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USA – Deutschland: die Stimmen zum Spiel

Von am 1. Juli 2015 – 5.03 Uhr

Nach der 0:2-Niederlage gegen die USA und dem Aus bei der Frauenfußball-WM in Kanada war die Stimmung im deutschen Lager geknickt. Dabei beklagten die DFB-Spielerinnen vor allem die Elfmeterentscheidung gegen die DFB-Elf. Bei den USA war die Freude über den Erfolg gegen den Weltranglistenersten groß.

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Silvia Neid (Bundetrainerin Deutschland): Gratulation an die USA, es war ein tolles Halbfinale zweier starker Mannschaften auf hohem Niveau, auch wenn es nicht so viele Torraumszenen gab. Es war sehr ausgeglichen, aber unser Problem war, dass wir zu unpräzise waren und deswegen nicht torgefährlich. Der Elfmeter war ganz klar außerhalb des 16-Meter-Raums, das zeigen die Fernsehbilder ganz deutlich. Wir sind traurig, dass dieser Elfmeter das Spiel entscheidet, aber ich kann es nicht ändern. Wir bauen Célia natürlich wieder auf, sie hat gegen Frankreich zwei Elfer verwandelt, heute halt mal nicht, so ist der Sport, es gibt Hochs und Tiefs. Heute Abend ist es schwer, an das Spiel um Platz 3 zu denken. Aber wir wollen einen positiven Abschluss, deswegen ist es schön, nochmal ein Spiel zu haben, ab morgen werden wir uns damit beschäftigen. Ich bin stolz auf meine Mannschaft, sie hat heute wieder alles gegeben. Es hängt von vielen Faktoren ab, wie weit man kommt. Alle Spielerinnen waren fit und fühlten sich gut, einige haben sogar besser gespielt als gegen Frankreich. Von daher haben dieselben Spielerinnen angefangen, auch wenn es sicherlich noch ein paar Optionen gegeben hat. Aber ich war mit den Spielerinnen zufrieden, deswegen habe ich das Wechselkontingent nicht erschöpft. Ich würde nicht sagen, dass der Respekt zu groß war. Wir waren besser im Spiel als gegen Frankreich. Gerade in der zweiten Halbzeit haben die Spielerinnen das sehr gut umgesetzt. Niederlagen können sich auch positiv auswirken, daraus kann man sich nur weiterentwickeln, das werden die Spielerinnen tun.

Célia Sasic (Stürmerin Deutschland): Mir geht es beschissen. Das war die große Chance, in Führung zu gehen. Es tut mir so Leid, wenn ich jetzt die ganzen enttäuschten Gesichter bei uns sehe. Wir haben in der ersten Viertelstunde gut Druck gemacht und gezeigt, dass wir alle Wege gehen wollen. Aber wir haben es nicht geschafft, den Druck hochzuhalten und torgefährlich zu werden.

Annike Krahn (Abwehrspielerin Deutschland): Die Amerikanerinnen hatten die besseren Chancen und haben verdient gewonnen, aber es ist natürlich ein bisschen unglücklich für uns gelaufen. In der Kabine war es sehr ruhig, wir sind natürlich sehr enttäuscht. Aber wir werden wieder die Kraft für das Spiel um Platz 3 finden. Ich habe die Szene zum Elfmeter noch nicht gesehen, dachte aber es war außerhalb. Das ist natürlich ärgerlich, aber es ist eine Tatsachenentscheidung, die wir nicht ändern können. Es lag nicht allein an der Schiedsrichterin. Natürlich sind wir enttäuscht, aber wir haben sehr viel Leidenschaft reingelegt, aber nur bis 20 Meter vor dem Tor gut gespielt und uns zu wenig Chancen erarbeitet. In den nächsten Tagen werden wir wieder nach vorne blicken und dann wollen wir das Spiel um Platz 3 gewinnen.

Alex Popp

Alex Popp (li.) zog sich in der ersten Halbzeit eine Platzwunde am Kopf zu © Nora Kruse / ff-archiv.de

Alex Popp (Mittelfeldspielerin Deutschland): Ich habe nach dem Zusammenprall meine Hand auf die Stelle gehalten und sofort gemerkt, dass da was offen ist, weil meine Hand warm geworden ist. Deswegen bin ich liegengeblieben, obwohl es mir eigentlich gar nicht so schlecht ging, wie es aussah. Es hat nochmal nachgeblutet, deswegen musste ich den Turban tragen.

Dzsenifer Marozsán (Mittelfeldspielerin Deutschland): Im ersten Moment ist das natürlich bitter, aber wir müssen die Köpfe wieder nach oben nehmen und uns konzentriert auf das Spiel um Platz 3 vorbereiten. Die kritischen Szenen des Spiels will ich nicht kommentieren, weil ich sie nicht genau gesehen habe.

Lena Goeßling (Mittelfeldspielerin Deutschland): Es ist blöd für uns, dass wir durch eine Fehlentscheidung in Rückstand geraten sind. Ein veschossener Elfmeter kann immer passisern, da machen wir Céli keinen Vorwurf. Wir werden sie wieder aufbauen. Wir haben uns heute keine klaren Torchancen erarbeitet und hatten zu wenig Torabschlüsse. Das war unser einziges Manko. In der zweiten Halbzeit haben wir unser Spiel aufgezogen, das war besser als gegen Frankreich. Morgen wird die Welt wieder anders aussehen. Wir haben unser Bestes gegeben und man kann natürlich auch mal ausscheiden.

Jill Ellis (Trainerin USA): Es war ein unglaubliches Spiel zweier starker Mannschaften. Deutschland hat uns wirklich gefordert. Wir freuen uns natürlich heute Abend. Wir haben uns gesteigert und einen fantastischen Job gemacht. Wir wussten, dass wir nur ein Tor mehr als der Gegner schießen müssen. Das Defensivverhalten unseres gesamten Teams ist außerordentlich gut, das haben sie heute wieder einmal gezeigt. Wir wussten dass wir das können und haben eine Menge Selbstvertrauen. Wir haben immer ans uns geglaubt, das ist Teil unseres Spirits.

Ali Krieger (Verteidigerin USA): Deutschland war ein bisschen müder als wir. Wir haben 90 Minuten Vollgas gegeben. Wir sind wirklich gut in der Abwehr, deswegen haben wir ihnen keine Möglichkeiten gegeben. Nach dem zweiten Tor haben wir ruhig weitergespielt und gesagt, wir müssen einfach den Ball wegkriegen. Wir wollten eng stehen und ruhig bleiben, dann wussten wir, dass wir das Spiel gewinnen.

Carli Lloyd (Spielerin des Spiels): Es war eine außerordentliche Teamleistung. Wir haben schon vor dem Turnier gesagt, dass wir alle 23 Spielerinnen brauchen. Wir waren zwischen den beiden Strafräumen das bessere Team. Ich habe mich gut gefühlt, beim Elfmeter die Verantwortung zu übernehmen. Beim zweiten Tor habe ich einen Ball von Meghan Klingenberg durchgesteckt bekommen, den ich dann mit dem linken Fuß reingepasst habe. Kelly kam dann mit voller Wucht, das war einfach großartig.

Markus Juchem (48) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

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