U20-WM: DFB-Frauen sind Weltmeister!

Von am 25. August 2014 – 3.34 Uhr 37 Kommentare

Bei der U20-WM in Kanada haben die DFB-Frauen im Finale gegen Nigeria den WM-Titel geholt. In einem spannenden Finale dauerte es bis in die Verlängerung, ehe der Erfolg perfekt war.

Beim 1:0 (0:0) nach Verlängerung erzielte Lena Petermann in der 98. Minute den goldenen Treffer des Tages, der der DFB-Elf nach 2004 und 2010 den dritten WM-Titel in dieser Altersklasse bescherte.

Meinert: „Stolz auf mein Team“
DFB-Trainerin Maren Meinert freute sich: „Wir wollten ein gutes Turnier spielen, haben aber nie damit gerechnet, dass wir auch noch Weltmeister werden. Ich bin stolz auf mein Team und glücklich, dass wir das geschafft haben. Wie wir uns heute in die Defensive reingearbeitet haben, war schon phantastisch.“

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Lina Magull mit erster DFB-Chance
Die DFB-Elf ging gegenüber dem 2:1-Sieg gegen Frankreich im Halbfinale personell unverändert ins Endspiel. In einer ausgeglichenen Partie hatte Lina Magull mit einem Freistoß aus 25 Metern die erste Chance, doch Nigerias Torhüterin Sandra Chichii war auf der Hut und parierte am kurzen Pfosten (18.).

Asisat Oshoala erstmals gefährlich
Doch auch die Nigerianerinnen waren bei ihren gelegentlichen Vorstößen gefährlich und die pfeilschnelle Asisat Oshoala, mit sieben Toren bis dato beste Torschützin des Turniers, ging nach einem Ballverlust im Mittelfeld von Margarita Gidion auf und davon, doch verzog ihren Schuss, nachdem sie DFB-Torhüterin Meike Kämper bereits umkurvt hatte (22.).

Die DFB-Elf bejubelt den Titel bei der U20-WM in Kanada

Die DFB-Elf bejubelt den Weltmeistertitel. © Nora Kruse, ff-archiv.de

Chancen auf beiden Seiten
Nach einer guten halben Stunde bot sich den DFB-Frauen die nächste Chance, doch Pauline Bremer vergab unter Bedrängnis nach Flanke von Sara Däbritz (32.). Chinwendu Ihezuo eroberte den Ball, als Rebecca Knaak mit dem Fuß im Kunstrasen hängen blieb, doch Oshoala konnte bei ihrem Schuss übers Tor kein Kapital daraus schlagen (38.). Die Westafrikanerinnen kamen immer besser in die Partie, Courtney Dike hatte die nächste Chance, doch Kämper hielt ohne Probleme (42.).

Weiterhin ausgeglichenes Spiel
Joelle Wedemeyer kam zur zweiten Halbzeit für die angeschlagene Knaak. Sara Däbritz hatte nach Vorlage von Lena Petermann die erste Gelegenheit nach dem Seitenwechsel, doch Chichii hielt ihren 15-Meter-Schuss sicher (49.). Pauline Bremer verpasste nach einer guten Stunde per Kopf nach Freistoß von Sarah Däbritz nur knapp die Führung (63.). Die Freiburgerin war in der Folge für einige weitere gefährliche Standards verantwortlich (69., 70.). Pauline Bremer setzte Lena Petermann ein, doch Sandra Chichii kam rechtzeitig aus ihrem Tor heraus (78.).

DFB-Frauen im Glück
Die DFB-Elf erarbeitete sich nun leichte optische Vorteile, doch der Schein trog, denn es gab eine Schrecksekunde, als der Ball im eigenen Netz zappelte- Doch die kanadische Schiedsrichterin Carol Anne Chenard verwehrte den nigerianischen Treffer die Anerkennung, weil Loveth Ayila den Kopfball von Ihezuo noch mit dem Fuß unnötigerweise über die Linie bugsierte und dadurch den Abseitspfiff auslöste (85.). Und Augenblicke später rettete Meike Kämper vor der einschussbereiten Oshoala (86.).

Lena Petermann (l.) im Zweikampf mit Nigerias Kapitänin Ebere Okoya

Lena Petermann (l.) gelang, wie schon im Halbfinale, der entscheidende Treffer. © Nora Kruse, ff-archiv.de

Führung durch Petermann
Es ging in die Verlängerung und die nach rund einer Stunde für Lina Magull eingewechselte Kathrin Schermuly hatte per Kopf die erste Möglichkeit (94.). Kurz darauf ließ Oshoala erneut ihre individuelle Klasse aufblitzen, Meike Kämper war auf der Hut (96.). Und dann war es soweit: Pauline Bremer eroberte am rechten Flügel den Ball gegen Gladys Abasi, legte mustergültig an den Fünfmeterraum zurück, wo Lena Petermann souverän zur Führung einschob (98.).

DFB-Elf lässt nichts mehr anbrennen
Die Nigerianerinnen warfen nun noch einmal alles in die Waagschale, Deutschland lauerte auf die eine Konterchance, die die Entscheidung bringen sollte. Nach einer Ecke von Theresa Panfil versuchte es Pauline Bremer per Kopf (115.). Und die Elf von DFB-Trainerin Maren Meinert überstand die Schlussminuten unbeschadet.

