WM-Bilanz: Gestiegenes Niveau, zunehmende Politisierung

Von am 8. Juli 2019 – 13.02 Uhr 90 Kommentare

Die achte Frauenfußball-WM ist am Sonntag in Lyon mit dem Titelgewinn der favorisierten USA zu Ende gegangen. Zum Ausklang einer sportlich guten WM stand aber nicht der Sport, sondern einmal mehr das Thema gerechte Bezahlung im Mittelpunkt.

Logo der FIFA Frauenfußball-WM 2019 in Frankreich

Logo der FIFA Frauenfußball-WM 2019 in Frankreich © FIFA

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Das hatten sich FIFA-Präsident Gianni Infantino und Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron wohl anders vorgestellt. Erst mussten sie beim Einlauf ins Stade de Lyon die ohrenbetäubenden Pfiffe der vorwiegend amerikanischen unter den 57.900 Zuschauern ertragen und dann sah sich Infantino vor der Siegerehrung auch noch „Equal Pay“-Sprechchören von den Rängen ausgesetzt.

Kampf um Gleichbehandlung

Hintergrund sind einerseits die Ungleichbehandlung von Fußballerinnen und Fußballern seitens des Weltverbands, der für das Turnier in Frankreich ein Gesamtpreisgeld von rund 30 Mio. Euro ausschüttete, während bei der Männer-WM in Russland allein Weltmeister bereits 38 Mio. Euro bekam. Zudem haben 28 amerikanischen Nationalspielerinnen im März eine Klage gegen den US-Verband wegen Diskriminierung eingereicht, in der sie um gleiche Bezahlung kämpfen. Der bezahlt nämlich seinen deutlich weniger erfolgreichen Männern mehr Geld. Auch die DFB-Frauen hätten im Falle eines Titelgewinns 275.000 Euro weniger Geld als die Männer bei der WM 2018 in Russland erhalten.

Megan Rapinoe und Alex Morgan jubeln

Megan Rapinoe (re.) brachte mit dem ersten in einem WM-Finale verwandelten Elfmeter ihr Team auf Kurs © imago / PA Images

Megan Rapinoe als Vorreiterin

Als Vorreiterin dieser Bewegung gilt US-Star Megan Rapinoe, der neben starken Worten außerhalb des Platzes auch auf dem Rasen eine Klasse für sich war. Die zur Besten Spielerin der WM gekürte 34-Jährige, die zugleich dank ihres Treffers beim 2:0-Sieg gegen die Niederlande im Finale Beste Torschützin des Turniers wurde, nutzt ihre starke Position mit überbordendem Selbstbewusstsein und gewinnendem Lächeln zur Verbreitung ihrer Botschaft und den Kampf um mehr Gerechtigkeit. „Wir haben jetzt lange genug geredet, es ist an der Zeit Taten folgen zu lassen.“ Sie forderte die FIFA während des Turniers in mehreren Pressekonferenzen auf, mehr für die Entwicklung des weltweiten Fußballs, die Verbesserung der Infrastruktur und der Ligen zu unternehmen. „Unser Team ist im Begriff, die Welt um sich herum zu verändern, das ist unglaublich“, frohlockte Rapinoe nach dem Titelgewinn.

Starke Worte, starke Taten

Vor dem WM-Achtelfinale gegen Spanien hatte sie Schlagzeilen mit ihrer Ankündigung gemacht, bei einem Titelgewinn nicht ins „Fucking White House“ zu gehen. US-Präsident Donald Trump antwortete prompt mit einem Stakkato aus mehreren Tweets, Rapinoe möge erst einmal den Titel holen und Respekt vor Flagge und Hymne zeigen. Rapinoe ließ sich nicht beeindrucken und lief unter dem öffentlichen Druck und wachsender Erwartungshaltung erst richtig zur Höchstleistung auf. Das hinterließ offenbar auch Eindruck bei der FIFA: Infantino kündigte zwei Tage vor dem Finale eine Verdoppelung des Preisgelds für die WM 2023 an und plant eine Aufstockung des Teilnehmerfelds auf 32 Teams.

