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Birgit Prinz wird Forschungsleiterin bei FIFA-Projekt

Von am 29. August 2014 – 17.32 Uhr

Die dreifache Weltfußballerin und Diplom-Psychologin Birgit Prinz, die als Sportpsychologin für den Frauenfußball-Bundesligist TSG 1899 Hoffenheim arbeitet, ist die leitende Forscherin beim neuen FIFA-Projekt zur psychomentalen Gesundheit.

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Die FIFA startet ein neues Forschungsgebiet mit der Bezeichnung „Psychomentale Gesundheit und Sport“. Damit soll dazu beigetragen werden, das Tabu rund um Fragen der psychomentalen Gesundheit bei Spitzensportlern zu durchbrechen. Es sollen Grundlagen für die Entwicklung von Therapien und Informationsmaterialien für Mannschaftsärzte, Trainer und Spieler erarbeitet werden. Edgar Schmitt, Ex-Stürmer des Karlsruher SC und von Eintracht Frankfurt, fungiert als Botschafter für das Projekt.

Hohe Bedeutung mentaler Fitness
Prinz erklärt: „Die mentale Fitness ist für das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit von Profifußballern gleichermaßen wichtig, ebenso wie physische Fitness und eine gut ausgeprägte Technik. Allerdings gibt es kaum spezielle Trainingsmethoden für die mentale Fitness. Oft wird einfach davon ausgegangen, dass Spieler grundsätzlich mental fit sind.“

Prinz: Mythos Unverwundbarkeit überwinden
Und sie meint weiter: „Meiner Erfahrung und meiner Meinung nach ist es wichtig, dass man erkennt und offen zeigt, dass es auch für Profifußballer ’normal‘ ist, mentalen Stress zu empfinden, und dass dies nicht automatisch zum Scheitern einer Profikarriere führt. Doch dieser mentale Stress kann verhindert, behandelt und kuriert werden. Wir müssen den Mythos überwinden, dass Profifußballer unverwundbar seien.“

Tabuthema psychomentale Gesundheit
Abgesehen von einigen wenigen besonders prominenten Fällen wird relativ selten über Probleme der psychomentalen Gesundheit im Fußball und im Sport insgesamt berichtet. Entsprechend dünn sind auch wissenschaftliche Daten über die psychomentale Gesundheit von Sportlern. Bislang hat sich kaum eine wissenschaftliche Studie mit der Untersuchung der psychomentalen Gesundheit von Fußballspielern befasst. Um diese Wissenslücken zu schließen, hat die FIFA das neue Forschungsgebiet eröffnet, damit sich am Fußball Beteiligte leichter über derartige Probleme äußern können und der Zugang zu geeigneten Therapien verbessert wird.

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Die dreifache Weltfußballerin Birgit Prinz forscht zukünftig für die FIFA © Nora Kruse, ff-archiv.de

450 Millionen Menschen weltweit betroffen
„Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von 2010 leiden weltweit rund 450 Millionen Menschen an mentalen Störungen. Eine von vier Personen entwickelt im Laufe ihres Lebens eine oder mehrere mentale Störungen oder Verhaltensstörung“, so Prof. Dr. Astrid Junge, Forschungsleiterin beim F-MARC (FIFA – Medical Assessment and Research Centre). „Es gibt keine Anhaltspunkte, dass es bei Fussballspielern anders ist. (…)“

Tragische Fälle
Ungefähr ein Viertel der 180 aktiven Profifußballer, die kürzlich an einer Umfrage von FIFPro teilnahmen, berichteten von Anzeichen von Depressionen und/oder Angstgefühlen. Bei ehemaligen Spielern lag der prozentuale Anteil sogar noch höher. Im deutschen Fußball gab es in den vergangenen Jahren mehrere tragische Fälle. Robert Enke und Andreas Biermann nahmen sich nach dem Kampf gegen die Depression das Leben.

Erste Ergebnisse 2015
Im Rahmen des ersten Forschungsprojektes werden „Positive und negative Faktoren während und nach dem Ende der Karriere von Profifußballern“ untersucht. Eine zweite Studie beschäftigt sich mit „Risikofaktoren für und Prävention von psychomentalen Problemen“, während eine dritte Studie die „Effekte des Sports auf die psychomentale Gesundheit von Freizeitsportlern“ analysiert. Erste Ergebnisse werden für 2015 erwartet.

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Markus Juchem (48) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

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