Frankfurts erster Titeltraum geplatzt

Von am 2. April 2015 – 13.17 Uhr 25 Kommentare

„Totgesagte leben länger“ – der 1. FFC Turbine Potsdam zog mit einem 2:1-Sieg beim favorisierten 1. FFC Frankfurt ins DFB-Pokalfinale ein. Dabei reichte Potsdam eine gute erste Halbzeit zum Erfolg, der 1. FFC Frankfurt vergab leichtfertig die mögliche 14. Finalteilnahme und verlor nach 13 Erfolgen erstmals ein DFB-Pokal-Halbfinale.

„Wer nur noch einen Schritt vom Endspiel in Köln entfernt ist, wird über sich hinauswachsen, um dieses Highlight zu erreichen“, war sich Frankfurts Trainer Colin Bell vor dem Spiel sicher. Doch nach den 90 Minuten inklusive Wetterkapriolen mit Schneeregen, Hagel und Sonnenschein war er umso stinkiger, dass seine Elf dem Erzrivalen bei der 1:2-Niederlage keine dem Spiel angemessene Leistung entgegenzusetzen hatte.

Bell sauer und enttäuscht
Minutenlang musste Bell auf dem Platz erst einmal die eigene Wut auf ein erträgliches Maß runterfahren und auch in der anschließenden Pressekonferenz konnte er seine Enttäuschung kaum verbergen, dass seine Elf gegen einen Gegner die Finalteilnahme verschenkte, dem eine gute, doch beileibe keine überragende Leistung zum Erfolg reichte. „Wir haben das leichtfertig verschenkt, Potsdam war heute entschlossener“, musste Bell zähneknirschend einräumen, der noch einmal betonte: „Ich bin hierhergekommen, um Titel zu gewinnen.“

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Boquete: „Wir waren nicht bereit“
„Wir waren nicht bereit“, gestand FFC-Mittelfeldspielerin Verónica Boquete, in den vergangenen Wochen und Monaten einer der Garanten im Frankfurter Spiel. „Wir haben uns von Anfang an nicht wohl gefühlt, aber wir müssen lernen mit solchen Situationen umzugehen und für diese Art von Spielen über 90 Minuten bereit sein.“ Und die Spanierin räumte auch ein, dass die Belastung aus Liga, Pokal, Champions League und Nationalmannschaft ihren Tribut zollt. „Das kostet physisch wie psychisch eine Menge Energie. Trotzdem müssen wir mit unseren erfahrenen Spielerinnen für solche Spiele bereit sein.“

Frankfurter Mittelfeld kommt nicht zur Entfaltung
Die Potsdamerinnen schafften es mit viel Biss und Robustheit in den Zweikämpfen geschickt, die Mittelfeld-Achse der Frankfurterinnen zu neutralisieren, so dass es vor allem galt, sich der hoch in den Strafraum geschlagenen Bälle zu erwehren. Und Potsdam blieb zugleich im Spiel nach vorne gefährlich „Manchmal ist es einfacher, wenn man nicht in der Favoritenrolle steckt“, erklärte Potsdams starke Mittelfeldspielerin Lia Wälti. „Der Pokal ist unsere letzte Chance, einen Titel zu holen, von daher war das unser Hauptziel und vor allem in der ersten Halbzeit haben wir sehr gut gespielt.“

Colin Bell

Frankfurts Trainer Colin Bell war nach dem DFB-Pokal-Aus bedient © Nora Kruse, ff-archiv.de

Keinen Rhythmus gefunden
Auch Frankfurts scheidende Mittelfeldspielerin Jessica Fishlock, die ihr letztes Spiel im FFC-Dress bestritt, suchte nach Erklärungen. „Es gab eine Menge Faktoren. Jedes Mal, wenn wir in unseren Spielrhythmus kamen, wurden wir gefoult, auch wenn das vielleicht dumm klingen mag. Dann ist es schwer, in den Rhythmus zu kommen, vor allem wenn der Gegner auch noch schnell kontert.“

Wirtschaftliche Einbußen
Auch wirtschaftlich ist das Pokal-Aus ein Rückschlag für die Frankfurterinnen, wenn es gilt, eine schlagkräftige Elf für die kommende Saison zusammenzustellen und Spielerinnen wie Verónica Boquete den Verbleib in Frankfurt nicht nur sportlich, sondern auch finanziell schmackhaft zu machen. Und so stand auch FFC-Manager Siegfried Dietrich die Enttäuschung nach dem Spiel ins Gesicht geschrieben.