Sportlich gut, aber wenig Überraschungen

Rein sportlich war das Turnier trotz seines vorhersehbaren Siegers und nur wenigen Überraschungen durchaus dazu geeignet, den Forderungen der Fußballerinnen Nachdruck zu verleihen. Denn Highlight-Spiele wie das weltweit stark beachtete Duell zwischen den USA und Gastgeber Frankreich oder das US-Halbfinale gegen England lieferten genauso hochklassigen Sport wie etwa das Achtelfinale zwischen Australien und Norwegen. Neben dem WM-Sieg der USA waren auch der Finaleinzug von Europameister Niederlande sowie der starke Auftritt Englands mit seiner fortschreitenden Professionalisierung keine Überraschung. Einzig den dritten Platz Schwedens mit einer kompakten, aber doch recht unattraktiven Spielweise dürften nicht alle auf dem Zettel gehabt haben. Zu den positiven Überraschungen des Turniers gehörte Italien, das erst im Viertelfinale gestoppt wurde. Und auch Spanien deutete trotz des frühen Achtelfinal-Ausscheidens gegen Weltmeister USA an, in den kommenden Jahren zum direkten Angriff auf die Spitze zu blasen.

China und Japan enttäuschen

Zu den Verlierern des Turniers gehörten dagegen die asiatischen Mannschaften. China verabschiedete sich erstmals bei einer WM bereits im Achtelfinale, Japan schied ebenfalls gleich zu Beginn der K.-o.-Runde aus und zeigte nur eine Halbzeit lang gegen die Niederlande seinen gefürchteten Kombinationsfußball. Doch in beiden Ländern hat man die Zeichen der Zeit erkannt. So planen China ab 2020 bzw. Japan ab 2021 die Einführung einer Profiliga, Alibaba-Gründer Jack Ma will den Frauenfußball in seinem Heimatland China in den kommenden zehn Jahren mit rund 130 Millionen Euro unterstützen. Noch größer ist der Rückstand der südamerikanischen Teams. Einzig Brasilien war in der Lage, seine Gegner auch offensiv zu fordern, wie etwa im etwas unglücklich verlorenen Achtelfinale gegen Frankreich. Das Land wird aber in den kommenden Jahren den Nachwuchs stärker fördern müssen, wie auch Marta in ihrem flammenden, emotionalen Appell nach dem WM-Aus klar machte. Argentinien und Chile haben zwar gelernt, zu verteidigen und stellten in Vanina Correa und Christiane Endler zwei der besten Torhüterinnen des Turniers, doch offensiv blieben beide Teams harmlos. Alle 24 Teams zeigten sich in puncto Athletik, Technik und Taktik verbessert, doch Topteams wie die USA, Niederlande oder England haben ihre führende Position weiter zementiert.

Die Erlösung: Giulia Gwinn (Mi.) erzielt den Siegtreffer gegen China © imago / HMB-Media

DFB: Konzepte statt Lippenbekenntnisse gefragt

Auch der DFB wird in den kommenden Jahren vergrößerte Anstrengungen unternehmen müssen, um nach dem Viertelfinal-Aus gegen Schweden nicht weiter den Anschluss an die Weltspitze zu verpassen. So gilt es, nicht nur grundsätzliche Dinge, wie die systematische Talentsichtung, die Trainerausbildung oder die Spielplangestaltung der Bundesliga zu optimieren. Darüber kann auch die Auszeichnung von Giulia Gwinn zur besten jungen Spielerin des Turniers nicht hinwegtäuschen. Es werden Verband, Bundesligateams und Spielerinnen gleichermaßen gefragt sein, ihren Sport mit einer größeren Ernsthaftigkeit in die Öffentlichkeit zu tragen. Konzepte müssen Lippenbekenntnisse ersetzen. Dazu wird es auch gehören, mit hartnäckiger Überzeugungskraft um mehr TV-Übertragungen bei den Fernsehsendern zu werben, die Medien besser mit Informationen zu versorgen und nicht wie in der Vergangenheit, Chancen zu verpassen. So blieb etwa während der WM in Frankreich der neue Bundesligasponsor Flyeralarm in Sachen Frauenfußball stumm, anstatt die Gelegenheit zu nutzen, Werbung in eigener Sache für die am 16. August beginnende Bundesligasaison zu betreiben.

