WM-Bilanz: Gestiegenes Niveau, zunehmende Politisierung

Von am 8. Juli 2019 – 13.02 Uhr 63 Kommentare

Die achte Frauenfußball-WM ist am Sonntag in Lyon mit dem Titelgewinn der favorisierten USA zu Ende gegangen. Zum Ausklang einer sportlich guten WM stand aber nicht der Sport, sondern einmal mehr das Thema gerechte Bezahlung im Mittelpunkt.

Logo der FIFA Frauenfußball-WM 2019 in Frankreich

Logo der FIFA Frauenfußball-WM 2019 in Frankreich © FIFA

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Das hatten sich FIFA-Präsident Gianni Infantino und Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron wohl anders vorgestellt. Erst mussten sie beim Einlauf ins Stade de Lyon die ohrenbetäubenden Pfiffe der vorwiegend amerikanischen unter den 57.900 Zuschauern ertragen und dann sah sich Infantino vor der Siegerehrung auch noch „Equal Pay“-Sprechchören von den Rängen ausgesetzt.

Kampf um Gleichbehandlung

Hintergrund sind einerseits die Ungleichbehandlung von Fußballerinnen und Fußballern seitens des Weltverbands, der für das Turnier in Frankreich ein Gesamtpreisgeld von rund 30 Mio. Euro ausschüttete, während bei der Männer-WM in Russland allein Weltmeister bereits 38 Mio. Euro bekam. Zudem haben 28 amerikanischen Nationalspielerinnen im März eine Klage gegen den US-Verband wegen Diskriminierung eingereicht, in der sie um gleiche Bezahlung kämpfen. Der bezahlt nämlich seinen deutlich weniger erfolgreichen Männern mehr Geld. Auch die DFB-Frauen hätten im Falle eines Titelgewinns 275.000 Euro weniger Geld als die Männer bei der WM 2018 in Russland erhalten.

Megan Rapinoe und Alex Morgan jubeln

Megan Rapinoe (re.) brachte mit dem ersten in einem WM-Finale verwandelten Elfmeter ihr Team auf Kurs © imago / PA Images

Megan Rapinoe als Vorreiterin

Als Vorreiterin dieser Bewegung gilt US-Star Megan Rapinoe, der neben starken Worten außerhalb des Platzes auch auf dem Rasen eine Klasse für sich war. Die zur Besten Spielerin der WM gekürte 34-Jährige, die zugleich dank ihres Treffers beim 2:0-Sieg gegen die Niederlande im Finale Beste Torschützin des Turniers wurde, nutzt ihre starke Position mit überbordendem Selbstbewusstsein und gewinnendem Lächeln zur Verbreitung ihrer Botschaft und den Kampf um mehr Gerechtigkeit. „Wir haben jetzt lange genug geredet, es ist an der Zeit Taten folgen zu lassen.“ Sie forderte die FIFA während des Turniers in mehreren Pressekonferenzen auf, mehr für die Entwicklung des weltweiten Fußballs, die Verbesserung der Infrastruktur und der Ligen zu unternehmen. „Unser Team ist im Begriff, die Welt um sich herum zu verändern, das ist unglaublich“, frohlockte Rapinoe nach dem Titelgewinn.

Starke Worte, starke Taten

Vor dem WM-Achtelfinale gegen Spanien hatte sie Schlagzeilen mit ihrer Ankündigung gemacht, bei einem Titelgewinn nicht ins „Fucking White House“ zu gehen. US-Präsident Donald Trump antwortete prompt mit einem Stakkato aus mehreren Tweets, Rapinoe möge erst einmal den Titel holen und Respekt vor Flagge und Hymne zeigen. Rapinoe ließ sich nicht beeindrucken und lief unter dem öffentlichen Druck und wachsender Erwartungshaltung erst richtig zur Höchstleistung auf. Das hinterließ offenbar auch Eindruck bei der FIFA: Infantino kündigte zwei Tage vor dem Finale eine Verdoppelung des Preisgelds für die WM 2023 an und plant eine Aufstockung des Teilnehmerfelds auf 32 Teams.

