Konzeptloser Kick, taktischer Offenbarungseid

Von am 10. Juli 2011 – 16.58 Uhr 120 Kommentare

Man hätte wohl kaum enttäuschender aus der Frauenfußball-WM ausscheiden können, als es die DFB-Elf gegen Japan getan hat. Gegen eine gute, aber keineswegs überragende Mannschaft rannten die deutschen Spielerinnen sang- und klanglos ins Verderben – konzeptlos, ideenlos und ohne jede Kreativität.

„So ist das eben wenn die Nummer zwei der Welt auf die Nummer vier trifft. Da entscheiden Nuancen“, redete sich Bundestrainer Silvia Neid das WM-Aus nach der 0:1-Niederlage gegen Japan schön.

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Kein Konzept
Denn trotz einer Torschuss-Statistik von 23:9 zugunsten der deutschen Mannschaft fühlte sich der Sieg der Japanerinnen am Ende nicht unverdient an. Denn die Aktionen der DFB-Elf wirkten über die gesamte Spielzeit eher zufällig, als einem spielstrategischen Konzept geschuldet. Dass das Team im Vorfeld der WM eine dreimonatige Vorbereitung genossen hatte, war auf dem Spielfeld nicht zu bemerken.

Überraschungsmoment fehlt
Die japanische Auswahl war erwartet laufstark und kompakt in der Defensive. Keine echte Überraschung, doch die DFB-Elf über fand über 120 Minuten trotz körperlicher Überlegenheit keine Mittel gegen die Asiatinnen. Immer wieder rannten die DFB-Spielerinnen auf das gegnerische Tor an, doch die spielerischen Mittel fehlten, um mit Überraschungsmomenten oder schnellen Flankenläufen Löcher in die Abwehr zu reißen.

Trauer im deutschen Team

Almuth Schult (li.), Simone Laudehr und Linda Bresonik trauern © Zetbo / Framba.de

Durchschaubares Spiel
Melanie Behringer kämpfte unermüdlich, führte ihre Freistöße aber wie ein Roboter aus, im Mittelfeld vermisste man Akzente, die vielleicht eine Fatmire Bajramaj hätte setzen können, die schon im Spiel um Platz 3 bei Olympia in Peking die Japanerinnen mit zwei Toren in Angst und Schrecken versetzt hatte. Doch ihr blieb ein Einsatz genauso verwehrt, wie etwa Birgit Prinz, die möglicherweise die gegnerische Verteidigungslinie aus dem Gleichgewicht hätte bringen können. Doch die Nummer zwei und Nummer drei der Wahl zur Weltfußballerin des Jahres wurden von der Welttrainerin des Jahres verschmäht.

Keine stimmigen Wechsel
Es wäre zu einfach, die Probleme im deutschen Spiel auf das frühe verletzungsbedingte Aus von Kim Kulig zurückzuführen, die überraschend durch Bianca Schmidt und nicht durch Lena Goeßling ersetzt wurde. Die kam dann erst in der zweiten Halbzeit für Linda Bresonik, die im defensiven Mittelfeld agierten musste, auf einer Position, die sie in der Nationalmannschaft schon lange nicht mehr eingenommen hatte und dennoch bis zu ihrer Auswechslung ordentlich löste. Ein verschenkter Wechsel, denn Goeßling hätte Kulig auch gleich auf der Doppel-Sechs ersetzen können. Auch Alexandra Popp kam viel zu spät, um dem festgefahrenen Spiel noch frische Impulse verleihen zu können.

Unter Wert geschlagen
Darüber hinaus muss sich Silvia Neid ankreiden lassen, Birgit Prinz ein unrühmliches Ende ihrer Karriere verschafft zu haben. Daran können auch die hemdsärmeligen Bestrebungen, Prinz ein Abschiedsspiel zu verschaffen, nichts ändern. „Ich habe mich fit gefühlt, aber die Trainerin hat anders entschieden“, verbarg Prinz nur unverhohlen ihren Unmut. Eine besonders gute Figur machte Neid weder gegen Japan noch zuvor. Was bleibt, ist eine WM, die trotz dreier Siege in vier Spielen einen faden Beigeschmack hinterlässt, denn bei diesem Turnier wäre mehr drin gewesen.

