DFB-Pokal-Finale: Cup der guten Hoffnung

Von am 1. Mai 2015 – 10.59 Uhr 7 Kommentare

Heute Abend (ab 17.15 Uhr live in der ARD) stehen sich im DFB-Pokal-Finale in Köln der VfL Wolfsburg und der 1. FFC Turbine Potsdam gegenüber. In der Neuauflage des Endspiels von 2013 hofft Wolfsburg nach dem Champions-League-Aus auf den ersten von zwei noch möglichen Titeln, Potsdam will beweisen, immer noch zur internationalen Spitze zu gehören.

Von den zuletzt durchwachsenen Auftritten des 1. FFC Turbine Potsdam in der Liga mit Remis gegen Leverkusen und Sand lässt sich Wolfsburgs Trainer Ralf Kellermann nicht blenden. „Es wird ein Spiel auf Augenhöhe“, ist sich Kellermann sicher.

Kann Potsdam Wolfsburg erneut ärgern?
Zumal die Erinnerung an die 0:2-Niederlage der „Wölfinnen“ in Potsdam Mitte März noch frisch ist – die einzige Niederlage, die der VfL Wolfsburg in dieser Saison gegen einen nationalen Konkurrenten hinnehmen musste. Kellermann erklärt: „Die Potsdamerinnen werden sehr körperbetont spielen, da liegen ihre Stärken. Aber wir werden da mit fußballerischen Mitteln dagegen halten.“

Anzeige

Fokus voll auf Pokalfinale
Mit ihrer athletischen, robusten Spielweise bereiteten die Potsdamerinnen ihrem Gegner bereits in der Liga Probleme, auch Paris Saint-Germain zeigte im Halbfinal-Hinspiel der Champions League, wie dem Gegner mit körperbetonter Spielweise beizukommen ist. „Wir sind top vorbereitet und heiß auf das Spiel“, verspricht Turbine-Kapitänin Lia Wälti. „Es ist der einzige Titel, den wir in dieser Saison noch holen können. Seit Wochen liegt unser Fokus voll und ganz auf diesem Spiel.“

Kerschowski fällt aus
Beide Teams haben jedoch Ausfälle zu verzeichnen. Beim VfL Wolfsburg wird Flügelstürmerin Isabel Kerschowski nach ihrem im Training erlittenen Bänderriss fehlen. Doch dafür könnte Zsanett Jakabfi nach ihrem Kurzeinsatz mit Treffer in Paris womöglich eine Option für die Startelf sein. Sicher in der Startelf stehen wird in ihrem letzten Finale Martina Müller, die nach der Saison ihre Karriere beendet.

Vorfreude bei Popp
Vor allem bei Alex Popp ist die Vorfreude groß. Sie konnte vor zwei Jahren beim 3:2-Erfolg wegen eines Außenbandanrisses nur zuschauen, ehe sie Tage später als linke Außenverteidigerin eine der Heldinnen beim ersten Champions-League-Titel gegen Olympique Lyon wurde. „Daher freue ich mich besonders, jetzt dabei sein zu dürfen“, so Popp.

Letzte Titelchance
Für den 1. FFC Turbine Potsdam ist es in dieser Saison die letzte Möglichkeit, sich noch eine Trophäe in die Vereinsvitrine zu stellen. Seit der Deutschen Meisterschaft 2012 hat der Verein keinen Titel mehr gewonnen, der letzte Pokalsieg datiert gar aus dem Jahr 2006. Zuletzt machte der Verein eher durch angekündigte oder bereits vollzogene personelle Abgänge von sich Reden gemacht.

Genoveva Anonma (li.) im Duell mit Noelle Maritz

Genoveva Anonma (li.) im Duell mit Noelle Maritz © Sven-E. Hafft / girlsplay.de

Bewegung hinter den Kulissen
So müssen erfolgreiche Spielerinnen wie die treffsichere Stürmerin Genoveva Anonma und Torhüterin Anna Sarholz den Verein aus laut Turbine-Trainer Bernd Schröder „pädagogischen Gründen“ verlassen, er selbst kündigte für 2016 seinen Rücktritt an. Zudem hat der Weggang von Pressesprecherin Nadine Bieneck Anfang April sichtbare Spuren in der Medienarbeit hinterlassen, auch Teammanagerin Aferdita Podvorica muss den Verein zum Saisonende verlassen.

Bremer muss zuschauen, Elsig zurück
Im DFB-Pokal-Finale muss Schröder auf Pauline Bremer verzichten, die sich einen doppelten Bänderriss in der rechten Schulter zugezogen hat. Mit dabei wird hingegen wieder Johanna Elsig sein, die wegen einer Knöchelverletzung zuletzt pausieren musste.

Hoffen auf die Signalwirkung
„Mein Gefühl sagt mir, dass wir mal wieder dran sind“, hofft Schröder auf den Titel, der nicht nur ein Trostpflaster dafür wäre, in der kommenden Saison nicht auf europäischer Bühne vertreten zu sein, sondern auch Signalwirkung hätte, sich in Zukunft nicht mit einer Außenseiterrolle begnügen zu wollen.

