Home » Frauen-WM 2015

Deutsche Doppel-Sechs will durchstarten

Von am 23. Juni 2015 – 19.37 Uhr 7 Kommentare

Das deutsche Mittelfeld-Duo Lena Goeßling und Melanie Leupolz blickt entspannt und voller Vorfreude dem WM-Viertelfinale gegen Frankreich am Freitag (live ab 22 Uhr im ZDF) entgegen.

Anzeige

Der feine, warme Nieselregen, der am Dienstagmorgen vor dem Kongresszentrum in Montreal niederging, tat der guten Stimmung der Mittelfeldspielerinnen Lena Goeßling und Melanie Leupolz keinen Abbruch. Nach dem überzeugenden 4:1-Sieg im Achtelfinale gegen Schweden und der gelungenen Olympia-Qualifikation für die Spiele in Rio ist die Stimmung nicht nur bei der deutschen Doppel-Sechs, sondern im gesamten Team bestens.

Mit Spaß zum Erfolg
„Wenn man Spaß hat, läuft alles von alleine“, so Mittelfeldspielerin Melanie Leupolz, die mit ihren 31 Länderspielen zu den noch unerfahreneren Spielerinnen im deutschen Team gehört, aber in der vergangenen Saison einen kometenhaften Aufstieg hingelegt hat. Spaß hatte die 21-Jährige in den letzten Wochen genug. Erst feierte sie überraschend mit dem FC Bayern München den Deutschen Meistertitel, dann gehörte sie bei der WM in Kanada in drei von vier Spielen zur Startformation. Gegen Norwegen fehlt sie nur wegen einer im Auftaktspiel erlittenen Schambeinprellung. Die Olympia-Qualifikation ist in der Tasche und die Chancen stehen gut, dass Leupolz auch gegen Frankreich wieder von Beginn an auf dem Feld stehen wird.

Auf dem Boden bleiben
Es läuft also derzeit rund für die bodenständige Leupolz, die trotz der Erfolge die Bodenhaftung nicht verliert. „Ich zähle mich nicht generell zum Stamm oder zur Startelf, auch wenn ich jetzt ein paar Mal von Anfang an gespielt habe. Wir haben so eine große Konkurrenz auf der Sechserposition, da kann jeder spielen. Aber ich freue mich natürlich, wenn ich von Anfang an spielen darf und das Vertrauen der Trainerin habe.“

Erfahrung an ihrer Seite
Vertrauen, dass sich Leupolz mit starken Leistungen auf dem Platz und einer immer besser werdenderen Physis erarbeitet hat. Dabei profitiert sie sowohl im Verein mit Melanie Behringer an ihrer Seite als auch in der Nationalmannschaft mit Lena Goeßling auf der zweiten Sechserposition, von der Ruhe und Ausstrahlung der beiden erfahreneren Spielerinnen. „Es macht für mich keinen großen Unterschied, mit wem von den beiden ich spiele“, so Leupolz.

Gesundes Selbstvertrauen
Doch verstecken tut sich die selbstbewusste Allgäuerin hinter den beiden Routiniers nicht: „Sicherlich merkt man die Erfahrung der älteren Spielerinnen, da sie ruhiger bleiben, wenn man einmal in Rückstand liegt. Aber ich fühle mich nicht unterlegen, nur weil ich noch keine 100 Länderspiele gemacht habe.“ Und Lena Goeßling kann sich ganz auf ihre Mittelfeldpartnerin verlassen. „Ich weiß, was Melly macht, sie weiß, was ich mache und wir unterstützen uns immer gut auf dem Platz.“

Lena Goeßling und Melanie Leupolz

Lena Goeßling (li.) und Melanie Leupolz sind vor dem WM-Viertelfinale optimistisch © Nora Kruse / ff-archiv.de

Keiner spricht über Keßler
Und drei Tage vor dem mit Spannung erwarteten WM-Viertelfinale gegen Frankreich mag es auch eines der größten Komplimente sein, dass auf der Pressekonferenz mit den beiden Spielerinnen das Fehlen der verletzten Weltfußballerin Nadine Keßler von keinem der anwesenden Medienvertreter thematisiert wurde. Mit dem souveränen Erfolg gegen Schweden im Rücken blicken Goeßling und Leupolz voller Optimismus der nächsten Aufgabe entgegen.

