Cloppenburg: kein Aufsteiger wie jeder andere

Von am 8. September 2013 – 9.03 Uhr

Eines kann man dem BV Cloppenburg schon jetzt attestieren: Der Bundesliga-Aufsteiger hat sich bereits vor dem ersten Spieltag heute bei der SGS Essen gehörig Respekt verschafft. Die Liste der Neuzugänge ist lang, und sie ist namhaft. Nun wird es spannend, wie sich die Mannschaft zusammenfügt. Trainerin Tanja Schulte ist zuversichtlich.

Das erklärte Ziel ist „ganz klar der Klassenerhalt“, sagt Tanja Schulte, aber die 38-Jährige fügt hier auch gern das Wörtchen „frühzeitig“ ein. Will heißen: Der BVC will mehr als nur gegen den Abstieg spielen. „Wir sind ein sehr spielstarker Aufsteiger“, sagt Schulte, schätzt aber auch den Mitaufsteiger TSG 1899 Hoffenheim so ein. „Ich denke, die beiden Aufsteiger haben in diesem Jahr eine reelle Chance.“

Gut gerüstete Aufsteiger
In der Tat sind die diesjährigen Newcomer besser gerüstet als die meisten ihrer Vorgänger in den vergangenen Jahren, die regelmäßig am krassen Leistungsunterschied zwischen erster und den beiden zweiten Bundesligen scheiterten. Es ist also nicht erstaunlich, dass in Cloppenburg in den vergangenen Wochen die Beschreibung „Abenteuer 1. Liga“ nicht fiel.

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Der Verein, hinter dem mit dem Unternehmer Albert Sprehe ein finanzkräftiger Alleinsponsor steht, will sich oben festsetzen – und hat mit Blick auf die Neuzugänge dafür auch die nötigen finanziellen Ressourcen. „Ich will nicht sagen, hier spielt Geld keine Rolle, ganz im Gegenteil“, sagt Trainerin Schulte. „Aber es wird schon mit Bedacht geschaut, dass wir das Ganze ordentlich aufstellen.“

Als sie vor drei Jahren die Mannschaft in der 2. Bundesliga Nord übernahm, nannte Schulte ihren neuen Arbeitgeber einen schlafenden Riesen. Jetzt, drei Jahre später, sieht sie sich bestätigt: „Dazu stehe ich nach wie vor. Wir können hier einfach eine Menge möglich machen, was uns vielleicht auch keiner zutraut.“

Top besetzt – auch auf der Bank
Da passt der neuerliche Transfer in dieser Woche gut ins Bild. Noch vor zwei Wochen hatte Schulte ihre Liste  der Neuzugänge für abgeschlossen erklärt, dann mit den Last-Minute-Verpflichtungen von Schwedin Sofia Jakobsson (Sturm) und der brasilianischen Mittelfeldspielerin Ester Aparecida dos Santos (beide vom FC Chelsea) auf zehn verlängert. „Auf den beiden Positionen waren wir nicht so aufgestellt, dass ich beruhigt in die Saison gehen konnte“, so Schulte. Dies sei insbesondere während der Verletzungspause von Mandy Islacker zutage getreten.

Entscheidend werde in der Bundesliga sein, nicht nur in der ersten Elf, sondern „doppelt gut“ besetzt zu sein, so Schulte. Dass sich die beiden Neuzugänge recht kurzfristig für Cloppenburg entschieden, hat die Trainerin offenbar auch überrascht. Zu Beginn der Woche hatten sie die Bedingungen in der niedersächsischen 35.000-Einwohnerstadt in Augenschein genommen – und unterschrieben. Dem Vernehmen nach soll es auch an der mangelnden Trainingsintensität in London gelegen haben, dass die Nationalspielerinnen sich nach neuen Möglichkeiten umsahen.

Jakobsson und Ester gegen Essen im Kader
Wer also spielt heute gegen Essen? „Die beiden sind im Kader, werden aber nicht von Beginn an auflaufen“, sagte Schulte am Donnerstag. Mandy Islacker ist beim Spiel in ihrer Heimatstadt wieder einsatzbereit und freut sich auf die beginnende Spielzeit im neuen Team: „Wir haben eine richtig gute Truppe. Ich hoffe, dass wir den ein oder anderen in dieser Saison ärgern können.“

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Sturmpartnerin Agnieszka Winczo dürfte ebenfalls in der Startelf gesetzt sein, im zentralen Mittelfeld Marie-Louise Bagehorn und Vanessa Bernauer. Nummer 1 im Tor ist weiterhin die polnische Nationalspielerin Dominika Wylezek. In der Innenverteidigung dürfte mit den Erstligaerfahrenen Imke Wübbenhorst und Nina Brüggemann zu rechnen sein. Eve Chandraratne, Neuzugang vom VfL Wolfsburg, ist weiterhin verletzt.

Annabel Jäger und Tanja Schulte

Trainerin Tanja Schulte (re.) mit Annabel Jäger, einem ihrer hoffnungsvollen Neuzugänge © BV Cloppenburg

Cloppenburger Modell mit Risiko
Das im Fußball oft skeptisch beäugte Risiko, allein von einem Hauptsponsor abhängig zu sein, begleitet Schulte seit ihrem Amtsantritt. Entsprechend gelassen reagiert sie auf Nachfragen. „Genau das Gleiche wurde ich auch vor drei Jahren gefragt. Aber jetzt sitze ich drei Jahre später immer noch hier. Das Engagement ist nach wie vor sehr gut. Ob es noch in zehn Jahren so ist, kann ich auch nicht sagen. Aber für Cloppenburg ist es das Allerwichtigste zu sagen: Ohne ihn hätten wir niemals den Aufstieg in die 1. Liga geschafft.“ Das jüngste Beispiel des insolventen SC 07 Bad Neuenahr zeige zudem, dass auch andere Modelle nicht immer funktionierten.

Interessant wird sein, wie die Entwicklung in Cloppenburg weitergeht. Bislang lag der Fokus klar auf der ersten Mannschaft, ein entsprechender Unterbau fehlt (die zweite Mannschaft spielt in der Oberliga). Anders hat es der zweite Aufsteiger TSG 1899 Hoffenheim gemacht, der die leistungsbezogene Nachwuchsarbeit parallel vorangetrieben hat. Die Cloppenburger stiegen 2008 mit der Übernahme der Regionalligamannschaft des SV Höltinghausen in den Frauenfußball ein, die TSG 1899 Hoffenheim ein Jahr zuvor mit der Übernahme der Mannschaften der Spielgemeinschaft 1. FC Mühlhausen / VfB St. Leon.

Alleinstellungsmerkmal im Nordwesten der Republik
Cloppenburg ist nun der einzige Bundesligist im Nordwesten Deutschlands. Bei den künftigen Heimspielen hofft der BVC auf Zuschauer aus der gesamten Region. Schulte: „Ich weiß nicht, wie viele Kilometer man hier, egal in welche Richtung, fahren muss, um Bundesliga-Frauenfußball zu sehen. Da erhoffen wir uns, dass viele den Weg hierher suchen, um die Europameisterinnen zu sehen, in erster Linie aber auch uns.“ Für die Heimspiele in der TimePartner Arena sind bereits ehrgeizige Ziele gesteckt: „Wir rechnen damit, dass wir bei jedem Heimspiel die Tausendermarke knacken.“

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