Nele Schenker: „Ich habe eine andere Herangehensweise“

Von am 9. Dezember 2016 – 9.00 Uhr 10 Kommentare

Im Interview mit Womensoccer spricht SPORT1-Moderatorin Nele Schenker über das bevorstehende Topspiel der Frauen-Bundesliga zwischen Bayern München und Turbine Potsdam (Sonntag, 11. Dezember, 13 Uhr, SPORT1 live), Klischees im Frauenfußball und ihren besonderen Draht zu den Spielerinnen.

Womensoccer.de: Bayern München gegen Turbine Potsdam oder Erster gegen Zweiter. Kribbelt es da auch bei der Moderatorin Nele Schenker schon ein bisschen?

Nele Schenker: Definitiv! Es ist schon ein Kracher, wenn man auf die Tabelle schaut. Für mich ist es aber auch das Spiel der zwei Titelaspiranten. Ich glaube, dass diese beiden Mannschaften die Meisterschaft unter sich ausmachen werden – auch  wenn man Wolfsburg nie außer Acht lassen darf. Sportlich ist es interessant, weil die Voraussetzungen für die beiden Teams unterschiedlicher nicht sein könnten: Turbine hatte Anfang November das letzte Pflichtspiel, Bayern war in der Zwischenzeit in der Bundesliga, dem DFB-Pokal und der Champions League im Einsatz und überwintert auch erstmals in der Vereinsgeschichte in drei Wettbewerben. Das wird ein super spannendes Spiel.

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Womensoccer.de: Spiele mit Beteiligung von Turbine Potsdam sind für Sie aber auch noch aus einem anderen Grund etwas Besonderes.

„Es ist definitiv etwas Besonderes, wenn auf dem Platz ehemalige Mitschülerinnen stehen.“Nele Schenker: Ich war früher selbst Leistungssportlerin, Hürdensprinterin, und habe die Sportschule Potsdam besucht. Es ist definitiv etwas Besonderes, wenn auf dem Platz ehemalige Mitschülerinnen stehen. Ich bin mit „Ulla“ Draws und Bianca Schmidt oder auch Desiree Schumann vom 1. FFC Frankfurt in einem Abi-Jahrgang gewesen. Ich kenne über die Schule aber auch andere Spielerinnen, wie die Potsdamerin Tabea Kemme oder Sandra Starke vom SC Freiburg. Es ist cool, sich immer mal wieder zu treffen. Da kann man sich vor oder nach dem Spiel ein bisschen austauschen oder über den ein oder anderen Insiderwitz lachen. So geht es mir aber nicht nur im Frauenfußball, sondern auch mit anderen Sportarten. Da es an der Sportschule ja so viele verschiedene Sportarten gibt, trifft man immer mal wieder jemanden. Ich war kürzlich nach langer Zeit wegen der Pokalauslosung wieder einmal in Potsdam. Es ist immer wieder ein bisschen wie nach Hause kommen. Das ist eine echte Sportfamilie, so wie sich das gehört.

Womensoccer.de: Ihr Herz schlägt am Sonntag also für Turbine?

Nele Schenker: Nein. Sobald ich als Journalistin am Field stehe, mache ich mich davon frei. Das muss einfach so sein und es macht die Sache auch einfacher. Ich kann den Schalter da sehr gut umlegen.

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Womensoccer.de: Wie sieht denn Ihr Arbeitsablauf rund um die Partie aus?

