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Jennifer Zietz: „Die Rivalität hat sich gelegt“

Von am 19. September 2014 – 9.00 Uhr 9 Kommentare

Vor dem Klassiker zwischen dem 1. FFC Turbine Potsdam und dem 1. FFC Frankfurt am Sonntag, 21. September (live ab 14 Uhr auf RBB und HR) erinnert sich Turbine Potsdams Mittelfeldspielerin Jennifer Zietz im Interview mit Womensoccer an Duelle aus der Vergangenheit und spricht über die veränderte Rivalität zu Frankfurt und ihre persönliche Entwicklung.

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Womensoccer: Frau Zietz, am Sonntag spielen Sie mit dem 1. FFC Turbine Potsdam in der Allianz Frauen-Bundesliga gegen den 1. FFC Frankfurt. Wissen Sie eigentlich, zum wievielten Mal?

Jennifer Zietz: So ganz genau weiß ich das nicht, aber wenn man alle Wettbewerbe zusammen nimmt, habe ich bestimmt schon über 30 Mal gegen den 1. FFC Frankfurt gespielt.

Womensoccer: Welche dieser Duelle haben in der Erinnerung den größten Eindruck hinterlassen?

Jennifer Zietz: Am Schönsten war das Spiel 2004 in Frankfurt, als wir zum ersten Mal Deutscher Meister geworden sind. Das konnte man sich zu diesem Zeitpunkt in Potsdam noch gar nicht vorstellen. Wir mussten gewinnen und Frankfurt hatte zwei Punkte Vorsprung. Die gestandenen Frankfurter Nationalspielerinnen konnten auf einmal gegen uns junge Wilde nichts machen, sie waren völlig hilflos und auf dem Spielfeld gab es zwischen den einzelnen Spielerinnen auch ein paar Eklats. Negativer Höhepunkt war sicherlich die Niederlage im UEFA-Pokal, das hat auch noch lange nachgewirkt. Da sind wir mit unseren jungen Wilden ins offene Messer gelaufen.

Jennifer Zietz schießt

Ungebrochene Motivation: Jennifer Zietz © Sascha Pfeiler / girlsplay.de

Womensoccer: Auch am Sonntag treffen wieder jungen wilde Potsdamerinnen auf gestandene Frankfurterinnen. Sind Sie als Tabellenführer also Außenseiter?

Jennifer Zietz: Wenn man die beiden Vereine betrachtet, ist es auf den ersten Blick ein offenes Spiel, kein Team muss sich verstecken. Aber wir haben im Sommer wieder viele Spielerinnen verloren und einen kleinen Umbruch gehabt, von daher ist Frankfurt auf dem Papier leicht favorisiert. Wir haben aber den Heimvorteil, und wer sich im Frauenfußball auskennt, weiß, was das bei uns bedeutet. Mit unseren Fans im Rücken können wir zur Hochform auflaufen.

Womensoccer: Teilen Sie den Eindruck, dass sich die Rivalität zwischen Potsdam und Frankfurt ein wenig abgeschwächt hat, seit der VfL Wolfsburg zur neuen Macht im deutschen Frauenfußball aufgestiegen ist?

Jennifer Zietz: Zwischen den einzelnen Spielerinnen gab es noch nie ein Problem, wir haben uns immer gut verstanden. Auch in der Nationalmannschaft ist das bis heute noch so. Im Spiel zählt natürlich nur der Sieg, da kennt man keine Freundschaft. Früher ist auch viel von außen hereingetragen worden. Das hat sich gelegt und man hat aus der Vergangenheit gelernt.

Womensoccer: Was ist mit der jungen Potsdamer Mannschaft in dieser Saison möglich?

Jennifer Zietz: Wir hatten eine intensive Vorbereitung und Dinge wurden ein bisschen anders gemacht. So hat unser neuer Co-Trainer Achim Feifel neue Elemente ins Training integriert, die es vorher nicht gab. Wir haben umfangreich gearbeitet, aber es ist normal, dass es seine Zeit dauert, bis jede Spielerin diese Dinge verinnerlicht. Wir haben aber auf jeden Fall Potenzial für das Spiel gegen Frankfurt und die gesamte Saison. Wenn wir das umsetzen, was wir im Training zeigen, dann sind wir auf einem richtigen guten Weg. Fußballerisch und athletisch brauchen wir uns hinter keiner Mannschaft verstecken.

