Frauenfußball-EM: Welches Team kommt wie weit?

Von am 10. Juli 2013 – 12.17 Uhr 15 Kommentare

Heute Abend rollt in Schweden bei der Frauenfußball-EM erstmals der Ball. Zwölf Teams kämpfen in den kommenden 18 Tagen um die europäische Krone. Womensoccer wirft im ersten Teil einen Blick auf die Teams der Gruppe A und bewertet ihre Erfolgschancen.

Große Erwartungen
Die Erwartungen bei Gastgeber Schweden sind vor der Heim-EM groß. Zahlreiche, teils 140 Seiten starke Sonderhefte sind zum Turnier erschienen und auf den Covers findet sich fast immer das Konterfei von Trainerin Pia Sundhage. Alle Hoffnungen ruhen auf der Schwedin, die die USA zweimal zu Olympischem Gold führte und Vizeweltmeisterin wurde.

Top-Sturmduo Schelin/Asllani
Auf den ersten Blick scheinen die Hoffnungen auf den EM-Sieg nicht ganz unberechtigt, denn im 23-er Kader stehen klangvolle Namen. In Lotta Schelin hat Schweden eine der Topstürmerinnen des Turniers, ihre bei Paris Saint-Germain spielende, technisch versierte Sturmpartnerin Kosovare Asllani vom Typ Lira Bajramaj gilt als aufgehender Stern am Frauenfußball-Himmel.

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Fragezeichen auf der Außenbahn
Dazu kommen Spielgestalterin Caroline Seger und Abwehrchefin Nilla Fischer. Schwachstelle im Team ist jedoch die Außenverteidigung. Rechtsverteidigerin Jessica Samuelsson leistet sich häufiger unnötige Fehlpässe, Sara Thunebro ist nicht mehr die schnellste, ist aber im Spiel nach vorne gefährlich mit Distanzschüssen. Hinzu kommen Druck, hohe Erwartungshaltung und die Frage, wie gut und schnell das Team Sundhages Vorstellungen umsetzen kann.

Fazit: Schweden erreicht zumindest das Halbfinale, holt aber nicht den Titel.

Italiens Defensive zerrissen
Italien gilt seit jeher wegen seiner teils ruppigen Spielweise als unbequemer Gegner. Das bekamen auch die Gegner in der Qualifikation zu spüren. Trainer Antonio Cabrini kann auf eine starke Defensive bauen, die in zehn Qualifikationsspielen keinen einzigen Gegentreffer zuließ. Doch die erfolgreiche Viererkette wurde kurzfristig durch die Verletzung von Elisabetta Tona auseinandergerissen, die wegen eines Muskelfaserrisses für das Turnier ausfallen wird. Vom FCR 2001 Duisburg bekannt ist Innenverteidigerin Laura Neboli, auf außen kommt die spielstarke und schnelle Sara Gama zum Einsatz.

Panico immer noch der Star, starke Parisi
Im Mittelfeld gilt es vor allem auf Alice Parisi zu achten, die in den vergangenen Monaten in Verein und Nationalmannschaft auch durch ihre Torjägerqualitäten glänzte.  Sie erzielte für ihren Verein UPC Tavagnacco in der abgelaufenen Saison 19 Treffer. Über die Außenbahn versuchen die schnelle Melania Gabbiadini und die passstarke Elisa Camporese Topstürmerin Patrizia Panico zu bedienen, die im Alter von 38 Jahren immer noch der Star des Teams ist und von ihrer Torgefährlichkeit nichts eingebüßt hat.

Fazit: Italien erreicht das Viertelfinale.

Dänemark setzt auf Offensive und Erfahrung
Zweimal in Folge überstand Dänemark bei den Europameisterschaften 2005 in England und 2009 in Finnland überraschend nicht die Vorrunde, als man jeweils nur Dritter in seiner Gruppe wurde und den Aufstieg in die K.-o-Runde verpasste. Doch Trainer Kenneth Heiner-Møller hält vor seinem letzten Turnier sein Team für besser vorbereitet als je zuvor. An guten Spielerinnen mangelt es im Team nicht.

Pia Sundhage

Auf ihr ruhen die Hoffnungen einer ganzen Nation: Schwedens Trainerin Pia Sundhage © Nora Kruse / ff-archiv.de

Knipserin Pernille Harder
Im Sturm sorgen  Pernille Harder und Sanne Troelsgaard Nielsen für die Tore, im Mittelfeld setzt die Elf auf die Dienste von Katrine Søndergaard Pedersen, die bereits mehr als 200 Länderspiele bestritten hat und die spielstarken Katrine Veje und Johanna Rasmussen. Und auch in der Verteidigung hat Dänemark in der bei Tyresö FF spielenden Line Röddik Hansen eine Ausnahmespielerin in seinen Reihen. Doch insgesamt kommt die Hintermannschaft nicht an die Qualität der anderen Mannschaftsteile heran und auch das Leistungsgefälle ist im 23-er Kader größer als in anderen Teams.

Fazit: Dänemark erreicht das Viertelfinale.

