Lyon doch weiter in der Champions League

Von am 25. Februar 2010 – 18.02 Uhr 6 Kommentare

Die Beschwerde von Olympique Lyonnais vor dem internationalen Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne hatte Erfolg: Die Franzosen verbleiben in der UEFA Women’s Champions League und werden das Viertelfinale gegen ASD Torres Calcio bestreiten.

Sportlich hatte sich OL mit zwei Siegen (1:0 und 5:0) locker und leicht durchgesetzt, doch zunächst hatte die UEFA einem Protest Fortuna Hjørrings stattgegeben, da Lyon die beiden norwegischen Neuzugänge Christine Nilsen und Isabell Herlovsen außerhalb des Transferfensters verpflichtet hatte.

Gemäß den FIFA-Statuten und der Auslegung der UEFA hätten die beiden Spielerinnen nicht verpflichtet und somit auch nicht eingesetzt werden dürfen, da sie durch Verträge an OL gebunden sind und dort substanzielle Einnahmen erzielen. Dadurch entfällt nach den FIFA-Statuten der Amateurstatus. Nach dem Regelwerk des französischen Fußballverbands (FFF) ist die französische Frauenfußball-Liga jedoch eine Amateurliga, die Spielerinnen Amateurspielerinnen, auch wenn sie durch Verträge an die Vereine gebunden sind.

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Strafe nicht gerechtfertigt
Der CAS gab dem Einspruch des französischen Meisters Recht und kam zu der Entscheidung, dass eine Disziplinarstrafe in diesem Fall nicht gerechtfertigt sei. Somit kann Lyon am 10. und 17. März gegen ASD Torres Calcio um den Einzug ins Halbfinale kämpfen werden. Dort trifft der Sieger der Partie dann auf den Gewinner des Duells Montpellier Hérault SC gegen Umeå IK.

Eine identische Konstellation hatte Anfang 2009 bereits dazu geführt, dass die beiden französischen Spielerinnen Camille Abily und Sonia Bompastor gegen den Willen ihres Vereins Olympique Lyonnais in die neue US-Profiliga WPS wechselten. Dies war ebenfalls nur möglich, weil den beiden Spielerinnen Amateurstatus eingeräumt wurde.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

6 Kommentare »

  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    Einzigartiges Hickhack – rin mit die Stühle, raus mit die Stühle!
    Kann eingentlich Fortuna in die Berufung gehen oder ist das unleidige Thema damit durch?
    Grundsätzlich muß ich aber sagen, dass bezahlte Spielerinnen Profistatus haben, egal ob die Liga namentlich als Amateurliga geführt wird.

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  • rockpommel sagt:

    Meine nur noch rudimentären Kenntnisse in Staatsrecht sagen:
    „Internationales Recht bricht nationales Recht“.

    M.E. ist der „sog. Amateurstatus“ den der französische „Nationalverband“ vorgibt in diesem Fall zu vernachlässigen.
    Auf internationaler Ebene haben sich ALLE Vereine nach dem internationalen Regelwerk zu verhalten!

    Diese Entscheidung des CAS ist ein Schlag ins Gesicht der UEFA und aller „billig und gerecht denkenden“ Menschen.

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  • djane sagt:

    auch hier noch mal die Frage: welche Strafe hat Lyon denn dann bekommen, wenn die Disqualifkation zu hart war ?

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  • Markus Juchem sagt:

    Mir liegt das CAS-Urteil noch nicht vor, aber offenbar gab es keine Strafe. Im UEFA-Artikel heißt es unter anderem: „according to the CAS decision, there is no reason to impose a disciplinary sanction on Lyon“.

    http://en.uefa.com/womenschampionsleague/news/newsid=1454617.html#lyon+appeal

    Seit ein paar Jahren erkennt die FIFA die CAS-Urteile als bindend an, in anderen Sportarten gab es dann ja schon häufig den Anruf eines Schweizer Bundesgerichts.

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  • Detlef sagt:

    Also wenn ich ein Entscheidungsträger bei Fortuna wär, würde ich die UEFA auf Schadensersatz verklagen!!!
    Schließlich hat man dort den Fehler gemacht, und in Dänemark hat man auf die Kompetenz der UEFA vertraut!!!
    Die UEFA wird nicht zugrunde gehen, wenn sie Hjörring das Geld für dessen Auslagen ersetzt!!!
    Vieleicht wäre es der Anlaß für die UEFA, solche Entscheidungen in Zukunft etwas sorgfältiger zu prüfen!!!

    PS: Gleiches gilt übrigens auch für die Italienerinnen, und selbstverständlich auch für die Lyonerinnen!!!

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  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    Ich sehe die Geschichte so, dass sie Anlaß sein sollte, eine als Amateurliga geführte Liga, die diesen Begriff nicht verdient, in ihrem Status dahingehend zu verändern, dass glaubhafte Verhältnisse und damit gerechte Urteile entstehen!

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