Österreich: Mehr Spannung durch neuen Ligamodus?
„Ein Fußballspiel dauert 90 Minuten und am Ende gewinnt… der SV Neulengbach !“ - nach diesem leicht abgewandelten Kalauer über die Erfolge der deutschen FußballerInnen lief die Meisterschaft in Österreichs höchster Frauenfußball-Liga seit 2003 ab.
Fünf Mal in Folge sicherte sich die Wienerwaldelf das „Double“ (Meisterschaft und Cup) und schloss auch die Saison 2006/2007 mehr als optimal ab: 18 Spiele, 18 Siege, Torverhältnis: 154:14, darunter sechs zweistellige Siege.
Wie soll diese Sieges-Monotonie, unattraktiv für Nicht-Neulengbach-Fans, durchbrochen werden? Mit einem neuen Modus ab der Saison 2007/2008!
Der österreichische Fußball-Bund (ÖFB) hat im kommenden Meisterschaftsjahr folgendes neues Modell vorgesehen: Im Herbst 2007 spielt nach der bisherigen Methode jede Mannschaft gegen jedes Team.
Nach Abschluss des Herbstdurchgangs wird die Tabelle „halbiert“: die fünf bestplatzierten Mannschaften ermitteln in der „Oberen“ Gruppe den Meister, wobei jeder Klub, beginnend vom „Herbstmeister“ mit 5 Punkten, abwärts je 1 Punkt weniger erhält, so dass der Fünftplazierte mit 1 Zähler in den „Frühjahrsdurchgang“(2007) einsteigt.
Der Sechstplazierte steigt ebenfalls mit 5 Punkten ins Play-off der „Unteren“ Gruppe ein, die dahinter Platzierten erhalten ebenfalls 4, 3, 2, 1 Zähler. Im Frühjahr absolviert jeder Verein seiner Gruppe acht Spiele, d. h. es wird jeweils ein Hin- und Rückspiel absolviert.
Diese Regelung wurde, ähnlich dem Qualifikationsmodus in der österreichischen Faustball-Liga, auf Vorschlag von Nationalmannschaftstrainer Ernst Weber in Kraft gesetzt, um die „besten Kräfte zu bündeln“.
Neulengbach bleibt gelassen
Bruno Mangl, als Obmann des SV Neulengbach unmittelbar von dieser Reform betroffen, sagt im Gespräch mit Womensoccer.de zur Neuregelung: „Im Interesse der Förderung des österreichischen Frauenfußballs habe auch ich dieser Lösung zugestimmt. Selbst wenn meinem Team möglicherweise durch die Punktereduzierung ein gewisser Nachteil entstehen könnte, überwiegt unser aller Hoffnung auf eine Qualitätssteigerung in der höchsten Spielklasse. Häufigere Spiele zwischen den führenden Teams steigern auch die Attraktivität des Frauenfußballs für die ZuschauerInnen!“
Ähnlich positiv beurteilt Gertrud Stallinger die Lage, ehemalige Legionärin beim FC Bayern München, Österreichs Ex-Rekordinternationale und 2005/2006 Spielertrainern des drittplazierten Bundesligisten Union Kleinmünchen: „Dieser Modus erhöht die Spannung bei Titel- und Abstiegsentscheidung und ermöglicht es, Formeinbrüche des Teams zu einem späteren Zeitpunkt wieder auszugleichen“.
Nicht überall Begeisterung
Eher skeptisch ist dagegen die derzeitige Sektionsleiterin der Union Kleinmünchen, Andrea Binder: „Es wird durch den neuen Modus nicht gelingen, die Dominanz der Wienerwaldelf zu brechen, denn das Meisterteam wurde mit großem finanziellem Aufwand aus den besten Spielerinnen Österreichs und dem brasilianischen Duo Rosana (Augusto dos Santos, Olympia-Silbermedaillengewinnerin) und Liese Brancao geformt und ist den Gegnerinnen in Österreichs höchster Liga für die nächsten Jahre, egal nach welchem Spielmodus, turmhoch überlegen.“
Darüber hinaus meint sie: „Es sollte auch nicht Ziel der Reform sein, Neulengbach zu blockieren, sondern generell den Frauenfußballsport in Österreich in jeder Hinsicht mehr zu fördern!“
Stärkere Förderung vonnöten
Die zitierten Meinungen differieren naturgemäß, als Fazit bleibt nur hinzuzufügen, dass eine Hebung des allgemeinen Spielniveaus in Österreich die echte Alternative zur derzeitigen Situation darstellt. Dies sollte durch noch intensivere Förderung des Mädchen- und Jugendfußballs (Talente sind vorhanden: siehe Viktoria Schnaderbeck und Carinna Wenninger , jetzt: FC Bayern München), finanzielle Förderung von Führungsspielerinnen (Einbindung von potenten Sponsoren) und dementsprechende Medienpräsenz ermöglicht werden, mit dem derzeitigen Zugpferd SV Neulengbach.
Dr. Helmut Pichler, mehr als drei Jahrzehnte als leitender Finanzbeamter in Gmunden (Oberösterreich) tätig, wurde vor rund neun Jahren durch seine ehemalige Berufskollegin Gertrud Stallinger auf den Frauenfußball aufmerksam gemacht. Seitdem versucht der 60-Jährige, in den österreichischen Medien zu einer Imageverbesserung des Frauenfußballs beizutragen. Pichler bezeichnet sich selbst als Hobby-Journalisten, da er keine journalistische Ausbildung genossen hat. Etwa 70 österreichische Medien versorgte er bereits mit Meldungen über den Frauenfußball. Schon als 16-jähriger Mittelschüler veröffentlichte er in österreichischen Zeitungen Artikel zu allgemeinen Themen.