Deutschland gegen USA: Duell der Superlative

Von am 30. Juni 2015 – 15.08 Uhr 19 Kommentare

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch (ab 1 Uhr live in der ARD) kommt es bei der Frauenfußball-WM in Kanada im ersten Halbfinale zum Duell der Superlative zwischen dem Weltranglistenersten Deutschland und dem Weltranglistenzweiten USA. Mit Glück nahm die DFB-Elf im Viertelfinale die Hürde Frankreich, jetzt soll mit spielerischen Mitteln auch die USA geknackt werden.

Denkt man an das Duell Deutschland gegen USA, denkt man unweigerlich an das legendäre Halbfinale der Frauenfußball-WM 2003. 27 623 Zuschauer kamen damals am 5. Oktober 2003 an einem sonnigen Spätsommernachmittag in den PGE-Park von Portland, um den als schier unbezwingbar geltenden favorisierten Gastgeber gegen die DFB-Elf ins Finale der WM einziehen zu sehen.

Denkwürdiges Halbfinale
Doch die Laune des Drehbuchs hielt eine andere Story parat und DFB-Torhüterin Silke Rottenberg und ihr Team verteidigten bis in die Nachspielzeit gegen überlegene Amerikanerinnen eine knappe 1:0-Führung von Kerstin Garefrekes, ehe Maren Meinert und Birgit Prinz mit ihren Treffern zum 2:0 und 3:0 das Publikum vollends zum Schweigen brachten. „Es wurde auf einmal komplett ruhig“, erinnert sich Torhüterin Nadine Angerer, die damals auf der Ersatzbank mitfieberte. Und die deutsche Mannschaft hätte nichts dagegen, wenn im US-Team auch heute Abend im Olympiastadion von Montreal nach dem ersten Halbfinale der Frauenfußball-WM in Kanada (ab 1 Uhr live in der ARD) wieder totale Stille einkehren würde.

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Bester Sturm gegen beste Defensive
Die Deutschen gehen mit der Empfehlung des besten Sturms (20 Tore) in die Partie, doch die Amerikanerinnen haben im Turnierverlauf erst einen Gegentreffer kassiert, US-Torhüterin Hope Solo musste seit 423 Minuten nicht mehr hinter sich greifen. Auch weil die US-Viererkette aus Ali Krieger, Julie Johnston, Becky Sauerbrunn und Meghan Klingenberg bisher zum Besten gehörte, was dieses Turnier zu bieten hatte.

Marozsán-Einsatz fraglich
Doch damit soll jetzt Schluss sein. „Es wäre schön, wenn wir ein, zwei Treffer erzielen würden, Hauptsache einen mehr als die USA“, so Bundestrainerin Silvia Neid, die noch um den Einsatz von Dzsenifer Marozsán bangen muss. „Wir erwarten einen ganz starken Gegner und ein heiß umkämpftes temporeiches Spiel. Die USA sind sehr zweikampfstark und da müssen wir dagegenhalten.“ Gegen Frankreich bot die DFB-Elf im Viertelfinale trotz spielerischer Unterlegenheit eine vor allem kämpferische starke Leistung, das alleine wird gegen den Weltranglistenzweiten nicht reichen.

Silvia Neid

Bundestrainerin Silvia Neid will gegen die USA spielerisch zum Erfolg kommen © Nora Kruse / ff-archiv.de

Neid rechnet mit Wambach
„Es kann gut sein, dass wir unser Glück im Frankreich-Spiel schon aufgebraucht haben, deswegen müssen wir es jetzt mit spielerischen Mitteln schaffen“, so Neid, die damit rechnet, dass beim Gegner die 35-Jährige Abby Wambach, die gegen China nur eingewechselt wurde, von Beginn an spielt. „Immer wenn Abby Wambach spielt, geht ein Ruck durch die Mannschaft. Und man kann sie bei Ecken nur ganz schwer verteidigen.“

Popp kann es kaum noch erwarten
Doch die deutsche Mannschaft will gegen die Amerikanerinnen ihre eigenen Stärken in die Waagschale werfen und vor allem mit aggressiven Pressing den Gegner zu Fehlern zwingen. Alex Popp erklärt: „Wir können es kaum noch erwarten. Wir hoffen, dass der lange Tag schnell rumgeht.“