Nicht immer dagegengehalten
„An einem solchen Tag muss man voll da sein. Potsdam war von Anfang an bissig, unsere Mannschaft hat sich nur bedingt damit auseinandergesetzt und nicht in jeder Sekunde dagegengehalten. Das ist doppelt traurig, denn wir hatten so viele Chancen, so dass so ein Spiel zu drehen gewesen wäre.“

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Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

25 Kommentare »

  • vikkybummsy sagt:

    Ich glaube nicht das es die betroffenen Spieleinnen noch groß juckt. Ist doch egal ob er an der Linie rumtobt oder ins Micro plärrt.
    Die, die es betrifft haben schon längst abgeschlossen und erfüllen nur noch den Vertrag. Mann will es nur nicht wahrhaben. Und zudem, der DFB-Pokal ist nur gut für das Image und die Vitrine. Der Verlust ist also für die NM-Spielerinnen überschaubar. Was jetzt zählt sind CL und die WM. Da wird man sich doch nicht für den DFB-Pokal aufopfern wollen. Da Bell nicht mit den Kräften haushalten will tun es eben die Spielerinnen in „unwichtigen“ Spielen, so einfach ist das.

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  • netflyer sagt:

    @Detlef: Ich schaue mir wegen der permanent schlechten Schirileistungen kaum noch Spiele an. Ich habe das Spiel nicht gesehen, interessiert mich auch relativ wenig. Deine Kompetenz kenne ich und schätze ich, obwohl ich aus Frankfurt bin. Deswegen glaube ich Deine Einschätzung unbesehen. Auch wenn die schlechten Schirileistungen oft folgenlos sind, da wahllos die eine oder andere Seite bevorzugt wird. Aber es macht micht echt wütend, wenn ich jedesmal diese hanebüchenen Entscheidungen ansehen muss, wenn ich ausnahmsweise doch mal FF schaue. Die Frauen bringen wirklich sehr gute Leistungen und für sie tut es mir echt leid. Ja, auch beim Männerfußball gibt es krasse Fehlentscheidungen, aber da sind sie die Ausnahme, beimm FF die Regel. Solange nicht die Leistung zählt und somit auch Männer als Schiri eingesetzt werden, wird das nix. Und ob man die Leute zurückgewinnt, die irgendwann gegangen sind, da sowas nichts mit Sport zu tun hat, glaube ich nicht.

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  • vikkybummsy sagt:

    Ich weiss nicht was ihr habt, ich finde Christina Biehl recht hübsch anzuschauen :-). und solange sie mich nicht auspfeift…..

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  • Herr Schulze sagt:

    @netflyer: Jetzt habe ich es! Sie schauen sich Frauenfußball wegen der schlechten Schiedsrichterleistungen zwar grundsätzlich kaum noch an, lassen aber den Fernseher oder Livestream trotzdem immer mal wieder laufen, um wegzuschauen, weil es Sie ja nicht interessiert, aber immer wieder aufregt?
    Im Übrigen habe ich den starken Eindruck, dass der BVB-Trainer im Hinblick auf die schiritechnische Wartung zwischen FF und MF keine Unterschiede sieht. Und ist Ihnen auch schon aufgefallen, dass immer gegen die eigene Mannschaft gepfiffen wird? Unglaublich!

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  • holly sagt:

    @vikkybummsy, genau der FFC hat ja genügend Geld die brauchen die Einnahmen aus dem DFB Pokal nicht. Gerade die beiden Endspielteilnehmer bekommen schon gutes Geld. Aber Herr Dietrich brauch ja nur zur Sponsor Bank gehen 🙂

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  • Herr Schulze sagt:

    @holly: Da schätze ich den Kaufmann Dietrich, aber auch den Sponsor Commerzbank deutlich anders ein. Ich bin mir sicher, der rechnet nicht weniger als die Bank, die das versäumte Finale kaum minder kritisch sieht. Ein FFC, der nur ín der Bundeliga (TV-)präsent wäre, ist in Cent und Euro erheblich weniger wert.

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  • holly sagt:

    so war das auch gemeint herr schulze 😉

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  • dummkopf sagt:

    @Herr Schulze

    Ich verstehe das so:
    Er schaltet kurz in die Übertragung, um zu sehen, ob vielleicht doch ein Mann pfeift,
    – und wenn der arme dann jedesmal überrascht neu feststellen muss, dass nicht
    – dann kommt es ganz drauf an, ob er wieder Lust auf hanebüchene Fehlentscheidungen hat,
    – woraufhin er weiterschaut,
    oder aber ob er dem Frauenfussball verlorengeht, um sich dann auch bis zum nächsten Spiel nicht zurückgewinnen zu lassen.
    Oder so ähnlich.

    Man muss den dfb hier aber auch einmal loben.
    Vielleicht hält er manchmal ja auch Zuschauer fern, auf die man wohl auch besser verzichten kann. 😉
    Vielleicht sollte man ja sogesehen verstärkt weibliche Schiris in der Männerbuli verlangen 😉

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  • Karl sagt:

    Ich habe sicher seit Jahren kein M-Bulispiel mehr gesehen, aber waehrend der Maenner-WM gab es doch so einige schlechte Schiedsrichterleistungen. Mir ist nicht ganz klar wieso einige von euch denken Maenner waeren bessere Schiedsrichter. Bei der WM ist mir das jedenfalls nicht aufgefallen. Und weil das ohnehin nicht belegbar ist erscheint mir das eher als so eine Art Ideologiefrage.

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  • Detlef sagt:

    @Karl,
    Keiner hat hier je geschrieben, daß Männer die besseren Schiedsrichter seien!!!
    Es gibt eben viel mehr männliche als weibliche Schiris, und schon auf Grund dessen sollten männliche Referees in die FF-Buli!!!

    Weibliche Schiris pfeiffen ja auch in den Männerligen, also warum nicht auch umgekehrt??? 😉

    Die geringe Anzahl an Schiedsrichterinnen führt zu wenig Konkurrenz, und somit auch zu eben diesen oft unglaublichen Leistungen!!!

    Im Männerbereich ist der „Leistungsdruck“ da erheblich größer, auch weil bis in die tiefsten Niederungen der 4-5 Ligen die Medienpräsenz oft deutlich höher ist als im FF!!!

    Fehler kommen natürlich auch im MF vor, logisch, denn auch dort sind es nur Menschen!!!
    Aber ein Schiri, der an mehreren Spieltagen mit „durchwachsenen Leistungen“ auffällt, den sieht man 100%-ig bald eine- oder zwei Ligen tiefer pfeiffen!!! 😉
    Allein durch den Mediendruck mit zig Kameraeinstellungen, Zeitlupen und diversen anschließenden Spielanalysen, sind solch mittelprächtige Leistungen nicht lange tragbar!!!

    Auch die Schiedsrichterei ist mittlerweile ein Hochleistungssport geworden, zumindest in den oberen Ligen, sowohl bei den Männern, als auch bei den Frauen!!! 🙂

    Und eine Bibi Steinhaus kann sich in diesem „Zirkus“ ja auch prächtig behaupten, ist also das beste Beispiel dafür, daß auch Frauen zu solch Topleistungen imstande sind!!! 🙂

    Wenn ich dann aber die „beste Schiedsrichterin des Jahres“ im Spiel Bayern München gegen TURBINE POTSDAM anschaue, dann fällt mir einfach nur der Begriff UNFASSBAR ein!!! 🙁

    In dieser besten FF-Liga der Welt haben solche Schiedsrichterleistungen nichts verloren!!!
    Alles unter Bibi Steinhaus-Niveau ist dafür nicht ausreichend!!!

    Und ich schreibe es zum wiederholten Male;
    Dazu gehört auch eine bessere Entlohnung der Referees in der FF-Buli!!!
    Dann wird sie zum Einen auch interessant für gute bis sehr gute Männerschiris, und zum anderen würde damit auch beim weiblichen Schirinachwuchs die Motivation größer, ganz nach oben zu kommen!!!

    @netflyer,
    Ich gehe trotzdem weiter ins Stadion, und fahre dafür im Jahr auch mehrere zigtausend Kilometer!!! 😉
    Man soll ja bekanntlich nie die Hoffnung aufgeben, daß sich nicht doch eine Verbesserung einstellt!!!
    Aber mM nach werden die Schiridamen niemals mit ihren Geschlechtsgenossinnen in den Trikots mithalten können, wenn sich nicht endlich grundlegendes ändert!!! 🙁

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