Sportlich gut, aber wenig Überraschungen

Rein sportlich war das Turnier trotz seines vorhersehbaren Siegers und nur wenigen Überraschungen durchaus dazu geeignet, den Forderungen der Fußballerinnen Nachdruck zu verleihen. Denn Highlight-Spiele wie das weltweit stark beachtete Duell zwischen den USA und Gastgeber Frankreich oder das US-Halbfinale gegen England lieferten genauso hochklassigen Sport wie etwa das Achtelfinale zwischen Australien und Norwegen. Neben dem WM-Sieg der USA waren auch der Finaleinzug von Europameister Niederlande sowie der starke Auftritt Englands mit seiner fortschreitenden Professionalisierung keine Überraschung. Einzig den dritten Platz Schwedens mit einer kompakten, aber doch recht unattraktiven Spielweise dürften nicht alle auf dem Zettel gehabt haben. Zu den positiven Überraschungen des Turniers gehörte Italien, das erst im Viertelfinale gestoppt wurde. Und auch Spanien deutete trotz des frühen Achtelfinal-Ausscheidens gegen Weltmeister USA an, in den kommenden Jahren zum direkten Angriff auf die Spitze zu blasen.

China und Japan enttäuschen

Zu den Verlierern des Turniers gehörten dagegen die asiatischen Mannschaften. China verabschiedete sich erstmals bei einer WM bereits im Achtelfinale, Japan schied ebenfalls gleich zu Beginn der K.-o.-Runde aus und zeigte nur eine Halbzeit lang gegen die Niederlande seinen gefürchteten Kombinationsfußball. Doch in beiden Ländern hat man die Zeichen der Zeit erkannt. So planen China ab 2020 bzw. Japan ab 2021 die Einführung einer Profiliga, Alibaba-Gründer Jack Ma will den Frauenfußball in seinem Heimatland China in den kommenden zehn Jahren mit rund 130 Millionen Euro unterstützen. Noch größer ist der Rückstand der südamerikanischen Teams. Einzig Brasilien war in der Lage, seine Gegner auch offensiv zu fordern, wie etwa im etwas unglücklich verlorenen Achtelfinale gegen Frankreich. Das Land wird aber in den kommenden Jahren den Nachwuchs stärker fördern müssen, wie auch Marta in ihrem flammenden, emotionalen Appell nach dem WM-Aus klar machte. Argentinien und Chile haben zwar gelernt, zu verteidigen und stellten in Vanina Correa und Christiane Endler zwei der besten Torhüterinnen des Turniers, doch offensiv blieben beide Teams harmlos. Alle 24 Teams zeigten sich in puncto Athletik, Technik und Taktik verbessert, doch Topteams wie die USA, Niederlande oder England haben ihre führende Position weiter zementiert.

Die Erlösung: Giulia Gwinn (Mi.) erzielt den Siegtreffer gegen China © imago / HMB-Media

DFB: Konzepte statt Lippenbekenntnisse gefragt

Auch der DFB wird in den kommenden Jahren vergrößerte Anstrengungen unternehmen müssen, um nach dem Viertelfinal-Aus gegen Schweden nicht weiter den Anschluss an die Weltspitze zu verpassen. So gilt es, nicht nur grundsätzliche Dinge, wie die systematische Talentsichtung, die Trainerausbildung oder die Spielplangestaltung der Bundesliga zu optimieren. Darüber kann auch die Auszeichnung von Giulia Gwinn zur besten jungen Spielerin des Turniers nicht hinwegtäuschen. Es werden Verband, Bundesligateams und Spielerinnen gleichermaßen gefragt sein, ihren Sport mit einer größeren Ernsthaftigkeit in die Öffentlichkeit zu tragen. Konzepte müssen Lippenbekenntnisse ersetzen. Dazu wird es auch gehören, mit hartnäckiger Überzeugungskraft um mehr TV-Übertragungen bei den Fernsehsendern zu werben, die Medien besser mit Informationen zu versorgen und nicht wie in der Vergangenheit, Chancen zu verpassen. So blieb etwa während der WM in Frankreich der neue Bundesligasponsor Flyeralarm in Sachen Frauenfußball stumm, anstatt die Gelegenheit zu nutzen, Werbung in eigener Sache für die am 16. August beginnende Bundesligasaison zu betreiben.

