Bleibt Europa auf Erfolgskurs?

Von am 25. Juni 2019 – 13.32 Uhr 7 Kommentare

Bei der Frauenfußball-WM in Frankreich wird heute Abend das Achtelfinale mit den Spielen Italien gegen China (18 Uhr) und Niederlande gegen Japan (21 Uhr) beschlossen. Bisher unterlag Spanien als einziges europäisches Team, wie werden sich heute Italien und die Niederlande schlagen?

Logo der FIFA Frauenfußball-WM 2019 in Frankreich

Logo der FIFA Frauenfußball-WM 2019 in Frankreich © FIFA

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Dienstag, 25. Juni (18.00 Uhr) in Montpellier – Italien – China (ZDF)

Für viele überraschend zog Italien nach zwei Siegen gegen Australien und Jamaika und einer Niederlage gegen Brasilien dank des besseren Torverhältnisses als Gruppensieger ins Achtelfinale ein. Unter Trainerin Milena Bertolini hat das Team vor allem in Mittelfeld und Offensive eine positive Entwicklung genommen. In der Abwehr wirkte das Team im Turnier allerdings vor allem in den ersten beiden Spielen gelegentlich unkonzentriert, auch die sonst umsichtige Kapitänin Sara Gama leistete sich einige Schnitzer. Bisher haben die Italienerinnen im Turnier nur 15 Spielerinnen zum Einsatz gebracht, weniger als jedes andere Team, so dass auch die physische Komponente bei den sommerlichen Temperaturen möglicherweise eine Rolle spielen könnte. Gegen China hat das Team eine leicht positive Bilanz, beim letzten Aufeinandertreffen im Dezember 2015 behielten allerdings die Asiatinnen mit 2:0 die Oberhand.

China schwebt bisher etwas unter dem Radar durch das Turnier. Gegen Deutschland gab es zum Auftakt eine knappe, eher unglückliche Niederlage, es folgten ein Sieg gegen Südafrika und ein torloses Remis gegen Spanien, bei dem das Team erstmals defensiv stark gefordert war. Auch wenn die Chinesinnen bisher keinen besonders spektakulären Hurra-Fußball spielten, ein unbequemer, kompakter und defensivstarker Gegner sind sie allemal und Italien dürfte mit dem China-Catenaccio durchaus seine Schwierigkeiten bekommen. Zudem hat China bei all seinen sieben bisherigen WM-Teilnahmen zumindest das Viertelfinale erreicht. Italien steht dagegen erst zum zweiten Mal seit 1991 in der K.-o.-Runde. Wir rechnen mit einem Spiel mit eher wenigen Torchancen, favorisieren aber leicht die Chinesinnen, deren schnelle, teils quirlige Spitzen die italienische Defensive vor Probleme stellen sollten.

Dienstag, 25. Juni (21.00 Uhr) in Rennes – Niederlande – Japan (ZDF/DAZN)

Europameister Niederlande tat sich zum Auftakt gegen Neuseeland schwer, hat sich seitdem bei den Siegen gegen Kamerun und Kanada nach und nach in den Rhythmus gespielt. Dies gilt aber auch für Gegner Japan, der mit dem Remis gegen Argentinien einen Fehlstart ins Turnier hinlegte, gegen Schottland am Ende glücklich siegte und dann gegen England trotz einiger eigener Chancen klar verlor. Die Niederländerinnen deuteten im Spiel gegen die Kanadierinnen ihre spielerische Klasse an, in Vivianne Miedema und Shanice van de Sanden verfügt das Team über individuelle Extraklasse, die den Unterschied machen kann. Die offensivstarken Niederländerinnen sollten in der Lage sein, die japanische Defensive häufig mit schnellen Vorstößen über die Flügel zu beschäftigen.

Die beiden Teams standen sich schon im Achtelfinale der WM 2015 in Kanada gegenüber, damals gewannen die Japanerinnen mit 2:1. Beim bisher letzten Aufeinandertreffen im Frühjahr 2018 beim Algarve Cup siegten die Niederländerinnen mit 6:2. Eines scheint garantiert zu sein: Tore. In den acht bisherigen Spielen gegeneinander fielen insgesamt 30 Tore, das sind 3,75 Tore im Schnitt, so dass uns heute Abend also eine unterhaltsame Partie ins Haus stehen sollte. Interessant: Die Niederlande erzielten vier ihrer bisher neun Tore bei Weltmeisterschaften durch Einwechselspielerinnen, so auch zuletzt die Siegtreffer gegen Neuseeland durch Jill Roord und Kanada durch Lineth Beerensteyn. Alles in allem sollte es ein Duell auf hohem Niveau werden, bei dem am Ende aber die Niederländerinnen die Oberhand behalten sollten.

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Markus Juchem (51) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

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