Nach der Vorrunde: die europäische Presseschau

Von am 19. Juli 2013 – 17.09 Uhr 8 Kommentare

Es trennt sich die Spreu vom Weizen: Nach der EM-Gruppenphase blicken wir auf die europäische Presseresonanz. Das schlechte Auftreten Englands wirft im Mutterland des Fußballs die Trainerinnenfrage auf, auch in Deutschland wird um die Formschwäche und Ideenlosigkeit der DFB-Elf gerätselt. Die Französinnen und Schwedinnen (über-)erfüllen die Erwartungen.

Sieglos ade: Schmach für England 

Starker Kritik sieht sich nach dem gestrigen Totalausfall gegen Frankreich (0:3) und dem sieglosen Ausscheiden die Mannschaft von Hope Powell ausgesetzt. Andy Hunter schreibt für den Guardian: „Their Women’s Euro 2013 campaign of high expectation and low achievement, that familiar English combination, was brought to an emphatic end as France condemned a side ranked fourth in Europe to a humiliating group stage exit.“

Anzeige
hope-powell-england-1

Nach dem schwachen Abschneiden der Engländeirnnen steht Trainerin Hope Powell in der Kritik. © Nora Kruse, ff-archiv.de

Offen wird jetzt die Absetzung Powells diskutiert. Lesenswert ist dazu Alistair Magowan’s BBC-Beitrag, der die Jahre unter Powell analysiert und zu dem Schluss kommt: „Whatever happens in the next few months, no-one can take away what Powell has done in establishing England as a leading nation. Her fingerprints are all over a well-organised game. But after the Euro 2013 disappointment, now might be the right time for a new guiding force, otherwise England could slip further behind their rivals.“ Aber schön, dass Magowan auch Humor bewahrt: „At least the England women’s team can take some solace in the fact that, after their winless European Championship, they are not alone.“

Rätselhaftes Deutschland

Das Schicksal der frühen Heimfahrt ist der deutschen Mannschaft zwar erspart geblieben, doch das ideenlose Spiel gegen Norwegen wirft nicht gerade weniger Fragen auf; die nach der Trainerin wurde schnell vom DFB kommentiert („Niersbach stärkt Neid den Rücken“). Bleibt die Frage, warum es der deutschen Mannschaft nicht gelang, auch gegen eine gut organisierte norwegische Mannschaft guten Fußball zu spielen. Daniel Meuren schreibt für die FAZ: „Im Offensivspiel hatten ihre (Nadine Angerers, Anmerk. d. Red.) Vorderfrauen wieder einmal keine Mittel gegen einen tief stehenden und gut organisierten Gegner, wie es auch Italien im Viertelfinale sein dürfte. Die Deutschen scheinen nach den Eindrücken der Testspiele vor EM-Beginn zwar gut vorbereitet für Gegenpressing und ein schnelles Umschaltspiel nach Balleroberungen gegen offensiv ausgerichtete Gegner. Wenn sich ein Team aber vornehmlich der Sicherung des eigenen Tores widmet, dann fehlt jede Kreativität.“

Auch Kathrin Steinbichler von der Süddeutschen Zeitung meint: „Schon von Beginn der Partie an sah es nicht danach aus, als ob das deutsche Team erfolgreich sein würde. Denn so sehr die Deutschen sich mühten – sie kamen mit der defensiv eng gestaffelten norwegischen Elf einfach nicht zurecht.“ Frank Hellmann urteilt in der Frankfurter Rundschau: „Die Mängelliste war so lang, dass der Titelverteidiger im Vergleich zu den leidenschaftlichen Schwedinnen und den spielstarken Französinnen zum krassen Außenseiter wird.“

Schlagwörter:

Frankreich auf der Sonnenseite

Für die Französinnen läuft derweil alles nach Plan. Die Tageszeitung Le Monde titelt: „Die Blauen sind noch dominanter als erwartet“. Nach den drei souveränen Siegen übt sich Trainer Bruno Bini für L’Equipe trotzdem im Understatement. Er sagt schlicht: „Wir sind zufrieden.“ Louisa Necib kündigt unterdessen an, dass ihr Team sich noch steigern wird: „Das Beste kommt noch.“ Nachzulesen in FootballMag. In den Ohren ihrer Konkurrentinnen dürfte das eher wie eine Drohung klingen.

Schweden im Soll

Das Team von Trainerin Pia Sundhage erwartet jetzt im Viertelfinale Island – und damit „Die Waffe gegen Schweden: Lars Lagerbäck“. Das titelt jedenfalls Aftonbladet. Der ehemalige Trainer der schwedischen Männer-Nationalmannschaft trainiert bekanntlich die isländische Männer-Auswahl – und versorgt Sigurdur Eyjolfsson laut Aftonbladet mit Tipps. Angst und bange wird den Schwedinnen dabei kaum werden. Therese Sjögran sagte jedenfalls der Göteborg Posten: „Ich glaube, wir können den ganzen Weg gehen, ich glaube an Gold.“ Dass die schwedische Elf zumindest ins Halbfinale kommt, scheint für die GP schon nahezu festzustehen. „Die Voraussetzungen für ein schwedisches Halbfinale sind erfüllt“ schreibt Gabriella Mohoff und ist mit Viertelfinalgegner Island mehr als zufrieden. Johan Esk von Dagens Nyheter freute sich Anfang der Woche über die Leistung von Nilla Fischer und darüber, dass Lotta Schelin ihre Blockade aus dem Eröffnungsspiel abgelegt hat, „aber wenn das ein langer schwedischer Siegessommer werden soll, möchte ich noch mehr von [Caroline] Seger sehen“.

