Anouschka Bernhard: „Wir wollen wieder auf den Thron“

Von am 25. November 2013 – 20.10 Uhr 4 Kommentare

Mit dem Auftaktspiel gegen Schottland startet die DFB-Elf am Dienstag um 13.30 Uhr in die Endrunde der U17-EM in England, die erstmals mit acht Teams ausgetragen wird. DFB-Trainerin Anouschka Bernhard spricht im Interview mit Womensoccer über die Stärken ihres Teams, den WM-Traum Costa Rica und Spielerinnen mit Potenzial für die A-Nationalmannschaft.

Womensoccer: Sie treffen in der Gruppe B auf Schottland, Frankreich und Spanien. Ist das nicht deutlich schwieriger als die Gruppe A mit England, Italien, Österreich und Portugal?

Anouschka Bernhard: Das ist im Juniorinnenbereich sicherlich ein wenig schwieriger einzuschätzen als bei den Frauen, aber mit Deutschland, Frankreich und Spanien sind drei Teams in einer Gruppe, die man grundsätzlich zu den Favoriten zählen kann. Wir freuen uns aber auf diese Gruppe, auch wenn sie vermeintlich stark ist. Man darf die anderen Nationen allerdings nicht vernachlässigen, sie haben sich in ihren Gruppen durchgesetzt und jede Mannschaft bringt Qualität mit.

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Womensoccer: Ist es angenehmer, erst einmal gegen Schottland zu starten?

Bernhard: Es ist sicherlich von Vorteil, weil es nicht gleich ein vermeintlicher Kracher ist. Man startet in so ein Turnier auch immer mit einer gewissen Nervosität, von daher sind wir ganz froh, dass es die Auslosung so ergeben hat. Aber wir werden Schottland nicht unterschätzen und nicht den Fehler machen zu denken, wir können sie im Vorbeigehen schlagen. Wir haben sie gut studieren können und schon einige Videos gesehen. Wir bereiten uns intensiv vor, denn das erste Spiel und ein guter Turnierstart werden natürlich richtungsweisend sein.

Trainer der U17-Endrundenteilnehmer

Für Spaniens Trainer Jorge Vilda (re.) ist Deutschland Favorit © Ben Gladwell

Womensoccer: Der spanische Trainer Jorge Vilda sagt, dass Deutschland in jedem Turnier, an dem es teilnimmt, Favorit ist. Pures Understatement?

Bernhard: Ich denke schon, gerade wenn es von Spanien kommt, das in dieser Altersstufe schon zweimal Europameister geworden ist und eine souveräne Qualifikation gespielt hat. Aber es ehrt uns, dass die Gegner Respekt vor uns haben, so wie wir vor allen anderen Nationen. Solche Turniere sind sehr offen, weil die Spielerinnen noch nicht so stabil sind. Man kann gut trainiert haben, sich gut vorbereiten und ein gutes Gefühl haben, dennoch können die Leistungen stark schwanken und man weiß vorher nicht, was man bekommt.

Womensoccer: Bei dieser EM-Endrunde geht es auch um das Ticket für die U17-WM in Costa Rica. Ein netter Bonus oder mehr als das?

Bernhard: Natürlich ist eine mögliche Qualifikation für eine WM mehr als ein Bonus. Eine WM zu spielen ist eine einzigartige Erfahrung und ein weiterer, wichtiger Schritt in der sportlichen und persönlichen Entwicklung der Spielerinnen.

Womensoccer: Die WM-Teilnahme, sprich ein Platz unter den Top 3, ist dann wohl auch die Zielsetzung.

Bernhard: Das ist sicherlich das Ziel, darüber hinaus muss man schauen, was geht. Wir wollen zu den besten drei Nationen Europas gehören und mit einem halben Auge auf das Finale schielen. Das ist unser Anspruch. Deutschland war schon drei Mal Europameister und wir wollen wieder auf diesen Thron.

Womensoccer: In der Eliterunde gab es keinen Gegentreffer. Ist die Abwehr eine der Stärken des Teams?

Bernhard: Vom Papier her sind wir in diesem Bereich gut aufgestellt, aber ich glaube, dass unsere Stärken eher in der Offensive liegen, die Gegner das auch wissen und dementsprechend respektvoll bisher mit uns umgegangen sind. Ihr Schwerpunkt mag gar nicht so sehr in der eigene Offensive gelegen haben. Deswegen ist es jetzt schwierig zu sagen, dass wir eine gute Abwehr haben. In den Gruppenspielen oder auch in Richtung Finalspiele werden wir in der Defensive sicherlich anders gefordert werden. Da wird sich die Stabilität zeigen, aber es ist erst einmal ein Fingerzeig, daran müssen sich die Gegner auch erst einmal orientieren.

