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Tugba Tekkal: „Fußball lenkt mich ab“

Von am 4. September 2014 – 17.11 Uhr 1 Kommentar

Am vorigen Sonntag startete der 1. FC Köln mit einem 2:0 gegen den 1. FC Saarbrücken durch die Treffer von Lise Munk und Yvonne Zielinski erfolgreich in die 2. Bundesliga Süd. Mittelfeldspielerin Tugba Tekkal ist überzeugt, im dritten Anlauf den Aufstieg zu schaffen.

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„Ich bin guter Dinge. Wir haben eine gute Vorbereitung gehabt und gerade in den Testspielen gegen starke Gegner wie Leverkusen, Essen oder Herford überzeugt. Das nehmen wir als Mannschaft in die Saison mit“, so Tekkal.

Schnelle Integration
„Die Neuen sind schon voll integriert. Wir machen es Neuzugängen als Mannschaft leicht, sich bei uns einzufinden. Und fußballerisch sind sie alle eine Hilfe“, so die 28-Jährige, die trotz der Abgänge optimistisch ist. Inka Grings als großer Angriffsstar ist jetzt Trainerin in Duisburg. Eine zweite erfahrene Stürmerin, Bilgin Defterli, ist zu Alemannia Aachen gegangen.

Aus Inkas Schatten treten
„Was uns in den letzten Wochen definitiv noch gefehlt hat, ist ein echter 9-er, der die Chancen verwertet. Die haben wir mit Lise Munk jetzt dazubekommen“, so Tekkal. „Wir müssen aus Inkas Schatten treten und alle eine Schippe drauflegen. Das macht uns stärker.“ Ein gewisser Aufstiegsdruck sei durchaus vorhanden.

Endlich in die erste Liga
„Den Druck machen wir uns vor allem selbst. Es ist ja nicht so, dass um uns herum alle in die Bundesliga wollen und wir Spielerinnen sagen: ‚Och, wir würden gern weiter in der 2. Liga kicken.‘ Wir wollen es jetzt nach zwei zweiten Plätzen den entscheidenden Tick besser machen.“ Doch sorgenfrei geht es für die aus Hannover stammende Wahlkölnerin nicht gerade zu.

Tugba Tekkal in Aktion

Tugba Tekkal will endlich in Liga eins © 1. FC Köln

Fußball als Ablenkung
Ganz im Gegenteil. Denn die Tekkal-Familie, das sind immerhin die Eltern mit elf Kindern, sind türkische Kurden, die religiös der jesidischen Glaubensgemeinschaft angehören. „Ich bin froh, dass ich mich mit dem Fußball ablenken kann. Sonst würde ich nur noch vorm Fernseher und im Internet hängen. Das ganze Geschehen nimmt mich sehr mit. Ich kann schlecht schlafen, habe oft keinen Appetit.“

Fassungslosigkeit
Bisher kannte sie die ganzen Greuel nur aus den Medien und aus Erzählungen. Jetzt ist daraus Wirklichkeit geworden. „Mein Vater und meine Schwester, die Fernsehjournalistin ist, sind gerade aus dem Nordirak zurückgekommen. Deren Bilder sind unvorstellbar. Kinder ermordeter Eltern, ohne Unterkunft, ohne Wasser und Nahrung, teilweise ohne Kleider. Dieser blanke Hass auf völlig unschuldige Menschen und diese Not machen mich fassungslos.“

Bewusstsein schaffen
Da tue es gut, sich im Training und beim Spiel abzulenken. „Und indem ich darüber spreche, hoffe ich auch auf ein wenig Hilfe. Die großen deutschen Hilfsorganisationen haben ein gemeinsames Spendenkonto eingerichtet. Den Menschen im Nordirak fehlt es an elementaren Dingen, es geht ums nackte Überleben. Schon kleine Summen können sehr viel helfen – und man muss sich nicht mal kaltes Wasser über den Kopf gießen.“

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