Spanien überrascht – und geht angeln

Die Spanierinnen genießen den schwedischen Sommer schon jetzt in vollen Zügen. „Nachdem das erste Ziel erreicht ist, will Spanien jetzt weiterträumen und im Turnier für Überraschung sorgen“, schreibt die Sportzeitung Marca und widmet sich der Selección Espanola mit Einzelporträts und Spielberichten. In Schweden überraschen die Spielerinnen derweil mit einem – bislang – fußballüblichen Mentalprogramm: Die Mädels gehen angeln – den Beweis gibt’s hier.

Tags:

8 Kommentare »

  • gerd.karl sagt:

    alles sehr sehr sehr schön, nur wenn man des englischen nicht mächtig ist, ist das nicht schön.

    (0)
  • gerd.karl sagt:

    noch mal ich, der französische text wird übersetzt warum nicht auch der englische.

    es ist schön das die redaktion von womensoccer des englischen mächtig ist, das trifft aber nicht auf jeden zu.

    bitte bitte bitte, übersetzt doch alles, dann kommt man auch mit.
    danke im voraus.

    (0)
  • Kuno sagt:

    Noch mal zum Auftreten des deutschen Teams – da gibt es nichts zu beschönigen. Allerdings will ich nur durch wahlloses Herausgreifen einer der nicht so seltenen Jubelarien nach dem Kanada- und Japanspiel (s.u. als Zitat) daran erinnern, dass so manches im dt. Spiel kurz vor dem Turnier durchaus einigermaßen lief und das DFB-Team offenbar v.a. dann mal wieder so richtig einbricht, wenn ein Turnier anfängt …

    „DAS war echt Fußball, wie er eines Europameisters würdig, ja eigentlich eines Weltmeisters würdig ist.

    Das war aus einem Guss, über fast 90 Minuten konstantes Pressing, dazu technisch filigran, passsicher, zweikampfstark und vor allem mal schnelles Spiel.“

    (0)
  • laasee sagt:

    The very small amount of media interest in UK is very critical of Hope Powell. That is correct. Journalists should be critical.

    I have yet to read any comments from the German media about the exclusion of Inka Grings and Conny Pohlers from the German squad!

    (0)
  • Tiberias sagt:

    Tja, die britische Presse ist wie gewohnt trocken-humorlos, bringt die Dinge aber auf den Punkt! “At least the England women’s team can take some solace in the fact that, after their winless European Championship, they are not alone.”

    Das soll jetzt nicht böswillig sein, aber das zeigt doch mal die Richtung auf.

    Und was wird jetzt scheinheilig gejubelt, dass der DFB-Präsident die DFB-Auswahl besucht und, nun ja, „unterstützt“. Theo, davon darf man ausgehen, wäre von Anfang an dabei gewesen! Was immer man gegen ihn ins Feld führen mag, Theo Zwanziger hat sich mit breiter Brust für den Frauenfußball stark gemacht und das auch öffentlich. Seine Fehler übersehe ich keineswegs.

    Ansonsten vielen Dank für die Zusammenstellung dieser europäischen Presseschau!

    (0)
  • gerd.karl sagt:

    mein gott, ihr könnt englisch, ich verbeuge mich vor euch.

    kann das mal einer übersetzen PLEASE

    (0)
  • Schlafwagenfussball sagt:

    @gerd.karl

    mach ich gerne

    “Whatever happens in the next few months, no-one can take away what Powell has done in establishing England as a leading nation. Her fingerprints are all over a well-organised game. But after the Euro 2013 disappointment, now might be the right time for a new guiding force, otherwise England could slip further behind their rivals.” Aber schön, dass Magowan auch Humor bewahrt: “At least the England women’s team can take some solace in the fact that, after their winless European Championship, they are not alone.”

    entspricht (nicht wortwörtlich, sondern dem Sinn nach verdeutscht):
    was auch immer in den nächsten Monaten passiert, niemand kann Powell absprechen, dass sie massgeblich dazu beigetragen hat, England als eine der führenden Nationen (des Frauenfussballs) zu etablieren. Ihre Handschrift ist überall an einem gut strukturierten Spiel zu erkennen. Aber nach dieser enttäuschenden Euro 2013 scheint doch jetzt die richtige Zeit für einen Führungswechsel gekommen zu sein, sonst könnte England noch mehr den Anschluss an die Spitze verlieren.

    Abschließend kann sich das Englische Frauenfussballteam damit trösten, dass sie- nach dem sie die Euro 2013 nicht gewonnen haben- nicht die einzigen sind, denen das passiert ist.

    Hoffe das hilft ein bisschen.

    (0)
  • mas sagt:

    @gerd.karl
    google übersetzer oder ähnliches, zum starten gar nicht so schlecht

    (0)

Kommentar schreiben

Add your comment below. You can also subscribe to these comments via RSS

Seien Sie nett. Bleiben Sie beim Thema. Kein Spam.

You can use these tags:

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong> 

This is a Gravatar-enabled weblog. To get your own globally-recognized-avatar, please register at Gravatar