Nele Schenker: Es ist eine kontinuierliche Vorbereitung, deswegen lässt sich das nicht auf Stunden herunterbrechen, auch wenn es in der Woche vorher intensiver wird. Ich versuche immer, noch einmal beim Training vorbeizuschauen, diese Eindrücke sind wichtig. Es ist oft wertvoller zu sehen, wie es einer Spielerin persönlich geht, als reine Statistiken anzuschauen. Am Spieltag selbst bin ich, wenn um 13 Uhr Anpfiff ist, spätestens um 10 Uhr im Stadion, meistens 9.30 Uhr. Dann geht es in die Maske und zur Ablaufbesprechung. Wir nutzen im Vorfeld auch sehr gerne Facebook Live, um den Zuschauern zusätzliche Einblicke zu liefern und eine Kommunikationsmöglichkeit zu bieten. Wir haben bei SPORT1 festgestellt, dass dies vor allem auch im Frauenfußball sehr gut angenommen wird. Um 13 Uhr ist Anpfiff, dann geht es richtig los. Und gegen 15.30 Uhr sind alle Interviews geführt. Wir versuchen, sie immer live unterzubringen, das klappt aber nicht immer. Sonst bereiten wir sie für unsere Website SPORT1.de auf. Anschließend gibt es noch eine Nachbesprechung. Ich nutze auch immer gerne die Gelegenheit, noch mit ein paar Leuten wie zum Beispiel ehemaligen Mitschülern zu sprechen. Gegen 16.30 Uhr oder 17 Uhr bin ich aus dem Stadion.

PORT1-Moderatorin Nele Schenker (li.) im Gespräch mit Bayern-Spielerin Melanie Leupolz

SPORT1-Moderatorin Nele Schenker (li.) im Gespräch mit Bayern-Spielerin Melanie Leupolz © Karsten Lauer

Womensoccer.de: Inwieweit hilft es Ihnen bei Ihrer Tätigkeit selbst Leistungssportlerin gewesen zu sein?

Nele Schenker: Das hilft ungemein. Ich merke immer wieder, dass ich eine andere Herangehensweise habe. Ich kann sehr gut nachempfinden, wie es einem Sportler geht und weiß selbst, wie viel Aufwand gewisse Leistungen kosten und wie sehr es mich beispielsweise nerven würde, wenn jemand noch einmal auf eine Niederlage draufhaut. Das heißt nicht, dass man nicht kritisch nachfragen sollte, aber mit ein bisschen mehr Respekt und Einfühlungsvermögen. Auch die Sportler wissen das oft sehr zu schätzen.

Womensoccer.de: Zuletzt hatte SPORT1 bei der Übertragung des Spiels Bayern gegen Frankfurt eine Top-Quote von 400.000 TV-Zuschauern. Nur ein Ausreißer nach oben?

Nele Schenker: Das war das Highlight der bisherigen Saison. Aber auch das Spiel Bayern gegen Wolfsburg hatte im September 270.000 Zuschauer im Schnitt. Und ich bin überzeugt, dass es weiter nach oben gehen wird. Im Stadion ist das bei den Leuten inzwischen fest im Kopf verankert, dass die Spiele auf SPORT1 übertragen werden. Es gibt sicher noch Potenzial, beim allgemeinen Zuschauer stärker wahrgenommen zu werden.

Womensoccer.de: In den Stadien ist davon aber nicht besonders viel zu merken. Bei besagter Partie Bayern gegen Frankfurt waren es nur 610 Zuschauer. Woran liegt das?

Nele Schenker: Über diese Thema tausche ich mich auch mit Spielerinnen aus, die daran durchaus interessiert sind. Die Liga hat eine Entwicklung genommen, auch wenn es nach der Heim-WM keinen großen Boom gab. Für den Stadionbesuch selbst sind manchmal die Ansetzungen schwierig, gerade am frühem Samstagnachmittag. Wenn man am Sonntag in einer Großstadt wie München dann noch die 2. Liga zur Konkurrenz hat, anschließend den Basketball oder Eishockey, dann macht es das nicht einfacher. Aber es gibt ein riesiges Potenzial. Melanie Leupolz ist eine Vorreiterin in Sachen Social-Media-Präsenz. Sie spricht das junge Publikum an, das dann auch ins Stadion kommt. Es gibt inzwischen viele Kinder und Teenager, die Leupolz-Trikots tragen. Bei Instagram ist Leupolz beachtlicherweise nach Angelique Kerber und Sabine Lisicki aktuell auf Platz 3, was die Followerzahlen der aktiven deutschen Sportlerinnen angeht. Ich glaube, dass sich die Liga noch mehr auf ihre speziellen Stärken besinnen und sich noch mehr auf das junge Publikum konzentrieren sollte.

„Dieses klischeebehaftete Gender-Denken gehört für mich abgeschafft.“Womensoccer.de: Und auch gewisse Klischees gilt es im Frauenfußball weiterhin zu bekämpfen.