Noch keine Tickets für EM-Quali

Und auch die Spielerinnen werden sich ihrem Sport mit noch größerer Verve verschreiben und auch öffentlich mit mehr Nachdruck Stellung beziehen müssen, um den Frauenfußball anzuschieben. Es gilt nicht zwangsläufig, nach deutschen Megan Rapinoes, Ada Hegerbergs oder Pernille Harders Ausschau zu halten, aber ein bisschen meinungsstärker dürften auch die DFB-Spielerinnen öffentlich auftreten. Doch es scheint erst einmal unverändert weiter zu gehen: Am 31. August tritt die DFB-Elf in Kassel zu ihrem ersten EM-Qualifikationsspiel gegen Montenegro an. Tickets kann man für die Partie bisher nicht kaufen. Anders als in England, wo etwa für das Duell gegen Deutschland in Wembley am 9. November der Vorverkauf längst läuft und bereits über 20.000 Tickets abgesetzt wurden. Und auch für das erste EM-Quali-Heimspiel des WM-Dritten Schweden gegen die Slowakei am 8. Oktober in Göteborg hat der Ticketvorverkauf längst begonnen.

Statistiken zum Turnier

Zuschauerzahl: 1,13 Mio.
Zuschauerschnitt/Spiel: 21.756
Tore: 146
Tore/Schnitt: 2,81
Meiste Tore: 26 (USA)
Wenigste Tore: 1 (China, Jamaika, Südkorea, Neuseeland, Südafrika, Thailand)
Meiste Gegentore: 20 (Thailand)
Wenigste Gegentore: 2 (Deutschland)
Elfmeter: 26 (18 verwandelt, 8 verschossen)
Eigentore: 8
Tore durch Einwechselspielerinnen: 12 von 146 (8,22%)
Beste Torschützinnen: 6 (Megan Rapinoe, Alex Morgan, Ellen White)
Jüngste Torschützin: 19 Jahre, 11 Monate, 6 Tage (Giulia Gwinn am 8. Juni beim 1:0-Sieg gegen China)
Schnellstes Tor: 2 Minuten, 10 Sekunden (Jill Scott am 27. Juni beim 3:0-Sieg gegen England)
Höchster Sieg: 13:0 (USA gegen Thailand am 11. Juni)

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Markus Juchem (51) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

63 Kommentare »

  • Der Zuschauer sagt:

    Ich habe da mal eine Frage.

    Am Samstag beginnt die U 19 EM in Schottland. In der aktuellen Aufstellung der Mannschaft ( lt.der DFB Seite) fehlt eine Oberdorf und Gwin.Warum spielen die nicht mit.Vom Alter her müße das doch gehen.
    Oder darf man an U19 oder U20 Tunieren nicht mehr teilnehmen,wenn man einmal in der
    A- Mannschaft gespielt hat?
    Oder ist das schon die übergestülpte Arroganz der Spielerinnen?
    Es wäre schön wenn jemand mir die Fragen beantworten könnte.
    Danke

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  • Bernd sagt:

    Fan2 schrieb:
    „Allein diese Liga (U17) ist zum ganz großen Teil dafür verantwortlich, dass es unserer N11 aktuell so schlecht geht, senkt sie doch das Niveau des gesamten Nachwuchses.“

    Unsere U17-Mädels sind gerade erst Europameisterinnen geworden. Wieso redest Du unseren Nachwuchs so schlecht und meinst von unten würde nichts nachkommen?
    https://www.dfb.de/fileadmin/_processed_/201905/csm_198603-siegerbild_u17-em_7984615eef.jpg

    Die U19-EM fängt erst am Dienstag an. Alle Vorrundenspiele des deutschen Teams werden übrigens live auf Sport 1 im Free TV übertragen!
    Mit England, Spanien und Belgien wartet eine schwere Gruppenphase auf die deutschen Mädels. Das letzte Testspiel wurde nach einem knappen 0:1 zuvor, dann mit 3:1 gegen die USA gewonnen.
    Hmm, haben die USA auch Nachwuchsprobleme?

    Fan2, ich wünsche Dir mal einen so großen Erfolg wie ihn unsere U17-Mädels gerade erst hatten! Evtl. kannst Du das Leben dann ja mal ein klein wenig positiver betrachten und musst nicht mehr alles irgendwie schlecht reden.

