Luisa Wensing: „Ich muss einfach Geduld haben“

Von am 5. Juli 2013 – 12.56 Uhr 12 Kommentare

Abwehrspielerin Luisa Wensing gehört neben Lena Goeßling, Nadine Keßler und Josephine Henning zum erfolgreichen DFB-Quartett, das in dieser Saison mit dem VfL Wolfsburg das Tripel holte. Einen Stammplatz in der Nationalelf hat die 20-Jährige vor der Frauenfußball-EM in Schweden (10. bis 28. Juli) allerdings (noch) nicht, doch „Lulle“ nimmt es mit niederrheinischer Gelassenheit.

Vor der vergangenen Saison wechselte Wensing vom FCR 2001 Duisburg zum VfL Wolfsburg, um dort eine Saison wie aus dem Bilderbuch zu erleben.

Tripel-Sieg dank starker Leistung
Mit ihrem Team wurde sie Deutscher Meister, DFB-Pokalsieger und Champions-League-Sieger, nicht zuletzt auch ein Verdienst der starken Abwehrleistung Wensings mit dem Höhepunkt des Champions-League-Finales in London. „Mit drei Titeln hätte ich natürlich nicht gerechnet, aber ich bin überglücklich, wie es gelaufen ist und ich denke immer nur die ganze Zeit, dass der Schritt der richtige war“, sagt sie im Gespräch mit Womensoccer.

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Topfit trotz Tanz auf vielen Hochzeiten
Und trotz der langen Saison mit rund 50 Spielen in Bundesliga, DFB-Pokal, UEFA Women’s Champions League, A-Nationalmannschaft und U20-WM fühlt sich Wensing für die nächsten Aufgaben bei der Frauenfußball-EM in Schweden (10. bis 28. Juli) gerüstet. „Ich habe mich die ganze Zeit fit gefühlt, hatte nie irgendwelche Probleme oder Verletzungen, es läuft einfach super für mich.“

Lieblingsposition besetzt
Trotz aller Erfolge im Verein muss die 1,70 Meter große Spielerin in der Nationalelf um ihren Platz kämpfen. „Wenn ich von meiner Lieblingsposition spreche, ist es nun einmal hinten rechts, weil ich mich dort einfach öfters ins Offensivspiel einschalten kann.“ Doch auf der Position steht ihr momentan in Shootingstar Leonie Maier eine schier übermächtige Konkurrentin gegenüber. Und so hofft sie, dass sich in der Innenverteidigung eine Chance auftut.

Hoffen auf Platz in der Innenverteidigung
„Auch dort ist es nicht leicht, aber ich kann auch auf dieser Position spielen, dort habe ich in den Juniorinnen-Mannschaften gespielt und auch eine Saison in Duisburg. Ob als linke oder rechte Innenverteidigerin, das macht keinen Unterschied.“ Sie erklärt weiter: „Ich bin froh, dass ich in den drei Länderspielen [gegen Schottland, Kanada und Japan] zumindest jeweils 45 Minuten Einsatzzeit bekommen habe, um mich zu zeigen.“

Luisa Wensing

Luisa Wensing (re.) freut sich mit Célia Okoyino da Mbabi über einen Treffer gegen die USA © Zetbo / Framba-Fotos.de

Ehrgeizig und geduldig
Wie alle 23 Spielerinnen im DFB-Kader möchte sie natürlich spielen, um ihrem Team zu helfen, doch sie weiß, dass auch in der A-Nationalmannschaft ihre Zeit kommen wird: „Ich bin erst einmal sehr froh, dass ich bei der EM dabei bin und alles miterleben kann. Natürlich sitzt man nicht gerne auf der Bank, aber ich muss einfach Geduld haben. Es können nur elf Spielerinnen spielen und auch auf der Bank ist man auch ein Teil der Mannschaft. Auch Lena [Goeßling] hat lange gewartet, bis sie Stammspielerin wurde.“ Und so freut sich Wensing nach dem 4:2-Erfolg gegen Japan auf die Titelkämpfe.