90 Minuten Vollgas
„Wenn wir wieder 90 Minuten powern, dann glaube ich auch daran, dass wir als Sieger vom Platz gehen“, so Goeßling, die dennoch nur lobende Worte für den Gegner übrig hat. „Frankreich ist sicherlich eine der besten Mannschaften im Turnier, diesen Status haben sie sich lange erarbeitet.“ Und Leupolz ergänzt: „Sie haben alles, was man sich von einer Mannschaft wünschen kann. Technisch gut, schnell, robust und zweikampfstark.“

Extra Motivation
Dass die Mehrheit der Zuschauer im französischsprachigen Montreal am Freitag für den Gegner sein wird, stört Goeßling nicht. „Das kennen wir schon von der EM 2013, als wir in Schweden gegen Schweden gespielt haben. Die waren alle gegen uns, aber wir haben das gut gemeistert.“ Und Leupolz meint: „Das kann sogar förderlich sein und einen ganz besonders anspornen, wenn alle einen ausbuhen.“

Treffen unterm Hallendach
Die Erfolgsformel steht für Leupolz bereits fest: „Die Aggressivität in den Zweikämpfen wird der Schlüssel sein. Da treffen zwei gleich starke Mannschaften aufeinander, am Ende wird der gewinnen, der es mehr wollte.“ Und fest steht auch: Regen und Wärme wird es im Olympiastadion nicht geben – dafür werden das geschlossene Hallendach und die Ventilation sorgen.

Tags: ,

Markus Juchem (48) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

7 Kommentare »

  • Fussball, F1 sagt:

    Frankreich – da war doch mal was. Ich sag nur 0:2 😀 Aber diesmal wird das anders, davon bin ich überzeugt.

    (0)
  • GG sagt:

    Melly hat es abschließend auf den Punkt gebracht: Der Wille zählt.
    Im Achtelfinale ist mir die Willenskraft von Lena G. aufgefallen: Das Offensivpressing vor dem 1:0, wiederholes Grätschen um den Ball – in WOB-Spielen der letzten beiden Jahre, wenn überhaupt, eine Seltenheit -, die Offensivaktionen in der Schlußphase des Spiels. Ihr Jugendtrainer hat es unlängst in einem Radio-Interview wie folgt angedeutet: „Wenn Lena wollte, ….“. Am vergangenen Samstag war der Wille zu spüren; jetzt also die Französinnen.
    Ein, vielleicht auch das Spiel, in dem nach meiner Auffassung die beiden ausgeladenen Wölfinnen Verena Faißt und Anna Blässe dem deutschen Spiel sehr hätten helfen können. Anna als Block gegen die offensivstarke Laure Boulleau, Verena mit den ihr eigenen Qualitäten auf der linken Angriffseite. In jedem Fall sollte Alex Popp im Sturmzentrum aufgeboten werden – um vor allem gegen Wendy Renard ein ebenbürtiges Pendant auf dem Platz zu haben und zugleich die französische IV unter Druck zu setzen.

    (0)
  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    Irgendwie wäre eine noch offene Olympiaquali zusätzliche Motivation neben dem Umstand, die letzte Heimpleite gegen die Les Bleues unbedingt korrigieren zu wollen!

    (0)
  • never-rest sagt:

    Ich weiß auch nicht Herr Juchem, was es jetzt bringen sollte, das Fehlen von Nadine Keßler zu thematisieren. Goeßling muss beweisen, dass sie auch ohne ihre kongeniale Mitspielerin die Strippen im MF ziehen und eine Führungsrolle spielen kann, was sie bisher bei der WM auch gemacht hat.

