Steffi Jones exklusiv: „Mein Leben in der Nationalmannschaft“ (Teil 1)

Von am 30. Mai 2007 – 0.00 Uhr 4 Kommentare

jones_part1.jpgNach 111 Länderspielen beendete Steffi Jones Ende März ihre grandiose Karriere in der Nationalmannschaft.

Von 1993 bis 2007 war die Weltmeisterin und dreifache Europameisterin eine der großen Leistungsträgerinnen in der DFB-Elf.

Für Womensoccer.de lässt Jones noch einmal exklusiv ihre 14 Jahre im Nationaldress Revue passieren. In Teil 1 der sechsteiligen Serie erinnert sie sich, wie alles begann.

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Mein Debüt gegen Dänemark

Am 3. Juli 1993 ging für mich ein Traum in Erfüllung, das war großartig. Wir spielten bei der EM in Italien im Spiel um Platz 3 gegen Dänemark und ich war wirklich froh, nicht von Anfang an spielen zu müssen. Denn ich habe mich noch gar nicht dazugehörig gefühlt. Ich hatte unendlich großen Respekt und habe gar nicht richtig kapiert, warum ich überhaupt ein Teil dieser Eliteauswahl war.

Steffi Jones exklusiv: „Mein Leben in der Nationalmannschaft“ (Teil 2)

Alle Spielerinnen schienen von ihren Leistungen noch so weit über mir zu sein. Spielerinnen wie Silvia Neid, Silke Rottenberg, Martina Voss, Heidi Mohr, Anouschka Bernhard, Birgit Austermühl, Dagmar und Kerstin Pohlmann und viele mehr. Da waren so reife und erfahrene Spielerinnen dabei, dass ich dachte: Da gehörst Du nicht hin. Die Nationalhymne konnte ich auch noch nicht, wofür ich mich wirklich geschämt habe. Das habe ich mit den vielen Länderspielen aber dann schnell hinbekommen, nachdem mir alle klar gemacht haben, wie wichtig das ist.Ich wurde nach einer Stunde eingewechselt, wir lagen schon 1:3 zurück. Als ich auf den Platz kam, wirkte er auf einmal viel größer als sonst, weil ich so angespannt war. Mit der Zeit wurde ich dann lockerer. Aber ich war bei allen meinen Länderspielen aufgeregt, auch wenn ich das Drumherum nie so mitbekommen habe. Für mich war immer wichtig, dass der erste oder zweite Ballkontakt gut funktioniert. Zum Glück hat das immer gut geklappt.

Anfangs war es schon sehr spannend. Man kannte die gegnerischen Spielerinnen nicht, alles war Neuland. Ich habe mich gefragt, ob meine Gegnerinnen schneller sind als ich. Es wurden einem schon viele Fähigkeiten abverlangt. Aber durch das Training war ich gut vorbereitet. Ich kann es bis heute noch nicht glauben, dass ich so viele Spiele gemacht habe. Wenn ich auf der Straße angesprochen werde, schmunzle ich und finde es schön. Das hätte ich mir als junges Mädchen nicht träumen lassen.

Mein erstes Tor

jones_1993.jpgSo ein Ereignis vergisst man nicht, das war witzig. Wir haben die Partie gegen Wales mit 12:0 gewonnen. Ich spielte auf der Außenbahn und habe das Tor zum 10:0 erzielt. Und das mit dem linken Fuß! Heidi Mohr hatte vom linken Flügel den Pass gegeben. Trotzdem war ich immer noch ein Küken im Team, aber die ganze Mannschaft hat uns junge Spielerinnen sofort integriert. Es war also ein relativ leichter Einstieg und wir kamen uns nicht ausgeschlossen vor. Natürlich durften wir Kleinen damals noch die Bälle schleppen, das ist heute anders.

Wenn ich in den Fahrstuhl eingestiegen bin, habe ich mich nicht getraut, eine andere Spielerin anzusprechen, so groß war der Respekt. Man hat gehofft, dass sie einen ansprechen. Tina (Theune-Meyer) haben die älteren Spielerinnen später ja geduzt, wir mussten immer Sie sagen. Das hat mich ganz schön verunsichert. Ich konnte Tina auch nie in die Augen sehen. Am Schlimmsten war es im Bus vorne, wenn sie mich zu sich gerufen hat und mir gesagt hat, was ich besser machen kann. Ich hatte immer das Gefühl, sie kann in mir lesen, wie in einem Buch. Ich war unglaublich schüchtern.

Wie hätte ich auch nur ahnen können, dass ich je einmal Leistungsträgerin oder Führungsspielerin werden könnte?

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