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2007

Warum der WM in China ein Zuschauerfiasko droht

Frankfurts Manager Siegfried Dietrich mochte im Januar beim Vier-Nationen-Turnier im südchinesischen Guangzhou nicht glauben, was er sah. Nicht einmal 2.000 Zuschauer verloren sich damals in der 80.000 Zuschauer fassenden Arena, um das Spiel zwischen Deutschland und den USA, den beiden Topteams der Weltrangliste, zu verfolgen.

Alles nur eine unbedeutende Momentaufnahme? Wohl eher nicht. Denn auch wenn Guangzhou anders als 1991 kein WM-Spielort ist und das Vier-Nationen-Turnier keine Weltmeisterschaft, hält sich das Zuschauerinteresse und die Begeisterung im Reich der Mitte vier Wochen vor WM-Beginn in Grenzen.

Doch da die Olympischen Spiele in Peking 2008 unaufhörlich näher rücken und man die heile Welt perfekter Gastgeber suggerieren will, soll ein altbewährter Trick dafür sorgen, dass nicht allzu trostlose Bilder um den Erdball gehen.

Auf unsere Anfrage beim Lokalen Organisationskomitee, wie sich der Ticketverkauf für die WM denn angelassen habe, bekamen wir die überraschende Antwort: „Wir sammeln diese Daten nicht.“

Heißt wohl im Klartext: Der erhoffte Run auf die Eintrittskarten ist bisher ausgeblieben. Und auch generell ist in China die Atmosphäre rund vier Wochen vor Beginn alles andere als WM-reif.

Das deprimierende Vorrunden-Aus der Männermannschaft bei der Asien-Meisterschaft durch eine 0:3-Niederlage gegen Usbekistan vor wenigen Wochen hat dem chinesischen Publikum sichtlich die Lust auf Fußball genommen. „Bloß kein Fußball, das ist besser für die Gesundheit“, so das derzeitige Credo vieler Chinesen.

Und auch die erstmalige Ernennung einer ausländischen Trainerin für die Frauenfußball-Nationalmannschaft ist nicht bei allen auf vorbehaltlose Gegenliebe gestoßen.

Um dem entgegenzusteuern, planen die Organisatoren in den verbleibenden Wochen zusätzliche Werbemaßnahmen. Doch vor allem wird man wie schon beim Asien-Cup 2004 erneut Studenten und Regierungsbeschäftigte rekrutieren, um auf den Rängen zumindest den Anschein von Zuschauerinteresse zu erwecken. Denn nicht einmal bei den Spielen der chinesischen Nationalmannschaft rechnen Kenner mit ausverkauften Stadien.

Bei der ersten Frauenfußball-WM in China 1991 kamen zu den 26 Spielen 510.000 Zuschauer, im Schnitt 19.615. Chinas Vorrundensieg gegen Norwegen sahen damals 65.000 Zuschauer, auch das Finale zwischen Norwegen und den USA brachte es auf die stattliche Kulisse von 63.000 Zuschauern. Zahlen, von denen die Veranstalter diesmal wohl nur werden träumen können.

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