Markus Juchem (51) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

120 Kommentare »

  • Schlafwagenfussball sagt:

    Gute Analyse. Wenn ich über das ganze Desaster auch nach zwei Tagen nachdenke, wird mir immer noch schlecht.
    Wie kann es sein, dass Dr. Zwanziger Silvia Neid vor der WM mit einem überhaupt nicht mehr zu überbietenden und ungesund übertriebenen Loyalitätsvorschuss ausstattet? Um das nach erfolgreicher WM noch zu überbieten, hätte er ihr nur noch einen von jeglichen Zielvorgaben losgelösten Vertrag auf Lebenszeit anbieten können. Dies Vorgehen zeigt in beängstigender Weise eine Realitätsferne, die bei der FIFA und anscheinend auch inzwischen beim DFB systembedingt sind. Wenn Theo Zwanziger jetzt mit solchen Maßstäben einer Trainerin, die objektiv aus Sicht der überwältigenden Mehrheit aller Fachleute einfach nur Mist gebaut hat, solch einen Loyalitätsvorschuss, einen für den Frauenfußball bombastisch bezahlten Vertrag und nach dem sportlichen Scheitern anschließend einen Persilschein mit Belobigung ausstellt, ist er nicht mehr glaubwürdig. Zumindest in seiner Zuständigkeit für den Frauenfußball. Soll er das doch lieber zu 100% an Steffi Jones delegieren. Wenn objektiv die Leistung über Jahre nicht erbracht wird, kann man doch so nicht im Vorbeigehen berechtigte Kritik wegwischen. Klar: die Mannschaft wurde Welt& Europameister usw. aber entwickelt hat sie sich nicht- im Gegenteil! Welt& Europameister sind wir auf Grund der hervorragenden Arbeit in der Frauen- Bundesliga- die immer noch fast eine kleine WM für sich ist- geworden. Das Silvia Neid unter diesen Voraussetzungen passabel gearbeitet hat, stimmt wahrscheinlich für die Jahre 2005 bis 2008. Aber seitdem hat sich eine neue Spielkultur im Frauenfußball durchzusetzen begonnen, die Silvia Neid offenbar nicht umsetzten konnte, eine Entwicklung, die sie nicht fördern konnte. Beweis ist das Ergebnis dieser WM: Was haben die eigentlich in der Nationalmannschaft in den Lehrgängen vorher gemacht außer Kondition bolzen und PR-Termine wahrnehmen? Nichts, was nicht schon vor drei Jahren so war, konnte die Mannschaft messbar Neues auf den Platz bringen. Der Qualitätsverlust durch die Rücktritte von Stegemann, Lingor und Smisek wurde weder gleichwertig ausgeglichen noch sichtbar ein nachhaltiger Neuaufbau gerade hinsichtlich des Spielaufbaus begonnen. Es wurden durch die Art und Weise des Auftritts bei dieser WM ungeheure Sympathien und die Chance eines gewaltigen Schubs für den Frauenfußball verzockt. Versuchen sie mal in den USA den Leuten im Frauenfußball zu erklären, wieso Birgit Prinz nicht mehr gespielt hat. Die denken, wir sind entweder größenwahnsinnig oder nur noch bekloppt. Zum Glück sind wir gleich beim allerersten Entscheidungsspiel rausgeflogen, sonst hätte man sich bei einem verlorenen Halbfinale alles gnadenlos schöngeredet, mit dem Hinweis, dass man ja immerhin ein Halbfinale erreicht hat und jetzt noch um Platz drei spielen könne. Von daher können wir dankbar sein, dass es so gekommen ist. Allerdings nicht wirklich dankbar, da auf dem Platz/ der Bank auch menschlich tolle Fußballerinnen standen/ saßen, die wirklich ein Sommermärchen verdient gehabt hätten. Wenn Frau Neid die beste Trainerin ist, die wir haben können, ist das eine beängstigende Bewertung aller anderen Trainerinnen des DFB. Und warum wird nicht die oder auch der Beste für diesen Job genommen? Ich bin mir , dass wir viele bessere Trainer als Frau Neid haben. Und bei den Trainerinnen gibt es garantiert auch jüngere mit mehr Potential und Charakter als Silvia Neid. Ohne Unfair sein zu wollen, hätte man Silvia Neid nach der EM 2009 in den Ruhestand schicken sollen. Irgendwie kriegen die den Absprung zu richtigen Zeit beim DFB nie hin. Schade, dass man dann darauf hoffen muss, dass der öffentliche Druck so groß wird, dass eine Entlassung von Neid als kleineres Übel bewertet wird, als der die Werbeeinnahmen mindernde Imageverlust durch das Festhalten an ihrer Person. Geld ist dann leider immer wieder das einzige Argument, dass Entscheidungen auslöst.

