SC Sand: Kleiner Verein, große Ziele

Von am 19. November 2013 – 7.00 Uhr 14 Kommentare

Mit der Verpflichtung von Patricia Hanebeck und Anne van Bonn hat Süd-Zweitligist SC Sand bereits vor Saisonbeginn ein kleines Ausrufezeichen gesetzt. Mit 22 Punkten aus acht Spielen und dem 6:0 im DFB-Pokal gegen den FCR 2001 Duisburg ist die Mannschaft auch sportlich oben angekommen. „Bisher haben wir alles richtig gemacht“, sagt Trainer Dieter Wendling gegenüber Womensoccer und entsprechend ist klar: „Der Aufstieg kann nur unser Ziel sein.“

Zwei Punkte beträgt momentan der Rückstand in der Meisterschaft auf Tabellenführer 1. FC Köln. „Köln ist bislang total fehlerfrei. Aber die Saison ist noch lang, und wenn sich uns die Chance bietet, ergreifen wir sie natürlich gerne“. Noch sind die beiden Teams in der Liga auch nicht aufeinander getroffen. Das erste Duell steht am 1. Dezember in Köln an.

„Lieber klein, aber fein“
Dann stehen sich zwei gänzlich unterschiedlich organisierte Vereine gegenüber, denn im Wilstätter Stadtteil Sand ist man stolz darauf, es als kleiner Verein zu schaffen. „Als Frauenfußballabteilung hat man bei größeren Vereinen sicherlich nicht die Lobby, die wir bei uns haben“, sagt Manager Gerald Jungmann, der entgegen der derzeitigen Entwicklung nicht den Anschluss an einen größeren Verein mit Profiabteilung sucht – „lieber klein, aber fein. Wir machen das, was finanziell möglich ist, aber lehnen uns nicht aus dem Fenster.“

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Erst Crailsheim, jetzt Sand: Kroatiens Nationalspielerin Allison Scurich. © Nora Kruse, ff-archiv.de

Erst Crailsheim, jetzt Sand: Kroatiens Nationalspielerin Allison Scurich. © Nora Kruse, ff-archiv.de

Internationale Mannschaft
Doch das, was möglich ist, las sich in den vergangenen Monaten recht eindrucksvoll, schließlich wechselten nicht nur van Bonn und Hanebeck in die Ortenau. Auch Nationalspielerinnen wie Ilaria Mauro (Italien), Allison Scurich (Kroatien), Maria Korenciova (Slowakei) und Lee Sima Falkon (Israel) kicken für den SC. „Wir haben Sponsoren in allen Bereichen und sind in der glücklichen Lage, dass es auch mit Jobs nicht schlecht aussieht für die Spielerinnen“, sagt Jungmann. Die Hauptsponsoren PressTrade und Hilzinger sind Teil eines Netzes, das breiter wird, denn schließlich lassen sich Unterstützer leichter finden, wenn man oben in der Tabelle steht – und noch in der Saison 2011/12 spielte der SC nach dem Abstieg ein Jahr Regionalliga.

Infrastruktur geschaffen
Mit den sich bietenden Möglichkeiten hat der Sportclub in den vergangenen Jahren kontinuierlich an der Infrastruktur gearbeitet, die Vereinsanlage modernisiert, einen Kunstrasen verlegt. „Ich denke, wir haben uns gut gemausert“, sagt Jungmann, der auch bereits die Lizenzauflagen für die Erste Bundesliga im Blick hat, denn noch fehlen Flutlicht und überdachte Sitzplätze.

Der SC Sand hat momentan allen Grund zur Freude © Udo Künster, SC Sand

Der SC Sand hat momentan allen Grund zur Freude © Udo Künster, SC Sand

Drei A-Lizenztrainer
Dafür fehlt es sportlich an kaum etwas. Mit drei A-Lizenztrainern hat der Sportclub mehr als der Zweitligadurchschnitt, wenngleich keiner der Trainer hauptamtlich tätig ist. Trainiert wird dennoch viermal in der Woche abends und zweimal tagsüber. Hinzu kommen fünf Einheiten für die Torhüterinnen.

