache Nationalspielerin unmissverständlich klar, dass das morgige Match die letzte Gelegenheit sein wird, sich zu präsentieren. Renate Lingor (Bänderdehnung im Knie), Sandra Smisek (Oberschenkelverhärtung), Linda Bresonik (Adduktorenblessur) und Martina Müller (Rippenprellung) plagen sich allerdings noch mit kleineren Wehwehchen.

Drei Plätze noch offen

Melanie Behringer ist die Senkrechtstarterin im deutschen TeanUm welche drei offenen Positionen es dabei geht, ist nicht schwer zu erraten. „Die linke Verteidigerposition, ein Platz im defensiven Mittelfeld und die zweite Stürmerstelle“, vermutet die dpa. Dito, das sollten sie sein, die vakanten Positionen. Für Nadine Angerer im Tor hat sich Silvia Neid bereits vor einigen Wochen entschieden. Kerstin Stegemann rechts in der Abwehr, Ariane Hingst und Sandra Minnert in der Innenverteidigung, Kerstin Garefrekes im rechten Mittelfeld, Renate Lingor im zentralen defensiven Mittelfeld, Melanie Behringer im linken Mittelfeld und Birgit Prinz im Sturm sollten ihren Platz sicher haben.

Sechs erfahrene Spielerinnen also. Und ein Neuling: Melanie Behringer. Doch an ihre Leistungen im linken Mittelfeld reichte zuletzt niemand auch nur annähernd heran. Gegen die Schweiz punktete sie zudem mit zwei mehr als sehenswerten Treffern, beweist immer wieder ihre Torgefahr. „Sie hat sich wirklich alles, was sie jetzt kann, hart erarbeitet und da kann ich nur sagen: Hut ab! Solche Spielerinnen mag ich natürlich, die so einen Willen haben, sich durchzusetzen, obwohl sie nicht alles in die Wiege gelegt bekommen haben“, geriet Neid kürzlich im Gespräch mit der „Badischen Zeitung“ regelrecht ins Schwärmen.

Bresonik, Laudehr und Smisek mit besten Karten

Bleiben also die drei genannten Positionen. Linda Bresonik, der die Trainerin gegen die Schweiz von Beginn an das Vertrauen schenkte, und die eingewechselten Saskia Bartusiak und Sonja Fuss „kloppen“ sich um die Position auf der linken Abwehrseite, bei der sich Neid zur Überraschung vieler schon bei der Nominierung des WM-Kaders gegen die Münchnerin Bianca Rech entschied. Bresonik, dank ihrer Flexibilität auch eine Option für das Mittelfeld, dürfte hier die Nase vorne haben.

Im zentralen defensiven Mittelfeld nahm Frischling Simone Laudehr in den letzten drei Partien den Platz neben Renate Lingor ein und machte ihre Sache mehr als gut. Nicht wenige Beobachter fordern daher, im defensiven Mittelfeld eher über die Aufstellung Lingors und nicht über die Laudehrs nachzudenken. Eine nicht ganz abwegige Forderung, jedoch mehr als unwahrscheinlich, dass Neid die 21-jährige Simone Laudehr ohne eine erfahrene Partnerin in die Startelf aufnehmen wird. Fatmire Bajramaj etwa ist mit ihren sieben Länderspielen auch alles andere als ein alter Hase.

Viel Flexibilität im Angriff

Auf Erfahrung pur kann das Trainerteam im Angriff bauen. Sowohl Sandra Smisek, die gegen die Schweiz neben Prinz auflief, als auch Martina Müller und Anja Mittag (trotz ihrer erst 22 Jahre mit viel internationaler Erfahrung in Jugendnationalteams, UEFA-Cup und bei der EM 2005) stehen nicht vor ihrem ersten großen Turnier.

