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EM-Quali: Wales will die Großen ärgern

Von am 15. September 2015 – 9.21 Uhr

„Nicht gut für den Frauenfußball“, „keine gute Werbung“ – die Kommentare zur Aufstockung des Teilnehmerfeldes bei der Weltmeisterschaft in Kanada waren teils deutlich, denn die Titelkämpfe begannen mit einem Kantersieg. Doch bei der Betrachtung der Situation hierzulande wird fast ausschließlich aus Sicht der vermeintlich großen Frauenfußball-Nationen argumentiert. Am Donnerstag startet die Qualifikation für die Europameisterschaft 2017, auch hier wird das Teilnehmerfeld aufgestockt. Und das sei gut für den Frauenfußball, sagt die walisische Nationaltrainerin Jayne Ludlow im Gespräch mit Womensoccer. „Der Sport muss überall wachsen.“

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Erstmals werden bei der Europameisterschaft in den Niederlanden 16 Mannschaften an den Start gehen. Die Chancen, sich zu qualifizieren, steigen. Einigen Nationen bietet sich eine neue Perspektive, endlich den Sprung zu einem internationalen Turnier zu schaffen. Eine Perspektive, die nötig sei, um Investitionen in den eigenen Sport an Land ziehen zu können, sagt Ludlow.

Es geht um Ergebnisse
Die walisische Nationalmannschaft war bislang chancenlos in allen Qualifikationen, doch nun tut sich zumindest eine Perspektive auf. „Und ich denke schon, dass das einen Einfluss auf die Entscheidungsträger in unserem Verband hatte. Fakt ist: Schon mit geringeren Investitionen kann man im Frauenfußball einen höheren Ertrag erzielen als im Männerfußball. Unser Verband ist demgegenüber offen und versteht das. Ich hoffe sehr, die Unterstützung hält an und wir werden dadurch in den kommenden Jahren weiter wachsen. Denn klar ist auch: Am Ende des Tages geht es um Ergebnisse. Ich sage mir immer wieder, dass es um die Schaffung von Strukturen geht – aber de facto geht es um Ergebnisse“, so Ludlow.

One-Woman-Show
In walisischen Frauenfußball steckt vieles noch in den Kinderschuhen. Die Liga ist erst seit drei Jahren eingleisig, eine Frauenfußball-Abteilung im Verband gibt es nicht, überhaupt arbeiten dort nur zwei Personen hauptamtlich für den Frauenfußball – eine davon ist Ludlow, die neben der A-Nationalmannschaft auch für alle Jugendmannschaften verantwortlich ist. „Manchmal denke ich, ich werde wahnsinnig“, schmunzelt die langjährige Spielerin von Arsenal. „Aber es ist großartig. Die Mädels zu trainieren und den Enthusiasmus zu sehen, das ist es wert.“

Jayne Ludlow hofft, Wales zu einem internationalen Turnier führen zu können. © James Prickett, www.jamesprickett.co.uk

Jayne Ludlow hofft, Wales zu einem internationalen Turnier führen zu können. © James Prickett, www.jamesprickett.co.uk

Hauptamtlicher Trainer verändert
Ludlow, zu ihrer aktiven Zeit die beste Spielerin des Landes, hatte 2010 die Nationalmannschaft verlassen – zu unzufrieden war sie dem damaligen Nationaltrainer sowie dem walisischen Verband, dem sie vorwarf, den Frauenfußball nicht ernst zu nehmen. Dann wurde Ende desselben Jahres der Finne Jarmo Matikainen als Trainer engagiert: Man investierte erstmals in einen hauptamtlichen Trainer. Matikainen veränderte Strukturen, eine Liga wurde geschaffen, die Entwicklung ging nach oben – und Ludlow kam zurück ins Nationalteam.

Abhängig vom Abschneiden der Männer
Vor zehn Monaten beerbte sie Matikainen als Nationaltrainer, änderte noch einmal ein paar Dinge. Sie sieht ihre Mannschaft nun häufiger, und seit diesem Monat gibt es eine Akademie für 16 bis 18-jährige Spielerinnen, die dort Schule und Fußball verbinden können. Eines ihrer Hauptziele ist darüber hinaus aber die Schaffung einer Frauenfußball-Abteilung im Verband. „Mehr Personal, das sich ausschließlich um den Frauenfußball kümmern kann, wäre mein Ideal“, sagt die 36-Jährige und ist damit schon wieder beim Kreislauf aus Perspektive, Investitionen und Ergebnissen, die geliefert werden müssen. „Wir haben schon sehr positive Gespräche geführt, allerdings hängt es auch stark davon ab, ob sich unsere Männer für ein internationales Turnier qualifizieren können, denn das hätte Auswirkungen auf alle Mannschaften und Altersgruppen.“

Es braucht Zeit
Bei der Weltmeisterschaft in Kanada saß sie im Stadion, als Deutschland gegen die Elfenbeinküste einen Kantersieg einfuhr und relativiert: „Es braucht einfach Zeit. Die vermeintlich kleineren Nationen haben noch nie auf diesem Level gespielt. Und wenn man die Elfenbeinküste in den Folgespielen gesehen hat, hat man gemerkt, dass sie mit jedem Spiel, das sie auf diesem Level absolvieren konnte, besser wurde. Es ist großartig für diese Mannschaften, den Sprung geschafft zu haben, denn der Sport im eigenen Land wird dadurch aufgewertet, und die Mannschaften entwickeln sich. Bei den Männern gab es die gleiche Diskussion, als das Teilnehmerfeld vergrößert wurde, heute ist das kein Thema mehr.“

Zum Auftakt gegen Österreich
„Die Spiele der kleinen Nationen und wie sie sich im Laufe des Turniers entwickelt haben, hat mir gezeigt, dass ich mit meiner Mannschaft nun auch nicht so weit von der Qualifikation für ein großes Turnier entfernt bin“, so Ludlow. Doch dafür müsste sich ihre Mannschaft innerhalb Europas durchsetzen, was ein enormer Kraftakt ist. Von der Aufstockung des Teilnehmerfeldes für die Europameisterschaft könnten die Waliserinnen nun profitieren. In einer Gruppe mit Norwegen und Österreich sind sie allerdings Außenseiter, wenngleich man gerade gegen Österreich durchaus von der Überraschung träumt, denn mit der Entwicklung ihres Teams ist Ludlow zufrieden. „Wir haben eine gute Mannschaft“, Problem könnte aber die fehlende Leistungsdichte sein. „Im Fall von mehreren Verletzungen auf einmal habe ich ein Problem.“ Ob Wales gleich zum Auftakt der Qualifikation für ein kleines Ausrufezeichen sorgen kann, wird sich am kommenden Dienstag zeigen. Dann ist die Mannschaft in Österreich zu Gast.

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