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Schlussspurt mit unklarem Ausgang

Von am 27. Mai 2014 – 10.48 Uhr 7 Kommentare

Nicht nur die Meisterschaft wird erst auf der Zielgeraden entschieden, auch im Abstiegskampf geht es eng wie selten zu. Sechs Jahre ist es her, dass 17 Punkte letztmalig nicht zum Klassenverbleib in der Ersten Bundesliga gereicht haben. So viele hat momentan der BV Cloppenburg auf seinem Konto – und wäre damit abgestiegen. Doch plötzlich punktet der BVC und ist seit vier Spielen ungeschlagen. „Die Situation ist fast aussichtslos; jetzt hat man den Eindruck, die Mannschaft wird mutiger“, sagt Trainerin Tanja Schulte im Gespräch mit Womensoccer.

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2:2 endete am Sonntag die Partie zwischen dem 1. FFC Turbine Potsdam und den Cloppenburgerinnen. „Wir hatten nicht einfach nur Glück, sondern haben mitgespielt und uns Chancen erarbeitet. Das macht natürlich Hoffnung und gibt Selbstvertrauen“, so Schulte.

Nicht aufgegeben
Gut mitgespielt hatte ihre Mannschaft im Laufe der Saison schon öfter. „Es gab häufig Spiele, aus denen wir hätten mehr rausholen können. Eigentlich gab es nur zwei, in denen wir über 90 Minuten chancenlos waren: das Heimspiel gegen Jena und das Spiel in Frankfurt. Das waren unsere Katastrophen-Spiele. In allen anderen gab es immer Phasen, in denen es auf der Kippe stand.“ In vielen individuellen Fehlern, falschen Entscheidungen und auch gelbroten Karten, mit denen man sich in Unterzahl brachte, sieht Schulte Gründe für den oftmals negativen Ausgang der Spiele, der zu nichts Zählbarem führte. Und daher „hilft es nicht weiter, sich darauf auszuruhen, dass man toll mitgespielt hat“, sagt Schulte, die glaubt, dass ihr Team durch die zahlreichen Rückschläge „moralisch gefestigter“ sei. „Die Mannschaft hat nie die Köpfe hängen lassen. Klar waren alle montags und dienstags noch geknickt – aber danach hieß es schon wieder ‚wir packen das‘. Und egal, wie dieses Saison ausgeht, wir wollen es jetzt durchziehen.“

Eve Chandraratne ist wieder fit und gibt der BVC-Defensive Stabilität. © Sascha Pfeiler, girlsplay.de

Eve Chandraratne ist wieder fit und gibt der BVC-Defensive Stabilität. © Sascha Pfeiler, girlsplay.de

Chandraratne schmerzlich vermisst
Mit an Bord ist dabei seit dem 15. Spieltag auch wieder Eve Chandraratne. Die Außenverteidigerin, die erst zu Saisonbeginn nach Cloppenburg gekommen war, fiel monatelang aus und wurde schmerzlich vermisst. „Sie hat uns sehr gefehlt und war nicht zu ersetzen“, sagt Schulte über die Stütze in der Defensive. „Sie ist abgeklärt, hat Erfahrung und hat auch gegen Potsdam einfach clevere Entscheidungen getroffen.“

Befreiungsschlag gegen Sindelfingen
Die kleine Serie des BVC, deren Ausgang und letztlicher Erfolg ungewiss ist, begann mit dem 7:1-Heimsieg gegen den VfL Sindelfingen am 17. Spieltag. „Das war das Erfolgserlebnis, das uns ein paar Wochen eher gutgetan hätte“, so Schulte. „Es macht einen Unterschied, ob man in der 80. Minute den Ball irgendwie reinmurmelt oder wirklich souverän gewinnt – und gegen Sindelfingen war es richtig toll; das hat der Mannschaft gutgetan.“ Es folgten drei Punkte gegen den MSV Duisburg sowie die Unentschieden gegen die TSG 1899 Hoffenheim und den 1. FFC Turbine Potsdam. „Das 2:2 in Potsdam hat gezeigt, dass man gegen die ‚Großen‘ zu Erfolgen kommt, wenn man sich nicht nur hinten reinstellt.“

Dämpfer für Potsdams Meisterträume
Für die Potsdamerinnen bedeutet die überraschende Punkteteilung, die Meisterschaft nicht mehr aus eigener Kraft schaffen zu können – auf der anderen Seite könnte der BVC im Kampf um die Qualifikation zur Champions League nun für Potsdam zum Zünglein an der Waage werden, denn schon am Sonntag empfangen die Cloppenburgerinnen den VfL Wolfsburg. Die krasse Außenseiterrolle ist dem BVC im Niedersachsenduell sicher – aber das galt auch vor dem Spiel in Potsdam.

Tanja Schulte

Gibt es am Ende noch Grund zum Jubel für Tanja Schulte und ihr Team? © Marion Kehren

Zu spät in Fahrt gekommen?
Dass Cloppenburg jetzt auf Punkte gegen die Top-Teams nahezu angewiesen ist, um den einen Zähler auf den MSV Duisburg aufzuholen, liegt natürlich auch daran, dass zuvor zu viele gegen vermeintlich ebenbürtige Gegner liegengelassen wurden. „In Spielen, auf die wir uns verlassen hatten, lief es nicht“, so Schulte. Essen, Leverkusen, Freiburg – keines dieser Teams ist in der Tabelle weiter als sechs Punkte entfernt, und doch gelang gegen keines ein Sieg. Der Schlussspurt der Niedersächsinnen zeigt, dass sie in der Liga mithalten können. Gut möglich aber, dass er einfach zu spät kommt.

