Die Tops und Flops der Wochen 36 und 37/2011

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Eine kleine Insel, eine torhungrige polnische Fußballerin und eine frühere Leichtathletik-Olympiasiegerin stehen diesmal genauso im Fokus wie bittere Punktverluste, eine unattraktive Auslosung und die Verzweiflungsaktion eines kriselnden Vereins.

Tops

Island weiter auf Höhenflug
Dass die isländische Frauenfußball-Nationalmannschaft einen guten Fußball spielen kann, davon konnte man sich bereits bei der EURO 2009 in Finnland und beim diesjährigen Algarve Cup überzeugen. Doch jetzt setzte das Team von Trainer Siggi Eyjólfsson ein echtes Ausrufezeichen. Gegen WM-Teilnehmer Norwegen gab es in der EM-Qualifikation nach einer vor allem in der ersten Halbzeit überzeugenden Vorstellung einen 3:1-Sieg.

Bajramaj trifft doppelt
Es war noch nicht alles Gold, was glänzt, doch Fatmire Bajramajs engagierte Vorstellung wurde beim 4:1-Sieg gegen die Schweiz am vorigen Samstag mit zwei Treffern belohnt. „Ich bin Nationalspielerin, um Verantwortung zu übernehmen. Die WM war eine der schwersten Niederlagen, ist aber jetzt verkraftet und wir haben neue Ziele.“

Cloppenburg spitze danke Winczo
Nach einem 7:1-Sieg gegen Aufsteiger Mellendorfer TV und somit dem dritten Sieg im dritten Spiel hat der BV Cloppenburg die Tabellenspitze in der 2. Bundesliga Nord übernommen. Die Polin Agnieszka Winczo steuerte gleich vier Treffer (20./35./52./69.) bei und führt mit sieben Treffern die Torschützenliste an.

Tyresö macht Titelkampf spannend
Mit dem furiosen 5:3-Sieg bei Tabellenführer LdB Malmö hat Tyresö FF neuen Schwung in den Titelkampf der schwedischen Damallsvenskan gebraccht. Katrin Schmidt, früher unter anderem in Diensten von Brauweiler, erzielte die beiden entscheidenden Treffer. Tyresö hat nur noch drei Punkte Rückstand auf Malmö, Spannung für den Rest der Saison ist garantiert!

Multitalent Mutola
Im Jahr 2000 holte Leichtathletin Maria Mutola bei den Olympischen Spielen in Sydney über 800 Meter die erste Goldmedaille der Geschichte für ihr Land Mosambik. 2008 beendete die inzwischen 35-Jährige ihre Karriere, doch nun glänzt sie als Kapitänin der Frauenfußball-Nationalmannschaft ihres Landes, wo sie bei den All African Games in Maputo zuletzt eine knappe 0:1-Niederlage gegen Kamerun einstecken musste.

Flops

England patzt in der EM-Quali
So hätte sich England den Start in die Qualifikation für die EURO 2013 wohl nicht vorgestellt. In Serbien ging die Elf von Trainerin Hope Powell schnell mit 2:0 durch Treffer von Rachel Yankey und Sophie Bradley in Führung, doch am Ende gab es lange Gesichter im Lager der Engländerinnen, denn die Partie in Belgrad endete 2:2, Danka Podovac per Freistoß und Vesna Smiljković in der vierten Minuten Nachspielzeit sorgten für Jubel bei den Gastgeberinnen.

Saarbrücken mit zweiter Auswärtspleite
Zwei Niederlagen in drei Spielen – Bundesliga-Absteiger 1. FC Saarbrücken hätte sich den Saisonstart in die 2. Bundesliga Süd wohl positiver vorgestellt. Nach der Niederlage beim FV Löchgau ging auch das zweite Auswärtsspiel bei Borussia Mönchengladbach trotz Führung mit 1:2 verloren. „Wir haben schlecht gespielt, konnten nicht das umsetzen, was wir uns vorgenommen haben“, so Trainer Winfried Klein.

