Sara Däbritz: Debüt vor Traumkulisse

Von am 30. Juni 2013 – 11.58 Uhr 5 Kommentare

Anfang 2012 wechselte ein 16-jähriges hoffnungsvolles Nachwuchstalent von der SpVgg Weiden zum SC Freiburg, nur 18 Monate später feierte Sara Däbritz vor mehr als 46 000 Zuschauern in der Münchener Allianz Arena ein rauschendes Debüt in der A-Nationalmannschaft.

„Vor zwei Jahren hätte ich nicht gedacht, dass ich mit 18 schon mein erstes Länderspiel bestreiten würde“, freute sich Däbritz nach dem 4:2-Erfolg gegen Weltmeister Japan gegenüber Womensoccer.

Große Ehre
„Das war eine große Ehre, vor solch einer Kulisse spielen zu dürfen, das war schon ein großartiges Erlebnis, ausgerechnet hier das erste A-Länderspiel zu haben“, strahlte Däbritz selbstbewusst in der Mixed Zone, dort wo sonst Spieler wie Franck Ribéry, Arjen Robben oder Manuel Neuer den Medienvertretern Rede und Antwort stehen.

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Überraschende EM-Teilnahme
Die 18-Jährige bot bei ihrem 12-minütigen Kurzdebüt eine ansprechende Vorstellung und fügte sich nahtlos in das Team ein. Dabei hatte Däbritz, die wegen schulischer Verpflichtungen noch den ersten EM-Lehrgang verpasste, gar nicht mit einer Nominierung für die Frauenfußball-EM in Schweden (10. bis 28. Juli) gerechnet. „Mich hat völlig überrascht, dass ich nachnominiert wurde und zur EM fahren darf. Aber das ist natürlich super und ich freue mich wahnsinnig darüber.“ Hinweise für ihre Nominierung sah sie selbst bis vor kurzem keine.

Sara Däbritz

Sara Däbritz (re.) freut sich mit Simone Laudehr über den Sieg gegen Japan
© Zetbo / Framba-Fotos.de

Hoffen auf Einsatzzeit in Schweden
„Ich habe einfach alles auf mich zukommen lassen. Es war offen und im letzten Vorbereitungslehrgang wurde das entschieden.“ Und so hofft sie, dass sie auch in Schweden die eine oder andere Spielminute ergattern kann. „Ich hoffe natürlich auf Einsätze, jeder Fußballer will zumindest ein paar Minuten spielen. Aber ich werde versuchen, vieles von den erfahrenen Spielerinnen mitzunehmen.“

Beidfüßigkeit als Vorteil
Dabei dürfte Bundestrainerin Silvia Neid besonders gut gefallen, dass Däbritz genauso wie Shootingstar Leonie Maier mit beiden Füßen auf dem Spielfeld etwas anzufangen weiß. „Mir wurde schon immer eingebläut, auch den rechten Fuß richtig zu trainieren“, so Däbritz. „Der linke ist zwar immer noch mein starker Fuß, aber ich kann inzwischen auch mit rechts schießen.“ Eine Qualität, die Däbritz zugute kommt. Neid meint: „Das ist die Zukunft des Frauenfußballs, das hat uns Japan gezeigt, sie sind alle beidfüßig.“

Zu Höherem berufen
Bevor Däbritz als 16-Jährige zum SC Freiburg stieß, spielte die offensive Mittelfeldspielerin als einziges Mädchen für die B2-Junioren in der Bezirksoberliga. Und schon früh wurde klar, dass die dynamische, torgefährlich und laufstarke Spielerin mit dem starken linken Fuß einmal zu Höherem berufen sein könnte.

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Lieber Freiburg als München
Umso erstaunlicher war es, dass die gebürtige Ambergerin anders als andere bayerische Talente wie etwa Lena Lotzen oder Ivana Rudelic nicht beim FC Bayern München landete. „Ich habe damals einfach ein Probetraining in Freiburg gemacht, die Verbindung von Schule, Wohnen und Sport hat mir super gefallen, deswegen habe ich mich für Freiburg entschieden.“

Sara Däbritz

Sara Däbritz feierte gegen Japan ihr Debüt in der Nationalelf
© Zetbo / Framba-Fotos.de

Keine Scheu vor Verantwortung
Dass Däbritz keine Scheu hat, Verantwortung zu übernehmen, zeigte sie auch im vergangenen Jahr, als sie mit zwei wichtigen Treffern gegen einen starken Gegner Spanien als Kapitänin die U17-Nationalelf zur EM nach Nyon schoss und dort mit den DFB-Juniorinnen später gegen Frankreich den Titel holte.

