Julia Arnold und Amber Hearn verlassen FF USV Jena

Von am 26. Juni 2017 – 16.45 Uhr 9 Kommentare

Frauenfußball-Bundesligist FF USV Jena wird in der kommenden Saison ohne Kapitänin Julia Arnold und Stürmerin Amber Hearn auskommen müssen. Die beiden wechseln nach Angaben des Vereins zu einem anderen Bundesligisten.

Laut FF USV Jena wechseln die beiden Spielerinnen zum Erstliga-Aufsteiger 1. FC Köln.

„Wir hätten Julia selbstverständlich gerne gehalten und haben ihr auch ein gutes Angebot unterbreitet“, so Jenas Geschäftsführer Jens Roß zum Wechsel der Kapitänin Arnold, die seit 2006 das Trikot des FF USV Jena trug. „Es ist natürlich sehr gut nachvollziehbar, dass sie nach so langer Zeit in Jena noch einmal den Schritt gehen möchte, sich woanders zu beweisen. Die Gedanken hatte Julia schon in den vergangenen zwei Jahren und nun hatte sie auch ein entsprechendes Angebot vorliegen, dass sie gemeinsam mit Amber den neuen Weg bestreiten kann.“

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Kein neuer Vertrag für Hearn

Den gleichen Weg schlägt auch die neuseeländische Nationalstürmerin Amber Hearn ein. „Die Fans des FF USV Jena haben in den sechs Jahren wahrscheinlich nicht ein Spiel von Amber erlebt, bei dem sie nicht mit hundertprozentigem Einsatz auf dem Platz war. Die Leistungsbereitschaft, die sie an den Tag legte, war vorbildhaft und sie hat viele wichtige Tore für uns geschossen“, würdigte Roß die Verdienste der 32-Jährigen.

„Man hat aber in der vergangenen Saison auch gemerkt, dass die jahrelange Mehrfachbelastung – vor allem auch mit den vielen weiten Nationalmannschaftsreisen – nicht spurlos an ihr vorübergegangen sind. Für die neue Saison konnten wir ihr kein Angebot unterbreiten, das ihren Vorstellungen entsprach, sodass sie sich für die Suche nach einem neuen Verein entschieden hatte.“

Julia Arnold in Aktion

Julia Arnold (li.) verlässt nach elf Jahren den FF USV Jena © FF USV Jena/ Jürgen Scheere

Zwei kommen: Knupfer und Pietrangelo verstärken FF USV

Unterdessen bestätigte der FF USV Jena zugleich auch zwei Neuverpflichtungen. Antonia Knupfer vervollständigt den Torhüterinnen-Kader des FF USV. Die gebürtige Schwäbin, Jahrgang 1992, begann ihre Karriere ursprünglich als Stürmerin und empfahl sich über erste Regionalliga-Stationen in Württemberg vor vier Jahren beim damaligen Erstligisten VfL Sindelfingen, für den sie erste Einsätze im Frauenfußball-Oberhaus absolvierte. Nach ihrem Wechsel ins Badische, zum zweifachen DFB-Pokalfinalisten SC Sand, war Knupfer Torhüterin der Ersten Mannschaft und kam darüber hinaus in der zurückliegenden Saison 2016/17 insbesondere für die Bundesligareserve des SCS zu Spielpraxis in der 2. Frauen-Bundesliga.

Ebenso groß ist die gespannte Erwartung bei Jenas Neu-Stürmerin Amelia Pietrangelo: Die 23-jährige Kanadierin erhielt eine Fußballausbildung in ihrer Heimatstadt Laval beim dortigen Club in der W-League sowie in der nordamerikanischen College- und Universitätsfußball-Liga NCAA. Dort spielte sie – unter anderem auch schon mit Jenas Shannon Woeller – für die Rutgers University in New Jersey; gemeinsam mit der Innenverteidigerin und zukünftigen Jenaer Mitspielerin gewann die Offensivspielerin im Jahr 2011 mit der kanadischen U20-Nationalmannschaft die Panamerikanischen Spiele und erhielt dabei obendrein die Auszeichnung als beste Nachwuchsspielerin dieses Jahrgangs.