Noch keine Tickets für EM-Quali

Und auch die Spielerinnen werden sich ihrem Sport mit noch größerer Verve verschreiben und auch öffentlich mit mehr Nachdruck Stellung beziehen müssen, um den Frauenfußball anzuschieben. Es gilt nicht zwangsläufig, nach deutschen Megan Rapinoes, Ada Hegerbergs oder Pernille Harders Ausschau zu halten, aber ein bisschen meinungsstärker dürften auch die DFB-Spielerinnen öffentlich auftreten. Doch es scheint erst einmal unverändert weiter zu gehen: Am 31. August tritt die DFB-Elf in Kassel zu ihrem ersten EM-Qualifikationsspiel gegen Montenegro an. Tickets kann man für die Partie bisher nicht kaufen. Anders als in England, wo etwa für das Duell gegen Deutschland in Wembley am 9. November der Vorverkauf längst läuft und bereits über 20.000 Tickets abgesetzt wurden. Und auch für das erste EM-Quali-Heimspiel des WM-Dritten Schweden gegen die Slowakei am 8. Oktober in Göteborg hat der Ticketvorverkauf längst begonnen.

Statistiken zum Turnier

Zuschauerzahl: 1,13 Mio.
Zuschauerschnitt/Spiel: 21.756
Tore: 146
Tore/Schnitt: 2,81
Meiste Tore: 26 (USA)
Wenigste Tore: 1 (China, Jamaika, Südkorea, Neuseeland, Südafrika, Thailand)
Meiste Gegentore: 20 (Thailand)
Wenigste Gegentore: 2 (Deutschland)
Elfmeter: 26 (18 verwandelt, 8 verschossen)
Eigentore: 8
Tore durch Einwechselspielerinnen: 12 von 146 (8,22%)
Beste Torschützinnen: 6 (Megan Rapinoe, Alex Morgan, Ellen White)
Jüngste Torschützin: 19 Jahre, 11 Monate, 6 Tage (Giulia Gwinn am 8. Juni beim 1:0-Sieg gegen China)
Schnellstes Tor: 2 Minuten, 10 Sekunden (Jill Scott am 27. Juni beim 3:0-Sieg gegen England)
Höchster Sieg: 13:0 (USA gegen Thailand am 11. Juni)

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Markus Juchem (51) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

90 Kommentare »

  • kea sagt:

    zunächst einmal danke, danke für all die artikel und kommentare zur information und meinungsbildung rund um den fff auf dieser seite!!!

    auch dieser abschlussartikel zur wm trifft den nerv m.e. wieder sehr genau. doch wie sind die schnarchmänner und schnarchfrauen beim dfb wohl zu wandlungen zu bewegen???

    anpfiffzeit für das emqualispiel in kassel samstagmittag mit der Begründung familienausflug!!! welche familie macht um diese uhrzeit einen ausflug ins stadion anstelle zu shoppen, wo leben eigentlich die verantwortlichen beim dfb? in den 70er? im letzten jahrhundert auf jeden fall noch!

    solange die ard-sportschau und das zdf-sportstudio nicht einen regelmäßigen berichtblock zur ff-bundesliga im wochenendeprogramm aufnimmt, solange wird sich in D gar nichts bewegen – dies ist m.e. der prüfstein für die akzeptanz und erfolgreiche umsetzung bloßer lippenbekenntnisse.

    dennoch dank allen spielerinnen und unterstützer*innen vor/hinter/neben den plätzen – ohne euch gäbe es kein spiel –
    und bitte, liebe erfolgreichen spielerinnen beim dfb, emanzipiert euch, traut euch raus, die fans, die gesellschaft ist viel weiter als die herren in den vorständen der vereine, ohne euch kein spiel, wenn nötig geht ins ausland und seid dort erfolgreich und macht dann den mund auf – fussball, frauenfussball ist in der heutigen zeit so viel mehr als nur ein spiel, es ist wie Megan sagt, ein schlüssel zum wandel für mehr Gerechtigkeit für alle weiblichen wesen und alle ärmeren.
    ohne mutige charaktere kann kein team erfolgreich sein, auf dem platz und im leben.
    danke