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  • susifan sagt:

    Ich geh auch voll mit MArkus konform und sehe auch, dass über alle Vereinsgrenzen der hier oft schreibenden Fans, eigentlich alle die sich mit dem FF auskennen, einer Meinung sind. Schade nur, dass wir alle gegen die Macht der Medien und des DFB rein gar nichts ausrichten werden… Was jetzt passiert ist das genaue Gegenteil von dem was viele hier gehofft haben, nämlich einen Schritt anch vorn für den Frauenfussball, zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung. Schaut mal in die ganzen Foren der Zeitungen (auch wenn viele der Printmedien in den Aussagen ähnlich kritisch sind wie wir) da äussern sich die ganzen Sch…-Chauvis, so nach dem Motto geht doch lieber Federball spielen oder gleich kochen… Am Ende wird also der erhoffte Urknall zum Megagau. Wenn irgendjemand das vermeiden kann (will) ist es der DFB, aber den interessiert`s wahrscheinlich wie immer gar nicht, Hauptsache die Kasse hat gestimmt….

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  • Michael sagt:

    Vielleicht ändert sich ja was, wenn Steffi Jones ab Sep. 2011 neue Direktorin für FF im DFB wird.

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  • Michael sagt:

    Ich habe dem DFB eine Mail geschickt:

    „Guten Tag,
    wenn Sylvia Neid das Leistungsprinzip favorisiert, dann wäre es nur allzu logisch, dass sie sich selbst als erste aus dem Team nimmt. Denn das, was sie bei dieser WM als Bundestrainerin abgeliefert hat, war nicht mal ansatzweise eine Leistung!
    Mit freundlichen Gruessen“

    —————————————————–

    Und hier die Antwortmail vom DFB:

    „Sehr geehrter Fußballfan,
    vielen Dank für Ihre Zuschrift.

    Natürlich stellt sich Silvia Neid nach dem Ausscheiden ihrer Mannschaft der entsprechenden Kritik. Unmittelbar im Anschluss an das verlorene Viertelfinale hat sie schon unterstrichen, dass nach dem aus unserer Sicht unbefriedigenden Verlauf der WM alles auf den Prüfstand gestellt wird. Seien Sie versichert, dass Silvia Neid und ihr Trainerteam sich kritisch mit dem Abschneiden ihrer Mannschaft auseinandersetzen. Die Geschehnisse werden detailliert aufgearbeitet, analysiert und anschließend intern diskutiert.

    DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger hat direkt nach dem Ausscheiden unterstrichen, wie er zu Silvia Neid steht und gesagt: „Sie ist die beste Trainerin, die wir haben können“. Dieses Urteil gründet auf den herausragenden Fähigkeiten, die Silvia Neid während ihrer bisherigen Laufbahn als Trainerin schon oftmals unter Beweis gestellt hat, unter anderem beim Gewinn des WM-Titels 2007. Dass hohe Ansehen des Frauenfußballs in Deutschland und der Welt, die nachhaltige Entwicklung dieses Sports, ist auch der Leistung von Silvia Neid zu verdanken.