Erst seit Saisonbeginn gehört Wendling als Cheftrainer zum Team. „Vor fünf Jahren bin ich schon mal für ein halbes Jahr eingesprungen – aber das war ja eine ganz andere Welt damals“, so der Trainer. „Damals wurde ein bisschen gekickt, jetzt sind Umfeld und Infrastruktur wesentlich professioneller.“

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14 Kommentare »

  • Sheldon sagt:

    Tolles Team. Mit Mauro – Meyer – Hanebeck sind sie vorne sehr gut aufgestellt und auch in der Abwehr finden sich viele Ex-Freiburg-Spielerinnen wieder.

    Diesem Team kann man in diesem Jahr bloß den Aufstieg wünschen 🙂

    Anm.: Wendlinger ist eine Abwehrspielerin, nicht der Cheftrainer 😉

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  • Maskal69 sagt:

    @Sheldon: Da steht Wendling und das ist der Cheftrainer.

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  • Markus Juchem sagt:

    @Maskal69: Der Name war an einer Stelle falsch geschrieben, das wurde korrigiert.

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  • speedy75 sagt:

    Der Garant in der Abwehr ist meines Erachtens Allison Scurich die war damals in Crailsheim schon bockstark.

    Die Offensiver mit Hanebeck und Co. ist auch stark.

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  • laasee sagt:

    Sand have not lost in the last 23 games.
    The last defeat was 0:1 to Potsdam in Pokal (Dec. 2012).

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  • Sheldon sagt:

    @laasee: Und diese Serie wird noch mindestens 2 Spiele anhalten^^

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  • FF-Tale sagt:

    Interessanter Artikel. Damit wäre auch die Frage geklärt, woher die das ganze Geld für einen Zweitliga-Luxuskader haben. Nicht ins „gemachte Nest“ eines Männerfußball-Clubs oder eines einzelnen Finanzier gesetzt, sondern lokal mit Sponsoren „Gesamtpakete“ mit Arbeitsplätzen für die Spielerinnen etc. geschaffen.
    Viele andere Regionen können auf so ein wirtschaftlich gönnerhaftes Unternehmerumfeld als Sponsoren nicht bauen (Ruhrpott, Saarland, fast ganz Ostdeutschland, Nordwesten etc.), außerhalb des „reichen Süden“ wird das Projekt Sand zukünftig also kaum Nachahmer finden.
    Die „Dorf-Lage“ begünstigt natürlich zusätzlich, dass sich der finanzielle Rahmen derart entwickelt: Im Gegensatz zu z.B. Großstädten haben 1. die Sponsoren nicht viel Auswahl an sonstigen Betätigungsfeldern und 2. der FF in Sand muss auf dem Dorf nicht allzuviel Konkurrenz (andere Vereine etc.) im Kampf um Sponsorengelder fürchten. Z.B. Im kleinen Städtchen Neuenahr hat dieses System ja jahrelang auch relativ gut funktioniert.

    Dass der Höhenflug Sands hauptsächlich auf Zukauf von fertig ausgebildeten Spielerinnen und nicht eigener Nachwuchsarbeit beruht, ist nochmal ein ganz anderes Thema. Aber vielleicht tut sich da noch was bei Sand? Eine weit unterklassige 2. Mannschaft und ein unbedeutender Juniorinnen-Bereich sind keine guten Eigenschaften eines BuLi-Aspiranten… zumal, wenn es sich dabei um einen (fast) reinen FF-Club handelt!

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  • laasee sagt:

    @FF-Tale

    They have Juniorinnen teams.

    Here is the website – http://www.scsand-frauen.de/

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  • ziefle sagt:

    @laasee und FF-Tale
    die Juniorinnen wie auch die Frauen2 spielen in der starken Oberliga Baden-Württemberg. Freiburg2 steht nur einen Platz in der selben Liga über Sand2.
    Allerding stimme ich FF-Tale zu, dass eigener Nachwuchs in Sand keine Priorität besitzt.

