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USA gegen Deutschland: die Einzelkritik

Von am 1. Juli 2015 – 7.46 Uhr 13 Kommentare

Die deutsche Frauenfußball-Nationalelf hat im Halbfinale der Frauenfußball-WM in Kanada nicht unverdient verloren. Dabei scheiterte die DFB-Elf an ihrer mangelnden Kreativität beim Herausspielen von Torchancen.

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Nadine Angerer: An der DFB-Torhüterin lag es nicht, dass die DFB-Elf den Einzug ins WM-Endspiel verpasste. Mit starken Paraden gegen Julie Johnston, Megan Rapinoe und Alex Morgan bewahrte sie ihr Team schon in der Anfangsphase früh vor einem Rückstand. Bei den Gegentreffern war sie machtlos.

Note: 2

Leonie Maier: Brachte sich früh mit der Gelben Karten nach einem Foul an Megan Rapinoe in Schwierigkeiten und hatte Glück, dass sie nach einem Ellbogeneinsatz nicht die Gelb-Rote Karte sah. Bekam die Amerikanerin nie richtig in den Griff. Konnte auch in der Vorwärtsbewegung kaum Akzente setzen. Kämpfte aber verbissen.

Note: 4

Annike Krahn: Viel Schatten, wenig Licht. Ließ sich immer wieder von Alex Morgan düpieren, etwa als diese sie mit dem Ball überlupfte. Die Abwehrchefin bekam die quirlige Amerikanerin nie unter Kontrolle. Ihr Foul an Morgan führte zum Elfmeter, aus dem das 0:1 entstand. Beim zweiten Gegentreffer sah sie erneut schlecht aus.

Note: 5

Saskia Bartusiak: Wirkte aufgrund der starken US-Offensive nicht so abgeklärt wie sonst, stand individuell aber nicht so im Rampenlicht wie Krahn. Konnte ihre Innenverteidigungspartnerin aber auch nicht wirklich entlasten.

Note: 4

Tabea Kemme: War in der ersten Halbzeit eine der besseren deutschen Spielerinnen, aber zu sehr mit Abwehraufgaben gebunden, um sich gezielter ins Offensivspiel einzuschalten. Hielt aber mit ihrer physischen Stärke gut dagegen. Beim zweiten Gegentreffer kam sie gegen Kelly O’Hara zu spät.

Note: 4

Lena Goeßling: Versuchte zu Beginn, das Spiel an sich zu reißen und arbeitete stark im Pressing. Leistete sich aber auch Fehlpässe, lief sich zu oft fest und deutete nur selten ihr kreatives Potenzial an. Ließ in der zweiten Halbzeit nach und gab zu wenig Impulse nach vorne. Auch ein Grund, warum das Pendel in Richtung USA ausschlug.

Note: 4       

Melanie Leupolz: War zwar gewohnt laufstark und arbeitete gut gegen den Ball, verlor diesen aber auch viel zu häufig und verstrickte sich teil in unnötige Zweikämpfe, anstatt den Ball früher abzugeben. Lud durch ihre Fehler teils die US-Spielerinnen zu gefährlichen Angriffen ein. Wie gegen Frankreich eine der Schwächeren im Team.

Note: 4,5

Simone Laudehr

Simone Laudehr im Zweikampf c Nora Kruse / ff-archiv.de

Simone Laudehr: Der Frankfurter Mittelfeldspielerin war von Beginn an die Extramotivation anzusehen. Rackerte auf der Außenbahn wie ein Berserker und war gewohnt konditionsstark. Richtig durchsetzen konnte sie sich aber n den 1:1-Duellen so gut wie nie.

Note: 3,5

Anja Mittag: Wie schon gegen Frankreich lief das Spiel in weiten Teilen an der Mittelfeldspielerin vorbei. Versuchte es ab und an mit Distanzschüssen, aber auch sie fand keine Mittel, Lücken in die gegnerische Defensive zu reißen. Hatte aber einige wenige ordentliche Chancen, etwa bei einem Kopfball anfangs der zweiten Halbzeit.