    (22) 36 Gesamt – 29 hoch – 7 runter
  • Pauline Leon sagt:

    wie schon immer, natürlich ist der fussball der frauen eine hochpolitische sache.
    die immer ewig gestrigen „markt“-schreier vergessen immer, das das verbot, das nur fussballerinnen betraf, nichts mit markt sondern nur mit chauvinismus zu tun hat. und dann den markt ins spiel bringen… lächerlich und auch erbärmlich.

    natürlich ist das auch eine sache der kulturellen erziehung. die deutschen sind da eher wortkarg, wenns um ihre rechte geht. z.b. als gleichberechtigt anerkannt zu werden. almuth scheint da noch am diskussionsfreudigsten zu sein, aber natürlich gehört eigentlich als kapitänin die dzenifer dahin.
    bei nia künzer könnte ich schon fast vermuten das sie deswegen so wortkarg ist, weil sie mal beim männer-dfb einsteigen möchte.

    insgesamt sehe ich erfreut in die zukunft. die rufe nach anerkennung des sports müssen aber weitaus lauter werden. der weg geht mmer noch ungebremst ins mittelalter.

    um das nochmal klarzustellen: hier geht es nicht um tennis oder beach-volleyball, sondern um fussball, DIE SPORTART der welt!!

    also mädels. vielleicht nehmt ihr mal kontakt mit den weltmeisterinnen auf, wie protest geht.
    viel erfolg dabei.

    (2) 30 Gesamt – 16 hoch – 14 runter
  • Pauline Leon sagt:

    gerade noch im radio (dlf):
    seit 2007 (sofern ich das richtig verstanden habe) hat die anzahl der mädchenvereine im fussball bundesweit um 40% abgenommen.

    (2) 6 Gesamt – 4 hoch – 2 runter
  • quotis sagt:

    @Pauline Leon
    Was Sinn macht, da die Geburtenzahlen seit der Jahrtausendwende radikal gesunken sind und erst seit knapp vier Jahren wieder steigen. Das Problem der abnehmenden Jugendteams zeigt sich bei den Jungs ebenso.

    (18) 24 Gesamt – 21 hoch – 3 runter
  • Bernd sagt:

    Für das Spiel, ENG : GER, im Wembley-Stadion am 9.11.2019 sind bereits mehr als 30.000 Tickets verkauft worden!
    If you’re keen to watch the Lionesses after they reached the semi-finals of the World Cup, they are hosting a friendly at Wembley on 9 November against two-time world champions Germany, for which more than 30,000 tickets have already been sold.
    http://www.bbc.com/sport/football/48903614
    Es wird eine neue Rekordzahl an Zuschauern bei einem Match des engl. Frauennationalteams in England erwartet!
    Wann es Tickets für dieses Spiel über den DFB zu kaufen gibt, steht noch in den Sternen. Deshalb habe ich mir frühzeitig die Early Bird-Tickets über den englischen Verband besorgt und tolle Plätze erhalten.
    https://ticketingcontent.thefa.com/England%20Women%20Vs%20Germany%20Women

    (11) 11 Gesamt – 11 hoch – 0 runter
  • Pauline sagt:

    Es fehlt einfach eine U23

    Da kann sich jedes junge Talent beweisen.

    Talente die die U-Mannschaften durchlaufen konnten
    oder Talente die durch gute Leistung in der Bundesliga aufgefallen sind.

    Keine Experimente ……

    (5) 21 Gesamt – 13 hoch – 8 runter
  • Fan2 sagt:

    Ach du meine Güte… Jetzt auch noch ne U23… Die Ideen werden immer abenteuerlicher.

    Vielleicht könnte man einfach mal eingestehen, dass es genau einen Grund gibt, wieso der FF in Deutschland so da steht wie er da steht, und das ist, dass in den letzten 10 Jahren einfach richtig schlecht gearbeitet wurde und keine Leistung gebracht wurde. Das gilt für die N11 genauso wie für die Liga.
    Und die Deutschen interessiert nunmal Leistung. Leistung, Leistung, Leistung! Das hat man gesehen, als in den 2000ern der FF seinen Zenit erreicht hat. Da waren selbst viele sogenannte „Chauvinisten“ durchaus beeindruckt von der Leistung der Frauen. Bodenständige, solide Leistung.