    (7) 13 Gesamt – 10 hoch – 3 runter
  • Detlef sagt:

    @Fußball F1,
    Eine Bundestrainerin hat ein schier unerschöpfliches Reservoir an Spielerinnen zur Verfügung, im Gegensatz zu einer Veteinsrainerin!!!
    Sie sucht sich die heraus, die ihren Vorstellungen

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  • Detlef sagt:

    @Fußball F1,
    Eine Bundestrainerin hat ein schier unerschöpfliches Reservoir an Spielerinnen zur Verfügung, im Gegensatz zu einer Veteinsrainerin!!!
    Sie sucht sich die heraus, die ihren Vorstellungen entsprechen!!!
    Problematisch wird es immer dann, wenn angeschlagene-, nicht fitte-, bzw ohne Spielpraxis ausgestattete Spielerinnen bevorzugt werden, und dafür gesunde Kickerinnen zuhause bleiben müssen!!!

    Das fing vor allem mit der Bundesgöttin an, und zieht sich seit dem wie ein roter Faden durch die DFB Auswahlen, bishin zu den Männern!!!
    Martina ließ ganz bewußt erfahrene Leute wie BABETT PETER, oder Simone Laudehr zuhause, und nahm ebenso bewußt unerfahrene und teils sehr junge Spielerinnen mit nach Frankreich!!!
    Dann darf ich aber auch nicht bei jeder schlechten Leistung (erstrecht nicht bei Niederlagen) genau diese Spielerinnen als Alibi hernehmen!!!
    Irgendwer hat ausgerechnet, daß Deutschland gegen Schweden mit einem Kader jenseits der 27 Jahre aufgelaufen ist (ich habe es nicht nachgerechnet)!!!
    Und dann kam nach dem 1:2 prompt die Entschuldigung, wir hätten ja so einen jungen- und unerfahrenen Kader gehabt!!!

    Und Kellermann ist doch ein Zyniker!!!
    Er schwächt bewußt die Konkurrenz in der Liga, indem er deren Leistungstrãgerinnen abwirbt, und beschwert sich dann auch noch, daß das Niveau der Buli absinke!!!
    Er kann doch gar kein Interesse daran haben, daß andere Profivereine genauso in den FF investieren wie sein VfL!!!
    Denn dann funktioniert ja sein Geschäftsmodell nicht mehr, und die Gehälter in der Buli würden weiterhin eskalieren, und man würde ihm auch national die Topleute abluchsen!!!

    (-4) 10 Gesamt – 3 hoch – 7 runter
  • Detlef sagt:

    @Sheldon,
    Ich weiß nicht so recht, ob die U17-Liga wirklich das Hauptproblem ist???
    In den USA spielen die jungen Mädchen ja eigentlich nie gegen Jungs, und trotzdem wird dort von Anfang an ein sehr körperliches und athletisches Spiel trainiert!!!

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  • Zaunreiter sagt:

    Was die angesprochene Politisierung angeht…

    Gestern hat die taz getitelt:

    https://taz.de/Rapinoe-Rackete-Thunberg/!5611644/

    (-6) 8 Gesamt – 1 hoch – 7 runter
  • fufbal van sagt:

    @Detlef
    du hast das ewentuell glaube ich noch, nicht ganz verstanden glaube ich. Deshalb nimt man doch die jungen Spielerinnen mit damit, man eine Entschuldigung hat wenn es nicht klappt.
    Nicht wirklich direkt eine Entschuldigung aber etwas wo, die Event-Fans dann weiter positiv sehen, koennen. Auserdem kan man wenigstens wenn sonst schon nicht aber auf die juengste Spielerin Titel stolz sein. Bitte dass nicht unterschaetsen. Das ist auch alleine ein Event an sich.
    Ein noch kleverer Trainer haette eben auch noch viel juengere mitgenommen das, wahr unverstaendlich. Es waere naemlich auch ein riesen Event gewesen die juengste WM-Spielerin aller Zeiten zu haben also warum nicht mal eine 15 jaehrige beimischen im Kader wo eh nicht alle spielen koennen und dan mal einwechseln. Der Reporter waere mit sicherheit geflippt fuer so, ein Event.
    Und die sagen dann wir haten ja auch eine junge Mannschaft und sind fuer die Zukunft positiv, was man ja hier sieht das, es sehr wichtig ist.
    Und das kann man dann einfach das naechste Mal wieder gleich machen. So kann man immer etwas positiv sehen und braucht nicht so viel kritisiehren und kann immer auf, die Zukunft auch stolz sein.
    Das nennt man win-win Taktik im modernen Fussball-Deutsch.