Fatmire Bajramaj
Fatmire Bajramaj traf zweimal beim Sieg gegen die Schweiz vor fast leeren Rängen © Sascha Pfeiler / girlsplay.de

Denkzettel für DFB-Elf
Nur 6 632 Zuschauer in der SGL-Arena von Augsburg – die Öffentlichtkeit hat der DFB-Elf für ihren misslungenen Auftritt bei der Frauenfußball-WM einen Denkzettel verpasst. Denn trotz der ungünstigen Anstoßzeit, Anstich auf dem Münchner Oktoberfest und spätem Ferienende in Bayern – eine fünfstellige Kulisse wäre wohl möglich gewesen. Die, die kamen, konnten sich über einen 4:1-Sieg der DFB-Elf gegen die Schweiz freuen – auch wenn das Spiel einen nicht gerade von den Sitzen riss.

Pokalauslosung auf dem Abstellgleis
In der Halbzeitpause des EM-Qualifikationsspiels in Augsburg fand auch die Auslosung zum Achtelfinale im DFB-Pokal statt. Doch das bekam kaum einer mit. TV-Sender ARD erschien eine Übertragung offenbar nicht lohnenswert, auch Zuschauer und Medienvertreter im Stadion tappten größtenteils im Dunkeln – denn die Lautsprecher-Durchsagen waren nicht zu verstehen, die Bildqualität des Videowürfels bestenfalls durchschnittlich.

Lunchpartner verzweifelt gesucht
Die Verzweiflung beim norwegischen Erstligisten Røa IL muss groß sein – anders ist nicht zu erklären, dass sich die Spielerinnen für ein Mittagessen versteigern ließen, um die maroden Finanzen aufzubessern. Für ein Tête-à-Tête mit Lene Mykjåland zahlte ein Fan 2 000 Euro, neun weitere Spielerinnen spülten  weitere 8 000 Euro in die Vereinskasse. Ob dies die Sorgen des Vereins dauerhaft lösen wird, ist fraglich, seit April werden nur 55 Prozent der Gehälter ausbezahlt.

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  • Roland M. Weissbarth
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SheldonUlflaaseebneidrorintersoccer Neueste Kommentartoren
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waiiy
waiiy

Inwieweit sich Lira Bajramajs Leistung als „Top“ herausstellen wird, zeigt sich erst bei den nächsten Spielen der Nationalmannschaft, wenn sich wieder die Frage stellt, ob man sie da aufstellt, wo sie am wertvollsten ist oder ob man sie wieder auf die Seite schiebt. Außerdem wird diese Leistung erst richtig zum „Top“, wenn dann auch das Zusammenspiel mit der jeweils aufgestellten Stürmerin (Grings oder Popp) besser klappt. Aber das wäre schon mein Wunsch…

Ein „Flop“ ist für mich auf jeden Fall das deutsche Innverteidiger-Duo Bartusiak und Krahn…

waiiy

laasee
laasee

WM x 2, EM x 7, CL x 6………..and now only 6,632 fans at Augsburg?
There is a big problem!

FF needs to wake up!!

Sheldon
Sheldon

Komplett richtig, der deutsche Frauenfußball braucht endlich mal wieder integere Stars, Stars, mit denen man sich identifizieren kann und die auch ihre Leistungen bringen. Das Problem, dass der deutsche Fußball hat, ist genau das, dass solche Spielerinnen abgewürgt werden. Spielerinnen wie Odebrecht: […] Sie ist kein aufgehübschtes Püppchen und sie ist kein Muskelpaket. Sie ist zurückhaltend, sorgt nicht für Skandale, geht nicht an die Öffentlichkeit. Sie liefert ihre Leistung ab, sie spielt einen sehr feinen, filigranen Fußball, sie besitzt viel Ruhe und den Fuß und das Auge für den speziellen Pass. Spielerinnen wie Sarholz: Sie ist das jugendliche Gegenstück zu… Weiterlesen »

Andreas
Andreas

Die geringe Zuschauerresonanz darf man jetzt nicht so überbewerten. Da spielten ja mehrere Faktoren eine Rolle, die ich jetzt nicht im einzelnen wiederholen will, aber zu den Vereinen, die zur gleichen Zeit ein Männerbundesligaspiel hatten, gehörte auch der FC Augsburg, was noch mehr gegen die Ansetzung spricht. Viele werden sich nach dem Hype und dem darauf folgenden Debakel auch einfach gesagt haben. Da gehe ich jetzt nicht hin. Das aus meiner Sicht nach wie vor größte Problem ist aber das mediale Desinteresse am Frauenfußball. Das hat sich ja nun ggü. vor der WM kein Stück verbessert. In meiner sehr großen… Weiterlesen »

