Heute vor 25 Jahren – DFB-Elf holt ersten EM-Titel

Von am 2. Juli 2014 – 13.09 Uhr 2 Kommentare

Heute vor 25 Jahren schrieb die deutsche Frauenfußball-Nationalelf mit dem Gewinn des ersten EM-Titels in Osnabrück Sportgeschichte. Womensoccer erinnert an den historischen Erfolg und an Knochenschinken, Schweizer Käse und ein bisschen Revolutionäres.

2. Juli 1989 – ein historisches Datum für den Frauenfußball in Deutschland. In Osnabrück ist das Stadion an der Bremer Brücke zum Bersten gefüllt, als die deutschen Frauen im EM-Finale gegen Norwegen antreten. Über 22 000 Zuschauer. Ein brodelnder Hexenkessel. Am Ende heißt es 4:1 für die Elf von Trainer Gero Bisanz. Der DFB, heute längst Rekord-Europameister, holt sich erstmals die Krone auf dem Kontinent.

DFB-Elf triumphiert gegen Norwegen
Ganz aus der Osnabrücker Nachbarschaft ist Angelika Broich (geb. Fehrmann) mit dabei. Beim BV Vörden groß geworden, erzielt die 25-Jährige das 4:1 (73.), den Endstand. Es ist genau 12.29 Uhr, als sie einen Abpraller unhaltbar ins Netz köpft. Erstes Länderspieltor der Bürokauffrau, die heute in Dinklage lebt. In der 62. Minute für Doris Fitschen eingewechselt ist es der größte Triumpf in Fehrmanns Länderspielhistorie.

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„Ich stand da auf dem Platz und habe plötzlich eine Gänsehaut gekriegt“, beschreibt sie ihre Empfindungen über die Atmosphäre im Stadion. Vorher trifft Uschi Lohn gleich zweimal (22., 36.), Heidi Mohr erzielt das 3:0 (45.). Als Sissel Grude für das hochfavorisierte Norwegen trifft (54.), ist das nur noch Makulatur für die Elf von Trainer Erling Hogstad. Als Schiedsrichter Carlos Silva Valente aus Portugal abpfeift, bedeutet das den Ehrentreffer für den entthronten Champion, mehr nicht.

Silvia Neid und Gero Bisanz

Silvia Neid und Gero Bisanz rocken, Pia Sundhage spielt Gitarre © Rainer Hennies

Sundhage rockt beim Galadinner
Beim Dinner mit den Teams aus Deutschland, Norwegen, Italien und Schweden im Casino Hohensyburg geschieht erneut zeitgenössisch Bedeutsames. Schwedens Kapitänin Pia Sundhage übernimmt das Zepter, entmachtet die eingekaufte Band für die Begleitmusik und funktioniert die Bühne mit selbstgemachter Rockmusik zur Tanzbühne um. Da staunt die Funktionärsriege mächtig. Denn so etwas gab es noch nie bei der UEFA. DFB-Kapitänin Silvia Neid legt mit ihrem Coach einen erstklassigen Rock ’n‘ Roll aufs Parkett. Die Gala wird zur Fete.

„Ich erinnere mich noch ganz genau. Das war etwas Außerordentliches“, sagt Doris Fitschen. Die heutige Managerin des Nationalteams steht bei Silvia Neids Auftritt mit Gero Bisanz begeistert mit Martina Voss-Tecklenburg und Sissy Raith auf der Bühne und klatscht rhythmisch. Selbst „Die Joker“, so heißt die entmachte Musiker-Combo, sind angetan von der ungewöhnlichen Performance, haben ihren Spaß.

Raith, frühere Trainerin des FC Bayern München und Aserbaidschans, coacht derzeit den Schweizer FC Staad am Bodensee. Voss-Tecklenburg sorgt als Schweizer Nationaltrainerin für Furore. Erstmals ist ihr Team für eine WM qualifiziert. „Es wurde eine Riesenstimmung, als Pia Sundhage mit ihrer Gitarre die Regie übernahm“, sagt sie. Sundhage ist heute schwedische Nationaltrainerin, holte 2012 mit den USA Olympia-Gold und gewann 1984 die erste EM.

Maria Klewe und DFB-Zeugwart Heinz Dahn

Maria Klewe und DFB-Zeugwart Heinz Dahn passen auf den EM-Pokal auf © Rainer Hennies

Die Hüter des EM-Pokals
Als die Gala endgültig zur Frauen-Fete mutiert, passt Niedersachsens Frauenreferentin Maria Klewe gemeinsam mit Zeugwart Heinz Dahn andächtig auf den EM-Pokal auf. Der heißt in der Szene längst „Schweizer Käse“ und dient deshalb aus. Schon zur nächsten EM 1991 vergibt die UEFA eine neue Trophäe. Später spendiert der DFB dann für die Spielerinnen als Prämie jenes unsägliche und zur Berühmtheit gewordene Kaffee-Service einer bekannten Marke, 41 Teile, aus der Serie „Mariposa“.

Die Tischkarten machen Appetit: Tomatensuppe, geschnetzeltes Schweinefilet mit Paprikastreifen in Rahmsauce, Kalbshaxe, Gratin, Butternudeln, Saisongemüse. Geräucherte Forellenfilets, westfälischer Knochenschinken, Kasseler Rücken mit Ananas, Lachsforelle mit Crevetten, Schinkensülze mit Gartenkräuter, Matjesfilets, rosa gebratenes Roastbeef, marinierte Champignons. Blattsalate mit Saucen, angemachte Salate sowie eine Käseauswahl vom Brett. Mocca-Mousse, Erdbeer- und Schokoladeneis, Obstsalat, Vanillecreme, gratinierte Williamsbirnen und Tiramisu zum Dessert. Die Weine: Halbtrockener Riesling 1985, Rose aus der Provence 1987 und Roter aus der Haut-Medoc 1982 zur Weinauswahl.

2 Kommentare »

  • FFFan sagt:

    Bei DFB-TV gibt es ein Video zu diesem historischen Ereignis:

    (0)
  • enthusio sagt:

    Heute vor 35 Jahren fand übrigens das erste offizielle Länderspiel der Frauen statt.
    War einer von Euch schon damals in Koblenz dabei ? 🙂

    https://www.dfb.de/news/detail/petra-landers-uebers-erste-laenderspiel-irgendwie-unwirklich-177692/?no_cache=1&cHash=b82d5995bf9c9e631cbc3aea2039a21d

    Inoffizielle Länderspiele gab es aber bekanntlich schon seit 1956. Die Spielerinnen kamen damals zumeist aus dem Ruhrgebiet.
    Fortuna Dortmund war einer der Vereine, der viele Nationalspielerinnen stellte. Die noch lebenden Spielerinnen (Jahrgang 1937 und älter) dieses Vereins treffen sich übrigens immer noch regelmäßig in Dortmund zum Erinnerungsaustausch und Feiern. Sympathische Truppe ! 🙂

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