    Die Frauen haben sich leider dem angeschlossen, was heute mittlerweile en vogue ist: Nörgeln und mit dem Finger auf alle anderen zeigen, nur nicht auf sich selbst. Dabei wäre hier dich die Ursache zu suchen. Denn in Deutschland hat sich eine „selbstverliebte“ (Zitat Jones) Arroganz in den letzten 10 Jahren breit gebracht. Die ständige Lobhudelei und die überzogenen Forderungen stinken den Deutschen. Was folgte, ist eben die Abstimmung mit den Füßen.

    Der FF hat zwei Möglichkeiten: Den Weg in die Abhängigkeit von den Männern (auch hier lässt sich fragen, ob wir da nicht wieder zurück auf dem Weg ins Mittelalter sind). Je mehr Geld sie aber bekommen werden und je mehr Leistung und Verdienst auseinanderklaffen werden, desto weniger Fans wird man haben.
    Oder eine eigenständige Identität, die ganz neu anfängt, aber mit kleinen Mitteln Leistung bringt.

    (-4) 24 Gesamt – 10 hoch – 14 runter
  • FFFan sagt:

    Es gibt jetzt Tickets für das EM-Qualifikationsspiel gegen Montenegro!

    https://www.dfb.de/news/detail/em-quali-vorverkauf-fuers-montenegro-spiel-in-kassel-204979/

    (1) 5 Gesamt – 3 hoch – 2 runter
  • fußball, F1 sagt:

    Es gibt erst mal eins klar zu stellen! Fußball ist eine Sportart, die wie anndere auch, von beiden Geschlechtern ausgeübt wird. Erst jetzt hat man beim DFB begonnen, das zu kapieren. Erst jetzt gibt es eine Sportliche Führung für beide Bereiche. Das war längst überfällig.

    Die Sponsorensuche für die Bundesliga erscheint mir als Fachmann, als hätte man das als notwendiges Übel angesehen. Frauen stehen nicht gerade für eine Druckerei und schon gleich garnicht für eine, die den Männern des FC Bayern zum Doublesieg gratuliert und zu Frauen kein Wort verliert. Mit etwas mehr Engagement hätte sich garantiert eine bessere Lösung gefunden.

    England macht es uns doch vor. In allen Vereinen gibt es eine Frauenabteilung, wenn auch mit unterschiedlichem Erfolg. Aber in keinem Verein gibt es Plakate nur mit Spielern. Immer ist ein Spieler und eine Spielerin in gleicher Größe. Auch Nicole Rolser war davon begeistert. In Norwegen wird der Verband von einer ehemaligen Spielerin reformiert. In Spanien denkt gerade Real Madrid über eine Frauenabteilung nach.

    Das und auch Italien, wo ähnliche Entwicklungen zu beobachten sind, sind gerade dabei, uns zu überholen oder sind schon vorbei. Es ist und bleibt in erster Linie eine Frage der Einstellung zu den Geschlechtern. Wenn wir das begriffen haben, beginnt bei uns eine ähnliche Entwicklung.

    (12) 14 Gesamt – 13 hoch – 1 runter
  • Zaunreiter sagt:

    Hier hab ich ein paar youtube-Schnipsel von der Ehrung der Weltmeisterinnen in New York City

    https://www.youtube.com/watch?v=DjxFV-A91Mg

    (-2) 10 Gesamt – 4 hoch – 6 runter
  • ajki sagt:

    Weiter oben wurde folgendes behauptet:
    „…dass es genau einen Grund gibt, wieso der FF in Deutschland so da steht wie er da steht, und das ist, dass in den letzten 10 Jahren einfach richtig schlecht gearbeitet wurde und keine Leistung gebracht wurde. Das gilt für die N11 genauso wie für die Liga. …“

    Die Behauptung wiegt doppelt schwer, weil sie sich als sog. Tatsachenbehauptung geriert – also als ein Satz, der die Realität widerspiegeln soll.