Verletzungen trüben Finnlands Hoffnungen
Finnlands schwedischer Trainer Andrée Jeglertz ist um seine Aufgabe nicht zu beneiden. Denn in Topstürmerin Linda Sällström und Kapitänin Maija Saari muss das Team ausgerechnet auf seine zwei wichtigsten Spielerinnen verzichten.  Und so ruhen die Hoffnungen nun vor allem auf Spielerinnen wie Stürmerin Sanna Talonen und Mittelfeldregisseurin Annika Kukkonen.  Im Tor kann sich das Team auf die starke Tinja-Riikka Korpela verlassen. Aus der Bundesliga bekannt ist die erfahrene Verteidigerin Katri-Nokso-Koivisto. Doch insgesamt mangelt es dem Team an Routine und Durchschlagskraft.

Fazit: Finnland scheidet in der Vorrunde aus.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

15 Kommentare »

  • intersoccer sagt:

    auf Italien und Dänemark bin ich wirklich gespannt. Ich schätze es auch so ein, dass beide es ins Viertelfinale schaffen.

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  • enthusio sagt:

    Zu den Sonderheften: Der „Kicker“ hat seiner aktuellen Montagsausgabe eine 24seitige Sonderbeilage zur Frauen-EM 2013 beigefügt.
    Auf dem Cover ist übrigens nicht Pia Sundhage, aber auch nicht Silvia Neid abgebildet :-).

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  • Lusankya sagt:

    Schweden sollte dank des für den Gastgeber günstigen Spielplans min. bis ins Finale kommen. Alles andere wäre als eine Blamage einzustufen.

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  • Karl sagt:

    @Lusankya: Das koennte auch anders laufen. Wenn die zum Beispiel 0:1 gegen Italien verlieren werden sie Gruppenzweiter, da wartet im Viertelfinale dann Deutschland oder Norwegen. Beides nicht gerade der Lieblingsgegner der schwedischen Mannschaft soweit ich weis.

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  • Grace Kelly sagt:

    Im Fußball ist alles möglich (Phrase), aber ich bin mir trotzdem ziemlich sicher, dass das Finale Schweden Deutschland heißen wird, mit offenem Ausgang. Und England wird Gruppenerster. Warum? Weil ich das so will.

    Die Kickerbeilage ist ein Witz, wir sollten alle dem Kicker schreiben, dass wir zur WM ein ordentliches Sonderheft wollen, in dem alle Mannschaften vorgestellt werden und mit traditioneller Stecktabelle.

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  • balea sagt:

    Im Vorfeld der EM hat die TAZ einige Artikel zum Thema gebracht. Sehr lesenswert scheint mir der hier zu sein:
    !119396/

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  • gerd.karl sagt:

    grace, tut mir leid, aber england wird nicht mal die gruppenphase überstehen.
    warum, kelly smith ist immer noch verletzt und hat seit 4 monaten nicht gespielt.

    andere spielerinnen englands, die das tor treffen sind mir nicht bekannt.

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  • Karl sagt:

    @balea: Danke fuer den link. Das ist wirklich ein sehr interressanter Artikel. Da kann man deutlich erkennen wer der wahre Frauenfussballexperte ist. Bernd Schroeder, wer sonst. Zumindest seh ich die Lage sehr aehnlich, ist aber Ansichtssache…

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  • Grace Kelly sagt:

    @gerd.karl Na Williams, Aluko und Houghton und Jill Scott mit dem Kopf. Lass uns um nen Kasten Bier wetten.

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  • gerd.karl sagt:

    grace, wann haben die genannten das letzte mal ein tor geschossen,

    denn nach denn vorbereitungsspielen der engländerinnen. sage ich das sie die gruppenphase nicht überstehen.

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  • Grace Kelly sagt:

    Kasten Bier?

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  • gerd.karl sagt:

    sagen wir 10 kästen bier, das die engländerinnen die gruppenphase nicht überstehen.

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  • Grace Kelly sagt:

    Neeee, ich kann doch keine 10 Kästen Bier mehr vernichten, Studium ist schon ein paar Jahre her. Dann lieber ein Kasten Bier und ein guter Whiskey oder Rum. England kommt definitiv ins Viertelfinale und ich sage, als Gruppenerste. Mit oder ohne Konjunktion.

    Zum Thema: Nach jetzigem Stand haben sich die Däninen die Endrunde redlich verdient und ich prognosiziere mal, dass es für Italien schwer wird, außer die 2. und 3. der anderen Gruppen neutralisieren sich gegenseitig irgendwie vorteilhaft für sie.
    Und, bisschen Heimschiedsrichterin heute, fand ich.

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  • shane sagt:

    ush, grace. das wird jetzt teuer. aber das war auch irgendwie kaum zu erwarten, dass GER und ENG sich gegenseitig versuchen zu unterbieten mit grottigem gekicke. :-/

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  • Grace Kelly sagt:

    England – Frauen und Männer – hat mir im Lauf der Jahre schon so viel Bier verloren, damit könnte man eine gutgehende Kneipe für ein Woche versorgen!

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