Warum der WM in China ein Zuschauerfiasko droht

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Frankfurts Manager Siegfried Dietrich mochte im Januar beim Vier-Nationen-Turnier im südchinesischen Guangzhou nicht glauben, was er sah. Nicht einmal 2.000 Zuschauer verloren sich damals in der 80.000 Zuschauer fassenden Arena, um das Spiel zwischen Deutschland und den USA, den beiden Topteams der Weltrangliste, zu verfolgen.

Alles nur eine unbedeutende Momentaufnahme? Wohl eher nicht. Denn auch wenn Guangzhou anders als 1991 kein WM-Spielort ist und das Vier-Nationen-Turnier keine Weltmeisterschaft, hält sich das Zuschauerinteresse und die Begeisterung im Reich der Mitte vier Wochen vor WM-Beginn in Grenzen.

Doch da die Olympischen Spiele in Peking 2008 unaufhörlich näher rücken und man die heile Welt perfekter Gastgeber suggerieren will, soll ein altbewährter Trick dafür sorgen, dass nicht allzu trostlose Bilder um den Erdball gehen.

Schwacher Ticketverkauf?

Auf unsere Anfrage beim Lokalen Organisationskomitee, wie sich der Ticketverkauf für die WM denn angelassen habe, bekamen wir die überraschende Antwort: „Wir sammeln diese Daten nicht.“

Heißt wohl im Klartext: Der erhoffte Run auf die Eintrittskarten ist bisher ausgeblieben. Und auch generell ist in China die Atmosphäre rund vier Wochen vor Beginn alles andere als WM-reif.

Das deprimierende Vorrunden-Aus der Männermannschaft bei der Asien-Meisterschaft durch eine 0:3-Niederlage gegen Usbekistan vor wenigen Wochen hat dem chinesischen Publikum sichtlich die Lust auf Fußball genommen. „Bloß kein Fußball, das ist besser für die Gesundheit“, so das derzeitige Credo vieler Chinesen.

Und auch die erstmalige Ernennung einer ausländischen Trainerin für die Frauenfußball-Nationalmannschaft ist nicht bei allen auf vorbehaltlose Gegenliebe gestoßen.

Gegenmaßnahmen

Um dem entgegenzusteuern, planen die Organisatoren in den verbleibenden Wochen zusätzliche Werbemaßnahmen. Doch vor allem wird man wie schon beim Asien-Cup 2004 erneut Studenten und Regierungsbeschäftigte rekrutieren, um auf den Rängen zumindest den Anschein von Zuschauerinteresse zu erwecken. Denn nicht einmal bei den Spielen der chinesischen Nationalmannschaft rechnen Kenner mit ausverkauften Stadien.

Bei der ersten Frauenfußball-WM in China 1991 kamen zu den 26 Spielen 510.000 Zuschauer, im Schnitt 19.615. Chinas Vorrundensieg gegen Norwegen sahen damals 65.000 Zuschauer, auch das Finale zwischen Norwegen und den USA brachte es auf die stattliche Kulisse von 63.000 Zuschauern. Zahlen, von denen die Veranstalter diesmal wohl nur werden träumen können.

Mein Leben als Hope Solo
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Katja ÖhlschlägerMarkus JuchemRainerAndre080582 Neueste Kommentartoren
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Andre080582
Andre080582

Für die Fernsehkameras würde es ja reichen, „nur“ die Gegentribüne voll zu bekommen 😉

Es ist schade und ärgerlich, wenn so ein Ereignis regionale so untergeht und kaum angenommen wird. Aber besonders durch die Vorfreude auf die Olympischen Spiele rückt die Frauen-WM leider komplett in den Hintergrund.

Aber zeigt diese Resonanz – trotz globaler Ziele und Vermarktung – dass es in Zukunft vielleicht nicht doch sinnvoller ist, Weltmeisterschaften dort auszutragen, wo die größten Fanmassen sind? Oder zumindest in Teilen der Welt, die für Frauenfußball-Liebhaber schneller zu erreichen sind, als China oder Australien?

Markus Juchem
Markus Juchem

Hallo Andreo80582, danke für Deinen Kommentar und die Fragen, die Du aufwirfst. Ich denke, in diesem Fall muss man sich noch einmal die besonderen Umstände in Erinnerung zurückrufen. Die WM sollte ja ursprünglich schon 2003 in China stattfinden, wurde dann allerdings wegen der SARS-Epidemie in die USA verlegt. Die Entscheidung der FIFA, die WM nach China zu vergeben, fiel bereits im Oktober 2000. Damals gehörte China zu den Topteams, bei der WM 1999 unterlag man im Finale den USA erst nach Elfmeterschießen. Gerade aufgrund der positiven Erfahrungen in den USA wollte man damals die WM erneut in ein Land geben,… Weiterlesen »

Rainer
Rainer

Ich vermute auch, dass es bei der WM in den Stadien voll sein wird, weil man letzten Endes Studenten, Beamte und Sonstige abkommandieren wird, um sich etwa Ghana – Norwegen anzuschauen.

Sprach vor ein paar Wochen mit Bente Nordby, der norwegischen Nationaltorfrau, die im Frühjahr in der Weltelf stand, die in China gegen die Chinesinnen gespielt hat und glaube mich erinnern zu können, dass Bente von einem vollen Stadion sprach.

Es wäre nicht nur für den chinesischen Frauenfussball, sondern fast weltweit kontraproduktiv, wenn die WM in fast leeren Stadien stattfinden würde.

Markus Juchem
Markus Juchem

So war das auch nicht gemeint. Einigermaßen voll werden die Stadien sicherlich werden, dafür wird man sorgen. Aber wieviele der Besucher werden „echte“, am Frauenfußball interessierte Zuschauer sein?

Ich war bei dem Spiel damals in Wuhan vor Ort, voll war das Stadion nicht, aber gut besucht, etwa 30.000 Zuschauer. Knapp 55.000 passen rein.

Hoffen wir mal, dass es im Fernsehen wenigstens einigermaßen gut rüberkommt.

Katja Öhlschläger
Katja Öhlschläger

Wobei ich einwerfen möchte, dass man sich bei aller Liebe für den Frauenfußball, in dessen Sinne leere Stadien sicherlich nicht sind, trefflich darüber streiten kann, ob vollere Stadien durch abkommandierte Zuschauer ein Anlass zur Freude sind. Da heiligt in meinen Augen der Zweck die Mittel nicht.