DFB-Präsident Theo Zwanziger schlug die WM-Prämie von 50.000 Euro vorSo darf sich Neid über den Luxus freuen, im Sturm variabel auf den jeweiligen Gegner reagieren zu können. Auch die für das Mittelfeld nominierte Petra Wimbersky, in ihren Vereinen nahezu ausnahmslos als Stürmerin aufgeboten, kommt in Frage. Da die 43-jährige Cheftrainerin Norwegen eine ähnliche Spielweise wie den Argentinierinnen attestiert, wird viel davon abhängen, wie sich die morgige Sturmpartnerin von Prinz präsentieren kann.

50.000 Euro für WM-Titel

Auf einem anderen Spielfeld, dem finanziellen nämlich, sind dagegen schon alle Würfel gefallen. Gestern gab der DFB seine Prämienregelung für die WM-Teilnehmerinnen bekannt. Jeweils 50.000 Euro bekämen die Spielerinnen für den WM-Titel. Außerdem sieht die Staffelung 5000 Euro pro Spielerin bei Erreichen des Viertelfinals, 20.000 Euro bei einem Einzug ins Halbfinale, 27.000 Euro für Platz drei und 35.000 Euro für die Vizeweltmeisterschaft vor.

10 Kommentare »

  • Crackfly sagt:

    Simone Laudehrs Einsatz ist ebenso noch fraglich.

    Ich persönlich würde immer noch bevorzugen, dass man Lingor raus schmeißt und im defensiven Mittelfeld Bresonik und Laudehr bringt. Linda hat immerhin auch schon einiges an Erfahrung, und das in ihrem Alter. Ich denke, das ist die beste Lösung. Zumal Simone ja nun (auch wenn es nicht so ganz starke Gegner waren) wirklich gezeigt hat, dass man auch international auf sie bauen kann. Laudehr ofensiver und Bresonik defensiver. Fertig!

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  • Antje sagt:

    @Crackfly: Ich sehe das ähnlich wie du, nicht nur weil weil ich ein riesen Fan von Linda bin, sondern weil sie auch anhand ihrer Leistung in den ganzen Vorbereitungs bzw. Testspielen gezeigt hat, dass sie nicht „nur“ defensiv agiert sondern auch mal mit ihren Vorstößen und Schüssen aus der 2. Reihe für Gefahr sorgt. Dennoch denke ich, dass man auf Lingor nicht verzichten kann. Bestimmt könnte Laudehr oder Bresonik sie gut ersetzten, aber ich denke, dass Lingor eine Spielerin ist, die die Jüngeren, die zum ersten mal an solch einem großen Turnier teilnehmen, einfach auch menschlich immer über Wasser bzw. am Boden hält 😉

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  • Crackfly sagt:

    Kann schon sein… aber das braucht man ja eher im Training, in der Freizeit, aber nicht im Spiel. Ich sag ja gar nicht, dass Lingor überhaupt nicht mitfahren soll. Ich denke nur, dass, wenn sie jetzt immer noch NUR bei 70 % ist, wird es bei der WM nicht mehr sein. Und ne Lingor mit 70% ist nun mal keine Laudehr oder Bresonik mit 100%.

    Auch Rotti wurde von Neid u. a. für die Moral mitgenommen.

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  • Antje B. sagt:

    Ja klar da hast du recht, wenn Lingor aufgrund ihres Alters oder was auch immer nur 70 % bringen kann dann sollten man lieber Bresonik oder Laudehr spielen lassen. Sry ich dachte du meintest, dass Lingor gar nicht nach China mitfahren sollte 😉

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  • Katja Öhlschläger sagt:

    Simone Laudehr (Oberschenkelverletzung) und Linda Bresonik (Adduktorenprobleme) werden morgen definitiv ausfallen, wie fussball.de berichtet.