Mit Schwung und Selbstvertrauen nach Schweden
„Wir müssen uns in Schweden nicht verstecken. Wir haben einen der stärksten Gegner geschlagen und vor allem in der ersten Halbzeit hat man gesehen, was wir drauf haben, dass wir als Mannschaft gut stehen und gegen den Ball arbeiten. Diesen Schwung und dieses Selbstvertrauen versuchen wir mitzunehmen. Wir haben eine perfekte Mischung im Team aus jungen und erfahrenen Spielerinnen. Es gibt keine Grüppchenbildung und es passt alles, auf und neben dem Platz.“

Deutschland, Schweden und Frankreich als Titelkandidaten
Neben Deutschland glaubt sie, dass bei der EM vor allem zwei weitere Teams um den Titel mitspielen werden. „Wir sind sicherlich einer der Favoriten, aber mit Schweden und Frankreich haben wir Topteams, das wird kein Selbstläufer. Wir dürfen keinen unterschätzen, alleine mit den Niederlanden und Norwegen haben wir in unserer Gruppe zwei Gegner, die weit kommen können.“

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

12 Kommentare »

  • Obresa sagt:

    „Lulle“ hat in den letzten Jahren eine unglaubliche Entwicklung gemacht.

    Mit 16 Jahren debütierte sie in der Bundesliga beim FCR Duisburg und das sogar im Spiel gegen Turbine Potsdam.

    Von da an war sie nicht mehr wegzudenken aus der Stammelf und kam auch schnell zu internationalen Einsätzen in der Champions League.

    Ihre Leistungen blieben auch der Nationaltrainerin nicht verborgen und diese berief sie zur A-Nationalmannschaft.

    Ich sehe sie auch auf der Außenverteidigerposition am stärksten.
    Zu Duisburger Zeiten ackerte sie 90 Minuten die Linie rauf und runter. Sie ist kopfballstark, was wiederum für die Innenverteidigung nicht uninteressant ist.

    Hoffen wir, dass sie trotz der Belastung der vergangenen Monaten fit und gesund bleibt.

    Sie gehört ins Team. „Lulle“, ich drück Dir die Daumen.

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  • waiiy sagt:

    Jetzt ist es für Experimente zu spät. Aber für nach der WM kann man auch mal testen, wie es funktioniert, wenn Maier im rechten Mittelfeld und Wensing dahinter auf der rechten Abwehrseite spielen. Das könnte ich mir interessant vorstellen. Und wenn Schmidt dann auch wieder erstarkt, haben wir plötzlich eine ganz starke rechte Seite.

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  • FFFan sagt:

    Im Spiel gegen Japan hat sich angedeutet, dass Jennifer Cramers Platz in der Startelf ‚wackeln‘ könnte; offenbar liebäugelt die Bundestrainerin mit der Idee, Leonie Maier auf die linke Seite zu stellen, dann wäre rechts Platz für Luisa Wensing.

    Ich bin aber kein Befürworter dieser ‚Rotation‘, da ich ‚Leo‘ rechts klar stärker sehe und sie sich dort -glaube ich- auch wohler fühlt. Auf keinen Fall sollte es ein ständiges Hin und Her geben!

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  • Sheldon sagt:

    @FFFan: Sehe nicht, wieso Cramer auf links nicht gesetzt sein sollte. Habe zwar das Japan-Spiel nicht gesehen, aber ich denke, dass die AVs noch am sichersten von allen sind nach diesen Auftritten.

    Zudem ist es sicherlich gut, wenn man eine Spielerin mit über 50 Ligaspielen nicht unbedingt benötigt. Denn bei Wensing hat man gemerkt, dass sie dann doch nach einer solch langen Saison auch hier und da mit Konzentrationsproblemen zu kämpfen hatte. Da wirken andere deutlich frischer!

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  • FFFan sagt:

    @ Sheldon:
    „Sehe nicht, wieso Cramer auf links nicht gesetzt sein sollte.“

    Ich sage nicht, dass es so kommt. Aber gegen Japan wurde ab der 46.Minute die Variante mit Wensing rechts und Maier links zumindest schon mal getestet; innen verteidigten Henning und Bartusiak.

