1. FFC Frankfurt: Nichts muss, alles kann

Von am 27. August 2014 – 13.13 Uhr 7 Kommentare

Der 1. FFC Frankfurt schrammte in der vergangenen Saison nur hauchdünn am deutschen Meistertitel vorbei. Dank Verstärkungen aus dem In- und Ausland und neuer Bescheidenheit will der Vizemeister auch in der Saison 2014/15 der Allianz Frauen-Bundesliga wieder ganz oben mitmischen.

Zum zehnten Mal fand am Dienstag im 49. Stock des Frankfurter Commerzbank-Towers die traditionelle und wie immer gut besuchte Saisoneröffnungs-Pressekonferenz des 1. FFC Frankfurt statt. Doch anders als in früheren Jahren ließen sich die FFC-Verantwortlichen wenige Tage vor dem Start in die Allianz Frauen-Bundesliga diesmal vor der opulenten Kulisse der Frankfurter Skyline zu keiner allzu forschen Saisonprognose hinreißen.

Nichts ist unmöglich
Mit neuer Bescheidenheit und kleinen Schritten soll der Mini-Umbruch im Team nach den Abgängen von Lira Alushi (Paris Saint-Germain) und Melanie Behringer (FC Bayern München) erfolgreich bewältigt werden. „Wenn alles optimal läuft, ist vieles möglich“, sagt FFC-Manager Siegfried Dietrich so unverbindlich wie möglich. Eine Politik, mit der der Verein bereits in der vergangenen Saison gute Erfahrungen gemacht hat.

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Verónica Boquete als Transfercoup
Wenige Tage vor Start in die Allianz Frauen-Bundesliga und dem Ende des Transferfensters hat der Macher des Frankfurter Frauenfußballs der Ligakonkurrenz mit der Verpflichtung der spanischen Nationalspielerin Verónica Boquete einen echten Kracher präsentiert. Und vor allem der Konkurrenz aus Wolfsburg eine Kampfansage erteilt. „Natürlich würden wir uns wieder gerne für die Champions League qualifizieren, denn es ist wichtig, in drei Wettbewerben dabei zu sein. Aber wir müssen nicht gewinnen. Wir halten den Ball flach und konzentrieren uns auf aktuelle Herausforderungen.“

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Potente Neuzugänge
Mit Boquete und Jessica Fishlock, die frühestens zum zweiten Saisonspiel gegen den MSV Duisburg eingesetzt werden kann, verstärkte sich der 1. FFC Frankfurt gezielt, genauso wie mit den Verpflichtungen von Stürmerin Mandy Islacker sowie den beiden Leverkusenerinnen Kathrin Hendrich und Marith Prießen. Darüber hinaus sollen sechs junge Spielerinnen aus dem eigenen Nachwuchs langsam an höhere Aufgaben herangeführt werden: Melissa Friedrich, Valentina Limani, Jana Löber, Saskia Matheis, Alina Ortega Jurado und Jessica Reinhardt.

Etat unverändert
Mit einem Basisetat von 1,8 Millionen Euro, der bei positivem Verlauf in der Champions League Richtung Zwei-Millionen-Marke gehen soll, will man dem Liga-Primus VfL Wolfsburg Paroli bieten. Doch die vor einer Woche wieder ins Mannschaftstraining eingestiegene Célia Sasic warnt davor, nur die Topteams im Auge zu haben. „Die vermeintlich Größeren können Punkte gegen vermeintlich Kleine liegen lassen. Deswegen kann man nicht sagen, die Saison entscheidet sich zwischen zwei oder drei Mannschaften.“

Mit Zuversicht in die neue Saison: Célia Šašić, Saskia Matheis, Bianca Schmidt, Kathrin Hendrich, Simone Laudehr und Colin Bell (v.l.)

Mit Zuversicht in die neue Saison: Célia Šašić, Saskia Matheis, Bianca Schmidt, Kathrin Hendrich, Simone Laudehr und Colin Bell (v.l.). © Nora Kruse, ff-archiv.de

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‚Vero‘ schwer zu stoppen
FFC-Trainer Colin Bell ist von seinem Team und den Neuzugängen überzeugt. „Wir haben eine tolle Mannschaft und es war nicht einfach, diese Mannschaft noch besser zu machen. Die beiden Leverkusenerinnen hatte ich schon in Bad Neuenahr auf dem Zettel, Mandy Islacker ist eine Konstante im Toreschießen, die unsere offensiven Optionen vergrößert, Fishlock bringt britische Tugenden mit, und ‚Vero‘ ist mit ihrer individuellen Qualität nur schwer zu stoppen.“

Spiel in München als Standortbestimmung
Und so sollen bei der ersten echten Standortbestimmung am Sonntag beim FC Bayern München die ersten Punkte eingefahren werden. „Ich interessiere mich gerade nur für das Spiel bei Bayern München. Wir verfolgen ein Ziel, aber ich tue das Schritt für Schritt. Wir wollen um den Titel mitspielen und in DFB-Pokal und Champions League soweit wie möglich kommen. Wir haben letztes Jahr das Fundament gelegt, aber ein Stück hat gefehlt, daraus müssen wir lernen.“