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  • Detlef sagt:

    Also ich glaube nicht, dass irgendwer die „Torwartfrage“ stellen wird!!!
    NADZE hat wohl mehr als einmal gezeigt, dass sie sowohl national, als auch international eine ganz große ist!!!
    Zu Frau Lingor sage ich nichts mehr, hoffe aber, dass sie (außer dem Gegner) niemandem im Wege rumsteht!!!
    Linda, Simone und Melly sind sicher für die Startelf gesetzt, wenn sie denn fit sind!!!
    Die größte Frage wird sicher im Angriff stehen, wer neben Prinz und PIWI die dritte Spitze bildet!!! Hier hat sicher Smy die Nase leicht vorn, aber auch Lira und Martina werden zum Einsatz kommen!!!
    Das große Fragezeichen ist und bleibt ANJA!!! Kann sie ihre Torflaute in China beenden, bzw bekommt sie überhaupt die Chance dazu???
    In der Abwehr ist allenfalls die linke Außenposition noch fraglich!!!
    Ob SONJA, BABETT oder Saskia zum Einsatz kommen werden, wird sicher auch der Gegner mit bestimmen!!!

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  • Antje B. sagt:

    @Detlef: Wegen Torwartefrage hast du 100%ig Recht! Nadze hat in der Bundesliga schon oft gezeigt was sie kann. Ich denke die Situation ist ähnlich wie die der Herren bei der WM 2006 mit Kahn und Lehmann! Damals gab es auch viele Kritiker, dennoch sollte man nicht immer an den „Traditionen“ festhalten, sondern Neues ausprobieren.
    Ich denke, dass sich Silke und Nadze nichts nehmen, außer vielleicht den Altersunterschied 😉
    Was Anja betrifft denke ich, dass sie sich einfach zu sehr unter Druck setzt. Einer Stürmerin kann ja nur auf sich aufmerksam machen, indem sie Tore schießt und meiner Meinung nach versucht Anja das einfach zu „krampfhaft“.

    PS: Danke für die Info Katja 🙂

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  • Katja Öhlschläger sagt:

    @ Detlef

    Bei den Torfrauen ging es mir um die Einschätzung der Frauenfußball-Fans außerhalb Deutschlands. Da war und ist der Name Rottenberg verständlicher Weise verbunden mit hervorragenden Leistungen bei großen Turnieren und in entscheidenden Spielen. Rottenberg ist allen ein Begriff und wer den UEFA-Cup nicht verfolgt, kann mit dem Namen Nadine Angerer vielleicht (noch) nicht so viel anfangen. Insofern ist es nach vielen Jahren mit Rottenberg im Kasten, was sich bewährt hat, schon ein Umbruch, der für manchen Fragezeichen aufwirft.

    Wir in Deutschland, die eine ganz anderen Basis haben, die Fähigkeiten von Rottenberg und Angerer zu beurteilen, haben da vermutlich weniger Bedenken. Und dass sich das auch über die deutschen Grenzen hinweg rumspricht, dazu kann Nadine Angerer ab dem 10. September ja auch ihren Teil beitragen. 😉

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  • Detlef sagt:

    @Katja,
    NADZE hat nicht nur in der NATIO auf sich aufmerksam gemacht!!!
    Sie hat mit TURBINE im UEFA-Cup in Russland, Norwegen, Schweden, Frankreich, Island, Holland und Dänemark gespielt!!!
    Dort waren auch Mannschaften aus Österreich, Belgien, Italien und Tschechien anwesend!!! Es gibt also doch ein paar FF-Fans zumindest in Europa, die NADZES Leistung einigermaßen einschätzen können!!!
    Und wenn die Fachleute lesen, dass Rottenberg lange verletzt war und immer noch ist, WARUM sollten sie sich darüber wundern, dass Frau Neid eine andere zur Nummer EINS macht???
    Es wäre eher fatal, wenn in einer FF-Nation wie Deutschland, keine andere gute Torfrau zur Stelle wär!!! Viele guten FF-Mannschaften, haben mindestens zwei gute Torfrauen!!! Scurry und Solo in den USA, Jöhnson und Lindahl in Schweden, ANGERER und Rotti in Deutschland!!!

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  • Markus Juchem sagt:

    Jetzt sind es offenbar nur noch zwei Würfel 😉

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Bundesliga 2019/20
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