England und Olympia – ab wann?

Von am 16. August 2007 – 7.36 Uhr 5 Kommentare

Die drei besten UEFA-Teams bei der Weltmeisterschaft in China werden sich für die Olympischen Spiele im kommenden Jahr in Peking qualifizieren. Doch ganz so einfach ist es nicht.

Nur vier der fünf UEFA-Teilnehmer an der WM können überhaupt an Olympischen Spielen teilnehmen. Denn Großbritannien, für das die englische Nationalmannschaft einen Startplatz erkämpfen könnte, nimmt seit 1960 nicht mehr an Olympischen Fußballturnieren teil.

Kelly Smith: „WM und Olympia, das wär’s!“ 

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Das könnte sich jetzt ändern, geht es nach dem Willen von Kapitänin Kelly Smith und ihren Kolleginnen. „Es wäre doch fantastisch sagen zu können, dass man an Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen teilgenommen hat. Es wäre ein weiteres Zeichen für den Fortschritt im Frauenfußball“, erklärte die 28-Jährige gegenüber der BBC.

Kommen jetzt schon neun Spielerinnen des englischen WM-Aufgebots von Meister, Pokalsieger und UEFA-Cup-Champion Arsenal LFC, dürften sich Smith und Co. in einem britischen Team gemeinsam mit der schottischen Torjägerin Julie Fleeting auf Olympia freuen.

Britisches Olympisches Komitee bringt vor Olympia in London Bewegung in die Sache 

Was ein verdienter Lohn für eine sportlich erarbeitete Olympia-Teilnahme wäre. So hofft auch Smith, dass der englische Fußballverband auf Grund dieser neuen Situation seinen Widerstand aufgibt, hat doch das Britische Olympische Komitee schon angeregt, für die Olympischen Spiele 2012 in London eigene Fußballmannschaften aufstellen zu wollen.

Dafür bräuchten sie sich nicht qualifizieren, wohl aber für Peking 2008. „Wir fahren nicht nach China, um uns abfrühstücken zu lassen. Wir haben immer gesagt, wir wollen die Gruppenphase überstehen, und dann ist alles möglich. Unsere Spielerinnen sind hungrig auf Erfolg“, zeigt sich die Spielführerin optimistisch.

Realistische Chancen auf die Olympia-Qualifikation 

Tatsächlich sind Smith‘ Gedankenspiele keinesfalls abwegig. Dänemark präsentierte sich zuletzt in Magdeburg gegen die deutsche Mannschaft alles andere als WM-reif und muss in seiner Gruppe von Brasilien, China und Neuseeland zwei Teams auf die Plätze verweisen, um in die KO-Runde vorzustoßen.

Norwegen und Deutschland sollten den Einzug ins Viertelfinale schaffen. Doch Schweden steht in Anbetracht der großen Verletztenmisere vor einer kniffligen Aufgabe, will es Nordkorea und Nigeria – die USA dürften uneinholbar sein – hinter sich lassen.

Mindestens das Viertelfinale ist drin für die Engländerinnen (siehe Analyse Gruppe A). Dann wäre die Situation eingetreten, dass ein sportlich gesicherter Startplatz nicht wahrgenommen werden könnte. Zumindest hoffen, dass der englische Fußballverband sich dann schon früher erweichen lässt, werden Smith und Co. bestimmt.

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5 Kommentare »

  • Christian sagt:

    Emma Byrne in diesem Zusammenhang zu nennen ist wohl etwas unpassend, gehört doch die Republik Irland nicht zum Vereinigten Königreich von Großbritannien und Nordirland. 😉

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  • Markus Juchem sagt:

    Vielen Dank für den Hinweis, hab’s korrigiert.

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  • Rainer sagt:

    Schon als Jugendlicher wunderte ich mich darüber, dass Grossbritannien mit vier Nationalmannschaften bei Fussballturnieren auftreten durfte, bei Olympia hingegen nur mit einem Team in allen Sportarten.
    Sicher haben Schottland, Nordirland, Wales und England eigene Ligen, aber sie repräsentieren letztlich doch einen Staat. Das ist natürlich ein heisses Eisen und würde auf der Insel zu Stürmen der Entrüstung führen, wenn man ernsthaft versuchen würde, dieses überkommene, jahrzehntelang ausgeübte Privileg abzuschaffen. Aber ich fände es nur folgerichtig, wenn das diskutiert würde.

