Und jährlich grüßt Birgit Prinz

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Deutschlands Sportjournalisten haben also wieder einmal gewählt. Und zwar nicht irgendeine, sondern Birgit Prinz, die Stürmerin des 1. FFC Frankfurt und dreifache FIFA-Weltfußballerin. Zum siebten Mal in Folge wurde Prinz zur „Fußballerin des Jahres“ in Deutschland gekürt. Mit über 300 Punkten Vorsprung auf ihre Teamkolleginnen Renate Lingor und Steffi Jones auf den Plätzen zwei und drei.

Da will ich Euch doch eine kleine Anekdote nicht vorenthalten, die, ohne die Leistung von Prinz schmälern zu wollen, wieder einmal das ganze Dilemma der Abstimmung zur „Fußballerin des Jahres“ offenbart.

Der klare Abstand, mit dem Prinz auch dieses Jahr gewonnen hat, wundert mich spätestens seit dem Anruf eines befreundeten Journalisten vorige Woche nicht mehr. „Du kennst Dich doch mit Frauenfußball aus, oder?“, eröffnete er das Telefongespräch, um gleich die zweite Frage hinterher zu schieben: „War Birgit Prinz gut in der letzten Saison?“

Die Crux der Abstimmung

Ich sagte ihm meine persönliche Meinung (die ich Euch natürlich vorenthalte, um unsere Wahl zur „Spielerin der Saison“ nicht zu beeinflussen) und er antwortete: „Ich kenne nämlich keine andere und muss hier so einen Abstimmungsbogen ausfüllen.“ Zwar keine Ahnung, aber immerhin ehrlich. Wie diesem dürfte es auch so manch anderem Journalisten bei der Wahl zur Fußballerin des Jahres gegangen sein.

Die Problematik ist sicherlich nicht neu, doch sie zeigt eindrücklich einmal mehr, dass das Ziel, im Frauenfußball neue Idole und Aushängeschilder zu schaffen, bisher fehlgeschlagen ist. Da sind vereinzelte Versuche, wie etwa die Auslosung zum DFB-Pokal durch Nationalspielerinnen zwar ein gut gemeinter Anfang (wie etwa Annike Krahn am kommenden Sonntag), dennoch aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Ohne Konkurrenz

Nach Birgit Prinz kommt in der öffentlichen Wahrnehmung immer noch lange nichts. Die Plätze zwei und drei belegen Spielerinnen, die, wie im Falle von Lingor, auch noch immer von der erfolgreichen WM 2003 und dem dritten Platz bei der Wahl zur FIFA-Weltfußballerin des Jahres im vergangenen Dezember profitieren, oder wie Jones, die auch abseits des Platzes durch ihr soziales Engagement für positive Schlagzeilen sorgt.

Und so ist es nicht unwahrscheinlich, dass Birgit Prinz auch in den kommenden Jahren Abstimmungen dieser Art gewinnen wird, bis sie einmal in den fußballerischen Ruhestand geht. Dennoch ist es richtig und wichtig, dass es diese Wahlen gibt, denn sie geben dem Frauenfußball immerhin einen gewissen Aufmerksamkeitswert.

Über den Wahlmodus lässt sich wie bei der FIFA-Wahl trefflich streiten. Eine Patentlösung gibt es sicherlich nicht, eine verstärkte Berichterstattung in den Medien wäre aber sicherlich ein hilfreicher Schritt in die richtige Richtung.

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Lucy
Lucy

Tolle Überschrift… 😉 🙂

schmidt
schmidt

Wen erinnert es auch an Wilhelm Tell? Ich verstehe Ihre Überschrift „Und jährlich grüßt Birgit Prinz“ in Verbindung mit dem Inhalt Ihres Artikels als Ironie und erinnert mich an Wilhelm Tell, der einen Stock grüßt. Wären ihre Kollegen über ihren Artikel begeistert oder verbittert? Wenn Sie eine telefonische Anfrage eines Kollegen einseitig auf alle Wahlbeteiligte übertragen wollen, handeln Sie problematisch oder fahrlässig oder unüberlegt oder frustriert! Genau genommen müssten Sie Herr Juchem entsprechend genauso bei den aktuellen womensoccer Umfragen in Ihren Artikeln mit der gleichen Kritik aufwarten. Wer schießt denn schon sich selbst ins eigene Knie! Oder geht es Ihnen… Weiterlesen »

Markus Juchem
Markus Juchem

Ich schrieb „… dürfte es auch so manch anderem Journalisten bei der Wahl zur Fußballerin des Jahres gegangen sein.“ Wie Sie aus „manch anderem Journalisten“ zur verzerrenden Deutung „alle Wahlbeteiligte“ kommen, ist mir schleierhaft. Wie ich schon in verschiedenen Kommentaren geschrieben habe, haben wir uns die Kritik an den Umfragen auf Womensoccer.de zu Herzen genommen, und werden uns für die Zukunft Gedanken über eine Optimierung machen. Unabhängig davon ging es mir in diesem Beitrag nicht darum, meine Journalistenkollegen an den Pranger zu stellen, sondern anhand eines konkreten aktuellen Beispiels auf das Manko hinzuweisen, dass den Sportjournalisten und auch der Öffentlichkeit… Weiterlesen »

Rainer
Rainer

Ich finde den Artikel von Markus völlig ok. Er hat keinesfalls auf ALLE Sportjournalisten geschlossen. Dass deutschen (wie schwedischen) Sportjournalisten im Allgemeinen nur wenige Frauen bekannt sein dürften, die in den höchsten Ligen Fussball spielen, ist recht unzweifelhaft. Und Birgit Prinz ist auch der Name der meinen Bekannten und Freunden am schnellsten über die Lippen kommt. Danach meist Schweigen im Walde. In Schweden hat sich der Fussballverband Svenska Fotbollsförbundet jetzt etwas Medienwirksames ausgedacht. Nächste Woche Dienstag wird Nationaltrainer Thomas Dennerby seine 21 Spielerinnen für die WM live auf dem Stockholmer Hauptbahnhof bekanntgeben. Die Nominierungen werden auf TV4 von 18.20 –… Weiterlesen »

schmidt
schmidt

Also ganz eine Hommage
an die „jährlich grüßende Birgit Prinz“, an die aufgeklärten und informierten Journalisten und an die Leser von Womensoccer und kein Spott und keine versteckte Ironie.

Markus Juchem
Markus Juchem

Ironie ja, Spott nein. Ich will nicht die Leistung von Birgit Prinz schmälern. Aber mal ehrlich: Selbst wenn sie die kommende Bundesligasaison gar nicht spielen würde, würde sie vermutlich bei der nächsten Wahl unter die Top 3 kommen (wenn nicht sogar gewinnen)…

Andre080582
Andre080582

Vielleicht sollte einfach der Abstimmungsmodus geändert werden… es würde zwar den zeitlichen Aufwand erhöhen, aber wenn nur Jorunalisten angeschrieben werden, die sich wirklich im Frauenfußball auskennen und regelmäßig damit beschäftigen.

Oder unter den „Wahlberechtigten“ sollte der Mut zur Enthaltung gefördert werden. Wer sich nicht mit gewissen Themen auskennt, sollte auf seine Stimme verzichten…

Das durchzusetzen, scheint mir jedoch kaum möglich

Boris
Boris

Also für mich hört sich der Titel eher wie eine Hommage an den Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“ an. Egal was man macht (oder in diesem Fall egal wie gut Birgit Prinz in der letzten Saison war), es passiert immer das gleiche