    (-5) 9 Gesamt – 2 hoch – 7 runter
  • enthusio sagt:

    @Der Zuschauer:

    Ich vermute, dass Gwinn und Oberdorf ihren wohlverdienten Urlaub genießen und nach der kräfteraubenden Bundesligasaison und anschließender WM logischerweise nicht bei einem weiteren Turnier eingesetzt werden können.

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  • Sundermann sagt:

    @Der Zuschauer

    Die von dir genannten Spielerinnen haben die Saison 18/19 hinter sich, dann waren sie bei der WM dabei. Jetzt geht die Saisonvorbereitung los, die WM-Spielerinnen haben noch Pause und steigen da später ein. Sollen die beiden jungen Spielerinnen in ihrer Pause noch ein weiteres Tunier spielen?

    Und was bitte ist eine „übergestülpte Arroganz der Spielerinnen“?

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  • sonic sagt:

    @Bernd

    „Unsere U17-Mädels sind gerade erst Europameisterinnen geworden. Wieso redest Du unseren Nachwuchs so schlecht und meinst von unten würde nichts nachkommen?“

    Die Frage ist halt, ob das ein Verdienst der U17-Bundesliga ist.
    Diese hat Fan2 primär kritisiert und nicht den ganzen Nachwuchs. Oberdorf und Nüsken hat er ja als positive Gegenbeispiele genannt.

    Der überwiegende Teil der U17-EM (und insbesondere die „Stammelf“) ist letzte Saison in der 2. Liga aufgelaufen. Leistungsträgerinnen wie Wamser und Gräwe waren, soweit ich weiß, noch bei den Jungs aktiv.

    Dunkel erinnere ich mich, dass sich selbst eine der DFB-Nachwuchstrainerinnen kritisch zum Niveau der U17-Bundesliga geäußert hat.

    Die U17-Bundesliga ist sicherlich nicht „zum ganz großen Teil dafür verantwortlich, dass es unserer N11 aktuell so schlecht geht“ (Fan2), denn die Probleme in der Nationalmannschaft und im Verband zeichneten sich ja schon ab, bevor die U17-BL etabliert wurde (2012). Aber für hilfreich, dass Niveau zu steigern und die Anforderungen hoch zu halten, halte ich sie auch nicht. Gerade für Mädchen, die bis zur C-Jugend mit Jungs gespielt haben, dürfte die B-Juniorinnen-BL keine Steigerung des Anspruchsniveaus bieten, sie werden nicht ausreichend gefordert und es besteht die Gefahr, dass sie stagnieren.

    Also vielleicht erstmal informieren, über eine Behauptung nachdenken und nicht gleich alles schön reden, nur damit die Friede-Freude-Eierkuchen-Welt bestand hat. 😉

    @Der Zuschauer

    Der DFB vermeidet es grundsätzlich junge Spielerinnen zu mehr als einem Turnier pro Jahr zu schicken, um zu starke Belastungen zu vermeiden.

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  • Fan2 sagt:

    @Zuschauer: Gwinn und Oberdorf haben gerade erst eine WM in den Knochen. Das ist nicht etwas, was man gerade mal so mitnimmt. Außerdem sind sie Schülerinnen und haben die Vorbereitung für die nächste Saison noch vor sich. Irgendwann sollten gerade diese jungen Spielerinnen

    @Bernd: Wen interessiert eine solche U17-EM? Genauso wie ein Testspiel? Ich habe ein wenig den Eindruck, dass wir uns in Deutschland vielleicht manchmal etwas zuviel um die falschen Erfolge kümmern. Ich vermute mal, dass die U17- und U19-Spielerinnen von England, Spanien etc. diesem Titel nicht unbedingt ne Träne hinterherheulen, wenn sie irgendwann dann dafür den echten EM- und WM-Titel holen.
    Worum es mir geht, sind nicht ein paar Trostpreise. Mir geht es darum, dass Deutschland irgendwann wieder Weltmeister wird, denn keinen geringeren Anspruch darf man in Deutschland haben.
    Und hier spielt die U17-Liga eine gewichtige Rolle. Sie an sich ist nicht das Problem. Das Problem ist, dass sie an die Stelle einer viel besseren Förderung tritt: in den regionalen Männerligen, Steigerungsfähigkeit nach oben hin jederzeit offen, kurze Fahrtwege, wenig Reisekosten, optimal zu verbinden mit Schule oder Ausbildung. Gerade das herausragende Talent von Topspielerinnen verkümmert dort massiv. Um gerade so (im Elfmeterschießen) den U17-Titel mitzunehmen, reicht es dann noch, um sich langfristig in der Bundesliga zu etablieren, nicht. Von den Europameisterinnen schaffen es erfahrungsgemäß meist gerademal so die Hälfte, sich überhaupt durchzusetzen (meist v.a. die, die nie U17 gespielt haben), und von denen spielen meist schon einige Bundesliga. Insofern kann ich nicht sehen, wie die U17-Liga tatsächlich zu diesen Erfolgen nennenswert beiträgt.