Note: 4

Alex Popp: Eines der besseren WM-Spiele der Wolfsburgerin. Hatte in der Anfangsphase eine gute Chance und lief auf der Außenbahn hoch und runter und ließ sich auch durch eine klaffende Platzwunde nach einem Zusammenprall mit Morgan Brian nicht aus der Ruhe bringen. Stand im Mittelpunkt, als ein Foul an ihr zum Elfmeter führte.

Note: 3

Célia Sasic: War zwar bemüht, lief sich aber immer wieder in der gegnerischen Defensive fest. Schaffte es in den Zweikämpfen nicht, sich durchzusetzen. Ließ sich offenbar von den Psychospielchen Hope Solos anstecken, als sie den Elfmeter verschoss und somit die Führungschance vergab.

Note: 5

Dzsenifer Marozsán: Kam viel zu spät erst in der 77. Minute und konnte dem Spiel keine wesentlichen Impulse mehr geben. War aber für eine Benotung zu kurz auf dem Platz.

Markus Juchem (48) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

13 Kommentare »

  • FFFan sagt:

    Die Noten finde ich diesmal recht gut getroffen. Außer N.Angerer hat keine deutsche Spielerin überzeugen können. A.Popp kommt vielleicht etwas zu gut weg: hat zwar den Elfmeter herausgeholt, aber sonst wenig bewirkt; negativ fiel auf, dass sie mit rechts keine Flanken schlagen kann.

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  • dummkopf sagt:

    Na mal kurz vorab.
    Man kann die Spielerinnen schon anhand ihrer Aufgaben bewerten.
    Je nach Ausrichtung hat eine „6“ zunächst einmal die Aufgabe, die gefährlichen Räume vor der Abwehr abzuschirmen und dort den Gegner nicht zur Entfaltung kommen zu lassen, zu schiessen, das Spiel aufzuziehen, oder gefährliche Anspiele in die Spitze spielen zu lassen.

    Das wurde recht gut und erfolgreich gemacht.
    (Der „spielmachende“ Aufgabenbereich ist hier zu umfangreich zu beschreiben, wurde aber nicht so gut wie die Defensivarbeit gemacht)

    Eine offensive Mittelfeldflügelspielerin hat zunächst einmal die Aufgabe, von ihrer Seite für Torgefahr zu sorgen, entweder indem sie selber durchbricht und torgefährlich wird, oder mit Vorlagen und Flanken die Zentrale in Szene setzt.

    Dies gelang absolut 0 von beiden Seiten.

    Dann kann man noch Nebenwertungen für Fleiss, Einsatzbereitschaft oder ähnliches wie Defensivzusatzleistungen bei Offensiven oder Offensivleistung von Defensiven einfliesen lassen oä.
    Auch die Gegenleistung muss man beachten. Für den Fall, dass eine Flügelspielerin zB eine bärenstarke Gegenerin hatte, wo einfach nichts zu machen war.
    Beide Aussenverteidigerinnen sind aber auch noch als Schwachpunkte im US-Team anerkannt, nur hat das in diesem Spiel niemand testen können.

    Von der grundsätzlichen Logik muss man daher in diesem Spiel Goessling/Leupolz immer besser bewerten als Laudehr/Popp, wenn man keine persönlichen Präferenzen hegt.

    Ausführliches erst abends im Blog

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  • Fuxi sagt:

    Ich glaube, wir wissen, warum Sasic weiterspielen durfte und Mittag raus musste. Wo sitzt der DFB? Wo spielt Sasic? Wo spielte Mittag nie? Wer ist Neids Liebling? Tut mir leid, aber so einfach ist es. Aber das ist ja nicht neu.