    M. Leupolz ergänzt Goeßling auf der Doppelsechs m.E. ideal: Auch sie ist ballsicher, antrittschnell, lauf- und zweikampfstark und behält auch in Bedrängnis meistens den Überblick. Gut auch ihr Kopfballspiel und der Torabschluss. Kurzum, nahezu komplette Anlagen. Auch wenn sie schon 30 N11 Spiele auf dem Zettel hat, fehlt Leupolz natürlich noch die Erfahrung einer Geoßling. Dazu gehören auch schmerzhafte Niederlagen. Diese Erfahrung muss sie aber nicht gerade im Viertelfinale gegen Frankreich machen. Dazu wird sich das MF-Gespann aber gegen die spielstarke Equipe in Bestform präsentieren müssen. Also auf geht`s.

    (0)
  • cosinus sagt:

    Freilich ist z.Zt. diese Doppelsechs die nr.1 , da Marozan sicht im Spiel zuviel hängen läßt und kräftemäßig nicht auf der Höhe ist. SN wird schon Ihre N11 aufbieten und man hofft, daß alle ihr Vermögen abrufen können. In der IV kann nur Peters reinkommen-ansonsten stehen beide AV fest.Das Problem ist nur vorne (Sasic), wenn sie diszipliniert spielt und läuferisch mehr macht. Auf geht`s Mädels !

    (0)
  • never-rest sagt:

    @cosinus: Maro gehört m.E. einfach nicht auf die 6 bzw. Doppel6. Laufintensive Abwehrarbeit (mit Betonung auf Laufen und Arbeit), agressive Zweikämpfe und gutes Kopfballspiel sind nicht gerade ihr Ding, obwohl ich gerne einräumen will, dass sie sich diesbezüglich in letzter Zeit deutlich verbessert hat. Aber gegen richtig starke und schnelle Gegner sind die eben genannten Qualitäten von Goeßling und Leupolz normalerweise einfach besser, um das MF zu dominieren oder wengistens der eigenen Abwehr die notwendige Stabilitiät zu geben, damit unsere Innenverteidigung nicht so einfach überlaufen oder ausgespielt wird. Und Frankreich ist so ein Gegner.

    Maro ist mit ihrer Schussgewalt, dem feinen Füßchen für den überraschenden und öffnenden Pass nicht zuletzt ihrer Abschlussstärke am Besten im zentralen offensiven MF direkt hinter der/den Spitze/n aufgehoben. Passt genau in das gewohnte SN-System 4:2:3:1, eingerahmt von den Außen Mittag und Laudehr (alt. Bremer/Popp/Däbritz). Popp würde ich persönlich aber lieber in der Spitze sehen, ruhig auch mal in einer Doppelspitze mit Sasic (oder Mittag/Petermann/Lotzen), wenn die Brechstange helfen muss.

    Maroszan sollte auch wieder im Wechsel mit Goeßling Freistöße und Ecken in der N11 schießen, was sie m.E. besonders gut kann.

    (0)
  • Zaunreiter sagt:

    „….wenn Lena wollte“
    Ich kann mich da noch an Spiele von Bad Neuenahr erinnern, aber Schwamm drüber…
    Hauptsache beide Teams fliegen nächstes Jahr nach Rio. Wer gewinnt, ist mir auch egal, da zwei Herzen in meiner Brust schlagen. Die Mannschaft, die gewinnt, soll dann wenigstens Weltmeister werden.

    (0)

Kommentar schreiben

Add your comment below. You can also subscribe to these comments via RSS

Seien Sie nett. Bleiben Sie beim Thema. Kein Spam.

You can use these tags:

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong> 

This is a Gravatar-enabled weblog. To get your own globally-recognized-avatar, please register at Gravatar