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2007

Quo vadis Turbine Potsdam?

Als neutraler Beobachter kommt man aus dem fassungslosen Staunen kaum mehr heraus, als Fan des 1. FFC Turbine Potsdam muss einem das Herz bluten. Immer wieder eine neue Hiobsbotschaft, folgt auf den einen Weggang der nächste. Gestern nun war es Ariane Hingst, die ihren Abschied von Turbine noch während der Rückrunde verkündete . Da es sie zum Start der schwedischen Liga zum schwedischen Vizemeister Djurgården zieht und ihr Vertrag dort am 1. April anläuft, muss der Double-Gewinner aus Brandenburg den Rest der Saison ohne seine Spielführerin auskommen.

Vor der Saison waren es Petra Wimbersky und Karolin Thomas gewesen, die der Mannschaft von Bernd Schröder den Rücken kehrten. Auch die Brasilianerin Cristiane kam beim amtierenden Deutschen Meister nicht wie erwünscht zur Entfaltung und ging nach Wolfsburg. In der Winterpause packte Nationalspielerin Britta Carlson ihre Sachen und folgte der Brasilianerin zu den Wölfinnen, Inken Becher zieht sich aus beruflichen Gründen zurück. Sicher, jeder Wechsel hat seine eigenen Gründe und es wäre falsch, alles über einen Kamm zu scheren.

Aber es wird langsam eng. Denn Turbine hat mit den Jugendnationalspielerinnen wie Juliane Höfler, Josephine Schlanke , den Kerschowski-Zwillingen oder der erst 18-jährigen A-Nationalspielerin Babett Peter sehr talentierte Kräfte mit guten Zukunftsaussichten in seinen Reihen. Bernd Schröder weiß, wie man aus vielen unerfahrenen, jungen Akteurinnen mit akribischer und geduldiger Arbeit eine schlagfertige Truppe bastelt. Das hat er bewiesen und daran zweifelt keiner.

Nur fallen den Potsdamerinnen so langsam die wichtigen Stützen weg, die den Talenten ihre Erfahrung weitergeben und ihnen den Druck von den Schultern nehmen können. Ein Wiederaufbau wird so nicht leichter. Zudem steht zu befürchten, dass der Weggang von Hingst, der aus Sicht der 27-Jährigen absolut nachvollziehbar und ihr zu gönnen ist, noch nicht das Ende der Fahnenstange bedeutet. An kürzlich aufgekommenen Spekulationen, auch Nationalstürmerin Conny Pohlers müsse nur noch entscheiden, wohin sie Potsdam verlasse, wollen wir uns nicht beteiligen. Doch das Interesse der “Turbine -Filiale” VfL Wolfsburg an den Auswahspielerinnen Navina Omilade und Jennifer Zietz hat Coach Schröder gegenüber der Wolfsburger Allgemeinen Zeitung, wie diese am Freitag berichtete, bereits bestätigt. Eine Entscheidung soll bis Ende März fallen.

“Wir werden um keine Spielerin betteln. Wer nicht weiß, was er an Turbine hat, tut uns leid”, zitierte die Märkische Allgemeine den Turbine-Übungsleiter . Eine moralisch löbliche und nicht per se zu kritisierende Position. Aber wird das reichen, um die heftigst umworbenen Spitzenkräfte zu halten? Zweifel sind erlaubt. Gut möglich, dass die einst so erfolgreiche Mannschaft schneller auseinander bricht, als es gedauert hat, sie aufzubauen. Für den Frauenfußball in Potsdam und in Deutschland wäre das jedenfalls keine gute Nachricht.