Nach dem Finalsieg: die letzte EM-Presseschau

Von am 30. Juli 2013 – 8.59 Uhr 12 Kommentare

Nach dem sechsten EM-Titel in Folge jubelt die deutsche Presse, Nadine Angerer wird zur „Titanin“ erhoben, die hohen TV-Einschaltquoten werden gelobt. Doch es gibt auch kritische Stimmen, die fordern: Der DFB sollte endlich sein Engagement auch auf den Ligabetrieb ausweiten. Die EM und ihre Folgen in der Presseschau.

So vermisst Kolumnist Andreas Rüttenauer in der taz ein nachhaltiges Engagement der DFB-Spitze und blickt dabei insbesondere auf Wolfgang Niersbach: „Der Frauenfußball ist auch wegen seiner kurzen Geschichte auf einem weit niedrigeren Entwicklungsstand als das Business der Männer. Gerade deshalb sollte der DFB sich besonders intensiv um die Belange seiner Kickerinnen kümmern. Stattdessen demonstriert Wolfgang Niersbach den Eindruck, dass er sich erst dann für die kickenden Frauen interessiert, wenn die Blicke der ganzen Nation sowieso schon auf diese gerichtet sind.“

Thomas Haid von der Stuttgarter Zeitung bläst ins gleiche Horn: „Alle zwei Jahre wieder kümmern sich die TV-Sender und die DFB-Männer so rührend um ihre Frauen – immer, wenn eine WM oder eine EM ausgetragen wird. Da spielen sie vor der Kamera den Doppelpass. Und dazwischen? (…) Es gibt maximal Absichtserklärungen, wie der Alltagsbetrieb besser in Szene gesetzt werden könnte – aber kein Konzept, wie seit 20 oder 25 Jahren nicht.“

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Kathrin Steinbichler von der Süddeutschen Zeitung meint, die DFB-Frauen seien noch weit von der Gleichbehandlung entfernt: „Deutschlands Fußballfrauen haben mit ihren Auftritten Millionen Menschen begeistert, der DFB freut sich über die tollen Europameisterinnen – eigentlich rosige Aussichten für den Sport. Doch solange die Verbände nicht mehr Geld locker machen, bleibt dem Frauenfußball nur eine Nebenrolle.“

Daniel Meuren von der FAZ zieht dagegen den europäischen Vergleich und findet: „Deutschland ist unabhängig von sportlichen Erfolgen wie dem EM-Titel eine der wenigen Inseln der glückseligen Spielerinnen.“

Jörg Leopold gratulierte bereits vor dem Finale im Tagesspiegel und greift noch einmal die Heim-WM 2011 und das Thema Akzeptanz auf: „Die Fallhöhe ist seit der verpatzten Heim-WM 2011 sogar noch größer geworden. Und so kämpft der Frauenfußball in Deutschland – wie eigentlich immer – nicht nur gegen die internationale Konkurrenz, sondern auch gegen die eigene Expertenschar in der Heimat. Dass die oft männlich ist, macht es nicht leichter.“

Am Montag mit dem Pokal in Frankfurt gelandet: Silvia Neid (l.) und Nadine Angerer. © Nora Kruse, ff-archiv.de

Am Montag mit dem Pokal in Frankfurt gelandet: Silvia Neid (l.) und Nadine Angerer. © Nora Kruse, ff-archiv.de

Zum Sportlichen

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Oliver Fritsch fordert auf Zeit Online von Silvia Neid mehr Mut zur Spielkultur: „Silvia Neid sollte den Titelgewinn zum Anlass nehmen, mehr Mut zur Spielkultur zu entwickeln. Das wäre die beste Werbung für diesen Sport, dem im Alltag Zuschauer und Sponsoren fehlen. Dass die Deutschen dies draufhaben, belegte eine der wenigen direkten Kombinationen im Finale: Laudehr zu Kessler, Kessler zu Mbabi, Mbabi zu Mittag, drin!“

Zum Feiern

Die ARD-Sondersendung zum Empfang der Spielerinnen in Frankfurt gibt’s in voller Länge hier im Netz.

