WM-Gruppenanalyse: Gruppe B
In Teil 2 unserer WM-Gruppenanalyse (Teil 1) widmen wir uns heute Gruppe B, in der WM-Topfavorit USA (im Bild: Carli Lloyd), Vizeweltmeister Schweden, Afrikameister Nigeria und das aufstrebende Team im asiatischen Frauenfußball, Nordkorea, um zwei Plätze für das Viertelfinale streiten. Vertreten sind damit der Erste der Weltrangliste (USA), der Dritte (Schweden) und der Fünfte (Nordkorea). Eine Konstellation, die den Schwedinnen nach den herben Rückschlägen der letzten Wochen, in denen gleich drei fest eingeplante Spielerinnen ihren verletzungsbedingten Verzicht erklären musste, den Angstschweiß auf die Stirn treiben dürfte.
Großes Verletzungspech beim Vizeweltmeister
Nachdem die “Tre Kronors” zu Beginn des Jahres den Kreuzbandriss von Torfrau Hedvig Lindahl und das Karriereende der langjährigen Spielführerin Malin Moström verkraften mussten, reiht sich nun seit einigen Wochen eine Verletzung an die nächste. Erst riss sich Josefine Öqvist das Kreuzband , dann zog sich Torfrau Caroline Jönsson einen Monat später die selbe Verletzung zu wie Monate zuvor Kollegin Lindahl. Lindahl feierte zwar bereits ihr Comeback , doch die Spielpraxis gegen starke Gegner fehlt ihr noch.
Zu allem Überfluss steht auch hinter dem Einsatz und der körperlichen Verfassung von Top-Stürmerin Hanna Ljungberg, mal wieder vor einem Highlight, ein großes Fragezeichen .
Die Vorbereitungsspiele der Schwedinnen haben nur begrenzte Aussagekraft. Zuletzt gab es Siege gegen Rumänien, Italien und Ungarn - alles keine Hochkaräter mit WM-Niveau. Da in der schwedischen Liga noch bis zum 19. August Spiele stattfinden, gestaltete sich die gemeinsame Vorbereitung schwierig. Umso wichtiger sollte dann am 30. August der letzte Test gegen Dänemark werden. Hoffentlich ohne weitere Verletzte.
Der Einzug ins Viertelfinale sollte für die USA ein Selbstläufer sein
Probleme, an die der WM-Favorit Nr. 1 aus den USA keine Gedanken verschwenden muss. Zwar laboriert Mittelfeldstrategin Aly Wagner noch an einer Schulterverletzung, doch sonst sind alle Spielerinnen fit. Nach 45 Spielen ohne Niederlage unter der Ägide von Trainer Greg Ryan ist das Selbstvertrauen ins Unermessliche gewachsen, doch auch die Erfahrung sollte gegeben sein, um daraus keine Arroganz entstehen zu lassen. 12 der 21 Spielerinnen bestreiten ihre erste WM, für etablierte Kräfte wie Kristine Lilly und Briana Scurry wird es die fünfte bzw. vierte WM. Da passt die Mischung.
Passend waren auch die Testspielergebnisse diesen Jahres. Gleich gegen neun WM-Teilnehmer trat der Weltranglistenerste an, und wies sie reihenweise in die Schranken. Gegen WM-Mitfavoriten wie Norwegen (1:0), Deutschland (0:0), Schweden (3:2) oder Brasilien (2:0), Gastgeber China (2:0 und 2:1) und Neuseeland (6:1) gab es insgesamt acht Siege und zwei Unentschieden. Die starke Offensive um Rekordnationalspielerin Kristine Lilly und Goalgetterin Abby Wambach ist gefürchtet, einzig die Abwehr gilt als kleiner Schwachpunkt. Dennoch wird am Einzug der USA ins WM-Viertelfinale kein Weg vorbei führen.
Nordkorea als große Unbekannte
An den USA sollten sich die Schwedinnen nicht messen lassen, ihr Augenmerk muss Nigeria und Nordkorea gelten. Wie auch Japan (siehe Analyse 1) gelang der Truppe um Top-Stürmerin Ri Kum Suk bereits die vorzeitige Olympia-Qualifikation. Sowohl Bundestrainerin Silvia Neid als auch die norwegische Nationalspielerin Ingvild Stensland zählen die Asiatinnen zum engeren Favoritenkreis.
Doch was kann für einen überhaupt die Grundlage bilden, das Potenzial und die Form der Nordkoreanerinnen einzuschätzen? Siege wie das 6:0 gegen Taiwan und das 19:0 gegen Hongkong sicherlich nicht. Eher schon die beiden 2:0-Siege gegen Australien im Rahmen der Olympia-Qualifikation. Australien, das erst seit kurzem der asiatischen Konföderation angehört, muss damit bei Olympia in Peking zuschauen. Oder die 0:1-Niederlage im Halbfinale der Asien-Meisterschaft 2006 gegen China und den 3:2-Sieg gegen Japan im Spiel um Platz drei.
Doch weitere Vergleiche mit WM-Teilnehmern in diesem Jahr fehlen, Nordkorea ist daher die große Unbekannte bei dieser WM. Zu was der nordkoreanische Frauenfußball aber schon fähig ist, zeigte im letzten Jahr die U20-Weltmeisterschaft in Russland. Damals gewannen die Asiatinnen wie Phönix aus der Asche die Welttitelkämpfe und ließen auch Titelverteidiger Deutschland beim 2:0 in der Vorrunde mächtig alt aussehen. Einige der Spielerinnen, die in Russland dabei waren, dürften auch nach China fahren. Doch wie ist es um ihre Wettbewerbsfähigkeit gegen die Top-Teams des Weltfußballs bestellt? Wir warten gespannt, was die Wundertüte zu bieten hat.
Nigeria mit Licht und Schatten in der Vorbereitung
Ein weiterer WM-Dauerteilnehmer ist Afrikameister Nigeria. Die “Super Falcons” bestechen durch ihre brillante Technik und haben in Cynthia Uwak, Maureen Mmadu, Faith Ikidi und Perpetua Nkwocha vier Spielerinnen in ihren Reihen, die in der schwedischen Liga Erfahrungen gesammelt haben und dort auch noch aktiv sind. Zuletzt gewannen die Nigerianerinnen die All African Games in Algier und fuhren überzeugenden Siege gegen Südafrika (4:0 und 5:0) ein. Doch im Juni stand diesem Erfolg eine überraschende 0:1-Niederlage gegen Algerien und kürzliche eine 0:1-Niederlage gegen Ghana gegenüber.
Kein Wunder, dass auch die Aussagen der Beteiligten unterschiedlicher kaum sein könnten. „Wir haben große Ziele für die Weltmeisterschaft. Wir sind nach vier Teilnahmen erfahren genug, um etwas Großes zu leisten“, sagt Spielführerin Kikelomo Ajayi. Eine sehr optimistische Aussage, die sich mit denen von Uwak und Nkwocha deckt .
Wesentlich pessimistischer klang noch wenige Wochen zuvor Trainer Effiom Ntieri, der die mangelnde Unterstützung des Verbandes in der Vorbereitung beklagte. “Es fällt mir schwer, zu sagen, dass Nigeria bei der WM in China für eine Überraschung sorgen wird, wenn man so wenig finanzielle Mittel für die Vorbereitung des Teams locker macht”, meinte er Anfang Juli . Doch umso höher sind damit die guten Ergebnisse bei den All African Games einzuschätzen. Ein Kandidat für das Viertelfinale ist Nigeria damit allemal.
- USA 2. Schweden 3. Nigeria 4. Nordkorea
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