Lloyd setzt auf Momentum
US-Mittelfeldspielerin Carli Lloyd meint: „Ich denke, wir sind das beste Team in der Welt. Wir haben das Momentum, denn es fühlt sich schon jetzt ganz anders an als vor dem China-Spiel. Wir wollen unseren Gegnern keinen Respekt geben, wir wollen ihnen nicht das Gefühl geben, dass wir nervös sind, sondern sie nervös machen.“

Gut zu wissen

• Deutschland und die USA trafen bisher 31 Mal aufeinander. Die DFB-Elf gewann nur viermal bei sieben Remis und 20 Niederlagen.
• Das bisher letzte Duell endete 2013 in Offenbach 3:3, der letzte deutsche Sieg war das WM-Halbfinale 2003.
• Beide Teams haben nicht nur jeweils zweimal den WM-Titel geholt, sondern auch die meisten WM-Spiele bestritten (USA 41, Deutschland 37), die meisten Siege erzielt (USA 31, Deutschland 26) und die meisten Tore erzielt (Deutschland 111, USA 105).
• Die USA stehen zum siebten Mal im WM-Halbfinale, Deutschland zum fünften Mal.

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Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

19 Kommentare »

  • Dirk sagt:

    Ein Offenbarungseid dieser völlig überschätzten Nationalmannschaft und der Welttrainerin Sylv, die heute eindrucksvoll Gründe geliefert hat, warum man sie nicht mögen muss. Eine Ansammlung von Totalausfällen in einem völlig hilflosen Team und ein Wechsel, den wohl niemand verstehen muss. Wohl gemerkt: EIN Wechsel. Nach dem Ausrutscher gegen Frankreich hat Krahn heute allen ihren Kritikern Recht gegeben. Was für ein stümperhaftes Zweikampfverhalten, Fussball aus dem Jahr 1950. Gössling? Sasic (die ach so gehypte) Superstürmerin? Poppi, der dauerhaft sterbende Schwan? Puh, da weiss man gar nicht, wo man anfangen soll. Der größte Flop ist und bleibt aber die Cheftrainerin, bei der man nun einfahc nur froh sein kann, dass dieses Dilemma endlich vorbei ist. Katastrophe!

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  • Spielerfrau sagt:

    Werden neuerdings WM-Spiele nurmehr durch Elfmeter entschieden?

    Und bestraft Neid ihre Spielerinnen durch Nichtmehreinwechseln, wenn sie zurückliegen?

    Clever eingewechselt haben die USA mit OHara und Wambach.

    Mir fehlte eindeutig das Spiel nach vorne, so spuilt man koan Fußball net.

    So scheint Neid mit ihrer Prognose richtig gelegen zu haben.

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  • Dori sagt:

    Unser Spielsystem war einfach schon vorher klar und durchschaubar, so wie es fast immer der Fall ist. Meistens haben wir Glück, weil wir eben talentierte Spielerinnen haben, aber gegen gute Mannschaften merkt man immer wieder, dass wir mit immer der gleichen Spielweise nicht weit kommen bzw unsere Schwierigkeiten haben und wenn, dann nur mit Glück weiter kommen. Aber daraus scheint man ja nicht zu lernen. Meiner Meinung nach gab es keine neuen Ideen der Trainerin oder der Spielerinnen, dazu dann auch noch eine ärgerliche Fehlentscheidung und zahlreiche Fehlpässe und verlorene Zweikämpfe. Dass Sasic sich nur gegen weniger gute Mannschaften durchsetzen kann, hat man heute wieder gut sehen können. Aber dass sie den Elfer auch noch verschossen hat, tut mir sehr leid für sie, vor allem, weil er das Spiel hätte drehen können.
    Zum großen Teil war es heute die Schuld der Trainerin aufgrund der total durchschaubaren Taktik und der Wahl der Spielerinnen. Aber auch die Torabschlüsse heute waren wirklich gruselig.

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  • FFFan sagt:

    @ Spielerfrau:
    „Werden neuerdings WM-Spiele nurmehr durch Elfmeter entschieden?“

    Nein, auch durch Eigentore! 😉

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