Unterdessen titelte Der Tagesspiegel „Bernd Schröder: Wir jubeln immer zu lange“ und man könnte meinen, der Turbine-Trainer sei wieder auf Krawall gebürstet. Dabei gratuliert er nur.

Zur Super-Natze

Wie es bei Nadine Angerer jetzt weitergeht, erzählt die Torhüterin im Interview mit der Frankfurter Rundschau.

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12 Kommentare »

  • speedy75 sagt:

    Würden sich die Journalisten nur auch so für die 1te und 2te Bundesliga der Frauen einsetzen wie für die EM oder WM, aber leider passiert da mit einigen Ausnahmen viel zu wenig.

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  • wfm sagt:

    Eine nicht unwichtige „one-touch“-Station dieser „direkten Kombination“ hat Oliver Fritsch allerdings übersehen. Der genaue Ablauf war nämlich Laudehr zu Marozsan, diese zu Kessler und dann ging es weiter zu Mbabi und Mittag.

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  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    Befremdet hat mich in diesem Zusammenhang die TV-Kommentierung durch Nia Künzer, die sehr pro-DFB und damit konträr den BL-Vereinen sich auf die Niersbach-Seite stellte.
    Solange der DFB die FF-N11 als ein willkommenes Aushängeschild ohne eine adäquate Behandlung betrachtet und -nutzt, dann ist der Vielfach unerwünschte Vergleich, wie bei oben Erwähntem, mit dem MF auch in dieser Hinsicht gänzlich begründet…

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  • laasee sagt:

    Interesting comments about DFB and Buli.
    I do not think that a National Federation should be organising league football.
    The organisation should be conducted by the clubs and the Federation should have a supervisory role.

    The biggest success of EURO 2013 were the fans and the attitude of the Swedish public.
    Damallsvenskan resumes this week and the zuschauer numbers will be interesting.
    Also, when the Buli begins in September, will there be a „bounce“ in zuschauer numbers for German clubs.
    Is the break of one month before the Buli restarts a mistake?
    Maybe better to have started the Buli straight after the EURO finished.
    Now MF gets full media attention and the girls are quickly forgotten.

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  • FF-Talent (Goldstatue für Angerer!) sagt:

    Gut, dass nach diesem EM-Titel (endlich) einmal auch Kritik und Forderungen gebracht werden. In der WM-Hype-Berichterstattung 2011 ging das immer unter. Die „Neid-Debatte“ der Vorrunde war also richtig und wichtig, denn sie hat stellvertretend auch für einige andere diskussionswürdige Themen sensibilisiert, so etwas wie FF-Kritik teilw. überhaupt erst flächendeckend beginnen lassen. (Dass Neid ihren Job behält und sich erst einmal nix ändern wird einmal außenvorgelassen).

    Es gibt viele Bsp.: Leidenschaftliche Anhänger, die in FF-Foren den Kopf Neids fordern. Einfache Länderspiel-Zuschauer, die bei Twitter oder im ARD-Social-TV die unjournalistischen und unkritischen Moderationen anprangern. Fernsehsender mit fundierter DFB-Kritik. Zeitungen, die jetzt nach der EM sinnvolle Konzepte für den deutschen FF-Alltag fordern.
    Wer hätte gedacht, dass sich so viele verschiedene Personen so vielfältig kritisch mit dem FF befassen (d.h. sich so für einen nachhaltigen FF überhaupt interessieren)?

    Darauf lässt sich aufbauen… sofern der DFB überhaupt Bedarf sieht mitzumachen? Deshalb ist dieser (größtenteils) unerwartete EM-Triumph nicht in erster Linie Belohnung für das Bisherige, sondern dieses Mal eher so etwas wie eine Art Herausforderung. Der EM-Titel als „Aufgabenstellung“.