Jennifer Zietz im Spiel gegen den Herforder SV

Jennifer Zietz (re.) in Aktion im Spiel gegen den Herforder SV © Sascha Pfeiler / girlsplay.de

Womensoccer: Ein Champions-League-Platz ist also möglich?

Jennifer Zietz: Es wäre sehr wichtig, wenn wir in dieser Saison wieder unter die Top 2 kommen. Wir müssen uns an die eigene Nase fassen, dass wir es in der vergangenen Saison vergeigt haben. Es ist schwer, wenn man als Verein jahrelang Champions League gespielt hat und das auf einmal wegfällt. Es ist traurig, dass der Verein international nicht repräsentiert wird und das größte Übel ist, dass das Finale vor unserer Haustür in Berlin stattfindet, obwohl bis dorthin natürlich schwere Spiele gelegen hätten. Umso wichtiger ist so ein Spiel wie jetzt gegen Frankfurt, denn das wäre schon ein Minischritt in die richtige Richtung.

Womensoccer: Ist es für die Bundesliga für Turbine Potsdam vielleicht sogar ein Vorteil, keine Champions League zu spielen?

Jennifer Zietz: Das war nie ein Problem, wir konnten das immer gut wegstecken, weil wir athletisch gut drauf waren. Diese Saison ist kompakt mit vielen englischen Wochen, aber wenn man von Spiel zu Spiel denkt und den Rhythmus findet, ist das kein Problem. Wenn wir es nicht wegstecken können, wer sonst?

Womensoccer: Wie sehen Sie Ihre persönliche Entwicklung?

Jennifer Zietz: Letzte Saison war es schwer, weil ich nicht den optimalen Rhythmus hatte. Diese Saison habe ich in der Vorbereitung alle Spiele gespielt und stand auch in den ersten beiden Spielen in der Startformation. Das ist auch der Anspruch, den ich habe. Dafür trainiere ich hart und es macht mir immer noch jeden Tag Spaß. Ich versuche das auch an die jüngeren Spielerinnen weiterzugeben, aus jedem Training das Optimum herauszuholen und die Fehler zu minimieren.

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Markus Juchem (47) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

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9 Kommentare »

  • waiiy sagt:

    Ich glaube, die Rivalität war deshalb so groß, weil in Frankfurt Spielerinnen spielten, die in Potsdam tragende Säulen und wichtige Integrationsfiguren für das Publikum waren. Das ist jetzt nicht mehr so. Die 2-3 ehemaligen Potsdamerinnen, die noch da sind, sind schon ein paar Jahre aus Potsdam weh und hatten auch nicht die Wichtigkeit wie beispielsweise Pohlers, Bajramaj / Alushi oder auch Peter. Das ist der Grund, warum es jetzt ein eher „normales“ Spiel geworden ist.

    Aber nichtsdestotrotz ist es natürlich ein spannendes Spiel, wo jeder Punktverlust für beide Teams doppelt weh tut. Und ein 0:3 will wohl auch niemand aus dem Potsdamer Umfeld mehr sehen…

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  • Lucy sagt:

    Wieso tragende Säulen? Haben die Fans doch immer gesagt, der FFC bekommt nur die Spielerinnen, die für Potse eh nicht mehr gut genug waren… 😉

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  • Katerli sagt:

    diese „Rivalität“ gab es schon lange vorher, da spielten noch alle, die längst wieder Frankfurt verlassen haben (wie Natze, Hingst und Wimbersky) bei uns in P.
    Damals hatte ich das Gefühl, das wird auch von Potsdamer Medien gesteuert. Ich erinnere mich an ein Spiel, da wurden Prinz und Garefrikes regelrecht ausgepfiffen bei jedem Ballbesitz. Erst durch ein engagiertes Auftreten unserer damaligen Kapitänin Ariane Hingst wurde dem Einhalt geboten. Verschärft wurde dann alles durch die Einkaufspolitik Dietrichs. Aber Jenny hat sicher recht, das war keine Feindschaft zwischen den Spielerinnen

