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WM 2015: Vorschau Gruppe A

Von am 31. Mai 2015 – 9.00 Uhr 5 Kommentare

In Gruppe A will Gastgeber Kanada gegen China, Neuseeland und die Niederlande den Heimvorteil zum Tragen bringen, doch die Teams liegen in puncto Leistungsstärke nicht weit auseinander.

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Abhängigkeit von Sinclair
Spielt Christine Sinclair gut, spielt Kanada gut – auf dieses Fazit lässt sich das Spiel der kanadischen Nationalelf herunterbrechen. Die bald 32-jährige, technisch versierte Topstürmerin und 11-fache kanadische Spielerin des Jahres ist Leitwolf und beste Spielerin im Team zugleich. Kann sie ihre Topleistung abrufen und lässt sich das Team von der Begeisterung seiner Fans durchs Turnier tragen, ist eine Menge möglich.

In der Vergangenheit oft enttäuschend
Allerdings blieb die physisch starke und disziplinierte Elf in der Vergangenheit bei großen Turnieren schon häufig den Beweis ihrer Klasse schuldig. Nur bei drei von zehn großen internationalen Turnieren überstand Kanada die Vorrunde. Doch unter Trainer John Herdman hat sich das Team stabilisiert. Beim Olympischen Frauenfußball-Turnier 2012 in London holte das Team Bronze und schied im Halbfinale nur unglücklich nach Verlängerung gegen den späteren Olympiasieger USA aus.

Greifen Heimvorteil und Herdman-Faktor?
Anfang des Jahres gewann das Team das Vier-Nationen-Turnier in China und belegte beim Cyprus Cup Platz 2. „Das ist eine einmalige Chance in unserem Leben. Alle Kanadierinnen und Kanadier werden hinter uns stehen“, so Kanadas Trainer John Herdman über die Frauenfußball-WM. Der englische Trainer bewies schon bei der WM vor vier Jahren mit Neuseeland, dass er in der Lage ist, ein kompaktes Team in eine WM zu führen. Es bleibt abzuwarten, ob der Heimvorteil die Kanadierinnen tragen, oder eher die Beine lähmen wird.

Vivianne Miedema und Lieke Martens

Vivianne Miedema (li.) und Lieke Martens sind zwei der torgefährlichen Niederländerinnen © Marion Kehren / girlsplay.de

Hungrige Niederlande
Vor allem die Tore von Ausnahmetalent Vivianne Miedema lösten den Niederlanden in den Play-off-Duellen gegen Italien und Schottland das Ticket für die Frauenfußball-WM in Kanada. Angefangen mit dem überraschenden Erreichen des Halbfinales bei der EURO 2009 hat sich das Team in den vergangenen Jahren unter Trainer Roger Reijners maßgeblich weiterentwickelt. Mit einer gesunden Mischung aus erfahrenen und jungen Kräften sowie einer schlagkräftigen Offensive aus Spielerinnen wie Miedema, Manon Melis und Lieke Martens will das Team in Kanada nun auch als WM-Neuling für Furore sorgen.

Jugendliche Power
Neben Miedema sind nach der EURO 2013 auch Dominique Janssen und Jill Roord in den Kreis der A-Nationalmannschaft aufgestiegen, der Sieg bei der U19-EURO 2014 hat dem Frauenfußball im Land weiter Auftrieb verliehen. Sowohl die BeNe-League als auch die Sportschulen in Eindhoven und Amsterdam haben geholfen, die jungen Spielerinnen weiterzuentwickeln. Rund ein Drittel der Nationalspielerinnen spielen im Ausland, da der Wettbewerb im eigenen Land nicht stark genug ist, Tendenz steigend. Die Niederlande sind durchaus in der Lage, eines der Überraschungsteams der WM zu werden.