    Davon ab: Es muss im deutschen Frauenfußball insgesamt ein Umbruch stattfinden, sowohl von der Spielanlage und Idee als auch personell. Krahn und Bartusiak sind schlicht zu langsam für die Weltspitze. Im Zweikampf sind sie okay, aber sie kommen zu selten ins Tackling rein. Die Doppelsechs hätte Struktur reinbringen müssen, fällt aber im gesamten Turnier eher durch Fehlpässe auf. Dass Popp keine Außenspielerin ist – brauchen wir nicht drüber reden, allerdings ist die Frage, wo man sie mit ihren Eigenschaften unterbringen kann, denn qualitativ ist sie eigentlich nicht wichtig genug, um um sie herum eine ganze Mannschaft aufzubauen. Mittag ist auch keine Spielmacherin, eher (hängende) Spitze – wobei sich das Hängen auch aus der Spielsituation ergeben kann, eigentlich müsste sie zweite Spitze spielen. Und Sasic als einzige Spitze reicht halt nicht. Sie hat zwar breite Schultern, aber ein Horst Hrubesch wird aus ihr nicht mehr werden. Und wenn da vorn keine drinsteht, an die sich selbst Keeperinnen nicht rantrauen, dann wird sie bei langsamem Spielaufbau gegen eine griffige Innenverteidigung wie gestern immer wieder kaum Bälle kriegen und kaum Gefahr ausstrahlen.

    Aber: All das wird keine Änderung erfahren. Schließlich folgt Steffi Jones, eine aus dem DFB-System, das auch Neid hervorbrachte.

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  • translate sagt:

    Sehr stimmige Bewertung!

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  • H2O sagt:

    Hallo,

    es fehlt noch:

    Siliva Neid:
    Schlechte Vorbereitung des Teams auf die Gegnerinnen. Die erste HZ liefen die Deutschen den Amerikanerinnen nur hinterher. Besser nach der zweiten Halbzeit aber nach dem Gegentor kamen keine Impulse um zurückzukommen. Konnte Ihrem Team nicht helfen sich besser auf die USA einzustellen. Wechselte sehr lange nicht, obwohl einige Spielerinnen keinen Bindung zum Spiel fanden. Wirkte hilflos und überfordert.
    Note 5

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  • frauenfußball-versteher sagt:

    Alex Popp ’ne Note 3? Eher auch eine 4

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  • pinkpanther sagt:

    Stimme mit den Notenlevels grundsätzlich überein, Popp=ist ne Fleißnote … mehr nicht.
    Es fehlt: Silvia Neid: Note 5,5
    Keine 6, weil sie immerhin noch auf die Idee kam eine (viel zu späte) Einwechslung vorzunehmen

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  • MatzeM sagt:

    @pinkpanther: Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass die Einwechslung vom Maro situationsbedingt war. Das war mit Sicherheit vorher geplant. Sonst hätte sie bei Rückstand die Offensive gestärkt, aber der Wechsel war ja positionell 1:1. Ansonsten kann man SN nur Realitätsverlust (Interviews hinterher) und Ratlosigkeit attestieren. Also Note 5,5 ist noch zu gut…

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  • never-rest sagt:

    Die Noten von WS geben in etwa die bescheidenen Leistungen der Mannschaft – Angerer ausgenommen – wieder. Warum nicht gleich so nach dem nicht minder schlechten Spiel gegen Frankreich.

    Diese ganze Schönfärberei auch nach mit mehr Glück als Können gewonnenen Spielen geht mir gehörig gegen den Strich. Diese Selbstzufriedenheit der Mannschaft und insbesondere der Trainerin, beispielhaft ihr Kommentar nach der Niederlage gegen die USA, hilft überhaupt nicht weiter. Es muss auch mal knallen in der N11, wenn es nicht läuft. Anlass genug gab es schon nach den vorangegangenen Spielen. Bis auf eine Halbzeit gegen Norwegen und das Spiel gegen desolate Schweden hat die N11 nicht überzeugen können. Die leichten Siege gegen bestenfalls zweitklassige Ivorer und Thais wurden in den Himmel gelobt. Statt der ewigen Betonung auf die gute Laune und die Harmonie im Team, wünsche ich mir für die Zukunft lieber mehr fußballerische Klasse auf dem Platz.