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7 Kommentare »

  • never-rest sagt:

    Schade wär`s schon, wenn Cloppenburg absteigt. In der FF-Mannschaft steckt durchaus Potenzial. Auch die Zuschauerzahlen sind eine Bereicherung für die FF-BL.

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  • hapl27 sagt:

    Absolut treffender Bericht und gute Analyse der Situation rund um den BVC.
    Ich bin Fan des BVC und war bei allen Heimspielen zugegen. Ich habe in fast allen Spielen eine spielerisch gute Mannschaft gesehen, die sich leider durch individuelle Fehler (Spielerinnen,aber auch Schiedsrichterinnen) immer wieder um den Lohn der Arbeit gebracht hat. Hätte man doch nur die verdienten Punkte gegen Bayern oder Freiburg oder Essen in der Time-Partner-Arena behalten, es wäre alles nur halb so dramatisch jetzt.
    Ich muss ehrlich zugeben, als dann im letzten Heimspiel gegen Hoffenheim „nur“ ein Punkt geholt wurde (und wieder war der BVC klar besser), da war der Abstieg für mich besiegelt. Als ich dann am Sonntag wie hypnotisiert vor dem Liveticker mitgefiebert hab und am Ende tatsächlich ein Punkt gegen den CL-Halbfinalisten aus Potsdam stand kam neuer Mut in mir auf. Vielleicht geht ja doch noch was!? Gegen Wolfsburg wird es sehr sehr schwer, aber wenn man sich dort einigermaßen schadlos hält und in Freiburg 3 Punkte holt ist der Klassenerhalt möglich. Leider müssen dann entweder Duisburg oder Hoffenheim mitspielen und Punkte liegen lassen.
    In jedem Fall werden es spannende Spieltage und ich hoffe so sehrauf ein glückliches Ende für meinen BVC!

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  • Jonos sagt:

    Die Mannschaft des BVC hat einfach zu lange gebraucht um sich an das Niveau in der 1. Liga zu gewöhnen und die Neuzugänge zu integrieren. Verletzungspech (Chandraratne / Kameraj) und das plötzliche Aufhören von Bock haben der Mannschaft zusätzlich geschadet. Schade für den BVC!

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  • dummkopf sagt:

    Finanzausstattung und Zuschauerbegeisterung sind sicher sehr erstligatauglich, obwohl man geografisch nicht gerade vorteilhaft liegt.
    Und auch ein Dank für die Video-Spielberichte auf der eigenen Homepage!
    Allerdings ist eben die Frage, ob es gut ist, die Schuld in so vielen Fällen immer beim Schicksal zu suchen, oder nicht eher besser, selbiges bei den Hörnern zu packen.

    Bei der PK in Potsdam durfte man zurecht fragen, ob hier der falsche Film veröffentlicht wurde.
    So baut man jedenfalls nicht auf der berechtigten Freude und Euphorie auf und das Selbstbewusstsein einer Mannschaft aus, wenn man schlechter Stimmung erklärt, dass ein Punkt in Potsdam eben auch nicht viel Wert ist.

    Dabei ist es auch rechnerisch total daneben.
    Da könnte man doch wenigstens kurz vorher mal anrufen, und sich das erklären lassen. Die Ausgangsposition gegenüber Dui hat sich nicht geändert. Aber die gegen Hoffenheim gewaltig! Das hätten die Jungs vom nächsten Hobbyturnier nebenan aber sofort vorrechnen können.

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  • tpfn sagt:

    @dummkopf
    stimmt, Hoffenheim wirds schwer haben noch nen Punkt zu holen, es sei denn Jena ist geistig schon in der nächsten Saison, was die Sindelfingen Geschichte erahnen lässt.

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  • Sheldon sagt:

    Ich bin mal gespannt, ob der BVC Wolfsburg tatsächlich einen Streich spielen kann. Man ist zwar in der Tendenz doch auswärts deutlich stärker, doch bereits im Hinspiel konnte man Wolfsburg überraschen, man hat einen Lauf und die Einzelspielerinnen wie Bernauer, Jakobsson und Islacker sind ganz gewiss nicht zu verachten.

    Und zu gönnen wäre es ihnen. Möglich ist es allemal, denn allein mit einem Punkt gegen Wolfsburg hätte man das Tor zum Klassenerhalt weit aufgestoßen!

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  • Tiberias sagt:

    dummkopf schrieb:

    Bei der PK in Potsdam durfte man zurecht fragen, ob hier der falsche Film veröffentlicht wurde.
    So baut man jedenfalls nicht auf der berechtigten Freude und Euphorie auf und das Selbstbewusstsein einer Mannschaft aus, wenn man schlechter Stimmung erklärt, dass ein Punkt in Potsdam eben auch nicht viel Wert ist.

    Das stimmt schon, dummkopf, nur ist Tanja Schulte eben auch Realistin und blickt trotz eines gewonnenen Punktes (und zwei verlorener!) den tabellarischen Tatsachen ohne Illusionen ins Auge. Viel bemerkenswerter finde ich, dass CLP im Falle des Abstiegs den sofortigen Wiederaufstieg anstrebt. Im Gegensatz zu anderen Teams, die mal eine Saison BuLi gespielt haben und dann erst mal wieder in der Versenkung verschwunden sind, hat der BVC mit seinem Umfeld (Hauptsponsor) dazu eine realistische Chance. Aber wie auch immer, die Truppe ist eine Bereicherung für die Bundesliga!!!

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