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Martina Müller: „Wir haben einen kleinen Vorteil“

Von am 6. Juni 2014 – 12.30 Uhr 5 Kommentare

Am Sonntag, 8. Juni, 14 Uhr (live in HR, NDR und DFB-TV) steigt im VfL-Stadion am Elsterweg der große Titel-Showdown in der Frauenfußball-Bundesliga zwischen dem VfL Wolfsburg und dem 1. FFC Frankfurt. Routinier und Torgarant Martina Müller verrät im Interview mit Womensoccer, warum sie ihr Team auf einem guten Weg zum zweiten Deutschen Meistertitel in Folge sieht.

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Womensoccer: Die Meisterschaft entscheidet sich in dieser Saison erst in einem direkten Duell am letzten Spieltag. Ist das ein perfektes Drehbuch?

Martina Müller: Aufgrund der Spielplangestaltung vom DFB war die Konstellation schon gegeben, dass es am Ende ein richtiges Endspiel geben könnte. Für uns wäre der Meistertitel die Krönung, nachdem wir die gesamte Saison nicht ein einziges Mal auf Platz 1 lagen. Sollten wir am letzten Spieltag an allen anderen vorbeigezogen sein, hätte man das Drehbuch wirklich nicht besser schreiben können. Unabhängig davon glaube ich, dass es am Sonntag ein tolles Event wird und ich merke schon das Kribbeln und die Vorfreude.

Womensoccer: Nach einem möglichen Happy End sah es in dieser Saison nicht immer aus. Was war der Wendepunkt zum Besseren?

Müller: Das Spiel bei Bayern München [1:3-Niederlage], wo wir uns sehr schlecht verkauft haben. Nach dem Spiel haben wir Spielerinnen uns mit dem Trainerteam zusammengesetzt und uns auf den Rest der Saison eingeschworen. Jede Spielerin musste sich der einen oder anderen Frage stellen und sie auch beantworten. Das hat Früchte getragen und kam zum richtigen Zeitpunkt. Das war der Knackpunkt, denn danach haben wir kein Spiel mehr verloren.

Martina Müller

Martina Müller erzielte in dieser Saison bisher 16 Treffer © Sven-E. Hafft / girlsplay.de

Womensoccer: Ihr Team wirkt momentan nahezu unverwundbar und lässt sich auch durch Rückstände nicht aus der Bahn werfen.

Müller: Das ist der kleine Vorteil, den wir gegenüber Frankfurt haben. Sie werden unsere Spiele gegen Potsdam und Tyresö gesehen haben und sie wissen, dass sie selbst dann noch verlieren können, wenn sie zur Halbzeit 2:0 führen. Natürlich weiß man nicht, ob so etwas wieder funktionieren würde, aber wir werden am Sonntag wie schon gegen Potsdam ein geniales Publikum im Rücken haben. Das hat uns beflügelt und immer weiter nach vorne getragen.

Womensoccer: Für Frankfurt reicht ein Remis, Wolfsburg muss gewinnen. Ist das für Sie ein Vor- oder Nachteil?

Müller: Es ist immer schwer zu sagen, ein Punkt würde reichen. Wir müssen und wollen gewinnen und das ist vielleicht ein kleiner Vorteil. Aber es müssen 90 Minuten gespielt werden und es wird am Ende abgerechnet und dann sehen wir, wo wir stehen.

Womensoccer: In den ersten beiden Duellen mit Frankfurt in dieser Saison, einem 0:0 in der Liga und einem 0:1-im DFB-Pokal, hat Ihr Team aber keinen Treffer erzielt.

Müller: Die Spiele kann man nicht miteinander vergleichen. Frankfurt hat uns in keinem dieser Spiele an die Wand gespielt, ganz im Gegenteil. Wir hatten unsere Chancen, die wir nicht genutzt haben und dann kassiert man schon einmal einen blöden Gegentreffer. Das war schade, aber wir haben uns geschüttelt und einfach weiter gemacht. Am Sonntag geht es wieder bei Null los, und die Chancen sind für beide Mannschaften gleich.

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Womensoccer: Sie sind die dienstälteste Spielerin beim VfL Wolfsburg, beim 1. FFC Frankfurt glänzt die erfahrene Kerstin Garefrekes. Wie wichtig ist der Faktor Erfahrung?

Müller: Wie Frankfurt haben auch wir eine gute Mischung aus erfahrenen Spielerinnen, die ihre Nationalmannschaftskarriere schon hinter sich haben, und auch jungen Spielerinnen, die schon Länderspielerfahrung gesammelt haben. Von daher denke ich, dass unser Trainerteam ein gutes Team auf die Beine gestellt hat mit einer super Mischung. Wir verstehen uns auch neben dem Platz super und das ist sehr wichtig.

Martina Müller

Vertrautes Bild: Martina Müller bejubelt einen Treffer © Nora Kruse / ff-archiv.de

Womensoccer: In der kommenden Saison wird die junge norwegische Stürmerin Caroline Graham Hansen beim VfL Wolfsburg spielen, die angeblich 10 000 Euro im Monat verdienen soll. Ist das in der Mannschaft ein Thema gewesen?