    Also gerne eine „gemischte“ Mannschaft bei Olympia, aber dann auch eine ebensolche bei EM- und WM-Qualifikation und in den europäischen Vereinswettbewerben. Die Ligen könnten in GB beibehalten werden und ähnlich dem NHL-Eishockey dann ein Meister in einer Finalrunde der Besten ermittelt werden.

    Jetzt zu Katjas Einschätzung der europäischen Teams bei der WM. Um Dänemark mache ich mir in der Tat etwas Sorgen. Der Weltranglistenplatz spricht zwar für die Skandinavierinnen, aber Brasilien dürfte ein sehr harter Brocken werden. Gestern Abend schoss Marta ihr Umeå IK im Alleingang mit drei Toren zum glücklichen 4:3-Sieg im Finale des schwedischen Pokals gegen AIK und zeigte abermals, dass sie ganz allein ein Spiel entscheiden kann. Aber Neuseeland und möglicherweise auch China sind durchaus zu schlagen. Nachteil ist sicher, dass die 21 heute von Kenneth Heiner-Möller nominierten Spielerinnen (siehe http://www.dbu.dk/news/newsShow.aspx?id=240596), das Auftaktspiel gegen China haben, wo die Motivation am höchsten ist. Aber Dorte Dalum Jensen, mit der ich kürzlich sprach, meinte auch, dass die Chinesinnen mit einem ungeheuren nervlichen Druck umgehen müssten. Schaun mer mal…

    Schweden aber sehe ich trotz der Verletzungen und Rücktritte ganz klar in der Runde der letzten Acht. Das Aufgebot von Thomas Dennerby ist mit gemischten Gefühlen aufgenommen worden. Johan Esk, Sportchef von Dagens Nyheter, etwa schrieb, dass Dennerby das Tütchen Gras, das er bei seiner letzten Reise nach China vom Endspielrasen in Shanghai gezupft hat, als Glücksbringer unbedingt brauchen wird. Aber die Schweden sind immer dann stark, wenn sie scheinbar am Boden sind, trösteten andere Zeitungen. Nein, ich denke, es wird ein Viertelfinale Deutschland – Schweden geben und dann ist alles drin…

    Norwegen sollte das Viertelfinale schaffen. Nicht auszuschliessen, dass alle vier euroäischen Teams (und England) ins Viertelfinale vorstossen.

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  • Detlef sagt:

    Die Sache mit den Mannschaften aus UK, macht auch mir bis heute Kopfzerbrechen!!! Es zeigt, dass sowohl in der UEFA, als auch in der FIFA, die alten Zöpfe noch nicht abgeschnitten sind!!!
    Deutschland könnte hier als gutes Beispiel gelten!!!
    Früher waren es zwei Staaten, und auch zwei Nationalmannschaften!!!
    Nach der Wiedervereinigung gab es nur noch einen Staat!!!
    Damit gab es auch nur noch eine Nationalmannschaft!!!
    Zur Abwechslung kann man also auch mal was von Deutschland lernen!!!

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  • Christian sagt:

    Du nennst es alte Zöpfe, Detlef, ich nenne es Tradition. Als der englische und der schottische Fußballverband gegründet wurden, da gab es übrigens auch schon ein Vereinigtes Königreich.
    Man muß nicht alles gleichmachen!
    Insbesondere die Länderkämpfe zwischen Schottland und England sind bei den Männern etwas ganz besonderes!
    Ich habe jedenfalls kein Problem damit, daß es vier britische Fußballverbände gibt, die an den UEFA- und FIFA-Wettbewerben teilnehmen.
    Umgekehrt ist freilich auch nichts dagegen einzuwenden, wenn sich alle vier für Olympia zu einem britischen Team zusammentun – und sei es nur bei den Frauen.
    Die beiden deutschen Staaten sind früher übrigens auch schon mal mit einem Team zu den OS gefahren. Olympia hat also schon öfter Raum für von den Nationalstaaten abweichende Mannschaften geboten.

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