    Deutschland ist wieder Europameister, d.h. ganz FF-Europa schaut auch in den kommenden Jahren nach Deutschland. Der deutsche FF hat auch weiterhin eine (globale!) Vorbildrolle! Und die gilt es zu nutzen! Auch mithilfe konstruktiver Kritik. Hoffentlich ziehen die entscheidenden Verantwortlichen mit. Die Chance ist da, so gut wie nie!

    PS: Ein Anfang wäre, wenn z.B. einige der oben zitierten Zeitungen tatsächlich mitziehen würden, statt nur vom Schreibtisch aus die fehlenden Medienaufmerksamkeit im FF-Alltag zu bemängeln.
    Bsp.: Die Stuttgarter Zeitung hat (unverhofft) erneut die Möglichkeit über SiFi zu berichten. Einen FF-BuLi-Club hat schließlich nicht jede Tageszeitung im direkten Einzugsgebiet und letzte Saison wurde SiFi schon größtenteils ignoriert (kommt nächste Saison Besserung?). Der Münchener Regionalsport-Teil der Süddeutschen hat ab September die Bayern-Frauen im Grünwalder Stadion mitten in der Innenstadt. Berlin plus Umland hat z.B. fast die halbe FF-Zweitliga (Nord). Auch da lässt sich etwas machen von Seiten der Medien. etc. etc.

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  • Bernd Zeller sagt:

    Bei diesen Diskussionen kommt es alle Turniere wieder zum gleich Punkt, aber ändern wird sich nichts, wenn nicht der Konflikt innerhalb des Verbandes im positiven Sinne für die BuLi gewagt wird, d.h. die Liga das Heft in die Hand nimmt und für ihre Interessen einsteht und handelt … TV/Medien-DFB-N11 sind eine Einheit, die herzlich wenig mit den BuLi-Vereinen gemein hat, und das ist meinerseits noch sehr zurückhaltend formuliert

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  • ziefle sagt:

    @FF-Talent
    ganz Deiner Meinung.

    Ich schreib dem Redakteur und werde ihn während der Saison mit seiner Aussage konfrontieren, wenn zu wenig berichtet wird.

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  • intersoccer sagt:

    @ FF-Talent (Goldstatue für Angerer!) : und die Goldstatue auch gleich noch für dich, der Kommentar ist nämlich richtig gut und treffend 🙂

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  • Augustus sagt:

    Titel sindnicht alles! Fraunfußball im ALLTAG!
    1. Die beiden eltmeisterinnen Maren Meinert und Bettina Wiegmann. letzere war Captain des Weltmeisters von2003, sind nicht nur ehemalige Weltkalssespielerinnen, sondern auch seid vielen Jahren unter andere, gemeinsam mit der U19 und U20 serh erfolgreich. Diejungen Nachwuchsspielerinnen wie Maroszan gehören dazu. Jennifer Maroszan und Almuth Schult sind nur einige Spielerinnen die 2010 der Titelder U20 gewannen. Die Plazierung 2002: 3 Platz, 2010: 1:Platz,2012: 2. Platz. Die meisten gehören jetzt zum Kader von Frau Neid. Besonders gut ist die derzeit verletzte Alexandra Popp, die schon mit dem FCR 2001 und dem VFL Wolfsburg als Stammspielerin Titel gewonnen hat wie Meisterschat,Pokal/2x oder den womens cup heute championsleague. Aus Verletungsgründen wa sie im diesjähtigen Finale nicht dabei. Außerdem Luisa Wensing, die insgesamt in ihrer jungen Laufbahn als Stammspierlin zusammen mit Frau Popp an den Erfolgendes VFL Wolfsburg und des FCR beteiligtwar. Sie wurde im Gegensatz zu Alex, Juniorenweltmeisterin 2010,, beste Spielerin des Turniers und Torjägerkanone, 2012 „nur“ Vize. Grings und Prinz waren Torjägerinnen. Da Baib ist nicht schlecht, aber es gibt wesentlih bessere wie Popp, Pohlers und Co. Eine große kann Lena Lotzen wrden. Siegtor im DFB-Poaklfinale der Frauen. Einwechselspielerin und sie spielte sowohlSaskiaBartusiak an die Wand und die Torfrau aus.Gegner war der FFC Frankfurt. Die Arbeit vonFrau Berhard kann ich nicht beurteilen. Wichtig sind die ganzen Trainr/innen an der Basis und der enorme zeitliche wie finanzielle Aufwand der Eltern und Verwandte wie z.B im falle der Madeline Gier,Juniorennationalspielerinn, die jetzt zur 1. von Essen gehört.
    2. Die Leute sollten sichnicht nur an das TV Gerät setzen, sondern auchdie örtlichen FF besuchen udn sich in die Vereinsarbeit einbringen. Man kann wie Herr Niersbach schön kritisieren. Man sollte dieFunktionäre der FFauch für die Vereinsarbeit qualifizieren. Nicht viele Männer sind für die Funktionärsrbeit im Bereich geeignet. Manchmal rechnet sich auch der FF nicht oder Sponsoren ziehen sich zurück bwz. manche verlassen sich überwiegend auf städtische Geselschaften und sind erstaunt wenn einige von denen das Sponsoring einstellen oder sich auf Herrenfußball konentrieren.Manche Unternehmen geben kein Geld.