Wechsel aus der Schweiz

Zuletzt trug sie mit 16 Treffern in 27 Spielen erfolgreich zum Double-Gewinn des FC Neunkirch in der Schweiz bei. Bereits im Mai überzeugte Pietrangelo bei einem Probetraining die Jenaer Verantwortlichen – und erwartet nun eine spannende Herausforderung im blau-weißen Jenaer Trikot, wie die Offensivkraft sagte: „Ich erwarte viele Spiele, die sehr herausfordernd werden. In der Liga spielen viele gestandene Nationalspielerinnen. Aber das ist gut: Ich will mich immer mit den Besten messen.“

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

9 Kommentare »

  • Digger Dunn sagt:

    Die Hammernachricht schlechthin. Sehr, sehr schade, daß mit Julia eine echte Identifikationsfigur den USV verläßt. Sie wird fehlen im Paradies. Trotzdem viel Glück beim neuen Verein! Für den FC Kölle sind Julia und Amber Hearn eine gute Verstärkung. Glaube aber kaum, daß Köln die Liga halten kann. Der FC dürfte der erste Abstiegskandidat sein.
    Auch für den USV bleibt der Klassenerhalt das oberste Ziel. Zusammen mit Duisburg und Werder Bremen wird man sich wohl um den rettenden Platz 10 streiten. Bleibt zu hoffen, daß das neue kanadische Sturmdoppel zusammen mit Lucie Vonkova die nötigen Tore schießt, um weiter erstklassig zu bleiben.

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  • JK sagt:

    Das ist ein sehr interessanter Wechsel.
    Wenn ich das richtig interpretiere, gab es die beiden wohl nur im Doppelpack?!
    Mich wundert es dennoch ein bisschen, dass es Köln geworden ist…Ich finde, dass die beiden durchaus auch zu etablierten Bundesligaklubs gepasst hätten.
    Zum Beispiel Frankfurt, Hoffenheim.
    Evtl. auch Bayern oder Potsdam, bei denen ich Arnold einen Stammplatz bzw. viele Einsatzzeiten zutrauen würde; Hearn dann eher als Backup

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  • Brunhilde Sorglos sagt:

    @JK
    Mein Tip: Amber Hearn hat für die kommende Saison keinen Vertrag mehr beim USV Jena erhalten. Da ergibt sich die Frage: Welcher, der etablierten Bundesligavereine ist an einer 32-jährigen Stürmerin mit unterdurchschnittlicher Trefferquote interessiert? Da bleibt eigentlich nur ein Aufsteiger übrig. Der MSV Duisburg fällt aus, da der neue Trainer CFP schon alle seine Spezies aus Gütersloh nach Duisburg holt bzw. sich bei der Konkursmasse des FC Neunkirch bedient. Werder Bremens Kader ist eigentlich ganz gut aufgestellt und wird wohl erst mit der neuen Trainerin den Kader punktuell verstärken. Der 1. FC Köln aber, kann nach Aussage von Willi Breuer (FC-Trainer) jedwede Verstärkung gebrauchen. Denn nach Willi Breuer ist der derzeitige Kölner Kader noch schwächer als der beim Debüt in der 1. Bundesliga, d.h. nicht konkurrenzfähig. Und da ist eine Amber Hearn schon eine gewisse Verstärkung. Und Amber Hearns beste Freundin Julia Arnold hatte ohnehin schon vor etwa 2 Jahren mit einer Veränderung geliebäugelt. Was liegt da näher, als die beste Freundin nach Köln zu begleiten. Und so ist dieser Doppeltransfer für Köln eine richtig gute Lösung. Denn eine Julia Arnold wäre solo sicher auch in Hoffenheim oder Sand sehr willkommen gewesen. Leider wird aber dem 1.FC Köln durch diesen Wechsel der sofortige Wiederabstieg nicht erspart bleiben. Auch dann nicht, wenn noch jemand aus Neunkirch zum FC dazukommen sollte. Bleibt also abzuwarten, wie es dann mit Hearn/Arnold weitergeht.