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  • waiiy sagt:

    Ich stimme Dummkopf zu: die defensiven Spielerinnen werden oft zu sehr nach ihren offensiven Nebenaufgaben bewertet und man wundert sich dann, dass sie dabei schlecht wegkommen. Aber dies ist auch damit zu erklären, dass die Berichterstattung und die Aussagen des Trainerteams genau das immer wieder hervorheben. Da wird davon gesprochen, wie wichtig Goeßling/Leupolz für den Spielaufbau sind, wie gute Kemme/Maier in der Offensive Impulse setzen und wie schlecht Krahn in der Spieleröffnung ist und wie gute Fußballer doch unsere Torhüter sind.

    Der Fakt ist, dass das defensive Team erstmal den eigenen Kasten dicht machen soll. Und wenn das gegen die USA (die wohl bei allen Buchmachern fast die ganze Zeit als höchster Favorit gehandelt wurden) 60 Minuten gelingt, dann haben diese Genannten ihre Hauptaufgabe erfüllt.

    Umgekehrt sieht man, wo die Lobby wirklich ist: da werden die Stärken von Laudehr gelobt, da wird Mittag kaum kritisiert, da wird Sasic mit Pech und großer Laufarbeit beschrieben. Da wird Popps Einsatzwillen hervorgehoben. Aber diese Spielerinnen sind dafür da, Torgefahr zu erzielen. Die hatten wir… knapp 20 Minuten lang, bis der verschossene Strafstoß die USA wieder aufwachen ließ. Aber eben auch nicht länger. Das heißt, diese Spielerinnen haben ihre Hauptaufgabe 20 Minuten erfüllt.

    Und völlig wird davon abgelenkt, dass es zwischen den beiden Sechsern und den beiden Neunern ein großes Bermuda-Dreieck gibt, wo die amerikanischen Mittelfeldspielerinnen mit dem Ball am Fuß so richtig Luft holen können, um dann mit Tempo auf Geoßling und Leupolz draufzugehen. Vielleicht sollte man sich endlich mal wieder trauen, dieses Vakuum zu füllen mit einer echten „Zehn“, der man auch sagt, dass sie die Spielgestaltung zu übernehmen hat und die dann auch keine verkappte Sechs und keine verkappte Neun ist. Sonst gibt man Alibis aus und erhält Alibi-Fußball zurück.

    Davon abgesehen, denke ich, dass Deutschland gestern die beste Leistung im Turnier geboten hat und es auch derzeit mit der Trainerin nicht besser geht. Ich denke, die Neid’schen Mädels werden in Rio eine Woche aufopferungsvoll kämpfen und 3 Wochen Olympia genießen können und beispielsweise zugucken können, wie man sich im Beachvolleyball oder in anderen Sportarten auf einen Höhepunkt vorbereitet hat und diesen dann zelebriert.

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  • egjowe sagt:

    @fuxi
    Was Alex Popp anbelangt, sollte sie mal auf der Position von Sasic spielen.
    2010 bei der U-20-WM war das sehr erfolgreich mit 10 Treffern im Turnier.

    @never-rest
    Was das Umfeld der Mannschaft anbelangt, habe ich im Kommenmtar zum Leitartikel schon geschrieben.
    Stimme dir zu !!

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  • egjowe sagt:

    @fuxi
    Was Alexandra Popp anbelangt, sollte sie mal auf der Position von Sasic spielen.
    Hat bei der U20-WM 2010 schon prima geklappt, 10 Tore im Turnier.

    @never-rest
    stimme dir zu.
    Ähnliches habe ich in meinem Kommentar zum Leitartikel angemerkt.

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  • Oskar Walter sagt:

    Da sich fast alle Kommentatoren einig sind, was die Trainerin anbelangt will ich nur soviel sagen: Spielsystem falsch, Spielerinnen am falschen Platz, nach Rückstand eine verletzte Spielerin zu spät dazu und erfolgreiche Torschützinnen wie z.B. Petermann den Untergang zuschauen lassen ohne Torchancen herauszuarbeiten. Wie immer gute einsatzfreudige Mannschaft und konditionelle Stärken, auch eisener Zusammenhalt, letztlich aber die vorhandene Klasse nie auf den Platz gebracht.

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