    Die Kommentatoren von ARD/WAZ sind im Bereich FF dem Personal von Eurosport unterlegen. Eine Christina Verfügt als ehemalige Bundesligaspielerin über mehr Erfahrung und deren Kommentare sind auch sehrgut.Esgibt einige gute Frauen. Dbei könnte man FrauKünzer einsetzen. Als Moderatorin bewegt sie sich im akzptablen Bereich. Peinlich wrHer Schmelzer und überflüssig Herr Lufen. Eine gute Note kann man den Mitarbeitern der ARD nicht ausstellen.

    Frauen sollten sich auch mehr in der Verbands- und Vereinsarbeit einklinken. Der FF benötigt mehr Besucher und für Interessierte gibt es kurse des WFL Verbandes im Bereich Vereins- und Teammanagement. Das Engagement im finanziellenBereich könnte höher sein.

    An lle Zuschauer werben Sie für die Spiele aller Frauenligen unter anderem für Essen, Leverkusen, Gütersloh,Herford, Duisburg, Köln.Frankfurt oder Bayern. Egalwo- einfach hingehen.

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  • laasee sagt:

    @Therese

    Hope Powell is a very good example of the problem for FF.
    She should have been replaced after WM2011.
    I rate Hope very highly as a Coach but EM 2009 was the high point for her and the FA in London should have recognised that.

    The same principles should apply for both MF and FF by the Federations.
    Sylvia Neid should have been sacked after the WM 2011 debacle.
    Imagine if WM 2006 had been as pathetic as 2011. The media would have been screaming and demanding that Klinsmann be replaced during the tournament.

    The attitudes with all Federations (and media) needs to change.
    Then we will see big improvements for FF.

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  • Therese sagt:

    @Laasee

    Laasee wrote:
    The biggest success of EURO 2013 were the fans and the attitude of the Swedish public.
    Damallsvenskan resumes this week and the zuschauer numbers will be interesting.

    04-08-2013 (round 12):
    5 matches with 3.269 visitors = avarage 654
    still to play: 2013-08-06 19:20 LdB FC Malmö – Sunnanå SK

    round 11: 4.353
    round 10: 4.316
    round 09: 4.741
    round 08: 3.166
    round 07: 4.011
    round 06: 4.424
    round 05: 2.809
    round 04: 8.261 (with 5.361! Linkopings – Orebro)
    round 03: 4.158
    round 02: 4.340
    round 01: 4.136
    total 01-11: 48.715 (66)= 738

    in Norwegen:
    03/04-08-2013
    4 matches 784 visitors (2 matches with 0 (!) visitors)

    There is and still remains a very BIG difference between visting matches of (your) national team and/or your local/regional team

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