Silvia Neid: „18 Spielerinnen stehen fest“

Von am 2. August 2007 – 21.10 Uhr 3 Kommentare

Einen weiteren Schritt in die richtige Richtung und neue Erkenntnisse hatte sich die deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft im Länderspiel gegen Tschechien erhofft. Am Ende stand ein standesgemäßer 5:0-Sieg, der allerdings nicht darüber hinweg täuschen konnte, dass noch viel Sand im Getriebe des deutschen Spiels war. Vor allem in der zweiten Halbzeit plätscherte das Spiel gegen den schwachen Gegner im strömenden Regen von Gera lange Zeit dahin.

Dennoch nutzten gleich mehrere Spielerinnen die Chance, sich noch einmal nachdrücklich für den WM-Kader zu empfehlen. Doch: nur noch drei Positionen im 21er-Kader sind zu vergeben, 18 Spielerinnen haben ihr WM-Ticket bereits sicher, verkündete Bundestrainerin Silvia Neid nach dem Spiel.

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Schwache Zuschauerkulisse

Die ersten beiden Enttäuschungen gab es schon zu Beginn. Nur 4.793 Zuschauer waren ins Stadion der Freundschaft nach Gera gekommen, so wenige wie seit dem Spiel gegen die Niederlande im Oktober 2004 nicht mehr zu einem Länderspiel der Frauenfußball-Nationalmannschaft.

Dazu trat der geschwächte Gegner anders als gedacht ohne Libero an, die geplante Simulation für den WM-Auftakt gegen Argentinien war somit geplatzt, der Test ad absurdum geführt. „Nächstes Mal werden wir nicht mehr gegen Tschechien spielen, wenn wir ein Team mit Libero suchen“, so Bundestrainerin Silvia Neid süffisant.

Ungewohnt heftige Kritik an Anja Mittag

In der Anfangsviertelstunde hielten die personell geschwächten Tschechinnen noch einigermaßen mit, ehe Birgit Prinz nach 19 Minuten für die 1:0-Führung sorgte. Simone Laudehr erhöhte in ihrem erst zweiten Länderspiel per Volleyschuss nach 25 Minuten auf 2:0. „Sie hat heute einen guten Job gemacht“, so Neid. Kerstin Garefrekes sorgte früh mit dem 3:0 für die Entscheidung (38.), nachdem kurz zuvor wolkenbruchartiger Regen eingesetzt hatte.

Anja Mittag vergab in der ersten Halbzeit gleich mehrere gute Möglichkeiten. Etwa in der achten Minute, wo sie die tschechische Keeperin Pincova umkurvte, den Ball dann aber ans Außennetz setzte. „Das war schlampig und unkonzentriert. Das musste ich mir nicht noch eine zweite Halbzeit lang anschauen, wie sie eine nach der anderen hundertprozentigen Chance vergibt“, so Neids scharfe Kritik an der Potsdamerin.

Jüngere Spielerinnen punkten

Die eingewechselten Martina Müller per Abstauber (83.) nach Pfostenschuss von Fatmire Bajramaj sowie Prinz mit ihrem zweiten Treffer sorgten für den 5:0-Endstand. „Die jüngeren Spielerinnen haben mir heute gut gefallen. Sie haben gezeigt, dass sie die älteren Spielerinnen ersetzen können“, so das Lob der Trainerin. Neben Laudehr erhielt auch Fatmire Bajramaj ein Sonderlob: „Sie hat das Spiel belebt.“

Mit dem Spiel insgesamt war Neid nicht zufrieden: „Wir haben kaum etwas von dem umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben und waren unkonzentriert. Wir haben viele Stellungsfehler gemacht und was in der Abwehr gegen Dänemark gut geklappt hat, hat diesmal nicht so gut funktioniert.“ Auch mit der mangelnden Chancenverwertung haderte sie: „Man muss erwarten, dass der Ball auch einmal über die Linie geht“, so Neid.

Noch drei WM-Plätze offen

Im Kopf von Neid zeichnet sich der WM-Kader immer mehr ab. „18 Spielerinnen stehen bereits fest. Es wird noch eine Torhüterin treffen und eine Stürmerin. Bei Abwehr und Mittelfeld kann man sich nicht genau festlegen, denn manche Spielerinnen können ja beides spielen, wie etwa Bresonik und Bartusiak.“

Einen Bonus für die Weltmeisterinnen von 2003 gibt es laut Neid nicht. „Sie haben keine besseren Chancen als alle anderen auch.“

Pohlers glaubt nicht mehr an WM

Conny Pohlers glaubt indes, dass der WM-Zug für sie abgefahren ist. In der Mixed Zone sagte sie nach dem Spiel: „Ich glaube, ich habe sehr schlechte Chancen.“

Bereits in der nächsten Woche will Neid den Spielerinnen ihre Entscheidung mitteilen. Eines steht schon fest: Bei den fünf aussortierten Spielerinnen werden bittere Tränen fließen, denn alle haben in den vergangenen Wochen um ihre WM-Chance hart gekämpft.

Für Womensoccer.de in Gera: Katja Öhlschläger

Markus Juchem (51) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

3 Kommentare »

  • Bernhard sagt:

    Die „Aussortierten“ sind dann auf Abruf. Bei Verletzungen sind sie wieder ganz schnell im Fleiger nach China…

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  • Markus Juchem sagt:

    Hoffen wir mal, dass sich keine Spielerin verletzt, aber passieren kann so etwas natürlich ganz schnell. Aber über das Etikett „Auf Abruf“ wird sich wohl keine der Fünf erst einmal freuen…

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  • Detlef sagt:

    Schmetz steht für mich schon als erste von den Dreien fest!!!
    Da ANJA sich heute den „ZORN der Bundestrainerin“ zugezogen hat, könnte es für sie nochmal knapp werden!!! Aber ich glaube schon, dass sie in China mit dabei ist!!!
    Ich glaube, dass sie CONNY und OMMEL schon gedanklich aussortiert hat!!! Jetzt stehen noch BABETT, Saskia, BRITTA und eventuell auch SONJA noch zur Debatte!!!
    Hier werden wohl BABETT und Saskia auf der Strecke bleiben!!!
    Mal sehen, ob ich recht behalte!!!

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