Womensoccer: Kann man den Jahrgang 1997 bereits jetzt einordnen oder erst nach der Endrunde?

Bernhard: Die wirkliche Einordnung erfolgt in den internationalen Vergleichen, also nach dieser Europameisterschaft. Grundsätzlich glaube ich, dass der 97er-Jahrgang fußballerisch gesehen ein guter Jahrgang ist, auch von den Persönlichkeiten her. Es sind gute Fußballerinnen, aber auch ruhige Mädchen. Wir würden uns an der ein oder anderen Stelle wünschen, dass sie noch ein bisschen frecher werden und noch etwas mehr aus sich heraus gehen, das würde ihnen auch auf dem Platz helfen.

Anouschka Bernhard

U17-Trainerin Anouschka Bernhard will mit der DFB-Elf zur WM nach Costa Rica © Ben Gladwell

Womensoccer: Bei welchen Spielerinnen deutet sich an, dass sie sich einmal für höhere Aufgaben empfehlen werden?

Bernhard: Wir haben sicherlich in Jasmin Sehan eine Stürmerin von sehr hoher Qualität, die schon lange beim DFB ist und auch schon im U15-Bereich gespielt hat. Das gleiche trifft auch auf Kim Fellhauer zu, die als Innenverteidigerin bzw. Mittelfeldspielerin agiert. Das sind sicherlich zwei Namen, die großes Potential mitbringen. Ich denke, dass uns noch einige Spielerinnen sehr viel Freude bereiten werden.

Womensoccer: Einige Spielerinnen haben in dieser Saison bereits Bundesligaluft geschnuppert. Merkt man das?

Bernhard: Man merkt definitiv, dass diese Spielerinnen einen Schritt weitergekommen sind. Sie bringen das ins Team ein, man sieht es an der Qualität des Trainings, wo ein anderer Zug herrscht. Allerdings sind auch die körperlichen Belastungen gewachsen, das muss man hier entsprechend steuern. Denn für die Mädchen, die den Übergang in den Frauen-Bereich gemacht haben, ist es eine Umstellung, von 2,5 Mal pro Woche Mädchentraining zu 5 bis 6 Mal die Woche Training bei den Frauen. Einigen Spielerinnen merkt man am Ende der Vorrunde die Müdigkeit an.

Womensoccer: Wie wertvoll ist so ein Turnier für die Entwicklung der jungen Spielerinnen?

Bernhard: Das ist definitiv eine wertvolle Erfahrung. Wir sind hier eine lange Zeit zusammen und es gilt, den Fokus immer wieder rechtzeitig auf den Sport zu lenken. Darüber hinaus ist auch die Schule nicht zu vernachlässigen. Wir haben zwei Lehrkräfte dabei, und hier werden insgesamt 18 Klausuren geschrieben. Die Spielerinnen müssen sich also auch noch auf die Schule konzentrieren. Wir wollen überdies auch den Kontakt zu anderen Nationen suchen und die Gelegenheit nutzen, über den Tellerrand hinauszuschauen.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

4 Kommentare »

  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    Von Interesse wäre, wo es ggf. Livestreams von den Spielen gibt!
    Aus Island hatten wir ja welche…

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  • pinkpanther sagt:

    Also ich bin mal gespannt, ob sich unsere Mädels in dieser schweren Gruppe durchstzen können. Nach der insbesondere technisch und spielerisch doch recht schwachen letzten WM des Vorgängerjahrgangs kann es eigentlich nur besser werden!
    Nicht dass sich die Mädels noch Brasilien und die USA als Vorbild nehmen, die es diesmal beide überraschend nicht geschafft haben, sich für die U17-WM in Costa Rica zu qualifizieren 😉

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  • laasee sagt:

    It is ironic that the England WSL is a summer competition but that this tournament is played in cold weather.

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  • holly sagt:

    ich weiss auch noch nicht so recht was ich von dem Team halten soll. Die letzten beiden Male ist man in der Quali zur U17 EM jeweils mit einem hohen Sieg gestartet und hat dann einmal die Quali gegen Belgien verspielt und jetzt bei der vor kurzem in Bayern ausgetragenen Quali Runde hat man sich dann gegen mittelmässige Gegner durch gezittert.
    Ich frage mich warum man in dem ersten Spiel jeweils groß aufspielt und dann anfängt zu zittern vor Gegner vor denen man eigentlich keine Angst haben muss.
    Vom Kader bin ich eigentlich überzeugt da sind einige Spielerinnen dabei die auch das Potiental haben irgendwann in der N11 zu spielen obwohl das noch ein langer Weg sein wird.

    Hoffe das sie die Gruppenphase überstehen. Bei der U17 EM sind die Qualtiätssprunge einzelner Nationen meist sehr groß von einem Jahr zum anderen.

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