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  • Detlef sagt:

    @Lucy,
    Bei den von waiiy genannten, Plus ARI und NATZE, konnte das wohl nur ein Schwachkopf gesagt haben!!! 😉

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  • waiiy sagt:

    @Katerli: Prinz empfand ich eigentlich nie als solch einen Reizpunkt. Dafür hat sie von der Körpersprache zu unauffällig gespielt. Sie ist kein Mensch, der gern provoziert.

    Bei Garefrekes war das ganz anders. Höhepunkt war da sicherlich die berechtigte rote Karte für Kemme. Ich habe damals immer gesagt, dass ich eine Garefrekes lieber gern in eigenen Team hätte, von der Leistung her, aber vor allem von der Körpersprache her. Leider ist dies bei ihr auch nicht mehr da, eigentliche seit sie aus der N11 zurückgetreten ist. Da nimmt sie sich sehr zurück.

    @Lucy: Es wurde nicht gesagt, dass sie für Potsdam nicht mehr taugen. Es wurde vielmehr behauptet, dass sie sich am Main nicht weiter entwickelt haben. Ich denke beispielsweise daran, dass Alushi sicher von 50% der Turbine Fans sofort und zu jedem Zeitpunkt zurückgeholt worden wäre, weil man sie in Potsdam ganz anders kannte.

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  • Michele sagt:

    Ich bin für Potsdam! Mein Herz schlägt einfach nicht mehr für den FFC Frankfurt! Ich war jetzt schon ein paar mal in München und dort sind die Spielerinnen z.B. viel freundlicher als in Frankfurt! Hoffentlich gewinnt Potsdam! Kämpfen und Siegen, Potsdam!

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  • Michele sagt:

    @alle

    Was ist an meinem Beitrag so negativ? Warum bekomme ich so viele „Daumen runter“)

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  • Altwolf sagt:

    @Michele.

    Fans von „Traditions-Vereinen“ mögen einen „Umschwung“ in der Begeisterung für einen anderen Verein möglicherweise nicht – hättest du dich vielleicht für den SC Freiburg o.ähnlich aufgestellten Clubs begeistert, wär das Ergebnis wohl positiver ausgefallen.

    Vielleicht ist es aber auch nur ein einzelner User.

    Offenes Bekenntnis zum Teamwechsel polarisiert offenbar.
    Solltest du drüber stehen. 🙂

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  • Antje L. sagt:

    Michele, ich finde Deinen Beitrag nicht negativ. Du hast eine klare – deine – Aussage getroffen – gut so!

    Ich beobachte bereits seit 14 Jahren den FF und Turbine und empfand es immer als schmerzlich, wenn mir vertraute Leistungsträgerinnen den Verein verließen, vor allem, wenn es so offensichtlich des Geldes wegen und der „Gesamtpakete“ nach Frankfurt/M. ging. Das war eine so gegensetzliche Entscheidung, die hier, auch bei mir, wenig Akzeptanz fand. Doch mein Groll richtete sich nie gegen die Spielerinnen des FFC, im Gegenteil, noch heute schätze ich einige von denen sehr.
    Tja, und die Weglots-Maschinerie ist längst ein gängiges Mittel im FF geworden. Gut für die Spielerinnen(?) Auf jeden Fall doof für manch einen Fan,vor allem denen, die am Gewohnten hängen. Ich habe mich längst damit abgefunden, da blieb mir ja auch nichts anderes übrig. Doch finde ich auch, dass nicht wenige Spielerinnen andere Ziele verfolgen/verfolgten, die sportliche, berufliche oder familiäre Hintergründe haben.
    Freuen wir uns alle auf das Spiel! Es ist doch gut, dass es bei dieser Begegnung immer eine nicht wegzudiskutierende Vorfreude gibt.

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