Sharon Beck: Von den DFB-Frauen in die Nationalelf Israels

Von am 12. Juni 2018 – 10.27 Uhr 12 Kommentare

Im Februar wurde Sharon Beck, Mittelfeldspielerin bei der TSG 1899 Hoffenheim, noch erstmals in den Kader der DFB-Frauen beim SheBelievesCup berufen. Heute, keine vier Monate später, hat die 23-Jährige gerade ihr Debüt in der Nationalelf Israels gegeben. Schon in den vergangenen Jahren entschieden sich zwei namhafte Bundesligaspielerinnen gegen eine mögliche Karriere im DFB-Dress.

Sharon Beck (Nr. 2) im Trikot der israelischen Nationalelf

Sharon Beck (Nr. 2): „Plötzlich im blauen Trikot“ © http://football.org.il (Fußballverband Israel)

Am vergangenen Donnerstag bestritt Sharon Beck ihr erstes Spiel im Nationaldress Israels – bei der 0:2-Niederlage im WM-Qualifikationsspiel gegen Spanien in Murcia zog sie sich mit ihrem Team achtbar aus der Affäre. Heute Abend könnte sie im Heimspiel gegen Österreich in Ramat Gan (18.30 Uhr) bereits ihren zweiten Einsatz feiern und dabei auf ihre Hoffenheimer Teamkollegin Nicole Billa treffen.

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Plötzlich im blauen Trikot

Was ist passiert? „Viele wundern sich sicherlich, warum ich plötzlich ein blaues Trikot trage“, schreibt Sharon Beck auf ihrer Instagram-Seite. „Nach meiner ersten Nominierung in die Deutsche A-Nationalmannschaft fiel mir die weitere Entscheidung nicht einfach. Ich bin dankbar für die ganzen Erfahrungen, die ich machen durfte/konnte und besonders ein Teil dieser Weltklasse-Mannschaft gewesen sein zu dürfen. Für mich als Spielerin, war es eine große Ehre.“

Für Sharon Beck die „beste Entscheidung“

Ihre Nationalmannschaftskarriere begann Sharon Beck schon 2011 in der U16. 2012 wurde sie mit der U17 Europameisterin und nahm für Deutschland auch an der U17-WM in Aserbaidschan im gleichen Jahr teil. Dennoch musste sie jetzt nicht lange überlegen. „Für mich persönlich ist jedoch die Entscheidung für Israel zu spielen die beste. Ich möchte dieser Mannschaft weiterhelfen mit ihr wachsen und führen.“

Torschützenkönigin bei der Makkabiade

2017 nahm Sharon Beck in Israel als jüdische Sportlerin für Makkabi Deutschland an der alle vier Jahre stattfindenden Makkabiade teil. Sie wurde Torschützenkönigin, obwohl die deutsche Auswahl in der Vorrunde nur Platz drei belegte und sich Israel durch einen 2:1-Sieg gegen die USA den Turniererfolg holte. „Ich werde die Maccabiah nicht vergessen“, erklärte Sharon Beck damals.

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„Für mich ist es ein ganz besonderes Erlebnis, vor 40.000 Menschen einlaufen zu dürfen und seinen Glauben zu präsentieren. Die Hälfte meiner Familie lebt noch hier und somit habe ich bei jedem Spiel ganz besondere Unterstützung“, so Sharon Beck weiter. Eine Erfahrung, die womöglich in die Entscheidung, zukünftig für Israel zu spielen, eingeflossen ist.

Silvana Chojnowski für Polen

Zuvor hatten bereits zwei andere Bundesligaspielerinnen einen ähnlichen Weg wie Sharon Beck bestritten: Silvana Chojnowski, die unter anderem in der Frauenfußball-Bundesliga und UEFA Women´s Champions League für den 1. FFC Frankfurt aktiv war, nahm etwa für Deutschland 2010 an der U17-EURO und 2012 an der U20-WM in Japan teil. Doch 2016 spielte sie dann beim Zypern-Cup erstmals für die Nationalelf Polens.

Sophie Howard für Schottland

Und auch Sophie Howard von der TSG 1899 Hoffenheim entschied sich letztlich gegen eine mögliche Karriere im DFB-Team. Sie wurde zusammen mit Chojnowski 2012 Vize-Weltmeisterin bei der U20-WM in Japan, 2016 dann in den Next-Gen-Kader Englands berufen, ehe sie im März 2017 schließlich ihr Debüt in der schottischen Frauenfußball-Nationalelf feierte, mit der sie später im Jahr an der EURO in den Niederlanden teilnahm.

Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.