    Wir bedauern natürlich, dass unsere Mannschaft im WM-Viertelfinale ausgeschieden ist, respektieren aber die Leistung unserer Gegner. Selbstverständlich werden Silvia Neid und ihr Trainerteam die weiteren WM-Spiele verfolgen, um die Erkenntnis in die Gesamtanalyse einfließen zu lassen. Beim Halbfinale Japan gegen Schweden in Frankfurt am Mittwoch sowie beim Endspiel am Sonntag an gleicher Stelle ist die Trainerin zur Beobachtung im Stadion.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Ihr DFB-Team“

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  • laasee sagt:

    „Vielleicht ändert sich ja was, wenn Steffi Jones ab Sep. 2011 neue Direktorin für FF im DFB wird.“

    ‚Direktorin‘ with real power? or is it a cosmetic title?
    Zwanzigger says today that he is happy that Frau Neid is still coach in 2020.
    What happens in September if Steffi Jones wants to replace Neid with a new coach?

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  • MatzeM sagt:

    Nachtigall ick hör dir trapsen!

    Dr. Theo 20er hält sich noch vornehm zurück, für die unangenehmen Aussagen schickt er offenbar seinen Vize Rolf Hocke vor:

    https://j.mp/nTkp7J

    Matze

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  • XQ sagt:

    @Michael.
    Danke für die Mail des DFB, sie sagt alles. Theo braucht sich keinen Kopf mehr zu machen, der Funktionär funktioniert. Und er weiß, wie er dafür sorgt, dass seine Bundestrainerin funktioniert. Bei Nichtfunktionieren gibt es Verbannung in die bundesdeutschen Ostgebiete an der Oder (Schwedt) oder eine 6-wöchige Lehrunterweisung bei Bernd Schröder.

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  • maxsee sagt:

    Gehört St.Jones zur Frankfurter Kerntruppe? Wo soll sich da etwas prinzipiell ändern? Bitte nicht träumen!

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  • laasee sagt:

    The DFB as an organisation is now in a very bad situation.
    Zwanzigger gives Neid a new contract five days before WM.
    Only one good performance out of four. The Birgit Prinz drama.
    Tactical stupidity from the coach in the Japan game.
    Elimination at quarter-final stage. No Olympic qualification.
    Zwanzigger backed Neid and she totally failed to deliver.

    The full realisation of the crisis will be more clear on Wednesday when the semi-finals take place without Germany playing.
    I think that is when the big arguments will really start to happen.
    Zwanzigger committed the DFB to an extended contract for the coach.
    I think the stakes are now very high for him as well.
    If the DFB decide to sack Neid, then what does that say about Zwanzigger’s judgement.
    If Neid goes, will Zwanzigger survive?

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  • Detlef sagt:

    Ich habe heute ein interessantes Radio-Interview auf SWR 3, mit Hans-Jürgen Tritschocks gehört!!!
    Er forderte eine akribische Analyse des vorzeitigen Ausscheidens vom DFB!!!
    Er beschrieb den enormen Aufwand, und die großen Opfer, die vor allem von der BuLi gefordert wurden, und fragte zurecht, wie man dies mit der „mageren Ausbeute“ rechtfertigen wolle!!!

    Natürlich ist nicht nur Silvia Neid an diesem Debakel allein schuld!!!
    Sie hatte ja auch einen riesigen Kader von Helfern um sich geschart, der dann ebenso unfähig gewesen sein muß wie sie!!!

    Was mich erschütterte, waren die konditionellen Probleme einer Simone Laudehr, die schon nach 60 Minuten völlig platt war, und nichts mehr von ihrer Spritzigkeit übrig hatte!!!
    Auch ein Laufwunder wie KG, nahm sich viele Auszeiten im Spiel, obwohl vor allem ihre Größe vor dem japanischen Tor gefragt war!!!
    Auch Celia lief wohl ziemlich auf dem Zahnfleisch, denn sie lief den flinken Japanerinnen meißt nur hinterher!!!