Leichte Qualifikation
Neuseeland hatte nicht gerade große Mühe, das Ticket zur Frauenfußball-WM in Kanada zu lösen. Gegen Gegner wie Tonga, Papua-Neuguinea und die Cook-Inseln war die Qualifikation für die Titelkämpfe ein Kinderspiel. Erst seitdem Australien sich der asiatischen Fußball-Konföderation angeschlossen hat, qualifiziert sich Neuseeland regelmäßig für WM-Endrunden. Doch das soll dem Land und seinen Leistungen keinen Abbruch tun, denn bei der Frauenfußball-WM 2011 in Deutschland und in Testspielen gegen hochkarätige Gegner stellten die Neuseeländerinnen ihre wachsende Klasse eindrucksvoll unter Beweis.

Abby Erceg

Die frühere Jena-Spielerin Abby Erceg ist der Kopf der neuseeländischen Nationalelf © Herbert Heid / girlsplay.de

Unbequemer Gegner
Dank einer ausgezeichneten Physis und immer besser werdenden technischen wie taktischen Fähigkeiten hat sich das Team von Trainer Tony Readings zu einem äußerst unbequemen Gegner gemausert, der nicht leicht zu schlagen ist. Angeführt wird das Team von der früher beim FF USV Jena in der Allianz Frauen-Bundesliga spielenden Kapitänin Abby Erceg, die als erste neuseeländische Spielerin mehr als 100 Länderspiele bestritten hat. Doch auch andere Neuseeländerinnen wie Amber Hearn und Ria Percival verfügen über Bundesligaerfahrung, Ali Riley spielt für den FC Rosengård in der schwedischen Damallsvenskan.

China will auf zu neuen Ufern
Einst war China eine Frauenfußball-Großmacht, doch die erstmals verpasste Qualifikation für eine Frauenfußball-WM im Jahr 2011 stellte einen Tiefpunkt dar. Seitdem wurde dem Team unter Trainer Hao Wei eine radikale Verjüngungskur verpasst, im Vorjahr war der dritte Platz bei der Asien-Meisterschaft gut genug, um sich einen Startplatz in Kanada zu sichern. Dort überzeugte die 24-jährige Stürmerin Yang Li mit sechs Toren in fünf Spielen und auch auf der in die Allianz Frauen-Bundesliga gewechselten Torhüterin Wang Fei ruhen die Hoffnungen der Chinesinnen. Insgesamt dürfte die Herausforderung WM für den unerfahrenen Kader noch ein wenig zu früh kommen.

Womensoccer meint: Kanada und die Niederlande sollten den Gruppensieg unter sich ausmachen, Neuseeland wird den Sprung ins Achtelfinale ebenfalls schaffen, während für China die Hürde ein wenig zu hoch liegen dürfte. Für Kanada und die Niederlande ist im Optimalfall das Viertelfinale drin.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

5 Kommentare »

  • O. Christ sagt:

    „80 Prozent der Nationalspielerinnen spielen im Ausland“? Nach meiner Überschlagsrechnung spielt 60 Prozent des WM-Kaders in den Niederlanden. Und: „Dominique“ statt „Dominik“ Janssen bitte, sonst muss sie noch (wie die deutschen Spielerinnen) ein Attest über ihr Geschlecht beibringen.

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  • Markus Juchem sagt:

    @O. Christ: Danke, ist korrigiert.

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  • shane sagt:

    @o.christ: alle nationen, nicht nur die deutschen, mussten das geschlechtsattest beibringen. bei anderen, z.b. schweden, lief das direkt ueber den medizinischen stab und wirbelte weniger staub auf.

    Fei Wang ist gar nicht china’s torhueterin #1? :-O

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  • Ralligen sagt:

    Zusammenfassung: Schweden-Niederlande

    Die Niederlande könnte Lisa Weiß ja mal fragen ob Sie vielleicht Interesse am Torwartjob hätte.

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  • Stahlratte sagt:

    @Ralligen
    „Die Niederlande könnte Lisa Weiß ja mal fragen ob Sie vielleicht Interesse am Torwartjob hätte.“

    Ahja, vorallem weil sie ja schon ein Länderspiel für Deutschland gemacht hat.

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