    Zum Thema Sponsor ist es nicht ganz so, dass ausschließlich regionale Sponsoren den Etat tragen. Der Schweizer (Sehr-)Großsponsor muss man schon als Mäzen bezeichenen, es besteht auch ein Erfolgsdruck in Sand – 1.Liga ist Pflicht bis 2015.

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  • FF-Tale sagt:

    @ laasee: I didn’t negate that SC Sand has junior teams. But I’m argueing that these teams are not good enough (compared to the requirements of the first squad)! Ziefle has written it too: They have a lack of own(!) young players, so they have to buy, buy, buy to achieve success.
    At Sand it will be effective but (in general) it’s not part of a sustainable development of German women’s football. Sand has to invest in the junior teams too (and in the local „stadium“), not only in Hanebeck etc.!

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  • laasee sagt:

    @FF Tale

    I understand your concerns but you must remember the progress the club has made in the last couple of seasons.
    It will be interesting to see how much development of young players occurs in the next few years.

    I just hope that the ‚Sand project‘ is financially sustainable for all aspects – the first team, youth development and stadium improvement.

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  • FF-Tale sagt:

    @ laasee: I think Sand is comparable to other upcoming new BuLi clubs of the last years: Gütersloh, Cloppenburg, Hoffenheim. Women’s football clubs with a huge development in only a few years, a professional organisational structure and big financiers as a development background.
    What happened after becoming a BuLi member? Without exception all of these clubs have invested again(!) in foreign (old) players instead of own (young) girls. By the way: The success rate of this „philosophy of management“ is very variable (e.g. Gütersloh!). What will happen at Sand some day?

    Abstract: First, they invest in foreign players to become 2nd BuLi champion. After becoming a BuLi club, they invest again (Gütersloh, Hoffenheim, Cloppenburg!). Then, they invest to sustain their status.
    A three-step „reaction chain“ of (at least) 3-4 years while a success of the first squad is the exclusive top priority of the club Management, the lower teams (youth) are secondary.

    Now, SC Sand is following this investment plan for more than 3 years and still remains at the first step of the „reaction chain“!
    I raised concerns over the today’s junior teams of SC Sand.
    It’s true, the „holistic“ development of a sports club spends a lot of time. But: I’m not only looking to the past (the last years at Sand) and the present, I’m looking also to the future.
    And so, furthermore, I’m adding concerns over a near-future development of Sand’s youth, too (the steps 2 and 3 of the „chain“ have to be accomplished, too)!

    A sports Club concetrating on top-class women’s football mustn’t neglect the own youth for more than a (half) decade!
    The (near or far) future of Sand’s youth development? That remains to be seen.

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  • laasee sagt:

    @FF-Tale

    We are on the same page.

    The development process must as you write include youth talent as a central platform of the programme.
    Then a club can have confidence of developing for the long term.
    Including home grown players alongside imported players is the right formula.

    I only worry about Sand (and other similar clubs) is that –
    1. Sustaining income for a minimum 5/6 year period to develop all aspects of the club.
    2. Promotion to buli 1 seduces the management into putting a greater percentage of the income for the buli team (buying glory).

    I just hope that the people at Sand are clear minded for the long term development.

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  • Beutler,Markus sagt:

    Hallo ! Habe das Spitzenspiel 1.FC Köln gegen SC Sand mir gestern
    angeschaut…,.Ich kann nur in höchsten Tönen von der taktisch und spielerisch top eingestellten Mannschaft des SC Sand erzählen.Abwehr,Mittelfeld und Angriff auf den Punkt da !!!,ich bin zwar ne kölsche Jung,aber das was der SC Sand abgeliefert
    hat war schon Toll !!.Mir gefällt an manchen Spielerinnen des
    FC`s nicht die Arroganz die sie an den Tag legen.Bodenständigkeit
    zahlt sich früh oder später immer aus !!.Wünsche mir nach dem gestrigen Sieg des SC Sand das es mit dem Aufstieg klappt.,Besonders für die tollen Fans !!

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1 Pingbacks »

  • […] Zweitligisten. Der SC Sand fegte den FCR 2001 Duisburg mit 6:0 vom Platz, Grund genug für uns, den Verein einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Der 1. FC Köln warf den FC Bayern München mit 2:0 aus dem […]

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