Nele Schenker: Ich mag diese permanenten Vergleiche nicht. Fußball ist Fußball und einfach eine großartige Sportart, die Millionen von Menschen begeistert. Und Frauenfußball ist für mich genauso wie Regionalligafußball oder jede andere Spielklasse interessant. Ich verfolge das zwar beruflich, aber ich gehe auch privat sehr gerne in kleine Stadien zu einem Regionalliga-Spiel oder zum Frauenfußball. Wenn ich das auf meine frühere Sportart beziehe – ich war Hürdensprinterin – dort wurde auch nicht ständig der Männer- und Frauen-Sprint miteinander verglichen. Obwohl die Männer eine längere Strecke laufen, die höheren Hürden haben und eine ganz andere Technik benötigen, spricht man einfach vom Hürdensprint. Dieses klischeebehaftete Gender-Denken gehört für mich abgeschafft.

Womensoccer.de: Dann begrüßen Sie auch sicherlich, dass in den vergangenen Jahren Sportmoderatorinnen zur Selbstverständlichkeit geworden sind.

Nele Schenker: Für mich ist dieses Klischeedenken überholt. Ich habe früher noch nicht gearbeitet und kann nur beurteilen, wie ich es heute empfinde. Für mich ist es eine Selbstverständlichkeit, dass Frauen in diesem Beruf arbeiten können, ob vor oder hinter der Kamera. Ich habe zuerst auch als Redakteurin angefangen, arbeite immer noch redaktionell und bin dann erst vor die Kamera gegangen. Ab und zu werde auch ich noch mit Vorurteilen konfrontiert, das finde ich sehr schade.

Womensoccer.de: Sie sind ein regelrechter Tausendsassa. Redakteurin, Field-Reporterin, Moderatorin, Sprecherin und Sie kommentieren auch Regionalliga-Spiele auf BFV-TV.

Nele Schenker: Meine große Leidenschaft ist der Sport, weil ich selbst einmal Leistungssportlerin war. Ich komme davon nicht weg und ich will davon auch nicht wegkommen. Ich treibe Sport, ich sehe viel Sport und ich darf glücklicherweise Sport moderieren und in diesem Traumberuf arbeiten. Die Mischung macht’s und mir unglaublich viel Spaß! Ich bin super glücklich, dass ich seit eineinhalb Jahren auch moderieren darf. Das ist eine tolle Herausforderung.

SPORT1-Moderatorin Nele Schenker

Im Einsatz bei den Live-Übertragungen der Frauen-Bundesliga: SPORT1-Moderatorin Nele Schenker © Karsten Lauer

Steckbrief Nele Schenker

Nele Schenker, Jahrgang 1990, ist seit November 2011 bei SPORT1 tätig und moderiert die Live-Übertragungen der Allianz Frauen-Bundesliga, „Bundesliga Aktuell“, „Die Premier League Highlights“, sowie das Fußballmagazin „Scooore!“. Zudem ist sie als Redakteurin, Reporterin und Sprecherin vorwiegend in den Bereichen Fußball und Aktuelles aktiv. Schenker ist vielfache Landesmeisterin in der Leichtathletik und besuchte bis 2009 die Eliteschulen des Sports in Cottbus und Potsdam am Olympiastützpunkt Brandenburg. Während und nach ihrem Studium der „Angewandten Medienwirtschaft“ mit dem Schwerpunkt „Sportjournalistik/Sportmanager“ an der Medienakademie in Berlin, war die frühere Mehrkämpferin und Hürdensprinterin unter anderem für Bild.de, DFB-TV und BFV.TV tätig.