    Meiner Ansicht nach ist das nicht der Fall. Erstens hat er mit den Realitäten des FF in D. nichts zu tun. Zweitens wurde mit Sicherheit nicht allgemein oder im Durchschnitt „schlecht gearbeitet“ (s.u.). Drittens wurde mit völliger und absoluter Sicherheit eine riesige Menge an „Leistung“ gebracht (s.u.). Viertens ist eine Gleichsetzung von N11 und Ligabetrieb so problematisch, dass er sich meiner Ansicht nach völlig verbietet (s.u.).

    zu 1.: mit „Realitäten“ kann eine Behauptung nichts zu tun haben, wenn ihr beschreibender Teil diese nicht angemessen oder gar nicht trifft (treffen kann!). Siehe weitere Punkte.

    zu 2.: „Schlecht arbeiten“ bedeutet, dass Vereine, Trainer-Teams und/oder Spielerinnen dauerhaft ihre Aufgaben nicht oder nicht vollständig erfüllen. Im Allgemeinen impliziert „schlechtes arbeiten“ auch und sehr wohl, dass der Schlechtarbeitende um seine Minderleistung weiß und sogar absichtlich/inkaufnehmend auf eine Besserung verzichtet. Egal wie man zu FF im Allgemeinen, zum Vereinsbetrieb im Durchschnitt oder zu jeder einzelnen Spielerin auch immer steht – ob man etwas „mag“ oder „nicht mag“ oder ob man etwas „gut“ findet oder „nicht gut findet“: es ist schlichtweg nicht möglich, „schlechtes Arbeiten“ für das Gesamtsystem zu konstatieren. Außer in Einzelfällen ist *offensichtlich*, dass Vereine, Kaderpersonal und Spieler sehr wohl und offenkundig ihre Aufgaben nach besten Kräften zu erfüllen versuchen und es ihnen auch im nationalen Vergleich mehr oder weniger gut gelingt.

    Denn das wiederum ist sehr wohl möglich zu behaupten: im Vergleich zu irgendetwas Anderem (z.B.: MF oder andere Ligen oder andere Spieler oder andere Vereine…) kann eine Arbeitsleistung, auch wenn sie die Bestmögliche war, nicht ausreichen oder sogar gänzlich unzulänglich sein. Es wurde dann keineswegs „schlecht gearbeitet“, sondern das Arbeitsmögliche reichte einfach nicht aus.

    zu 3.: „Leistung“ – es gilt im Prinzip dasselbe wie zu 2. Selbstverständlich ist es *sichtbar* sowohl auf dem Platz als auch im Trainingsbereich als auch neben und für die Plätze so, dass wirklich jede Menge individueller „Leistung“ investiert wurde. Anderes zu behaupten ist einfach grundfalsch.

    Ob die „Leistung“ allerdings auch ausreicht, um selbst diejenigen Ziele zu erreichen, die sich Systembeteiligte selbst setzen, steht hierbei wieder auf einem ganz anderen Blatt.

    zu 4.: In irgendeiner idealen Welt ergibt sich aus einem Ligabetrieb auch eine dazu adäquate N11. In einer solchen Ideal-Welt hat eine starke Liga eine starke N11, eine schwache Liga eine entsprechende N11. In einer solchen Welt lebt allerdings niemand Reales. In der wirklichen Welt kann man starke Ligen und schwache N11 haben (Spanien über Jahrzehnte…), oder auch alle anderen möglichen Kombinationen. Heißt: Liga und N11 sind *völlig* verschiedene Paar Schuhe.

    Die dt. Bundesliga der Frauen ist eine „gute“ Liga. Sie ist ordentlich organisiert, die Prozeduren sind arbeitsfähig, äußere Bedingungen sind spielbetriebsmöglich, Spielmaterial ist ordentlich bis gut, der Spielbetrieb ist dauerhaft geordnet, die lizenzierten Spieler sind ausgebildet, trainiert, gesundheitlich betreut und in der großen Masse ligafähig, der Schiedsbereich ist arbeitsfähig.

