Die Nationalmannschaft vor der WM: Mittelfeld
„In der Abwehr gibt es sicher die wenigsten Fragezeichen!“, schrieb unser Leser Detlef nach der Analyse der deutschen Abwehr . Einfach ist es auch da nicht, aber ich stimme zu: im Vergleich zu den vielen personellen wie taktischen Varianten für das Mittelfeld ist die Abwehr mit einem Fingerschnipsen aufgestellt. Zahlreiche verschiedene Aufstellungen hat Bundestrainerin Silvia Neid bereits erprobt – teils willentlich, teils gezwungenermaßen auf Grund von Verletzungen.
Acht Spielerinnen sind im erweiterten Aufgebot für die Mittelfeldposition nominiert:
Fatmire Bajramaj, Melanie Behringer, Linda Bresonik, Britta Carlson, Kerstin Garefrekes, Simone Laudehr, Renate Lingor und Navina Omilade
Gesetzt scheint von diesen acht Spielerinnen lediglich Kerstin Garefrekes. Seit ihrem Durchbruch bei der WM vor vier Jahren hat sie ihren Stammplatz nie verloren, beweist trotz diverser Formschwankungen immer wieder ihren Wert für die Mannschaft, der sich nicht zuletzt auch aus ihrer Vielseitigkeit und Torgefährlichkeit (auch bei Standards) speist. Sie dürfte aller Voraussicht nach auf der rechten Außenbahn ihren Platz finden.
Das war es dann aber auch schon mit der Eindeutigkeit. Die weiteren Positionen sind nicht ohne weiteres vom Spielsystem zu trennen, für das sich Neid entscheiden wird. Lässt sie etwa ein 4-4-2 spielen mit zwei zentralen Mittelfeldspielerinnen und zwei Spielerinnen auf der Außenbahn. Agiert dann die eine zentrale Mittelfeldspielerin offensiv, die andere defensiv, die eine also als klassische „10“ und die andere als „6“. Oder spielen zwei „6er“, wird dann eine Stürmerin – oftmals z.B. Birgit Prinz – als hängende Spitze eingesetzt und rücken die Flügelspielerinnen noch weiter auf, bilden fast schon einen Teil des Sturms, was einem 4-3-3- sehr nahe käme?
Zuletzt ließ Neid eine „Doppel-Sechs“ spielen
Diese Frage ist noch nicht geklärt, die ausstehenden vier Länderspiele werden darüber Aufschluss geben. Bei der EM 2005 in England agierte Britta Carlson im zentralen Mittelfeld defensiv und sicherte Renate Lingor im offensiven Mittelfeld ab. Nicht selten nahm zuletzt aber auch Renate Lingor die Rolle einer defensiven Mittelfeldspielerin ein und bildete eine „Doppel-Sechs“ mit wahlweise Britta Carlson, Linda Bresonik, Navina Omilade, Fatmire Bajramaj oder Célia Okoyino da Mbabi.
Lingor, eigentlich eine Bank im Mittelfeld und für Neid eine wichtige Führungsspielerin, zugleich Vize-Kapitänin, blieb jedoch in den letzten Monaten häufig hinter ihrem Leistungsvermögen zurück. Im Mai wurde bekannt, dass sie am Pfeifferschen Drüsenfieber litt, das ihren Körper schwächte. Ihre Leistungsfähigkeit ist daher aktuell nur schwer einzuschätzen. Ziemlich sicher ist jedoch, dass Neid nicht auf sie verzichten wird, wenn sie wieder rechtzeitig im Vollbesitz ihrer Kräfte ist.
Zeit für einen Generationenwechsel?
Ob allerdings nicht dennoch schon zu dieser WM ein Generationenwechsel dem Mittelfeld gut täte, daran scheiden sich die Geister. Nachdem Lingor schwächelte und auch Britta Carlson ihrer Form hinterher lief, zwischenzeitlich die WM fast schon abgeschrieben hatte , setzten viele ihre Hoffnungen in junge Spielerinnen wie Célia Okoyino da Mbabi und Fatmire Bajramaj. Da Mbabi wird aus Verletzungsgründen auf die WM verzichten müssen , Bajramaj fehlt es noch an Erfahrung. Sie wird vermutlich bestenfalls eine Ergänzungsspielerin sein.
Doch dann gibt es auch noch Rückkehrerin Linda Bresonik oder die für da Mbabi nachnominierte Navina Omilade, bei der EM vor zwei Jahren noch Stammkraft. Bresonik dürfte hier die deutlich besseren Karten haben, da sie im Nationalteam und auch im Verein zu überzeugen wusste, während Omilade nur noch sporadisch in die deutsche Auswahl berufen wurde und sie nach ihrem frühzeitig angekündigten Wechsel zum VfL Wolfsburg nur noch selten bei Turbine Potsdam zum Einsatz kam.
Auch Stürmerinnen kommen für Außenbahn in Frage
Bleiben für die Außenpositionen neben der genannten Garefrekes noch Simone Laudehr und Melanie Behringer, wobei es auch Bresonik, Anja Mittag oder der für Isabell Bachor im Sturm nachnominierten Conny Pohlers ebenso wie ihrer alten (Potsdam) und neuen (Frankfurt) Vereinskollegin Petra Wimbersky auf den Außenpositionen des Mittelfelds nicht an Erfahrung und Befähigung mangelt.
Laudehr hatte bis Ende Mai von sich aus bei Silvia Neid um Nichtberücksichtigung gebeten , um sich auf ihre Prüfungen zu konzentrieren. Wie gut sie sich ohne großartige Erfahrung im A-Team in der Zwischenzeit ins Team eingefunden hat, werden die Testspiele zeigen müssen. Als immer mindestens grundsolide und als Bereicherung hat sich die Freiburgerin Melanie Behringer erwiesen. Ob sie in der Startelf steht oder eingewechselt wird – sie ist präsent, zeigt Spielwitz und leistet viel Laufarbeit. In ihrer Bedeutung für die Mannschaft eine meines Erachtens unterschätzte Spielerin.
Da ich das 4-4-2-System mit einer defensiven und einer offensiven Spielerin im zentralen Mittelfeld bevorzuge, um die zweifellos zahlreich vorhandenen Offensivqualitäten bei den in Frage kommenden Spielerinnen nicht zu verschenken, würde ich wie folgt aufstellen :
Mein Tipp für Silvia Neids Aufstellung: