Lena Goeßling: „Wir sind die geschlossenere Mannschaft“

Von am 28. November 2014 – 5.00 Uhr 3 Kommentare

Am Sonntag steigt im VfL-Stadion am Elsterweg (live ab 11.30 Uhr auf NDR und HR) das Topspiel vom 11. Spieltag der Allianz Frauen-Bundesliga zwischen dem VfL Wolfsburg und dem 1. FFC Frankfurt. Im Interview mit Womensoccer.de spricht Wolfsburgs Mittelfeldregisseurin Lena Goeßling über die mentale Stärke ihres Teams, das Fehlen von Kapitänin Nadine Keßler und die Vorzüge der Rotation.

Womensoccer.de: Wo ist das Spiel zwischen dem VfL Wolfsburg und dem 1. FFC Frankfurt in Ihrer persönlichen Rangliste angesiedelt?

Lena Goeßling: Ziemlich weit oben. Das ist ein wichtiges Spiel für uns, denn wir können uns ein wenig Luft nach unten verschaffen. Wenn wir gewinnen, sind wir vier Punkte vor Frankfurt und ich denke, dass es wichtig ist, dass wir diesen Sieg holen.

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Womensoccer.de: Beim letzten Duell gab es einen 2:1-Sieg für Ihr Team, mit dem Sie die Meisterschaft perfekt gemacht haben. Hilft die Erinnerung, eine positive Atmosphäre in das Spiel am Sonntag mitzunehmen?

Lena Goeßling: Das ist noch gar nicht so lange her, natürlich ist das noch in unseren Köpfen. Wir freuen uns wieder auf das Spiel. Wir wissen, was wir damals geleistet haben und wir nehmen natürlich die positiven Erinnerungen mit in das Spiel.

Lena Goeßling in Aktion

Lena Goeßling: „Wir sind mental stark“ © Sven-E. Hafft / girlsplay.de

Womensoccer.de: Sie haben mit ihrem Team in den vergangenen Jahren von der Deutschen Meisterschaft über den DFB-Pokal bis hin zur Champions League einen Titel an den anderen gereiht. Wie groß ist die mentale Stärke und das Gefühl der Unbezwingbarkeit, das Sie aus diesen Spielen gezogen haben?

Lena Goeßling: Wir hatten Höhen und Tiefen und haben schon einiges durchgemacht. Es war einmalig, wie wir im Champions-League-Finale noch einen 0:2-Rückstand umgebogen haben und noch einmal zurückgekommen sind. Wir haben gesehen, dass alles möglich ist und man nie aufhören sollte, zu kämpfen. Das zeichnet uns aus. Wir sind mental stark, geben nie auf und fighten bis zum Ende. Das ist eine Stärke der gesamten Mannschaft.

Womensoccer.de: Frankfurts Trainer Colin Bell sagt, dass zwischen dem VfL Wolfsburg und dem 1. FFC Frankfurt keine großen Qualitätsunterschiede bestehen. Geben Sie ihm Recht?

Lena Goeßling: Wir wissen, was Frankfurt für Spielerinnen hat und was wir für Spielerinnen haben. Ich denke auch, dass es im Endeffekt keinen großen Unterschied gibt. Beide Mannschaften sind stark, beide haben ihre Qualitäten. Ich glaube aber, wir sind die geschlossenere Mannschaft.

Womensoccer.de: Ihr Team hat in dieser Saison bisher selten in Bestbesetzung gespielt, ist aber trotzdem in allen drei Wettbewerben gut im Geschäft.

Lena Goeßling: Das spricht für die Qualität und die Breite unseres Kaders. Wir haben viel rotiert und jede Spielerin bekommt ihre Einsatzzeiten. Das ist ein Plus, dass alle Spielerinnen im Spielrhythmus sind. Und die hohe Qualität im Training bringt jede einzelne Spielerin weiter. Umso schöner, dass wir noch in allen drei Wettbewerben sind, auch wenn es immer mal wieder weniger schöne Nachrichten gab.

Lena Goeßling bejubelt ihren Treffer gegen die SGS Essen

Lena Goeßling bejubelt ihren Treffer gegen die SGS Essen © Sven-E. Hafft / girlsplay.de

Womensoccer.de: Nadine Keßler fehlt aber trotzdem.

Lena Goeßling: Das ist gar keine Frage. Sie hat letztes Jahr eine überragende Saison gespielt, sie ist unsere Kapitänin. So jemanden kann man nicht so leicht ersetzen. Aber wir haben bisher unser Bestes getan. Wir spielen auch für Nadine, damit sie nächstes Jahr auch noch Champions League spielen kann. Und wir hoffen natürlich, dass sie so schnell wie möglich wieder zurückkommt.

Womensoccer.de: An der Tabellenspitze steht derzeit Bayern München. Ist das eine Momentaufnahme oder ist Bayern ein Titelfavorit?

Lena Goeßling: Ich persönlich habe gegen Bayern nicht mitgespielt, aber ich denke, sie haben auch eine super Mannschaft zusammen. Die ganze Liga nimmt Bayern München ernst, das ist auf jeden Fall ein Titelanwärter und man darf sie nicht unterschätzen. Sie stehen zu Recht mit oben und sie haben den Vorteil, dass sie keine Dreifachbelastung haben. Wir hatten schon viele englische Wochen, wo sich Bayern München ausruhen konnte. Das ist ein kleiner Vorteil.

Womensoccer.de: Zur Rückrunde ziehen Sie in ein neues Stadion. Vorfreude oder Wehmut?

Lena Goeßling: Wir genießen die letzten Spiele am Elsterweg, wir wollen hier keine Partie mehr verlieren. Einerseits ist man ein bisschen traurig, weil man hier viel erreicht und viele schöne Momente gehabt hat. Aber die Erinnerungen bleiben und natürlich freuen wir uns auf das neue Stadion.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

3 Kommentare »

  • never-rest sagt:

    Der Druck in dem Spiel gegen den 1FFC liegt eher bei WOB. Verlieren verboten, wenn man sich das Rückrundenprogramm von WOB anschaut. Das Ergebnis wird sehr knapp. Die beste Verteidigung gegen den besten Sturm der Liga. Hoffe auf ein gutes und spannendes Spiel, das hält, was es verspricht.

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  • Alice sagt:

    „Wir spielen auch für Nadine, damit sie nächstes Jahr auch noch Champions League spielen kann.“

    Da hätte ich nochmal nachgehakt. Das hört sich ja gut an. 😀

    Nettes Interview, danke dafür! Steigert die ohnehin riesige Vorfreude auf Sonntag. Hoffentlich sind auch die Umstände optimal und das Wetter spielt mit.

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  • GG sagt:

    Ich bin sehr gespannt und freue mich auf das Spiel, welches ich mir einrichte live im Stadion zu erleben.

    Vorteile WOB:
    # Die Erinnerung an den 08.06.2014
    # Die Charakterstärke der einzelnen Spielerinnen, allen voran Anna Blässe, Luisa Wensing, Alexandra Popp und Lena Goeßling
    # Die Knipserqualität von Martina Müller
    # Eine bislang seinesgleichen suchende Abwehrarbeit und -stärke
    # Vanessa Bernauer als „Schatten“ von Dzeni M. und Caroline G. Hansen, die die Abwehr des 1.FFC im Alleingang auseinanderzunehmen in der Lage ist.

    Natürlich kann auch alles ganz anders kommen, z.B. ein früher Treffer des 1.FFC. Allerdings verweist Lena nicht ganz zu unrecht auf die Erfahrungen aus dem UWCL-Finale Lissabon: Die Mannschaft – das TEAM – hat das Vermögen Spiele zu ihren Gunsten zu entscheiden. Ich habe in der bisherigen Hinrunde das Gefühl gewonnen, Wille Fitness/Kondition und Konzentration stimmen. Weitere Vorteile des WOB.

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