    Eine Inka Grings dagegen lief auch bis zu ihrer Auswechslung noch wie ein Duracell-Hase, und hätte das sicher noch bis zur 121. Minute durchgehalten!!!

    Aber wer wurde ausgewechselt???
    Und wenn man solchen Kraftverschleiß im deutschen Team wahrnimmt, wieso setzt man dann nicht auf Spielerinnen, die noch keine einzige Sekunde im Einsatz waren???
    Da saßen noch eine Verena Faißt, und (noch viel besser) eine Martina Müller, die in ihrer Heimatstadt auf einen Einsatz warteten!!!

    Zum Gegentor nur soviel,
    meiner Meinung nach lagen je 40% der „Schuld“ an Sassi und NATZE, und die restlichen 20% an Laudehr und Goessling!!!

    Aber es hätte ja gar nicht so weit kommen dürfen, wenn unser Team ihre Chancen besser genutzt hätte!!!
    Allerdings können wir auch froh sein, daß YUKI den katastrophalen Fehler von Sassi nicht schon in Hälfte Eins bestrafte!!!
    Aus ähnlicher Position, gegen die selbe Torhüterin, hat sie ja im Pokalfinale ein Tor erzielt!!!

    Japan war sicher nicht die Übermannschaft, und hätte bei konzentrierter Bespielung auch kaum eine Chance gehabt!!!
    Aber sie machten geschickt die Räume eng, und attackierten unsere Offensive mit Nadelstichen, die sie völlig aus dem Konzept brachte!!!

    Die deutsche Mannschaft war auf diesen Gegner nicht richtig vorbereitet worden, und das lag alleinig bei dem Trainergespann Neid/Ballweg!!!
    Weiterhin reagierten sie auf die Harmlosigkeit unseres Sturmes viel zu spät, und mit der falschen Entscheidung!!!
    Die völlig überzogene Kritik an einer noch lernenden-, unerfahrenen Alex Popp, zeigt mM nach den wahren Charakter von Frau Bundestrainerin!!!

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  • ErnestoIV sagt:

    Steffi Jones wird in Erinnerung bleiben als die Person, die mit Sympathie und Ausstrahlung das freundliche Gesicht des WM-Gastgebers Deutschland war.

    Bald wird sie in Diensten des DFB stehen und im Dickicht dieses Verbandes nicht mehr viel Produktives für den FF leisten können(dürfen). Ob sie will oder nicht, sie steht dort unter der Fuchtel des DFB und wird dessen Philosophie vertreten müssen. Sie wird den FF dort wohl eher verwalten als tatsächlich fördern können.
    Der Titel „Direktorin“ ist nur ein schöner Name für diesen Posten.

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  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    Das Primitivste an der ganzen Niederlage ist doch, dass man augenscheinlich der Japan-Niederlage gegen England nichts Nutzbringendes abgewinnen und deren Spielweise und Taktik adaptieren konnte – die habe es doch deutlich vorgemacht, wie es geht! Da braucht man nicht mal eine Hope Powell fragen, sondern nur das Video zum Spiel analysieren. Aber vermutlich ist man selbst dazu nicht in der Lage…

    Sarkastisch könnte man auch in den Raum stellen, ob die Spielerinnen aus der Trance der letzten Psychositzung nicht mittels dem bekannten Fingerschnipsen herausgeholt wurden, so wie sie gespielt hatten. Oder war das Tai chi , Chu feng oder sowas ähnliches?

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  • Daniela sagt:

    @jarmusch

    „MatzeM schrieb: “Zeit für einen Neuanfang, aber mit wem? Marozsán, Huth, Kemme, die Kerschowsis, Sarholz, weitere Vorschläge?”