Petermann: „Es ist alles so irreal“
Torschützin Petermann war nach dem Spiel voller Freude: „Ich finde noch keine Worte, es ist alles so irreal, man muss das alles erstmal sacken lassen. Der Wille und Teamgeist war ausschlaggebend.“

Deutschland – Nigeria 1:0 (0:0, 0:0) n.V.

Deutschland: Kämper – Rauch, Knaak (46. Wedemeyer), Gidion, Wilde – Däbritz (99. Dallmann), Dieckmann, Magull (59. Schermuly), Panfil – Petermann, Bremer

Nigeria: Chiichii – Okoye, Nnodim, Ayila (101. Kanu), Dike (51. Sunday) – Igbinovia (118. Adeboyejo), Ayinde, Njoku, Abasi – Oshoala, Ihezuo

Tore: 1:0 Petermann (98.)

Schiedsrichterin: Carol Anne Chenard (Kanada)

Gelbe Karte: Sunday

Zuschauer: 15 822

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Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

37 Kommentare »

  • O. Christ sagt:

    @ waiiy
    „Aber sie dürfte mit 11 Punkten beste Scorerin sein.“

    Bronzener Schuh: Sara Däbritz
    Silberner Schuh: Pauline Bremer
    Goldener Schuh: Asisat Oshoala

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  • FFFan sagt:

    @ jochen:
    „Da wird die Szene von ganz nah gezeigt und wenn man Schritt für Schritt das Bild bewegt und Ball und Fuß von der Nr.7 verfolgt, so trifft diese den Ball eindeutig und erst weit hinter der Linie.
    Also leider ein reguläres Kopfballtor.“

    Regeltechnisch hast du natürlich vollkommen recht. Trotzdem muss sich Ayila da schon auch fragen lassen, warum sie da überhaupt noch hingeht. Es war doch offensichtlich, dass der Ball auch ohne ihr Zutun reingeht. So muss die (nicht optimal postierte) SRA aus 35 Metern Entfernung beurteilen, ob der Ball auf oder erst knapp hinter der Linie berührt wird. Das ist nicht ganz einfach, zumal der Ball in diesem Moment nicht am Boden, sondern in der Luft war.

    Bitter für Nigeria, dass ihnen ein reguläres Tor aberkannt wurde, aber ein wenig sind sie auch selbst daran schuld.

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  • FF-Fan sagt:

    Die U 20 juniorinnen sind Weltmeister und schon wird dieser Erfolg zerredet!Wenn man bedenkt,wie viele Spielerinnen in den letzten 1,5 Jahren mit Kreuzbandrissen ausgefallen sind und Frau Meinert immer wieder eine ,,neue“ Mannschaft finden und formen musste,kann man nur sagen: Sie und ihr Team hat die richtigen Entscheidungen getroffen und aus diesem Grund auch den Titel verdient!Die Diskussion,wer wie lange ,oder warum eine Spielerin eingesetzt wird,kann doch nur das Trainerteam beurteilen.Wir wissen doch gar nicht,wie sich einzelne Spielerinnen außerhalb der (von uns am TV)zu sehenen Spiele bei den Trainingseinheiten,Vorbereitungen etc benehmen oder wieviel Einsatzwillen und Qualität sie wirklich zeigen,wenn sie sich dem Wettbewerb mit qualitativ starken Spielerinnen und einem Titelorientiertenm Trainerteam stellen müssen.Nur weil man in seinem Verein premanent hochgejubelt wird,obwohl man sich dort einem richtigen Wettbewerb gar nicht stellen muss,muss es ja nicht bedeuten dass man auch automatisch beim DFB in der ersten Elf gesetzt ist.Und die WM hat ja gezeigt; Mit Petermann,Bremer,Magull ,Däbritz und Panfil z,B standen Speilerinnen in der Startelf die immer den Willen und die Qualität bei den Lehrgängen und Trainingseinheiten gezeigt haben müssen und so das Trainerteam wohl überzeugt haben.Und der Erfolg zeigt,die Entscheidungen waren richtig.Die U20 hat den Weltmeistertitel!

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  • Detlef sagt:

    @FF-Fan,
    mir kommen wirklich die Tränen!!! 🙂
    Hier hat doch niemand etwas „zerredet“!!! ;(
    Jochen hat lediglich die Tatsache klargestellt, daß Nigeria ein reguläres Tor erzielt hat!!!
    Und bei allem Jubelgesang müssen doch auch Dinge kritisch bewertet werden dürfen, die nicht gut waren!!!
    Nach der WM ist schließlich vor der nächsten EM!!! 😉

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  • Dorothea Don sagt:

    Großes Lob an die U20 Weltmeisterinnen, die gekämpft haben im Verlauf des ganzen Tuniers wie die Löwinnen.
    Die Jungen werden frenetisch gefeiert, die Damen werden nu am Rande erwähnt Ich bewerte diesen Umstand als Diskriminierung
    gegenüber der Weltmeisterschaftssieger Damen Elf. Beschämend
    für die Führungsherrenriege des DFB.

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  • tavalisk sagt:

    Nicht übel für einen U-Jahrgang, der angeblich (Zitat Sheldon) „nicht im mindesten konkurrenzfähig ist“.

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  • Herr Schulze sagt:

    Ich habe leider das Frankreich-Spiel der U20 nicht im Archiv gefunden. Deshalb scheint mir hier der richtige Ort für die gerade gelesene Notiz, dass die im Spiel gegen Deutschland nach einem Foul stark verletzte (wunderbare) französische Stürmerin Mylaine Tarrieu jetzt erfreulicherweise wieder mit dem Training begonnen hat. Bonne Match.

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