    @Detlef: Hast du da genauere Informationen, wie das in den USA bis zum College geregelt ist?

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  • balea sagt:

    Auch das ist noch eine interessante Nachlese:
    https://www.deutschlandfunk.de/anzeige-wegen-diskriminierung-schwedens-fussballverband-in.1346.de.html?dram:article_id=453798

    Mir scheint, dass die erhöhte „Politisierung“ des Themas viele Medien zu einer ernsthafteren Auseinandersetzung mit dem Stoff motiviert hat.

    (2) 4 Gesamt – 3 hoch – 1 runter
  • Bernd sagt:

    Für das Frauenländerspiel der Lionesses gegen Deutschland sind bereits über 40000 Tickets verkauft worden! Ein neuer engischer Zuschauerrekord für ein Frauenfussballländerspiel ist schon bald erreicht.

    http://www.thefa.com/news/2019/jul/12/england-women-belgium-120719
    That fixture will be followed by Germany coming to Wembley Stadium connected by EE on Saturday 9 November – with more than 40,000 tickets having already been sold.

    (4) 6 Gesamt – 5 hoch – 1 runter
  • Bernd sagt:

    @ sonic
    Lieber lebe ich in einer Friede-Freude-Eierkuchen-Welt, als in einer Krieg-Ärger-Kotzkuchen-Welt! Man muss wahrlich nicht alles schön reden, aber bei der pauschalen Kritik gegen Alles und Jedes ist es mir wichtig mal mehr Realität in die Debatten zu bringen. Oder sonic, bring mir doch mal Beispiele wo schlechtreden geholfen hat. Im Gegensatz zu Dir habe ich mich informiert und es ist wissenschaftlich erwiesen, dass positives Denken weitaus erfolgreicher ist, als ständig das Negative zu betonen. Wenn man hier die Kommentare liest, müsste man glauben Deutschland fände sich ca. auf Platz 57 der FIFA-Weltrangliste wieder. Bei der Rangliste zählen aber schließlich die Ergebnisse und nichts anderes! Hinter den Amerikanerinnen befindet sich in einigem Abstand ein Team was viele in Ihren Beschreibungen ganz woanders verorten. Das Feld hinter den USA ist stark zusammen gerückt. Gut so! Das garantiert Spannung beim Kampf um die Plätze und ergibt viele interessante Partien. Wer meint Deutschland müsste immer Weltmeister sein, der erinnert mich an dunkle Zeiten, wo der DFB bei den Männern, angelehnt an die Nazis, eine ähnliche Ideologie verfolgte. Warum dürfen nicht auch Andere mal besser sein? Das ist das Normalste auf der Welt. Die Position in der Verfolgung ist keine Schlechte und kann wieder neue Kräfte freisetzen.!
    Deutschland ist auf Platz 2 der aktuellen FIFA-Weltrangliste! Ist da auch der DFB dran „Schuld“, oder die U17, oder das Fernsehen, oder, oder, oder? Sorry sonic, aber eine Weltrangliste ist ein tatsächlicher Vergleich der Frauenfussballnationen und nicht die der teils sehr schrägen Argumente, die keinerlei Überprüfung standhalten und sich oftmals dazu noch gegenseitig widersprechen.
    Die deutsche Männernationalmannschaft befindet sich übrigens auf Rang 11 der Weltrangliste. Schlechtreden tun den deutschen Frauenfussball hier schon genug, in den Chor muss ich nicht mit einstimmen. Das heißt keineswegs, dass ich nichts zu kritisieren hab. Aktuell finde ich es z.B. sehr bedauerlich, dass das nächste Frauenländerspiel in Deutschland in einem Leichtathletikstadion ausgetragen wird. Dazu könnten die Eintrittspreise deutlich günstiger sein. England hat eigentlich hohe Eintrittspreise. Die Tickets für Frauenländerspiele sind dort aber deutlich günstiger als bei uns. Dafür ist klar auch der DFB verantwortlich, aber eben nicht pauschal für Alles!