 

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

10 Kommentare »

  • enthusio sagt:

    Sehr schönes Interview. An Ralf Kellermanns Stelle würde ich die ersten Sätze des Interviews an die Kabinentür hängen. Mehr Motivation bedarf es nicht. 🙂

    (6)
  • Detlef sagt:

    Gutes Interview!!!
    Interessant vor allem die ausweichende Antwort auf die Frage nach den Zuschauerzahlen!!!
    „Für den Stadionbesuch selbst sind manchmal die Ansetzungen schwierig, gerade am frühem Samstagnachmittag.“

    Hier wäre die Nachfrage angebracht gewesen, warum es denn zu solchen Ansetzungen, zu diesen Anstoßzeiten überhaupt kommt, obwohl man ja mittlerweile wissen sollte, daß dies kontraproduktiv ist!!!
    Ein wenig Selbstkritik hatte man dann aus Frau Schenker schon rauskitzeln können!!!

    Und zum Beispiel Bayern-Ladies sollte auch der Bayernsender SportEins so ehrlich sein, daß es eben nicht an der Konkurrenz zu anderen Sportarten liegt, sondern am totalen Desinteresse am FF!!!

    Gut fand ich ihre Antwort zu den ständigen Vergleichen mit dem MF!!!
    Obwohl (im Gegensatz zum Fußball) in Ihrer Sportart die Größe der Hürden, und sogar die Strecke unterschiedlich lang ist, spricht sie nicht von einer völlig anderen Sportart, nur weil Frauen diese ausüben!!!
    Im Fußball ist alles gleich groß, gleich lang, gleich schwer, und trotzdem sprechen viele immer noch vom Frauenfußball!!!

    (0)
  • holly sagt:

    @Detlef, welche Uhrzeit wäre denn für den FF gut um tolle Einschaltquoten und Zuschauerzahlen zu haben.
    Freitagabend zweite Liga Regionalliga vierte Liga und Bundesligaim MF. Samstag und Sontag das gleiche.

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  • Detlef sagt:

    @holly,
    Ich habe es schon oft geschrieben, FF wird Sonntag um 14 Uhr gespielt!!!
    Dieser Termin hat sich über Jahre als der ideale Zeitpunkt herauskristalisiert, und alles was davon wesentlich abweicht kostet eben Zuschauer!!!

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  • holly sagt:

    das glaube ich nicht. Die Uhrzeit ist genauso ungünstig da zu der zeit halt alle MF Ligen parallel spielen bzw den ihr Spielbeginn auch in die Zeit fällt.
    Ich finde keine Statistik die belegt das bei Sontagspielen nun 100te oder mehr in das Stadion kommen. Lass mich aber gerne einer Statistik von dir eines besseren belehren
    Mein Vorschlag ist immer noch im Kalenderjahr Rhythmus zu spielen, dann hätte man den gesamten Sommer bzw die warme Jahreszeit.
    Und die 22 Spieltage plus abstell phasen für die N Mannschaften würde man locker hin kriegen.

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  • Detlef sagt:

    @holly,
    In Potsdam ist das zumindest so!
    ZB waren gegen Frankfurt und Essen deutlich unter 2000 Zuschauer im KARLI!!!
    Beide am Samstag, und mit TV-Übertragung!!!
    Unser Topergebnis war gegen Sand, eben genau Sonntag 14 Uhr!!! 😄

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  • holly sagt:

    naja das sind immer unterschiedliche werte. ist gutes wetter. wie spielt ein team. sicher sind in potsdam dieses jahr auch mehr zuschauer weil das team besser spielt wie letztes jahr.
    nur weil dir der sontag um 14 uhr als spielzeit am besten gefällt, ist es nicht so.

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  • OrbisJack sagt:

    @holly

    „Mehr“ Zuschauer?!? In der Tat ist es im Moment ist es tatsächlich WENIGER als im letzten Jahr im durchschnitt.

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  • holly sagt:

    @Orbis Jack, habe nur auf Detlef seinem Post zu den Zuschauerzahlen bei Turbine geantwortet.

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  • Detlef sagt:

    Oh man holly,
    Ich gehe seit 13 Jahren fast jedes WE zum FF!!!
    Sonntag 14 Uhr waren fast ausnahmslos mehr Zuschauer da, als Sonntag 11 Uhr, Samstag 12-13-oder 14 Uhr!!!
    Von unter der Woche will ich gar nicht reden!!!

    Wenn es nicht gerade unter der Woche ist, ist mir die Anstoßzeit relativ egal, da ich meistens sowieso eine sehr weite Anreise habe!!!

    (1)

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