    @MatzeM
    Monique Kerschowski kommt dafür wohl kaum in Frage. Ist sie doch zur neuen Saison in die 2.Mannschaft von Turbine versetzt worden. Da verbietet sich das Thema Nationalelf wohl von alleine.
    Abgesehen davon sollten die Kerschowskis als größtes Ziel mal über einen längeren Zeitraum verletzungsfrei bleiben.“

    Hm, also da Frau Neid bleibt, hat sie doch gute Chancen. Zweite Liga und lange verletzt sind doch gute Voraussetzungen für die Natio…ihr Problem ist nur der Verein…;)

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  • laasee sagt:

    „Bald wird sie in Diensten des DFB stehen und im Dickicht dieses Verbandes nicht mehr viel Produktives für den FF leisten können(dürfen). Ob sie will oder nicht, sie steht dort unter der Fuchtel des DFB und wird dessen Philosophie vertreten müssen. Sie wird den FF dort wohl eher verwalten als tatsächlich fördern können.“

    Then it is better to separate from the DFB.
    FF needs : (1) a new coach, and (2) a good lawyer.

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  • Schlafwagenfussball sagt:

    Zu den Gründen des Ausscheidens wurde eigentlich schon fast alles gesagt. Zwei Faktoren, die auch zur Niederlage gegen Japan führten, halte ich noch für wesentlich: Die fehlende variable Spieldynamik, insbesondere die Fähigkeit, das Tempo zu ändern sowie ein fehlendes Briefing mit entsprechenden taktischen Reaktionsmustern. Gleich zu letzterem, da sich das erst mal etwas nichtssagend anhört: Bei einer KO Situation wie in einem Viertelfinale wird man sich in jeder Sportart vorher mit möglichen Spielszenarien beschäftigen und wie man dann reagieren kann. Also zum Beispiel: Der Gegner- noch so schlecht- könnte ein Tor schießen, wie reagieren wir dann im Spiel auf einen Rückstand? Antwort: Wenn noch genügen Zeit bleibt, Ruhe bewahren, kontrolliert die Offensive verstärken, vielleicht taktisch umstellen, Auswechseln usw. Und jetzt, in unserem konkreten Fall, gehen wir vor dem Spiel in einer Teamsitzung einmal die ungeheuer ungewöhnliche Variante eines Viertelfinales durch, dass nach 90 Minuten Anrennens gegen einen defensiven Gegner noch 0:0 steht. Es kommt die Verlängerung. Wer hier das erste Tor macht, hat wahrscheinlich das Spiel gewonnen. Also was machen wir, wenn es nach 90 Minuten 0:0 steht? Eine plausible Antwort: Priorität eins: Kein Gegentor. Aus gut kontrollierter Defensive agieren; vielleicht vermehrt auf blitzschnelles Umschalten setzen (wenn mans kann), Ruhe bewahren, Geduldig auf Fehler warten, dann Kontern, ansonsten lieber Sicherheit&Elfmeterschießen. Was haben wir im Spiel gegen Japan gemacht? Total verkrampft weiter gerannt wie bekloppt. Und dann war Bartusiak im entscheidenden Moment nicht schnell genug und Angerer konnte auch nicht die Leistung einer Weltklasse Torhüterin abrufen und im entscheidenden Moment mal einen na ja nicht wirklich Unhaltbaren halten. Natürlich kann ich nicht beweisen, dass solche Szenarien nicht vorher besprochen wurden. Das es aber wahrscheinlich nicht passierte, zeigen die Reaktionen der Spielerinnen nach dem Spiel, die das überhaupt nicht realisieren konnten, dass sie jetzt ausgeschieden sind. Anscheinend hatte ihnen niemand klar gemacht, dass man in der Verlängerung eines KO Spiels auch eine gehörige Portion vorsichtiger sein muss, da man sonst ganz schnell nicht nur ein Spiel verliert, sondern aus dem Turnier ist. Und wenn es spielerisch überhaupt nicht läuft, muss ich einfach zunächst nur zusehen, kein Tor zu kriegen. Das hat Japan zumindest begriffen.
    Nun zum erstgenannten Faktor
    Deutschland versuchte von Beginn an -ja sagen wir mal- eine Art „Großraumpressing“ zu spielen, es wurde immer planloser versucht, Dauerdruck auszuüben und das möglichst ununterbrochen in der Hälfte der Japanerinnen. Jede Aktion war von ungeheurer Hektik geprägt. Dementsprechend hoch war die Fehlerquote, und da die Japanerinnen alles konsequent zugestellt haben, kam nie Sicherheit ins Spiel. Hätte da eine Spielmacherin immer wieder mal das Tempo rausgenommen, ab und zu mal „nur“ Defensivpressing initiert oder auch einfach mal eine Phase komplett defensiv wäre das vielen deutschen Spielerinnen enorm entgegen gekommen. Beispielsweise der bewundernswerten Simone Laudehr, bei der man den positiven Eindruck hat, das die unter Dauerstrom steht und ununterbrochen Gas gibt. In so einem Spiel führt das aber automatisch dazu, dass man sich in jeder Beziehung total festläuft, verkrampft und auspowert. Variiert man dann den Spieltypus mit viel Geduld und guten Nerven passiert das nicht so schnell und man kann durch plötzliche dynamische Explosionen noch am ehesten einen so defensiv stehenden Gegner aushebeln. Diese Unausrechenbarkeit hatte unser Spiel nie. Das war aber beispielsweise eine unserer Topstärken bei der Männer-WM 2010.