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  • adipreissler sagt:

    @Detlef: Die deutsche Startelf gegen Schweden war im Schnitt 24 Jahre alt, Schweden brachte es auf 29,4 Jahre (Blackstenius mit 23 die einzige unter 26).

    (4) 6 Gesamt – 5 hoch – 1 runter
  • Bernd sagt:

    Danke adipreissler!
    Zudem waren die jungen deutschen Spielerinnen bei der WM sicherlich eher ein positiver Faktor.

    (3) 5 Gesamt – 4 hoch – 1 runter
  • Der Zuschauer sagt:

    Alle, die meine Frage beantwortet haben ,herzlichen Dank.
    Klar die Schule,der verdiente Urlaub ist natürlich sehr wichtig und muß auch sein.
    Ich habe zu meiner Entschuldigung aber beim Schreiben nicht daran gedacht,daß die Spielerinnen natürlich auch mal Pause machen müssen.

    @ Sundermann Was ist eine übergestülpte Arroganz?

    Ja,der Begriff fiel mir einfach so beim Schreiben ein und ich meine damit:
    Ältere ,erfahrene und erfolgreiche Spielerinnen umströmt eine gewisse,manchmal auch eine selbst nicht wahrnehmbare,Arroganz.Diese fehlt aus meiner Sicht aber den ganz jungen Frauen. Zum Gück,so können Sie ungezwungen aufspielen.
    Und diese Arroganz wird nun den Jungen übergestülpt ,nach dem Motto: Du hast doch gerade eine A- WM gespielt und jetzt willst du bei einer U19 mitmachen?
    So in etwa habe ich das gemeint.Also den Begriff bitte nicht überbewerten.

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  • Rudi sagt:

    Was diese Weltrangliste der FIFA betrifft würde mich mal interessieren nach welchen Ergebnissen bzw. Erfolgen diese Weltrangliste berechnet wird.
    Vielleicht weis das jemand bzw. kann Auskunft darüber wo man das nachlesen kann?
    Zur U17 Mädchenliga stehe ich auch etwas skeptisch gegenüber. Vor Allem wenn man den Leistungsunterschied in und auch zwischen den 3 Gruppen sieht. Als Beispiel sei nur das Halbfinale zwischen den U17 Mädels des VfL Wolfsburg und der SGS Essen genannt. Im Sportbuzzer ist dazu auch ein eher skeptisches Interview mit Stephan Lerch zu lesen. Eine Patentlösung hab ich da jetzt aber auch nicht. Es wäre schon interessant zu wissen wie das in den USA praktiziert wird, denn sehr große Erfolge der USA bei U-Weltmeisterschaften fallen mir da jetzt gerade nicht ein.
    Zur Bundestrainerin sei noch gesagt, ich frage mich wie kann ich als Minimalziel bei dieser WM die Quali für Olympia 2020 in Japan ausgeben und dann mit einem zum Teil international unerfahrenen Kader in dieses Turnier gehen? Oder hat sie vielleicht geglaubt an Hand des Turnierbaumes bei der WM und dem vermutlich ersten schweren Gegner mit eventuell Schweden werde man schon fertig, weil man ja 24 Jahre nicht mehr gegen die verloren hat? Auch ich hätte die jungen Spielerinnen wie Bühl, Gwinn und Oberdorf zur WM mitgenommen aber auch mehr erfahrene Spielerinnen wie eben z.B. eine Babett Peter oder Simone Laudehr, vor Allem in der Abwehr. Langzeit verletzte Spielerinnen wie z.B. Dallmann oder Spielerinnen welche in ihren Heimatvereinen nicht mal Stammspielerinnen sind, wie z.B. Maier, Simon hätte ich zu Hause gelassen. Den Prozess ( was sie darunter auch versteht?) von welchen Frau Voss immer wieder gesprochen hat, der hätte auch nach der WM beginnen können.

