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Mandy Islacker will kein Rampenlicht

Von am 30. Oktober 2015 – 0.06 Uhr 1 Kommentar

Champions-League-Sieg, Hochzeit und Nationalmannschaftsdebüt: das Jahr 2015 wird Mandy Islacker in besonderer Erinnerung behalten. Dabei ist der 27-Jährigen der Rummel um ihre Person eher unangenehm, wie sie Womensoccer vor dem Bundesligagipfel mit dem FC Bayern München verriet.

Am 14. Mai ließ Islacker im Champions-League-Finale mit ihrem Treffer in der zweiten Minute der Nachspielzeit zum 2:1-Sieg des 1. FFC Frankfurt gegen Paris Saint-Germain den Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark in Berlin erbeben und stürzte ihren Verein in einen kollektiven Freudentaumel. Doch der Stürmerin war es sichtlich unangenehm, plötzlich im Blitzlichtgewitter zu stehen und gefragter Interviewpartner der internationalen Medien zu sein.

Scheu wie ein Reh

„Scheu wie ein Reh“ schrieb die Frankfurter Rundschau nach dem Finale über die Stürmerin. „Im Rampenlicht stehe ich nach wie vor nicht gerne und das wird sich voraussichtlich auch nicht mehr ändern“, so Islacker gegenüber Womensoccer. „Natürlich weiß ich, dass die Medien in unserem Sport eine wichtige Rolle spielen und von daher gebe ich ja auch Interviews.“ So scheu sie außerhalb des Platzes auf manch einen wirken mag, so eiskalt nutzt sie derzeit die sich bietenden Chancen auf dem Rasen.

Ausrufezeichen in der Nationalelf

So debütierte sie kürzlich in der A-Nationalelf und schoss in den EM-Qualifikationsspielen gegen Russland und die Türkei jeweils den Führungstreffer bei den 2:0- und 7:0-Erfolgen. Chance eindrucksvoll genutzt. Dennoch bleibt Islacker bescheiden. „Tatsache ist ja, dass viele andere Stürmerinnen momentan verletzt sind – so habe ich ja überhaupt erst die Chance bekommen. Daher wäre es jetzt vermessen, sich gleich über einen Stammplatz Gedanken zu machen.“

Mandy Islacker

Mandy Islacker (re.) bejubelt einen ihrer Treffer im Nationaldress © Mirko Kappes / girlsplay.de


Mehr als eine Notlösung

Doch mit ihrer unbekümmerten Spielweise, ihrem Biss, dem permanenten Zug zum Tor und echter Malocherqualität darf sich die gebürtige Essenerin berechtigte Hoffnungen machen, zu weiteren Einsätzen zu kommen. „Ich bin froh, dass ich in den Überlegungen der Bundestrainerin eine Rolle spiele“, freut sich Islacker, die schon vor ihrer Zeit beim 1. FFC Frankfurt bei ihren früheren Vereinen FCR 2001 Duisburg, SGS Essen, FC Bayern München und BV Cloppenburg in schöner Regelmäßigkeit Tore erzielte – bisher insgesamt 75 in der Frauen-Bundesliga.

Aus dem Blickfeld geraten

Doch nach ihren Einsätzen in der U15 und U17 in den Jahren 2003 und 2004 fand sie in den Auswahlmannschaften keine Berücksichtigung mehr. „Es spielt immer ein Quäntchen Glück mit, ob man gerade im Blickfeld steht oder nicht. Ich habe immer versucht, meine Leistung in den Vereinen zu bringen und mehr kann man als Spielerin ohnehin nicht beeinflussen.“ Und so dauerte es bis zum Alter von 27 Jahren, ehe die von Bundestrainerin Silvia Neid als Spätzünderin Titulierte erstmals in die A-Nationalmannschaft berufen wurde.

Lohn für die harte Arbeit

„Wenn man mit 27 Jahren zum ersten Mal für die A-Nationalmannschaft nominiert wird, kann man sich schlecht gegen das Prädikat ‚Spätzünderin‘ wehren. Ich habe für jeden Verein immer hundert Prozent gegeben, genauso wie ich es für den 1. FFC Frankfurt tue. Von daher empfinde ich mich selbst nicht als Spätzünderin. Jetzt werde ich eben für die harte Arbeit in den letzten Jahren belohnt“, so Islacker, die sich in ihrer Debütsaison beim 1. FFC Frankfurt durch die Konkurrenz von Célia Sasic nicht unterkriegen ließ. „Ich hab mich mit Célia gut verstanden und das hatte mit der Konkurrenzsituation auf dem Platz überhaupt nichts zu tun. Wir sind alle Profis und können das trennen“, so Islacker über ihre ehemalige Zimmergefährtin.

Mandy Islacker schießt

Mandy Islacker will auch gegen Meister Bayern München treffen © Mirko Kappes / girlsplay.de


Unter Zugzwang

Nun gilt es für sie und ihr Team ausgerechnet gegen den seit 29 Spielen in der Liga ungeschlagenen Deutschen Meister FC Bayern München in der Allianz Frauen-Bundesliga wieder in die Spur zurückzufinden. Denn zuletzt gab es nach vier Siegen in Folge eine Heimniederlage gegen den VfL Wolfsburg und ein schmerzhaftes 1:1 bei Aufsteiger Werder Bremen. „Wir haben es verpasst, das zweite Tor nachzulegen und wurden dafür mit dem Ausgleich bestraft. Man sieht aber auch an anderen Ergebnissen, dass die sogenannten Mittelfeld-Teams weiter aufgeholt haben und den Favoriten das Leben immer schwerer machen.“

Noch keine wegweisende Partie

Doch besondere Bedeutung misst Islacker dem Duell mit dem Verein, bei dem sie von 2007 bis 2010 Fußball spielte, nicht bei. „Wir haben ja erst den siebten Spieltag, es kann noch so viel passieren. Von daher würde ich die Bedeutung nicht ganz so hoch hängen. Klar ist, dass wir gegen Bayern München unbedingt dreifach punkten wollen, um vorne dran zu bleiben.“ Dass die Bundesliga derzeit häufig unerwartete Ergebnisse produziert, überrascht Islacker nicht besonders. „Die kleinen Vereine haben einfach aufgeholt, vor allem weil sie taktisch immer besser geschult sind – vor allem was die defensive Kompaktheit betrifft. Für die Liga an sich ist es aber doch gut, dass es Überraschungen gibt. Das erhöht die Spannung.“

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Markus Juchem (48) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

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