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  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    Alles soweit stimmig, Daniela! 😉
    Wer den Schaden verursacht hat, braucht sich um den Spott keine Sorgen machen!

    […]

    @Schlafwagenfussball
    Deinen obigen Beitrag solltest Du an ein Bewerbungsschreiben beim DFB – Sektion FF anheften!

    Dieser Kommentar wurde von der Redaktion in Übereinstimmung mit den Womensoccer-Leitlinien editiert. Die editierten Stellen wurden mit Auslassungszeichen […] markiert.

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  • sitac sagt:

    Also ich muss jetzt doch mal, gerade angesichts „unseres“ Ausscheidens, feststellen, dass es immer wieder eine Freude ist, hier in die redaktionellen Beiträge und ins Forum reinzuschauen. Wie hier geackert wird und Links recherchiert werden und Interessantes referiert wird (siehe z.B. Detlef SWR3) , ist schon beachtlich. Hier in diesem Thread speziell Top-Beiträge meiner Meinung nach.
    Für mich ist das Infotainment vom Feinsten! Danke!
    Entschuldigung, ich will hier keine Peinlichkeiten verbreiten, aber es war mir ein Bedürfnis.

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  • Michael sagt:

    Das Einzige, was ich an sog. „Spielsystem“ gesehen habe, war die Tatsache, dass SN aus dem engl. System von „kick and rush“ ein dt. „kick und schlurf“ gemacht hat.

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  • Detlef sagt:

    @ErnestoIV,
    ich hoffe sehr, Du behälst Unrecht!!!
    Die Zeiten haben sich auch beim DFB geändert, und es gibt mittlerweile einige Frauen, die sich dort einbringen!!!
    Die Zeit einer Einzelkämpferin Hannelore Ratzeburg ist ein für allemal vorbei!!!

    Natürlich bleibt es ein Kampf um Macht, und um die Umverteilung von Mitteln aus dem Männerbereich hin zu den Frauen!!!
    Auch deswegen ist das zeitige Ausscheiden eine mittlere Katastrophe, weil nun ein weiteres Argument fehlt, warum der FF weiter gefördert werden muß!!!

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  • Michael sagt:

    Wäre es vielleicht mal eine bessere Alternative, wenn die Natio-Spielerinnen sich in einer internen Abstimmung selbst eine Wunschtrainerin/Wunschtrainer aussuchen könnten? Da hätte man dann doch schon mal einen Vorteil für das Team. Denn dass sie sehr guten und erfolgreichen Fußball spielen können, stellt niemand in Frage.

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