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  • Fan2 sagt:

    @Bernd: Es ist hinlänglich bekannt, dass die Weltrangliste nach einem Konstrukt berechnet ist, das höchst ungeeignet ist, die tatsächliche Qualität abzubilden.
    Doch auch die aktuelle Weltrangliste kann eine Entwicklung nicht verhehlen: Denn nie war der Vorsprung auf Platz 6 so gering wie aktuell (nur 38 Punkte) und durch die verpasste Olympia-Quali wird man dorthin demnächst vermutlich auch durchgereicht. Dieser Platz wird dann deutlich besser zum Ausdruck bringen, wo Deutschland international aktuell steht, nämlich mindestens hinter Frankreich, England und den Niederlanden.
    Dazu sollte man auch wissen: Deutschland war in der Weltrangliste seit 2003 nie schlechter als Platz 3.

    Dies alles ist kein Schlechtreden. Das ist Realismus. Nur Träumer werten diesen als Pessimismus. Es geht auch nicht darum, ob man gerade so noch 23 begabte Spielerinnen zusammenbekommt, um im Viertelfinale einer WM sang- und klanglos auszuscheiden. Es geht um die grundsätzliche Struktur des deutschen FFs.

    Wenn ich zurückdenke, so hatten wir in Deutschland vor 8 Jahren noch genug Potential, um zwei Nationalmannschaften zur WM zu schicken, die es unter die besten 8 hätten schaffen können, wenn nicht sogar unter die besten 4. Nur aufgrund einer völlig indisponierten Trainerin wurde der WM-Titel nicht verteidigt. Wenn man sich bloß anschaut, wen Neid damals alles zuhause gelassen hat bzw. zuhause lassen musste: Pohlers, Odebrecht, Keßler, Mittag, Henning, Sarholz, Marozsan, Weiß, nicht zu vergessen noch eine ganze Reihe an Talenten, hört sich das durchaus anders als heutzutage an, wo man froh ist, noch gerade so 23 Spielerinnen aufzutreiben.

    Und die Tendenz ist eher abnehmend als zunehmend! Wieso? Weil kaum eine der U17-Spielerinnen tatsächlich die Wettbewerbshärte haben, um sich in einer der weltbesten Ligen durchzusetzen. Das wäre – würden sie bei den Männern spielen – deutlich anders.

    Noch eines dazu: Damals hatten wir mit Schmidt, Brosius, Wermelt, Popp, Maier, J. Arnold, Simon, Elsig, Ni. Rolser, Pollmann, Prießen, Doorsoun, Petzelberger, Wensing, Utes, Kulig, Steinbach, Seiler, S. Arnold, Mirlach, Marozsan, Bakir, Moik, Lahr, Bade, Rauch, Beckmann, Na. Rolser, Huth, Zweigler, Pyko, Petermann und Malinowski noch 33 deutsche U-20-Spielerinnen in der Liga, die mehr als die Hälfte der Saison auf dem Platz standen.

    Heute sind es mit Pawollek, Schüller, Gwinn, Minge, Lohmann, Lattwein, Feldkamp, Bühl, Hausicke, Freigang, Chmielinski, Wichmann, Oberdorf, Uebach, Schwalm und Hartig nicht einmal mehr die Hälfte.

    Insgesamt ist das eine Entwicklung, die niemand leugnen kann. Genauso wenig ist zu leugnen, dass die meisten dieser Spielerinnen nicht wirklich ein Aushängeschild für die U17-Liga sind. Mit Pawollek, Lattwein und Oberdorf kamen drei der größten deutschen Talente von den Männern und haben nie U17 gespielt, auch Uebach hat nie ein U17-Spiel bestritten, auch Gwinn, Lohmann und Minge wurden früh hochgezogen und haben keine 10 Spiele in dieser Liga bestritten.

    Von den Toptalenten bleiben eigentlich nur Schüller, Bühl, Feldkamp, Chmielinski und Schwalm übrig, die tatsächlich in der U17 aktiv waren. Es stellt sich allerdings die Frage, ob nicht alle deutlich besser heute wären, wenn sie nicht diese Liga durchlaufen hätten. V.a. bei Chmielinski, die mit 14 schon phänomenal war, stellt sich diese Frage, aber durchaus auch bei den anderen Spielerinnen, die sich bis jetzt doch unter Wert verkauft haben.

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