    Alles bis jetzt Aufgezählte *kann* besser gestaltet sein – zum Beispiel könnten die Plätze rasenbeheizt sein oder die Stadien besser für die Zuschauer ausgestattet sein oder die Spielerinnen noch besser ausgebildet sein… oder … oder …

    Aber so wie es „ist“, ist es eine arbeitsfähige Liga. Das ist durchaus eine Menge. Und eine völlig andere Hausnummer als der Betrieb einer N11.

    Die N11 ist eine satzungsgemäße, originäre Aufgabe des DFB. Selbst dann, wenn es die Liga oder Unterbau nicht gäbe, müßte der DFB irgendwie über Sportschulen zu einer N11 kommen (und würde das auch schaffen). Die N11 folgt einer gänzlich eigenen Betriebslogik – und genau das erleben die Zuschauer seit geraumer Zeit bei der dt. N11. Es hat sich kaum jemand ausmalen können, dass bei der WM18 „Die Mannschaft“ (ein Slogan, der nicht aus dem Luftleeren kam und auch nicht nur aus der WM14 – dt. Kaderauswahlen galten immer als mannschaftlich gut funktionierend als Besonderheit) sich offensichtliche und gravierende mannschaftliche Schwächen offenbarten. Es mag auch nach wie vor schwierig sein zuzugestehen, dass „auf dem Platz“ die Frauen-Mannschaften mannschaftlich nicht konsistent funkionierten. Die je einzelnen Spieler und Spielerinnen haben für sich genommen „Leistung“ gezeigt oder ihre „Arbeit“ erledigt so gut sie es nach Tagesform eben konnten. Eine Mannschaft hat sich bei den Frauen seit 10 Jahren nicht recht gefunden auf dem Platz (von einzelnen Spielphasen abgesehen). Und zwar egal, wer jeweils im Kader stand – und das waren eine Menge!

    Mit der Liga hat das nichts zu tun (eigentlich offensichtlich).

    (11) 19 Gesamt – 15 hoch – 4 runter
  • Bernd sagt:

    Weiß jemand, ob bei der Siegesparade in New York nur ein Teil des Teams dabei war? Auf der Fotos und Filmausschnitten wirkt es so, als ob ein Teil der Spielerinnen und das komplette Trainerteam fehlt.
    Täuscht mich das, oder hat jemand Infos dazu?

    (0) 0 Gesamt – 0 hoch – 0 runter
  • Witzfigur sagt:

    Auch wenn ich nicht weiß, wozu das wichtig ist, schau‘ es Dir selbst an => https://www.youtube.com/watch?v=gr15kG46esM

    (1) 5 Gesamt – 3 hoch – 2 runter
  • Detlef sagt:

    Vielleicht sollte man „schlecht“ durch „schlechter“ ersetzen!!!
    Wenn man die Spielweise der Amis, der Französinnen, Engländerinnen, Holländerinnen und vor allem der Spanierinnen anschaut, dann klafft da doch eine große Lücke zu der deutschen Mannschaft!!!
    Ballbehandlung, Paßspiel und Schußtechnik sind in Deutschland schon seit Ewigkeiten sehr defizitär!!!
    Nicht umsonst wurden/werden Spielerinnen bei uns zu „Göttinnen in Kickschuhen“ hochgejubelt, die außergewöhnlich gut mit dem Spielgerät umgehen können!!!
    Ob Renate Lingor, LIRA ALUSHI (BAJRAMAJ) oder jetzt eine Dzenifer Maroszan, sie wären heute in Teams wie Spanien, Japan oder Brasilien nur eine unter vielen!!!

    In Teutonien war dagegen immer der Kampf, die Schnelligkeit und die Athletik das Auswahlkriterium Nummer Eins!!!
    Hier muß endlich ein Umdenken erfolgen!!!

    (-4) 24 Gesamt – 10 hoch – 14 runter
  • Brunhild sagt:

    @Detlef,

    allerdings sind uns andere Länder auch in Bezug auf Schnelligkeit und Athletik enteilt. Insbesondere die USA. Dort wird erfolgreich sehr viel Wert auf Schnelligkeit und Athletik gelegt. Ich sehe bei uns auch Nachholbedarf in Bezug auf Schnelligkeit (Frankreich) und auch Athletik (USA). Ein Manko im Spiel gegen Schweden war auch, dass wir uns athletisch (Beispiel Lea Schüler) nicht durchsetzen konnten.