Mit Marozsán nach München
Mit in München dabei sind US-Rückkehrerin Kerstin Garefrekes und Neuzugang Verónica Boquete. Und auch eine, die in den vergangenen Wochen für mächtig Wirbel gesorgt hat: Dzsenifer Marozsán. „‚Dzseni‘ hat im Training und in jedem Testspiel jede Minute gespielt und Spielfreude gezeigt. Sie ist hier und das soll so bleiben. Alles andere waren Nebengeräusche.“

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

7 Kommentare »

  • enthusio sagt:

    Am Samstag geht es endlich wieder los.
    Hier findet Ihr eine „große Umfrage“ zur neuen Bundesligasaison, an der sich einzig der Herforder Trainer Jürgen Prüfer nicht beteiligt hat:

    http://www.soccerdonna.de/de/trainer-wolfsburg-ist-wieder-top-titelfavorit/news/anzeigen_3265.html

    Noch ein weiterer Hinweis:
    Im „Kicker“ vom 25.8. ist eine 24seitige Beilage „Zum Start der Frauen-Bundesliga“ enthalten.

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  • DAWIDenko sagt:

    Ist jetzt eher off-Topic, aber die Information passt m. M. n. gut zu dem vorherigen Kommentar, bzw. dem Hinweis von enthusio.

    Auch die Sport-Bild widmete sich in der heutigen Ausgabe mit einem kleinen Artikel dem Start der Frauen Bundesliga.

    Die Überschrift „Scheich kauft Stars aus der Bundesliga weg“
    Es ist nur ein ganz kleiner Text. Es geht um Paris St. Germain
    und ihre Transfers von Spielerinnen aus der Bundesliga zu PSG.

    Auch Marozsan`s Wechselabsichten werden kurz thematisiert.
    Es wird von 300 000 Euro Jahresgehalt gesprochen in dem Artikel, was sie dort verdienen kann. So weit dazu.

    Bei der Aufzählung der deutschen Akteure, die seit Linda Bresonik und Annike Krahn aus der Bulli nach Paris wechselten, unterlief der Sport-Bild allerdings ein für FF-Begeisterte grober Schnitzer:
    Josephine Henning geht, wie „Kaba“ Berger von Turbine Potsdam zu Paris St. Germain. 😉

    Ich gebe das jetzt nicht wörtlich wieder. Es ist wie gesagt nur eine Aufzählung der Spielerinnen mit der in Klammern stehend Information des vorigen Vereins der jeweiligen Spielerin. Bei Josi wird Turbine Potsdam als Verein zugeordnet.

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  • Antje sagt:

    Danke, für die Presseschau. Sehr interessant. Auch mag ich den Begriff im Artikel: „Neue Bescheidenheit des 1. FFC …“

    Hat was.

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  • never-rest sagt:

    Der 1FFC hat nominell wieder einen excellenten Kader zusammen. Die Frage wird wie in den vergangenen Jahren sein, ob der Trainer es schafft, die mit Nationalspielerinnen und internationalen Stars gespickte Mannschaft zu einem homogenen Team zu formen und die individuelle Qualität der Einzelspielerinnen in einem attraktiven Spielsystem auf den Platz zu bringen. Dann ist für den 1FFC alles möglich. Aber bekanntlich hat dies nicht immer geklappt. Probleme könnte es geben, wenn die eine oder andere Nationalspielerin desöfteren wegen der harten Konkurrenz auf der Bank sitzen muss. Schaun wir mal.

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  • FFFan sagt:

    @ enthusio:
    „…eine “große Umfrage” zur neuen Bundesligasaison, an der sich einzig der Herforder Trainer Jürgen Prüfer nicht beteiligt hat“

    Ich kann dort auch Antworten von Herrn Prüfer lesen, wenn auch eher ‚einsilbige‘!

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  • Mosan sagt:

    Ich denke, dass Bell diesmal einen Kader beisammen hat, der eher seinen Vorstellungen entspricht. Zudem sehr breit und qualitativ hochwertig aufgestellt, um auch den Strapazen der Mehrfachbelastung trotzen zu können bei Ausfällen. Einzig die Personalie Maro wird ein Spannungsfeld bleiben. Unabhängig vom französischen Interesse stellt sich die Frage wo und wie Bell seinen abwanderungswilligen Star einzusetzen gedenkt, wo doch nun mit Fishlock und vor allem Boquete Satmmspielerinnen für Mittelfeld zugekauft wurden. Kim Kulig wird im Laufe der Saison ebenfalls an der Startformation anklopfen …

    Die „neue Bescheidenheit“ nimmt sich niedlich aus und wirkt auf mich als Lippenbekenntnis, dass man angesichts der Kaderstärke nicht wirklich ernst nehmen kann. Für Frankfurt geht’s eindeutig um Titel in der kommenden Saison. Nix anderes.

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  • Herr Schulze sagt:

    Für FFC-Fans: Garefrekes mit zwei schönen Szenen um die Minute 0:33 und 1:20. Fishlock trägt die Nummer 10 und ist gleich nach 0:44 zu sehen, als sie im Strafraum umgestoßen wird, oft entpuppt sich der blonde Blitz acer auch als Megan Rapinoe, die mir nicht minder lieb gewesen wäre, aber nach Lyon ja erstmal genug von Europa haben könnte.
    Einen schönen Eindruck vom American Soccer gibt das Video ohnehin. Und: Zum Lernen empfohlen, ist es auch.
    http://www.youtube.com/watch?v=IGvvgbraDKg&feature=youtu.be

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