Freude bei Freiburger Verantwortlichen
Als Däbritz gestern Abend in der Allianz Arena in der 78. Minute für Nadine Keßler eingewechselt wurde, war auch Birgit Bauer, Abteilungsleiterin für Frauen- und Mädchenfußball beim SC Freiburg, live im Stadion dabei. „Ich bin wahnsinnig stolz, dass nach Melanie [Leupolz] jetzt auch Sara ihren ersten Länderspieleinsatz hatte.“

Freiburger Erfolgstrio
Doch neben Däbritz und Leupolz fährt eine dritte Spielerin des SC Freiburg mit zur EM nach Schweden. Denn im Tor wurden neben Nadine Angerer und Almuth Schult auch Freiburgs Torhüterin Laura Benkarth nominiert. Und wie bei Däbritz und Leupolz dürfte auch das Länderspieldebüt von Benkarth nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

5 Kommentare »

  • intersoccer sagt:

    tolle Entwicklung, habe mich regelrecht bei der Einwechslung mitgefreut!

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  • Jan sagt:

    Mehr noch als Beidfüßigkeit dürfte vor allem die Verjüngung der Mannschaft DIE Lehre aus der WM 2011 gewesen sein, welche Frau Neid nun mit Nachdruck beherzigt; gewiss begünstigt durch allerlei personelle Umstände. Deshalb hielt u. halte sicher nicht nur ich es meist für sinnvoller, eine Kapazität zu halten, die aus Fehlern lernt – sei es in Wirtschaft, Politik, Sport o.a. – statt sie durch jemand Neuen zu ersetzen, der dann evtl. erneut die selben Fehler beginge. (So sind wohl nicht selten etliche bedeutende Unternehmensgründer anfangs mit ihrer 1. Firma gescheitert, oder?)

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  • FFFan sagt:

    Sensationelles Debut der jungen Sara Däbritz! Nach ihrer Einwechslung war sie sofort ‚im Spiel‘, zeigte trotz der ungewohnt großen Kulisse keinerlei Anzeichen von ‚Lampenfieber‘, sondern glänzte mit guten Aktionen. Besonders auffällig ihre tolle Ballbehandlung und gute Übersicht, u.a. leitete sie mehrere Angriffe ein und legte Celia eine Torchance auf.

    Nachdem ich diese 12 Minuten gesehen habe, verstehe ich, dass Silvia Neid sich für sie (und nicht für Isabel Kerschowski) entschieden hat.

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  • engel sagt:

    Lasst mal die Kirche im Dorf….
    sensationelles Debüt… dass kann man nach 12 Minuten Einsatzzeit nun wirklich nicht bestätigen.
    Sara hat sich gut eingefunden und keine grossen Fehler gemacht, das ist absolut richtig. Mehr aber auch nicht!
    Tut dem Mädel den Gefallen und lasst ihr ein wenig Zeit um sich in der N11 zurecht zu finden sonst ist der Fall nach hochgejubelten Kurzeinsätzen unter Umständen zu tief!

    Denkt an die U 17 EM als sie den entscheidenden Elfmeter nicht verwerten konnte oder an die WM, wo sie auch nur eine durchschnittliche Leistung bot weil der Druck wahrscheinlich zu hoch war.

    Beidfüssig sind alle Mittelfeldspieler des Jahrgangs 94/95 und sehr gut ausgebildet in Doppel 6 System des DFB.
    Da sind noch mehrere sehr gute Spielerinnen in der Warteschleife,z.B.: Magull, Streng,etc..
    Da kann Frau Neid aus dem vollen schöpfen.

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  • Jennifer sagt:

    @Engel: Für eine so junge Spielerin ist es völlig egal, ob sie 12 Minuten spielt oder eine ganze Halbzeit. Sie war dabei! Das zählt. Sie wird diesen Moment nicht mehr vergessen.

    Die Spielerin wird nicht hochgejubelt sondern ihre Leistung wird dankbar anerkannt. Das ist schon ein Erfolg für so eine junge Spielerin. Mir ist unklar, warum du jetzt Dinge aufzählst, die vorher vielleicht schief gelaufen sind. Sara Däbritz macht eine wunderbare Entwicklung. Sie wird auch in Zukunft noch Dinge machen, die schieflaufen. Na und? Deswegen lernt sie und wird entsprechend gefördert, damit sie weiter wachsen und Fehler abgestellt werden können.

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