    Um an der Spitze mitmischen zu können, sollte man eine gute Technik in Kombination mit Athletik und Schnelligkeit aufweisen können. Und natürlich auch mentale Stärke.

    Ich halte nichts davon, dass eine gegen das andere ausspielen zu wollen.

    (17) 19 Gesamt – 18 hoch – 1 runter
  • Fan2 sagt:

    @ajki: Tut mir leid, aber deine Ausführungen kann ich so nicht teilen. Klar mag es hier und da Einzelne gegeben haben, die gut gearbeitet haben, strukturell ist dem deutschen FF aber ein sehr schlechtes Zeugnis auszustellen! Denn er hat es geschafft, innerhalb von nur 10 Jahren aus einer weltweit unangefochtenen Spitzenposition zu einem Team zu werden, dass ernsthaft um den Anschluss ringt. Das passiert nicht, wenn man gut und innovativ arbeiten.

    Es brauchst schleunigst Änderungen: Den Vereinsfußball in eine eigene DFL ausgliedern und eigenständig vermarkten sowie die vollkommen unnötige U17-Liga plattmachen und die Jugend bei den Männern mitspielen lassen. Damit wäre schon viel geholfen.

    (-4) 18 Gesamt – 7 hoch – 11 runter
  • Detlef sagt:

    @Sheldon,
    Gute Idee und absolut richtiger Ansatz, aber leider mit dem DFB in heutiger Konstellation nicht durchführbar!!! 🙁

    (-1) 9 Gesamt – 4 hoch – 5 runter
  • Detlef sagt:

    @Brunhild,
    Da magst Du sicher recht haben!!!
    Da zeigt sich dann auch das große Dilemma, daß wir nicht einmal mehr in unseren Kernkompetenzen richtig stark sind!!!

    Der deutsche FF ist jetzt nur noch Mittelmaß!!!
    Die Bundesgöttin hat uns aus der Weltspitze katapultiert, und ihre NachfolgerInnen auch noch aus der europäischen Spitze!!!
    In Zukunft werden die Brötchen wohl sehr viel kleiner sein die beim DFB gebacken werden!!!

    (4) 14 Gesamt – 9 hoch – 5 runter
  • fußball, F1 sagt:

    Klar ist: Fußball beginnt in den Vereinen und nicht in der Nationalmannschaft. Ein Bundestrainer alleine ist niemals dafür verantwortlich, wie gut oder schlecht am Ende eine Nationalmannschaft ist. Da gehe ich zu 100% an der Seite von Ralf Kellermann. Die Zusammenarbeit von DFB und Vereinen muß überdacht werden. Auch die ehemalige Nationalspielerin Kathrin Längert brachte einiges auf den Punkt.

    Wenn ich sehe, wie einige Vereine mit ihren Frauenteams umgehen, wundert mich nichts.

    (6) 10 Gesamt – 8 hoch – 2 runter
  • Fan2 sagt:

    @Detlef: Meines Erachtens sind die Vereine eher das Problem, insbesondere bei der U17-Liga. Da wäre ein erster Schritt, dass die Vereine ihre U17 abmelden und sie in den Landesverbänden der Männer starten lassen. Gerade Teams wie Potsdam, Essen und Freiburg, die über die Nachwuchsarbeit kommen.

    Potsdams Niedergang beispielsweise hat massiv mit dieser Liga zu tun, denn in dieser wird der Nachwuchs nicht mehr so gefordert wie zuvor. Daher kommt von unten nichts nach und man kann die Abgänge nicht mehr kompensieren.

    Allein diese Liga ist zum ganz großen Teil dafür verantwortlich, dass es unserer N11 aktuell so schlecht geht, senkt sie doch das Niveau des gesamten Nachwuchses. Dass eine Oberdorf und eine Nüsken zu den Toptalenten Deutschlands gehören, kommt schließlich nicht von ungefähr.

    (-4) 18 Gesamt – 7 hoch – 11 runter

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