Tags: , , ,

Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

7 Kommentare »

  • FFFan sagt:

    [KOMMENTAR VERSCHOBEN UND EDITIERT]

    Für die ‚Wölfinnen‘ bietet sich die Chance, nach dem enttäuschenden Ausscheiden aus der Champions League gleich den ‚Konter‘ zu setzen und den ersten Titel dieser Saison einzufahren. Ich bin überzeugt, dass das Scheitern im Europapokal keine negativen Auswirkungen haben wird; das ist inzwischen fünf Tage her – Zeit genug für die Spielerinnen, um physisch und psychisch zu regenerieren. Bei der Aufstellung sind ggü. dem Spiel in Paris ein bis zwei Änderungen zu erwarten: Laut ‚kicker‘ hat VfL-Trainer Kellermann Martina Müller eine „Einsatzgarantie“ gegeben. Außerdem könnte ich mir vorstellen, dass Zsanett Jakabfi diesmal von Anfang an spielt. Dafür werden vermutlich Yuki Ogimi und Verena Faißt erst mal draußen bleiben.

    Turbine Potsdam scheint momentan ein wenig zu ’schwächeln‘, wenn man sich die letzten Bundesligaergebnisse anschaut. Aber das täuscht möglicherweise. Am 29.3. spielte Potsdam gegen Duisburg in der Liga genau so eine ‚Grütze‘ (für den ‚Dreier‘ musste der Gegner mit einem Eigentor helfen) und drei Tage später wurde im DFB-Pokal mit einer überzeugenden Leistung in Frankfurt der Finaleinzug klargemacht. Die Mannschaft von Trainer-‚Urgestein‘ Bernd Schröder ist seit Wochen total auf das Pokalendspiel fokussiert. Ich erwarte von den ‚Torbienen‘ deshalb heute eine ‚Leistungsexplosion‘! Vielleicht zaubert Schröder auch das ein oder andere ‚Ü-Ei‘ aus dem ‚Taktikkoffer‘; 2013 überraschte er mit einer Viererkette, die Potsdam sonst nicht spielt…
    Kleines Handicap für Turbine: sie müssen voraussichtlich auf Pauline Bremer (Bänderriss in der Schulter) verzichten.

    Ich sehe in dieser Partie keinen klaren Favoriten und rechne mit einem spannenden Spiel mit offenem Ausgang. Sollte es zum Elfmeterschießen kommen, wird das bessere Schuhwerk entscheiden. 😉

    (0)
  • enthusio sagt:

    Interessant ist auch, wie wenig damalige Spielerinnen im Vergleich zu 2013 beide Mannschaften überhaupt noch im aktuellen Kader haben. Potsdam hat innerhalb von zwei Jahren mehr als die Hälfte und Wolfsburg 1/3 seines damaligen Kaders ausgetauscht.

    Wolfsburg (17):

    Wensing (verletzt), Faißt, Jakabfi, Blässe, Keßler (verletzt), Magull, Bunte, Goeßling, Popp, Müller sowie die 7 kaum oder gar nicht eingesetzten Ersatzspielerinnen Burmeister, Frohms, Tietge, Tetzlaff, L. Vetterlein, Odebrecht, Wagner.

    Nicht mehr da (8): A. Vetterlein, Chandraratne, Smith, Omilade-Keller, Henning, Jäger, Hartmann, Pohlers

    Potsdam (13):

    Elsig, Kemme, Wesely, Zietz, Bremer (verletzt), Cramer, Draws (verletzt), Andonova, Anonma, Evans, Kulis sowie die beiden kaum oder gar nicht eingesetzten Ersatzspielerinnen Sarholz und Meister

    Nicht mehr da (14):

    Naeher, Berger, Demann, Jaques, Mirlach, Singer, Doorsoun-Khajeh, Göransson, Hanebeck, Mjelde, Andrine Hegerberg, Ngock Yango, Ogimi, Ada Hegerberg)

    Ogimi hat vor zwei Jahren bekanntlich noch ein Tor für Potsdam erzielt 🙂 .

    (0)
  • Brandy74 sagt:

    Interessant die Aufstellung, Sarholz im Tor,obwohl die Trennung ja nicht so einvernehmlich ist…

    (0)
  • Markus Juchem sagt:

    @Brandy74: Vielleicht eine „pädagogische Maßnahme“ für Wei Fang.

    (0)
  • Brandy74 sagt:

    Oder B. Schröder hat sein weiches Herz entdeckt und lässt Sarholz deshalb zu Hause spielen. … Huch, Halbzeitpfiff, bin wieder wach

    (0)
  • enthusio sagt:

    @Markus Juchem:

    Ja, ja, immer diese schwierigen chinesischen Namen: Wang Fei oder doch Fei Wang.
    Aber Wei Fang ? 🙂
    Hat Potsdam eine weitere Chinesin verpflichtet ? 🙂

    (0)
  • KarlMai sagt:

    @enthusio:

    Eigentlich ist der Name „Fang“ halt passender und das bessere Omen für eine Torhüterin…insofern kann man’s schon verstehen. 😉

    (0)

Kommentar schreiben

Add your comment below. You can also subscribe to these comments via RSS

Seien Sie nett. Bleiben Sie beim Thema. Kein Spam.

You can use these tags:

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong> 

This is a Gravatar-enabled weblog. To get your own globally-recognized-avatar, please register at Gravatar