waiiy
waiiy

@Andreas: Ich gehe mit Dir total konform in allen Punkten. „was noch mehr gegen die Ansetzung spricht. Viele werden sich nach dem Hype und dem darauf folgenden Debakel auch einfach gesagt haben. Da gehe ich jetzt nicht hin.“ –> Das sollte dem DFB und dem Trainer-Team zu denken geben, dass das eben direkt durchschlägt, wie man sich vorher präsentiert. Vielleicht war das auch ein Alarmsignal dort. Ich hoffe es. „Das aus meiner Sicht nach wie vor größte Problem ist aber das mediale Desinteresse am Frauenfußball […] Da müsste einfach eine größere Bereitschaft da sein, diesen Sport zu fördern.“ –> Dann… Weiterlesen »

berggruen1
berggruen1

Wie viele der Zuschauer, die in den Jahren zuvor ins Stadion gegangen sind, waren denn wirklich zahlende Zuschauer und wie war das Verhältnis dieses Mal? Vielleicht sind die großartigen Zahlen (von der WM einmal abgesehen) nur gepushte Zahlen, dieses Mal aber realistischere? (Ich halte eingeladene und damit nicht unbedingt freiwillig ins Stadion gehende Schulklassen nur für bedingt geeignet, das Stadion mit FF-Fans zu füllen…) @Waiiy: Grundsätzlich ist es natürlich richtig, dass eine Spielerin erst eine „Top-Spielerin“ ist, wenn sie mehr als einmal eine sehr gute Leistung gezeigt hat. Aber für die Top/Flop-Wertung des einen Spiels gehört Frau Bajramaj, nicht nur… Weiterlesen »

sodalith7
sodalith7

Flop: Mir fehlt nach wie vor ein taktisches, spielerisches Konzept. Für mich sieht es so aus, dass dieses 4-2-3-1 System auf dem Papierzettel steht und dann werden die Spielrinnen da irgendwie zu aufgestellt. Wie man dieses System aber spielen möchte, dass ist für mich nicht erkennbar. Alles sieht sehr nach Zufall aus. Natürlich haben wir in Deutschland ein RIESEN Potential an tollen Spielerinnen, aber Fußball ist nun mal immer noch ein Mannschaftssport. Das größte Problem sehe ich in der Defensive. Jedes mal wenn der Ball vor unser Tor kommt, muss man die Luft anhalten und hoffen das da nichts passiert.… Weiterlesen »

waiiy
waiiy

@berggruen: Sehe ich auch so, dass sie dahin gehört, zumal sie endlich mal so spielen durfte, wie ich es für sie erhoffe. Alles andere war die Hoffnung, dass sie öfter bei den Tops erscheint, wenn sie denn weiter so spielen dürfte in der Nationalelf. 🙂

waiiy

Fuxi
Fuxi

Zu Agnieszka Winczo muss man allerdings eins einwenden: Ihre sieben Tore setzen sich zusammen aus drei Treffern in Magdeburg (derzeit 10.) und vier gegen Mellendorf (derzeit 12.). Und gerade der MTV mit 0 Punkten und 4:20 Toren aus drei Spielen (wäre ein guter Flop btw. mit 0:8, 3:5 und 1:7) ist für Teams von Platz 7 und besser doch eher Kanonenfutter bisher.

berggruen1
berggruen1

@waiiy: Entschuldigung, da habe ich es falsch verstanden. – Mit der medialen Präsenz ist es wirklich so eine Sache, allerdings gibt es ja auch noch einen „Mittelweg“ wie ihn etwa die Biathleten schon seit Jahren beschreiten. Es gibt auch Infos aus dem Privatleben, aber relativ bedeckt und relativ skandalfrei, das ist offenbar durchaus steuerbar. Nichtsdestotrotz ist etwa eine Magdalena Neuner deutschlandweit bekannt, in den Medien präsent und mit Sponsoren gesegnet. Frauenfußball wird ja (mit relativer Wahrscheinlichkeit) niemals den gleichen Status wie der Männerfußball erhalten (sondern eher in die Kategorie „Wintersport“ fallen, was Präsenz und Fans im Verhältnis zu MF betrifft),… Weiterlesen »

waiiy
waiiy

@berggruen:

Ja, mit der Einschätzung liegst Du sicher richtig, wobei Magdalena Neuner von den Leistungen her sicher über allem steht und auch sie hat ja einiges von sich preisgegeben. Zur Erinnerung (Quelle: bild.de): https://j.mp/qJY1Dl

waiiy

Ulf
Ulf

Neuner kann man natürlich auch besser verkaufen, da sie ja nachweislich einen Freund hat im Gegensatz zu vielen Fußballspielerinnen, mal abgesehen von einer m.E. aparten Erscheinung und den großen Erfolgen. Dabei ist sie erst 24.

