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Abby Wambachs „Forward“: Eine Autobiographie

Von am 11. Januar 2017 – 14.44 Uhr 2 Kommentare

Im September veröffentlichte die ehemalige US-Fußballerin Abby Wambach ihre Autobiographie „Forward“. Sie gibt einen spannenden und bewegenden Blick hinter die Kulissen einer Profisportlerin.

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Vor fast genau einem Jahr streifte Abby Wambach zum 255. Mal das US-amerikanische Nationaltrikot über – es sollte ihr letztes Mal sein, bevor sie ihre Karriere als erfolgreichste Fußballspielerin aller Zeiten beendete. In den vorangegangenen Jahren hatte sie den amerikanischen Frauenfußball maßgeblich geprägt.

Sie galt als die Anführerin. Mit unbändigem Siegeswillen, selbstbewusst, stark und stets präsent – auf und neben dem Platz. 184 Länderspieltore – die meisten Tore, die eine Fußballerin jemals geschossen hat, 74 Vorlagen und zahlreiche Auszeichnungen, darunter zwei Olympiasiege, die Wahl zur Weltfußballerin in 2012 und der WM-Sieg in 2015 zeichneten ihren Erfolg.

Emotionaler Abschied vom Profifußball

Der Abgang aus dem Profifußball fiel ihr sichtlich schwer. Nach Ende ihres Abschiedspiels – eine 0:1-Niederlage gegen China – rang sie mit den Tränen. Von klein auf hatte sie ihr Leben dem Fußball gewidmet, bis ihr Körper begann, ihr endgültig seine Grenzen aufzuzeigen. Bereits während der WM im selben Jahr hatte sie einen Großteil der Spiele von der Bank aus verfolgt. Spielerinnen wie Carli Lloyd, Alex Morgan oder Megan Rapinoe wussten die vermeintlich große Lücke erfolgreich zu schließen. Und gewannen die WM. Mit Wambach auf oder neben dem Platz. Wenige Wochen später gab Wambach schließlich ihren Rücktritt aus dem Profifußball bekannt. Im finalen Spiel der sogenannten Victory Tour anlässlich des WM-Sieges der US-Mannschaft stand sie ein letztes Mal auf dem Feld.

Tabletten- und Alkoholsucht während und nach der Karriere

Ein knappes Jahr später veröffentlichte Abby Wambach nun ihre Autobiographie „Forward“. Aus dem Rampenlicht war sie bis dahin mitnichten verschwunden: Im Frühjahr war sie durch Trunkenheit am Steuer aufgefallen und wurde von der Polizei festgenommen; Schlagzeilen, die so gar nicht ins Bild der so perfekt zu sein scheinenden Sportlerin passen wollten. Wambach wirkte während ihrer Karriere stets hoch fokussiert, konzentriert und professionell. Im Buch gesteht sie jedoch, nicht erst seit diesem Jahr mit Alkohol- und Drogenproblem gekämpft zu haben. Mehr noch: Bereits seit vielen Jahren gehörten Pillen und Alkohol zu ihrem Leben und halfen ihr, körperliche wie seelische Schmerzen zu betäuben.

Rückschläge und Zweifel

Schwere Verletzungen warfen sie ebenso schwer zurück wie private Rückschläge. Sie griff zu Betäubungsmitteln, um nicht nur die starken Schmerzen, sondern auch die Selbstzweifel, „liebenswert“ zu sein, auszuradieren. Sportlich kämpfte sie sich zwar immer wieder zurück, der Alkohol und die Pillen wurden jedoch ein stetiger Begleiter. Ihre „inneren Dämonen“ wurden mit Blick auf ihr zunehmendes Alter und das sich unaufhörlich nahende Ende ihrer Fußballkarriere nicht minder gefährlich: Zukunftsängste wurden größer, die innere Unruhe nahm weiter zu. Auch ihr Privatleben blieb davon nicht unberührt: Wambachs Ehe mit ihrer ehemaligen Mannschaftskollegin Sarah Huffmann lag in 2015 bereits während des WM-Triumphs in Trümmern. Huffmann hatte ihr im Vorhinein bereits prophezeit, ihre Trinksucht würde deren Beziehung umbringen. Inzwischen sind sie geschieden.

Abby Wambach

Abby Wambach krönte ihre Karriere mit dem WM-Titel 2015 © Marion Kehren / girlsplay.de

Mit Trunkenheit am Steuer gefasst worden zu sein, bezeichnete Wambach zuletzt als „das Beste, was mir passieren konnte. Öffentlich derart beschämt und gedemütigt zu werden, war vielleicht das Einzige, das mir die Augen öffnen konnte“.

Bewegend und emotional: „Forward“

Die Autobiographie gewährt interessante, überraschende, aber auch traurige und bewegende Einblicke in das Leben von Abby Wambach. Dabei geraten ihre sportlichen Erfolge fast in den Hintergrund. Vielmehr reflektiert sie in ihrem Buch ihre Ängste, Zweifel und sportlichen wie privaten Niederlagen, gegipfelt in ihrer Festnahme Anfang April. Das Werk wirft damit einen spannenden Blick hinter die Kulissen des US-Stars. Inzwischen gilt Abby Wambach als clean.

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2 Kommentare »

  • bale sagt:

    wünsche abby alles gute für ihr leben,das sie auch ein LEBEN nach dem fussball findet.hope solo hat ja auch Probleme.bei unseren Mädels SCHEINT alles perfekt zu sein.

    (6)
  • Jennifer sagt:

    @bale: bei „unseren Mädels“ gab es aber auch nicht so einen Hype wie in den USA. Ich glaube, dass es dann einfacher ist wieder „herunter zu kommen“ und eine „normale“ Laufbahn einzuschlagen.

    (2)

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