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  • Aldur sagt:

    Laut eigener Homepage verstärkt sich der FC zusätzlich auch mit den Frankfurter „Abtrünnigen“ Kremer und Nietgen.

    https://www.fc-koeln.de/de/fc-info/news/detailseite/details/zugaenge-fuer-die-fc-frauen/

    Das ist dann doch schon ’ne Menge BuLi-Erfahrung. Ungeachtet dessen wird Köln wohl mit Jena, Duisburg und Bremen im Abstiegskampf sein. Als sicheren Absteiger sehe ich sie aber angesichts dieser Verstärkungen nicht.

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  • adipreissler sagt:

    Aus Frankfurt kommen noch Nietgen und Kremer nach Köln:

    https://www.fc-koeln.de/fc-info/news/detailseite/details/zugaenge-fuer-die-fc-frauen/

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  • enthusio sagt:

    Julia Arnold und Amber Hearn bekommen mit Ann-Katrin Kremer und Peggy Nietgen weitere gestandene Mitspielerinnen als Neuzugänge an die Seite gestellt. Der FC Kölle tut alles, um nicht sofort wieder abzusteigen und wird womöglich bald weitere Neuzugänge präsentieren.

    https://www.fc-koeln.de/fc-info/news/detailseite/details/zugaenge-fuer-die-fc-frauen/

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  • FFFan sagt:

    @ B.S.:
    „Leider wird aber dem 1.FC Köln durch diesen Wechsel der sofortige Wiederabstieg nicht erspart bleiben.“

    Ist das nicht etwas voreilig? Es bleibt ja nicht bei diesen beiden Neuzugängen. Aus Frankfurt kommen A.Kremer und P.Nietgen zum ‚EffZeh‘ (ob es die beiden auch nur im ‚Doppelpack‘ gab, weiß ich nicht). Und das ist erst der Anfang!

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  • O. Christ sagt:

    Hearn und Arnold beschweren sich im Interview über unprofessionelles Verhalten des FF USV:
    http://jena.tlz.de/web/jena/startseite/detail/-/specific/Eine-der-haertesten-Entscheidungen-Warum-zwei-Urgesteine-des-FF-USV-Jena-den-Ve-1354744275
    (Volltext für kleines Geld oder im Google-Cache.)

    (1)
  • @ O. Christ sagt:

    @ O. Christ:

    Hier das Interview ohne Geld im Volltext… mit lieber Verabschiedung von Arnold/Hearn bei den Fans.

    http://www.thueringer-allgemeine.de/web/zgt/sport/detail/-/specific/Eine-der-haertesten-Entscheidungen-Warum-zwei-Urgesteine-des-FF-USV-Jena-den-Ve-1343744315

    Man/frau sollte aber wissen, daß die Kölner Öffentlichkeitsstelle in der Vergangenheit auch nicht immer die professionellste gewesen ist. framba hatte sich mehrfach darüber beschwert… wahrscheinlich sind mehrere Parteien schuldig (Berater??) und die Wahrheit liegt wie immer irgendwo in der Mitte.

    Es ist zu bezweifeln, daß die Jena-Fans (Hearn vermisst sie ja jetzt schon) sie eines Tages bei ihrer Rückkehr bei Carl Zeiss anfeuern werden. Wahrscheinlich und leider der falsche Verein.

    Köln tut die Erfahrung aber gut. Ob so viele gestandene Neuzugänge auf einmal gut sind für das Mannschaftsgefüge wird sich zeigen. Nietgen und „Miss Bildzeitung“ (Kremer) haben in Frankfurt ja zuletzt für Furore gesorgt. Ob das ein Problem des Vereins (Frankfurt) oder ein Problem der Spielerinnen war, zeigt sich auch in Köln. Klassenerhalt geht jedenfalls nur gut mit einer guten Harmonie in der Mannschaft. Ohne Konflikte und polarisierende Einzelkämpfer.

    (3)

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