Ulf
Ulf

Ist wohl eher kein Top oder Flop (aber wohin damit ?), und dann mal wieder über den Tellerrand hinaus, letztlich wohl nur für Duisburg-Interessierte, selbst wenn der Inka-Imam wieder reflexartig zeter und mordio schreien wird:
https://j.mp/poXvZj

laasee
laasee

@Ulf

The problems created at FCR have been solely because of incompetence and bad management.
That is a fact!

Ulf
Ulf

Sorry, aber die Inkompetenz liegt bei Ihnen. Sie sehen nicht die Spiele des FCR, Sie sind dort kein Mitglied, Sie kennen keine Hintergründe zur Entlassung von MVT, Sie kennen keine Hintergründe zum Abschied und zur Person Inka Grings (Sie hat als Arbeitnehmerin einen bestehenden Arbeitsvertrag gekündigt). Sie kennen nicht die wirtschaftlichen Verhältnisse im Verein. Sie haben nur die ewig gleichen Schlagworte,Phrasen,running gags. Machen Sie meinetwegen mal Urlaub in der Schweiz, aber lassen Sie Duisburg links liegen.

Sheldon
Sheldon

@Ulf, waiiy und berggruen: Die Funktionäre im Biathlon waren immer sehr schlau hier in Deutschland. Sie haben sich nichts aus Geld und medialer Aufmerksamkeit gemacht. Diese kam einfach mit den Erfolgen. Sie haben die mediale Aufmerksamkeit eher gemieden und ihre Sportlerinnen und Sportler geschützt. Hier stand immer die Leistung und der Respekt vor dem anderen im Vordergrund. Selbst überführte Doper wurden nicht durch die Biathletengemeinschaft zerrissen. Allerdings hat Biathlon auch mehrere Vorteile: Sie brauchen das Geld nicht. Sie sind fast alle bei der Bundeswehr angestellt und bekommen dort ein gutes Gehalt. Es ist nur ein Zubrot, eine Art Hobby. Zweitens… Weiterlesen »

Mediator
Mediator

Mal ne Frage
Die Termine wie Oktoberfest sind ja rechtzeitig bekannt. Wieso legt man dann ein solches Spiel nicht nach Freiburg ? dann wären vielleicht auch noch ein paar Schweizer/innen gekommen ??

bneidror
bneidror

Freiburg als Standort war nicht möglich. Das Wochenende war in diesem Fall für das Heimspiel des SC Freiburg geblockt. Im Rahmenkalender der Bundesliga am Anfang der Saison ist noch nicht ersichtlich ob der tatsächliche Termin Freitag, Samstag oder Sonntag stattfindet.

Ulf
Ulf

Flop ist,daß Neid sagt „die besondere Atmosphäre erleben, die die Heimspiele des FC St. Pauli so einmalig machen“. Ich bin mal so frech, dies in Abrede zu stellen bzw. das zu „entglorifizieren“. Ich wohne in der Straße vom Stadion, habe dort bisher 2 Festivals veranstaltet und plane dort ein Konzert, ich bin 13 Jahre bei den Heimspielen gewesen, wovon ich insg. 2 Spiele verpaßt habe (1x Grippe, 1x Hosen-Konzert in Kiel), aber ich möchte bezweifeln, daß Frau Neid jemals dort war, vielleicht höchstens früher mal Doris Fitschen, die aus meiner ehemaligen Nachbarschaft nicht so weit von Hamburg kommt, und (Anekdote)… Weiterlesen »

Sheldon
Sheldon

Zu genau diesem Grund, Michele: Um Ausreden zu haben, wenn das Stadion nicht voll wird!
Zumal hatte Freiburg am Freitag zuvor ein Heimspiel und das geht nunmal vor. Spielen ja auch den deutlich besseren Fußball!

Was ist leichter zu erklären? Wenn es tausend Gründe gibt, wieso die Leute nicht kommen oder wenn es nicht einen gibt?

Man scheint sich im DFB bewusst darüber gewesen zu sein, dass man sich wohl dieses Hintertürchen offen halten muss!