    Am 11.Juli sind wir alle schlauer. Dann wissen wir, was der „Göttinnenrat“ (wie Detlef sagen würde) sich ausgedacht hat! 😉

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  • Altwolf sagt:

    @Wally.Das sehe ich genauso und hatte dies auch in meinem Kommentar zum Japan-Spiel schon als Option gesehen bzw. diesen Wunsch geäußert,denn wenn man über die Flügel spielen und dadurch mit Flanken in den 16er kommen will,gibt es derzeit keine Alternative für die re.Seite zu den Beiden.Bei Standards könnten sie sich abwechseln,wobei L.Wensing dann wegen der Kopfballmöglichkeiten vorrückt u.L.Meier nach hinten absichert.Einzige Alternative über re.sonst L.Bajramaj, wenn ohne Flanken von re.außen gespielt werden sollte, denn sie geht mit Ball zum 16er und wird kaum e.Flanke spielen.Ich sehe da kein so großes Experiment und würde das schon bei der EM als Alternative mit einbauen,denn sonst ist vorne rechts nichts los.Die Notlösung mit L.Lotzen – doch e.zentrale Stürmerin- kann da kaum Gefahr herraufbeschwören, zumal ja auch auf d.li.Seite mit A.Mittag schon keine richtige Außenstürmerin agiert.

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  • Sheldon sagt:

    @Altwolf: Fraglich, ob man das will. Denn gerade gegen die starken Nationen wie Schweden oder Frankreich wird man mit hohen Flanken auf Celia keinen Stich machen. Gegen Georges, Renard bei Frankreich oder Rohlin bei Schweden hätte selbst Popp in der Luft kaum Chancen gehabt.

    Ich sehe nicht, dass Lotzen auf rechts nicht Gefahr beschwören könnte. Sie hatte durchaus (gegen Kanada und Japan) gefährliche Aktionen und hat Maier zweimal das 1:0 aufgelegt.
    Das Zusammenspiel zwischen den beiden funktioniert zumindest sehr gut.

    Man wird gerade gegen diese beiden Mannschaften auf allen offensiv relevanten Positionen (also alle außer Innenverteidigung) technisch versierte, schnelle Spielerinnen haben, um die Abwehr ins Schleudern zu bringen. Und da sehe ich Bajramaj, Lotzen, Mittag, Leupolz doch zur Zeit noch deutlich vor Wensing!

    Man sollte bei ihrer Personalie immer bedenken: Sie sagt zwar, dass sie sich noch fit fühlt, doch spätestens nach dem Kanada-Spiel weiß man, dass bei ihr immer wieder kleinere Konzentrationslücken auftreten können, die sich in so einer Situation fatal auswirken können. Deswegen – solange wir sie nicht unbedingt brauchen, sollten wir sie nicht unnötig in eine Situation bringen, für die sie mit 50 Spielen in den Beinen nicht mehr die nötigen Körner hat!

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  • Detlef sagt:

    Man muß erst mal abwarten, wie sich Meier und CRAMER gegen starke Mannschaften behaupten können, und damit meine ich nicht nur mal ein Spiel, sondern auch noch im Halbfinale oder im Finale, in der 105. Minute der Verlängerung!!!

    Gegen Kanada und Japan hatten beide ja nicht so viel zu tun, da deren Angriffsspiel meistens über Sinclair und OGIMI durch die Mitte kam!!!
    Ähnliches ist zB auch von Schweden zu erwarten, obwohl auch sie (mit Seeger und TONI) über die Flügel spielen können!!!
    Frankreich spielt zum größten Teil über außen, da werden sie am meisten Arbeit bekommen!!!
    Ich glaube JENNY hatte im Japanspiel gerade mal einen Fehler gemacht, den KESSI aber sofort ausgebügelte!!!
    Aber deswegen sehe ich JENNY nicht gleich als Wackelkandidatin!!!