Müller: Ich weiß aus meiner langjährigen Erfahrung in Wolfsburg, dass der Verein keine Beträge in diesen Dimensionen zahlen wird, schon gar nicht einer so jungen Spielerin. In der Presse wird viel geschrieben und es wird immer versucht, ein bisschen Unruhe hineinzubringen, das war auch vor dem Potsdam-Spiel so. Von daher lassen wir uns davon nicht verrückt machen und es ist auch in der Mannschaft kein Thema gewesen.

Womensoccer: Bayern München hat zehn Spielerinnen verabschiedet, Frankfurt sechs und auch in Potsdam werden mindestens sechs Spielerinnen den Verein verlassen. Ein normaler Vorgang oder ein neuer Trend?

Müller: Es ist legitim, dass Spielerinnen immer wieder mal den Verein wechseln. Bei uns ist das auch ab und zu so, und man kann keiner Spielerin böse sein, wenn sie neue Herausforderungen sucht. Manchmal will auch der Verein einen anderen Weg einschlagen, so dass auch deswegen Spielerinnen gehen. Ich glaube aber nicht, dass bei uns so viele wie in Frankfurt oder Potsdam weggehen werden.

Womensoccer: Zum Abschluss hätten wir gerne einen Tipp für Sonntag.

Müller: Ich tippe lieber nicht, denn ich bin schlecht im Tippen. Ich bin in einem Bundesliga-Tippspiel zuletzt auf Platz 14 von 14 Teilnehmern gelandet, von daher lasse ich das lieber (lacht).

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

5 Kommentare »

  • Alice sagt:

    Schönes Interview! Danke dafür.
    Martina genießt in Wob schon einen kleinen Sonderstatus. Sie ist unheimlich wichtig für Verein, Mannschaft und Fans. Wenn sie aufhört wird das grün-weiße Herz weinen um es mal theatralisch auszudrücken 😉

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  • Sheldon sagt:

    @Markus: Schönes Interview, danke für die Aufnahme einiger Anfragen, die wir hier im Forum ja auch immer wieder geäußert haben (z.B. die Frage nach den 0 Toren in den letzten 3 Spielen, die Frage nach den 10000 Euro pro Monat oder auch die wenigen Abgänge nach der Saison).

    Für das „Finale“ ist die Analyse von Martina Müller meines Erachtens genau umgekehrt zu betrachten: Wenn es Wolfsburg nicht einmal schafft, ein Tor zu schießen, wenn sie Frankfurt an die Wand spielen, wann dann? Ich gehe nicht davon aus, dass Frankfurt soviel schlechter spielen wird als in den beiden Spielen diese Saison!

    Und noch einmal: Wolfsburg steht in der Pflicht, nicht Frankfurt! Frankfurt wird sicher nicht den Fehler machen, den Potsdam gemacht hat, und stürmen, obwohl ihnen ein Unentschieden reicht, sondern sie werden auf Wolfsburgs Abschlussschwäche vertrauen, wie auch gegen Potsdam!

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  • berggruen1 sagt:

    @Sheldon: Wer auf Abwarten spielt, die Null halten will oder wie auch immer man es formuliert, geht meist als Verlierer vom Platz. Frankfurt wird nur dann eine Chance haben, wenn sie alles dran setzen, das 1:0 zu schießen und das möglichst früh. Wer 90 Minuten mauert, wird keine Chance haben. Und: In der „Pflicht“ sind doch eher die Frankfurterinnen, denn sie haben die Saison über sehr lange oben gestanden. Wenn man dann am letzten Spieltag noch abgefangen wird, ist das sehr, sehr bitter und selbst verschuldet. Der größere Druck lastet daher trotz der vermeintlich „besseren“ Ausgangsposition, auf den Frankfurterinnen.

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  • Lucy sagt:

    Beide Mannschaften hätten es verdient. Sie stehen beide oben und nur einer kann sich noch ein Sahnehäubchen obendrauf erarbeiten.

    Es soll nur fair ablaufen und alle Spielerinnen sollen heil und gesund das letzte Spiel überstehen.

    Spannend wird es allemal, so einen Saisonabschluß haben wir uns doch alle schon immer mal gewünscht in den letzten Jahren 🙂

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  • Guido sagt:

    Bei allem Respekt vor den vielen talentierten jüngeren Spielerinnen, die die Bundesliga bereicchern, es ist schon interessant, dass morgen zwei Teams um die Meisterschaft spielen, die ihren Erfolg zu einem großen Teil ihren beiden großen Damen Martina Müller und Kerstin Garefrekes zu verdanken haben. Man mag sich den VfL ohne Martina Müller genauso wenig vorstellen wie den FFC ohne Kerstin Garefrekes. Ob eine von beiden morgen die Meisterschaft entscheidet?

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