Spanien will USA stoppen, Schweden gegen Kanada

Von am 24. Juni 2019 – 13.15 Uhr 9 Kommentare

Die Achtelfinals gehen in die nächste Runde: Heute Abend duellieren sich Spanien und USA (18 Uhr) und am Abend Schweden und Kanada (21 Uhr). Bisher steht es im Achtelfinal-Duell zwischen Europa und dem Rest der Welt 4:0. Doch das dürfte sich heute ändern.

Logo der FIFA Frauenfußball-WM 2019 in Frankreich

Logo der FIFA Frauenfußball-WM 2019 in Frankreich © FIFA

Anzeige

Montag, 24. Juni (18.00 Uhr) in Reims – Spanien – USA (ARD)

Spanien, von vielen vor der WM in Frankreich als einer der Geheimfavoriten auf den Titel eingestuft, zeigte im bisherigen Turnierverlauf zwar phasenweise seinen bekannten Ballbesitzfußball, tut sich aber weiter schwer, Tore zu schießen. Zwei der bisher nur drei erzielten Tore entstanden aus späten Elfmetern gegen Südafrika, gegen Deutschland und China konnte das Team von Trainer Jorge Vilda teils beste Chancen nicht in Tore ummünzen. Auch im Januar, als Spanien ein Testspiel gegen die USA mit 0:1 in Alicante verlor, glänzte das Team durch Ballbesitz, erzielte aber auch damals keine Treffer. Wohl kaum eine andere Elf verfügt über technisch derart versierte Spielerinnen, die allerdings nur selten gefährlich in den Strafraum eindringen. Dagegen wird das Team gegen die geölte Angriffsmaschinerie der USA mächtig Arbeit bekommen, allen voran das Innenverteidiger-Duo Mapi León und Irene Paredes.

Die Amerikanerinnen stellten ihrerseits in der Vorrunde gleich mehrere Rekorde auf. Das 13:0 zum Auftakt gegen Thailand war das höchste Ergebnis, dass je bei einer Weltmeisterschaft erzielte wurde. Insgesamt trafen die US-Spielerinnen gleich 18 Mal ins Schwarze, so oft wie nie ein Team zuvor. Und hätte nicht Chiles Torhüterin Christiane Endler mit zahlreichen Paraden weitere verhindert, hätten es auch noch wesentlich mehr sein können. Das Team von Trainerin Jill Ellis ist noch nie so überzeugend in ein Turnier gestartet wie dieses Mal. Das liegt auch an einem in der Breite starken Kader. Kein Team im Turnier spielt schneller, in Tobin Heath und Megan Rapinoe verfügt das Team über das Potenzial, gegnerische Defensiven scheinbar mühelos auseinander zu nehmen. Vorne sind dann Alex Morgan (oder Carli Lloyd von der Bank) dankbare Abnehmerinnen. Mit dem US-Tempofußball dürfte Spanien ähnlich überfordert sein, wie der FC Barcelona im Champions-League-Finale gegen Olympique Lyon. Alles andere als ein klarer US-Sieg wäre eine Überraschung.

Montag, 24. Juni (21.00 Uhr) in Paris – Schweden – Kanada (ARD/DAZN)

Schweden gewann in der Vorrunde zwei seiner drei Partien, konnte dabei aber nur selten überzeugen. Gegen Chile fielen die Treffer erst spät, auch beim deutlichen Sieg gegen Thailand wirkte das Team trotz der Höhe des Erfolgs oft behäbig. Zum Abschluss der Vorrunde gab es eine Niederlage gegen die USA. Die Skandinavierinnen vertrauen im Mittelfeld weiter auf Kapitänin Caroline Seger, die ihren sportlichen Zenit allerdings in unseren Augen überschritten hat. Auch der Viererkette um die scheidende Wolfsburgerin Nilla Fischer mangelt es an Geschwindigkeit. In der Offensive sollen Fridolina Rolfö, Stina Blackstenius oder Sofia Jakobsson die Akzente setzen, gewirbelt hat das Trio bisher nur ansatzweise. Kosovare Asllani steht im Mittelfeld ein wenig allein auf weiter Flur, kann aber zumindest ab und an für Überraschungsmomente sorgen. Die beiden Teams standen sich zuletzt im März beim Algarve Cup gegenüber, damals waren die Schwedinnen im Spiel um Platz 3 den Kanadierinnen nach einem 0:0 im Elfmeterschießen unterlegen.

Kanada hinterließ unter dem dänischen Trainer Kenneth Heiner-Møller im bisherigen Turnierverlauf den besseren Eindruck. Dem Auftaktsieg gegen Kamerun ließen die taktisch variablen Kanadierinnen einen Erfolg gegen Neuseeland folgen. Gegen die Niederlande gab es zum Abschluss der Vorrunde zwar eine Niederlage, doch auch in diesem Spiel zeigte Kanada seine Stärken. Physisch haben die Kanadierinnen gegenüber Schweden Vorteile, spielerisch sind sie anders als in der Vergangenheit deutlich weniger von Kapitänin Christine Sinclair abhängig, die aber nach wie vor in der Offensive auf Chancen lauert und sie wie gegen die Niederlande zu nutzen weiß. In der Defensive verfügt Kanada in Kadeisha Buchanan über eine der interessantesten Innenverteidigerinnen des Turniers, über die Flügel sorgen Janine Beckie und Nichelle Prince für gefährliche Vorstöße. Eine Zeit lang dürften die Schwedinnen Paroli bieten und Kanada ein ebenbürtiger Gegner sein können, doch dank der besseren Physis wird sich Kanada am Ende durchsetzen.

Schlagwörter: , , ,

Markus Juchem (51) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

Kommentar schreiben