    Für mich sind beide (Meier und CRAMER) sowieso viel offensiver ausgerichtet, und da wäre eine erfahrene Abwehrspielerin wie Lulle rechts dahinter einfach sicherer!!!

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  • Altwolf sagt:

    @Sheldon.Natürlich muß L.Wensing fit sein,jedoch können das nur die Trainingseindrücke der letzten Tage zeigen und sollte auch eine Alternative auf der rechten Seite sein zu den bisherigen Varianten.Was die Konzentrationslücken betriffrt, habe ich diese auch schon bei Spielerinnen bemerkt, die deutlich weniger als 50 Spiele gemacht haben.Auch wenn du zu Recht anmerkst,daß es in den Teams von Frankreich und wohl auch von Schweden kopfballstarke Defensiv-Spielerinnen gibt, so muß ja nicht jede Flanke hoch in den 16er kommen und auch bei hohen Flanken ist immer noch das Stellungsspiel von Bedeutung und so ist es auch möglich, selbst vor größeren Spielerinnen, früher mit dem Kopf an den Ball zu gelangen, wenn man sich auf diesen zubewegt.
    Die Idee L.Wensing als Alternative zu Bajramaj,Lotzen,Leupolz u.Mittag zu sehen hatte ich eigentlich nicht, sondern, daß L.Meier vor L.Wensing im re.MF spielt.So denke ich hat es auch wally gesehen.

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  • Sheldon sagt:

    @Altwolf: De Facto würde aber Wensing für Bajramaj, Lotzen, Leupolz und Mittag ins Spiel kommen.

    Habe mir übrigens mittlerweile schon mal die ersten 30 Minuten des Spiels gegen Japan angeschaut. Und ganz ehrlich: Wäre Maier dahinten in der Abwehr nicht gewesen, hätte es mit Sicherheit das 1:0 für Japan gegeben. Sowohl Wensing als auch Bartusiak waren vollkommen unkonzentriert.

    So gehört zumindest Wensing nicht in die 1. Elf!

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  • Altwolf sagt:

    @Sheldon.Ich sehe L.Wensing,wie auch im Verein, als RAV und nicht wie in der N11 als IV und schon gar nicht auf der li.Seite;als rechte Außenverteidigerin hat sie schon die ganze Saison bewiesen,daß sie das auf höchstem Niveau kann und auch mit den Top-Stürmerinnen,wenn diese über Aussen kommen, zurecht kommt,wie auch offensiv unermüdlich die rechte Außenbahn beackert.
    Das kann L.Meier sicherlich auch,muß sie jedoch auch international noch über einen längeren Zeitraum bestätigen;es wäre also L.Meier,die statt ??, wer auch immer, sonst da vorn re.aussen spielen sollte.Denn ,von L.Bajramajmal abgesehen, haben wir keine echte Aussenstürmerin, von der Art wie Thomis o.Jakabfi.Deshalb glaube ich, daß L.Meier da vorn sehr viel mehr Betrieb machen würde, als die,die man da bisher gesehen hat.Außerdem käme ihre gute Schußtechnik mit dem linken Fuß dort gut zur Geltung.Ich kann aber auch damit leben,wenn L.Wensing nicht spielt.

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  • Tyrion sagt:

    ich stimme Altwolf zu: Lotzen ist auf der rechten Außenbahn eine Notlösung und eignet sich eher als Backup für Mbabi.
    Bajramaj fehlt nach ihrer Verletzung sowohl bei Athletik wie auch bei Wettkampfhärte noch vieles zu 100%.
    Vom Papier her wäre Linden noch die geeigneteste für die Außenbahn aus diesem Kader.
    Die beiden m.M.n geignetesten Kandidatinnen überhaupt für diesen Posten(Kerschowski und Blässe) sind ja zu Hause geblieben.
    Kein Wunder, dass sich hier Gedanken an Not-Not-Lösungen a la Wensing aufdrängen(wobei: Schmidt gibts ja auch noch).
    just my 2 cents

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